Charles Bukowski: Die letzte Generation

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Charles Bukowski: Die letzte Generation

Bukowski-Die letzte Generation

GOODBYE

Goodbye Hemingway goodbye Céline (ihr seid am
gleichen Tag gestorben) goodbye Saroyan goodbye
guter alter Henry Miller goodbye Tennessee
Williams goodbye ihr toten Hunde der Freeways
goodbye all die Liebe die nie klappte goodbye
Ezra es ist immer traurig wenn Menschen etwas
geben und uns genommen werden ich nehme es hin
ich finde mich ab ihr könnt mein Auto haben und
mein Feuerzeug meinen silbernen Trinkbecher und
das Dach das mich die meiste Zeit trocken hielt
goodbye Hemingway goodbye Céline goodbye
Saroyan goodbye alter Henry Miller goodbye Camus
goodbye Gorki goodbye Hochseilartist zu Tode
gestürzt vor teilnahmslosen Gesichtern die
hochschauen dann runter dann weg
sei wütend auf die Sonne, sagte Jeffers, goodbye
Jeffers ich kann nur denken, daß der Tod von Guten
wie Schlechten gleich traurig ist goodbye D.H.
Lawrence ein Goodbye dem Fuchs in meinen Träumen
und dem Telefon
es war schwerer als ich dachte
goodbye Two Ton Tony goodbye Fliegerzirkus
ihr habt genug gegeben goodbye Tennessee du
schwuler Alkoholiker und Tablettenschlucker
ich trinke heute abend eine extra Flasche Wein
für dich.

 

 

 

Das Buch

Der Verdacht, daß Charles Bukowski nicht bloß ein versoffenes Originalgenie ist, das irgendwo in einer Bruchbude hinter dem Bahndamm seine scharfen Gedichte, Romane und Kurzgeschichten raushämmert, ist einigen Kritikern schon vor Jahren gekommen. Jetzt haben wir’s schwarz auf weiß: „Ich lese gern von ihnen: Joyce, der kaum noch was sah… D.H., geil und mißmutig… Doch für mich drehen sich die zwanziger Jahre vor allem um Hemingway, der aus dem Krieg kam und anfing zu schreiben. Es war alles so einfach, so herrlich klar.“ Bukowski ein poeta doctus? Könnte schon sein. Jedenfalls ist er teuflisch belesen, und deshalb ist es vielleicht gar kein Zufall, daß ihn so viele Leute so mögen. Auch wenn sie dachten, er hämmert seine Sachen bloß einfach so raus, in einer Bude hinter dem Bahndamm. Auch wenn seine Fans „von früher“ heute manchmal ein bißchen verlegen lächeln und denken, sie wären zu alt geworden für ihn.

Deutscher Taschenbuch Verlag, Klappentext, 1991

 

Vom „Rheinländer“ Charles Bukowski

– Aus Anlaß seines Gedichtbandes Die letzte Generation. –

Der Seite „Literaturkritik“ dieser Zeitschrift ist von Anfang an, aus wohlerwogenen Gründen, eine Auflage gemacht worden: Vorgestellt werden nur Werke von Autoren, die im Rheinland geboren und/oder dort ansässig sind oder deren Schaffen, auch ohne diese Prämissen, eine enge Beziehung zum Rheinland erkennen läßt. Damit war ein Rahmen gesetzt, der bisweilen vom Kritiker wie auch vielleicht von manchem Leser seiner Sparte als einschränkend empfunden wurde: als eine Art Verbotstafel für den natürlichen literarischen Abenteuerdrang, der einen über die Regional- und Nationalgrenzen hinaus nach der gesamten deutschen Literatur und schließlich der Weltliteratur streben läßt.
Gleichwohl – jene „Satzung“ hat die Auswahl der Autoren wiederum auch erleichtert, gerade indem sie deren Zahl von vornherein rigoros eingrenzte. Sie erlaubte überdies, infolge des „Formalismus“ ihrer Bestimmungen, stets auch einige Freiheiten, manchmal sogar regelrechte Ausschweifungen. Eine solche Ausschweifung stellt es dar, wenn im folgenden das Werk Charles Bukowskis, der – man denke – 1920 in Andernach geboren wurde (und der seit 1922 in Los Angeles lebt), in kurzen Zügen charakterisiert wird. Bukowski wegen des Zufalls seiner rheinischen Geburt in irgendeinem emphatischen Sinne als Rheinländer vereinnahmen zu wollen, wäre wahrhaft verwegen. Auch ein fanatischer Vertreter der antiquierten stammesgeschichtlichen Literaturgeschichtsschreibung, selbst wenn er über das spekulative Riechorgan eines Josef Nadler verfügte, würde wohl bei dem Bemühen, an Bukowskis Literaturwerken das „Rheinische“ zu entdecken, schnöden Schiffbruch erleiden müssen. Um so mehr, als der Name dieses Autors ja verdächtig polnisch klingt, so daß man zusätzlich auch noch Mutmaßungen anzustellen hätte, wie sich das „heitere“ rheinische Temperament ausnähme, wenn es sich mit dem „heißblütigen“ polnischen mischte und ob das alles wiederum auf Bukowski passen würde.
Stellen wir also fest, was einigermaßen unbezweifelbar festgestellt werden kann: daß Bukowski sich zu einem typischen, d.i. untypischen amerikanischen Schriftsteller entwickelt hat (die meisten typischen amerikanischen Schriftsteller sind untypische amerikanische Schriftsteller), und daß er, nach einem buntscheckigen, „wilden“ Lebenslauf (ein solcher wiederum ist sehr amerikanisch), als Underground-Autor par excellence rasch „nach oben“ gekommen ist (Dergleichen Oben-Unten-Affinitäten, ein neueres Phänomen, das literatursoziologisch schon einige Konfusion angerichtet hat, ist so typisch amerikanisch, daß man es inzwischen überall in der Welt konstatieren kann, z.B. auch in der Kölner Literatur: siehe Böll und Brinkmann). Jedenfalls Bukowski ist ein typisch amerikanischer extremer Außenseiter, und als Außenseiter hat er überall viele Gleichgesinnte – mit dem Erfolg, daß er neuerdings die Aufmerksamkeit eines größeren internationalen Publikums erregen konnte. Das mag auch damit zusammenhängen, daß er, insofern bescheiden, das durch die amerikanische Verfassung verbriefte Recht auf „pursuit of happiness“ vorzugsweise eher in Form der Travestie wahrnimmt: Sex, mit wechselnden Partnerinnen (Women 1978) und Alkohol in großen Mengen (insbesondere Bier; also doch ein deutscher Zug an Bukowski!) sind die Lieblingsmittel, mit deren Hilfe sich dieser ebenso tiefmelancholische wie genußsüchtige Autor hauptsächlich seine Glücksmomente verschafft. Ganz wohl ist ihm aber nie bei der Sache, was ihm wiederum das Mitgefühl seiner Leser sichert, denen es ebenso geht. Bukowski stellt der Einfachheit halber seine Literatur konsequent aus dem Stoff seines Lebens her. Zumindest erweckt er den Eindruck, die beiden notorisch unvergleichlichen Größen: Literatur und Leben, verbänden sich bei ihm zu problemloser Einheit.
Das Leben, das Bukowski führt oder zu führen scheint ist ein Leben ganz unten, das freilich durch die Wohltaten der amerikanischen Überflußgesellschaft glücklicherweise immer noch gerade daran gehindert wird, ins totale materielle Elend abzustürzen. Los Angeles ist eben nicht Rio de Janeiro. Also ein gewisser Komfort, gewisse Möglichkeiten sind da, selbst für einen literarischen underdog, immer noch vorhanden. Ja, der Autor scheint, bei aller Gebrochenheit seiner Perspektive, ein irgendwie glorreiches, wunderbar hartgesottenes und beneidenswert ungebundenes Männerleben zu führen.
Gerade deshalb greifen manche Ehemänner, die abends, von ihren Chefs geknickt, müde zu ihren schlechtgelaunten Ehehälften zurückkehren, gern zu Bukowskis Romanen und Erzählungen, um sich seelisch wieder aufzurichten An den realistisch kaschierten Angebereien dieser superviril sich gebärdenden Kraftnatur, der meist ein Kasten Bier und ein Beischlaf genügen, ihren Weltschmerz hinunterzuspülen, kann man sich in der Tat ergötzen.
Weiß man aber, daß es auch einen anderen Bukowski gibt? Es gibt ihn. Dieser Autor zeigt, zumal in einigen Erzählungen und einer nicht geringen Anzahl von Gedichten, daß er über starken Ausdruck und eine anarchisch kühne Phantasie verfügt – wie u.a. die soeben im Deutschen erschienenen Gedichte 1981–1984 aufs neue beweisen.
Bukowski gehört zu jenen nicht seltenen modernen Autoren, die auf die „Kunst“ spucken und die dennoch mit einer Art grandioser Verachtung faszinierende Werke zu schaffen vermögen. Aus der gleichen Haltung heraus bringen sie es allerdings auch fertig, wie im vorliegenden Fall, serienweise pseudo-realistische Trivialliteratur gegen den Strich zu verfassen, um ein paar tausend Dollar an Land zu ziehen. Mag sein, daß es Bukowski egal ist wenn man ihn mit ihm selbst verwechselt. Übrigens sollte, wenn überhaupt, der eine wie der andere Bukowski am besten im farbigen amerikanischen Universalslang genossen werden, was nicht heißen soll, Carl Weissners Übersetzungen ins Deutsche seien nicht vorzüglich. Sie sind es, meistens jedenfalls.

Franz Norbert Mennemeier, 1988, aus Franz Norbert Mennemeier: Spiegelungen. Literaturkritik 1998–1958. 40 Jahre Neues Rheinland. Rhein・Eifel・Mosel-Verlag, 1998

 

Einer dieser finsteren harten Burschen: Charles Bukowski

All die Jahre, die ich in Schlachthöfen, Fabriken, Tankstellen usw. gearbeitet habe, all diese Jahre machen es mir unmöglich, ein wohlgesetztes Wort um seiner selbst willen zu akzeptieren. Für mich muß da mehr drin sein. Andernfalls bin ich bloß ein weiterer Selbstmord in einem billigen Zimmer oder in der Gosse oder im Meer oder in der Gaswolke.

Charles Bukowski

1
Ich sitze an meinem Schreibtisch mit frischgeputzten Zähnen, mit sauberem Hemd, ohne Flöhe (hoffentlich), ohne Bierdosen, und will über Charles Bukowski schreiben.
Einige haben das schon getan. Henry Miller zum Beispiel hat zwei barocke Sätze gemeißelt, wie sie Golo Mann nicht barocker hätte meißeln können, und wie es sich für einen Klassiker gehört:

Jede Zeile von Bukowski ist infiziert vom Terror des amerikanischen Albtraums. Er artikuliert die Ängste und Agonien einer nach Hunderttausenden zählenden Minorität im Niemannsland zwischen brutaler Entmenschlichung und ohnmächtiger Verzweiflung.

Andere spielen die gleiche Melodie: „Mischung aus Tramp und verkommenem Genie.“ „King of the Hard-Mouth-Poets.“ – „Der männlichste Hemingway liest sich danach wie Gesabber einer Tunte.“
Bukowski liebt diese Töne nicht:

Was ich nicht brauche, sind diese blödsinnigen Arschlöcher, die mir dieses Scheiß-Image, dieses Humphrey-Bogart-Image anhängen wollen, oder mich als einen wildgewordenen Hemingway feiern oder als den Slum-Gott aus den Kloaken von Los Angeles oder was weiß ich…

Was ich weiß: Wer schreibt wie Bukowski, gefährdet Eltern, Kinder, Haustiere und muß gezähmt werden, also: bezeichnet, eingeordnet, verpackt. Dafür haben wir unsere Etikettenspezialisten. Denen entkommt niemand.

2
Bukowski hat 35 Jahre gelebt, bevor er mit dem Schreiben begann. Er hat zweimal versucht, sich umzubringen. Davor und danach hat er als Leichenwäscher, Werbetexter für ein Bordell, Müllkutscher, Zuhälter, Schlachtergehilfe und Postbote gearbeitet. Er hat den Kriegsdienst verweigert. Als Jugendlicher saß er im Gefängnis und als Erwachsener in der Irrenanstalt. Er sieht aus wie ein Pestkranker, den eine Stierherde überrannt hat. Alles weitere steht in seinen Büchern: In Amerika sind zwanzig Gedichtbände, ein Roman und zwei Bände Short Stories veröffentlicht. Deutsch übersetzt wurden bisher die Aufzeichnungen eines Außenseiters (1970 im Melzer Verlag, 1973 als Fischer Taschenbuch), der Roman Der Mann mit der Ledertasche und eine Gedichtauswahl im Maro-Verlag (Gedichte die einer schrieb bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang). Verschiedene Todes-, Sauf- und Bumsballaden erschienen in Anthologien (Silver Screen, Nervöse Blätter) und in Zeitschriften der Alternativpresse.
Der Mann mit der Ledertasche“ ist ein schwacher Aufguß der Aufzeichnungen, den man sich sparen kann. Die Aufzeichnungen eines Außenseiters und die Gedichte hingegen liest du mit roten Ohren und ohne Unterbrechung: so hat mir vor fünf Jahren ein Melzer-Angestellter Bukowski empfohlen, als Geheimtip. Die Deutschen hatten ihn noch nicht entdeckt, obwohl seine Wiege 1920 in Andernach stand und obwohl er noch immer mit seinem Geburtsland, das er im Alter von zwei Jahren verließ, verbunden ist, was ein Zuruf während einer Party beweist, der Henry Miller galt: „Henry, wir Deutschen sind doch weiß Gott die größten Arschlöcher auf der Welt!“

3
Carl Weissner, der deutsche Übersetzer, berichtet in einem Vorwort zu den Maro-Gedichten, wie er Bukowski in Los Angeles besuchte:

Ich blieb stehen und sah mich um. Die Jalousien waren runtergezogen, es roch nach Zigarettenkippen, ranzigen Socken und alten Bierflecken auf dem Teppich. Eine zerfledderte Couch, aus der die Kapokfüllung quoll. Ein Satz Autoreifen in einer Ecke. Regale voller Bücher, Kisten voller Bücher, Zeitungen, Illustrierten.

Ich hab’ mir vorgestellt, wie Bukowski da sitzt („Wenn ich sage, daß ich mich jeden Tag an diese Schreibmaschine dort am Fenster klammere wie an ein rostiges Maschinengewehr, nachdem mich der Feind schon rechts und links überrollt hat, dann ist das keine lyrische Floskel“) und im Hintergrund eine Lou-Reed- oder Zappa-Platte eiert oder doch wenigstens eine von den Stones, aber als ich das 8. Stockwerk-Inhaltsverzeichnis lese, werde ich stutzig; dort sind zwei Gedichte überschrieben „Eine Nacht mit Mozart“ und „Als Hugo Wolf die Motten kriegte“; und nach der Lektüre der 84 Seiten besteht kein Zweifel: Bukowski ist ein Sinfonie-Freak, ein Freund der alten Meister und wo und wann und wie sie in seinen Texten auftauchen, das ist lesenswert, da lohnt der Griff in die Zitatkiste:

… während ich DONIZETTI höre
der 1797 gestorben ist
und es ist nichts zu rauchen da
aber genug zu trinken
und ich habe die Bettwäsche abgezogen
die brand-
rote
Flecken hat
und es dämmert mir
mal wieder
daß ich
sterben muß.

Ich war ziemlich benebelt
und hielt den Kopf abgewandt
damit meine Alkoholfahne
nicht so stark auffiel,
und ich nahm den Strafzettel
in Empfang, und zuhause
erwischte ich eine gute Symphonie
im Radio, von so einem RUSSEN
oder DEUTSCHEN, von einem dieser
finsteren harten Burschen.

Und in
der Nacht zeigte sie mir im Bett alle Tricks die sie drauf-
hatte, und später regnete es und wir hörten uns CARMEN an
und tranken und lachten die ganze Nacht

Und als ich draußen den Wagen wendete
dachte ich, da hockt sie jetzt bei Harry auf dem Schoß,
sie haben die 5. Symphonie von SCHOSTAKOWITSCH
aufgelegt, und ich bin aus dem Schneider.

HUGO WOLF kriegte die Motten als er gerade eine Zwiebel
aß und sein 253. Lied komponierte; es war ein verregneter
Tag im April und die kamen aus der Erde und
summten Tannhäuser und er drehte durch;
er fegte das Tintenfaß vom Tisch, sein Blut hämmerte an die
Schläfen, und er heulte und brüllte und schrie, und die
Hausverwalterin unten im Erdgeschoß dachte
Ich habs doch schon immer gewußt daß dieses Arschloch
nicht mehr alle Tassen im Schrank hat!

Ich erinnere mich an einen Abend in einem beliebten Frankfurter Speiselokal. Ein Schriftsteller saß mir gegenüber, den Feuilletonisten damals in der Schublade „Talentierte komische Vögel“ sortiert hatten (heute ist er vergessen) Wir unterhielten uns, richtiger: er hielt einen besoffenen, kaputten Monolog, manchmal standen ihm Tränen in den Augen, manchmal kicherte er; wenn er von seiner Arbeit und seinen Plänen erzählte, schien er stocknüchtern. Plötzlich, es war bald Mitternacht, begann er, Beethoven zu summen, zu pfeifen und zu trommeln, er wurde immer lauter, brüllte schließlich, aber astrein den Takt haltend. Wir wurden hinausgeworfen.
Bukowski und Beethoven. Bukowski und Bach. Bukowski und Brahms. Das muß etwas zu bedeuten haben.

4
High Noon: Die Straßen von 8906 Gersthofen sind leergefegt, alle Türen verriegelt, die Läden heruntergelassen, der Pfarrer hat den Altar abgeräumt, der Bürgermeister ist ins nahe Augsburg geflüchtet – Charles Bukowski geht langsam eine Hauptstraße entlang, man hört nur die Bierdosen an seiner Hüfte scheppern; er verläßt die Hauptstraße und stakt durch die Millöcker-, durch die Haydn- und durch die Von-Flotow-Straße, biegt schließlich in die Brahmsstraße und am Haus Nr. 35 klopft seine schwere Rechte dumpf gegen die Tür seines deutschen Gedichte-Verlegers, Benno Käsmayr. Eine schöne Vision. Bukowski war noch nie in Bayern. Aber Käsmayr ist in Gersthofen geboren.
Daß Bukowski in Deutschland vom Geheimtip zum Geschenktip avancierte (zumindest beim Publikum der sogenannten Szene), verdankt er Käsmayr und dessen Maro-Verlag. Daß Käsmayr Bukowski drucken konnte, verdankt er der Pfiffigkeit Carl Weissners und der Feigheit des Verlags Kiepenheuer & Witsch, der die deutschen Rechte an sämtlichen Bukowski-Gedichten besaß, fast 600 überließ und danach zu der Einsicht kam: „Für deutsche Lyrik-Käufer unzumutbar.“
Carl Weissner, ausgezeichneter Kenner der amerikanischen Subkultur, hielt die Ohren steif und griff zu, als die Rechte an den Originalverlag zurückfielen. Bukowski an Weissner:

Aber wirklich, daß du die Stories ins Deutsche übersetzen willst, ist eine große Ehre für mich, ganz ehrlich, mir läufts kalt den Buckel runter, wenn ich dran denke, daß ich auf die Tour wieder im Vaterland angekrochen komme – in meiner ersten Sprache, die ich nie gekannt habe –, aber du hast ein gutes Mundwerk, Carl, du wirst für mich sprechen…

Bukowski an Käsmayr, nachdem er aus Gersthofen einen Scheck bekommen hat:

I like you… You’re probably the only honest publisher in Germany.

5
Zur diesjährigen Buchmesse hat Benno Käsmayr einen Prospekt gedruckt, in dem er für das kommende Frühjahr einen neuen Bukowski ankündigt (Kaputt in Hollywood, Kurzgeschichten) und etwas vom Inhalt verrät: Bukowski als Trauzeuge bei einer Hippie-Hochzeit, die von einem aus Japan importierten Zen-Priester zelebriert wird… Buk fordert den Priester zum Karate-Zweikampf heraus… Bukowski auf einer psychiatrischen Farm für neurotische Zootiere: besoffene Orang-Utans im Schlafzimmer, Tiger mit Durchfall auf dem Klo, epileptische Nilpferde im Swimmingpool, nackte Tierpsychologin im Heu, und Hundekuchen in der Suppe… kurz: Wahnsinn.

6
Ich stehe am Samstagmorgen im Krämerladen und beobachte die Frau hinter der Kasse und die Omodosen und draußen die Sonne; ich denke: Bukowski in Ober-Ramstadt, Castrop-Rauxel oder Schwäbisch-Gmünd zu lesen, ist eigentlich ziemlich obszön. Andererseits kann man nicht immer mit 2,5 Promille zu seinen Büchern greifen, weil er sie mit 3 Promille geschrieben hat. Und daß er sehr weit gegangen ist auf einem Weg, in den viele von uns mal einen Blick riskieren, Schritte tun und wieder zurückweichen, und daß er die Erfahrungen eines Trips in die Schreibmaschine hämmert, ist vielleicht auch für Leute in Ober-Ramstadt, Castrop-Rauxel oder Schwäbisch-Gmünd von Bedeutung. Sicher für mehr Leute, als ich ahne. Nur: die lesen meist keine Bücher. Die haben überhaupt keine Chance, Bukowski kennenzulernen. Höchste Zeit, daß seine Texte Schul-Lektüre werden.

Die schlauen adretten Literaturpinsel konsumieren alles 
selbst Charles Bukowski schlecken sie wie Schokoladenpudding

Hugo Ernst Käufer, die horen, Heft 103, 3. Quartal 1976

 

„Ich habe ihn nie betrunken erlebt“Jonathan Smith im Interview mit Charles Bukowskis Verleger John Martin

Felix Stephan: Er war der Dschungelkönig der Achtziger

Benno Käsmayr: „Wir haben abertausende Exemplare verkauft“

 

Fakten und Vermutungen zum Übersetzer + Archiv
Interview 1 + 2 + 3
Nachrufe auf Carl Weissner: taz ✝ Wiener Zeitung ✝ Börsenblatt ✝
CULTurMAG ✝ Zweitausendeins ✝ der Standart ✝ OE1 ✝
RealityStudio ✝ Jetztmusikfestival ✝ WOZ ✝ Stadtbekannt ✝
Tagesspiegel ✝ VdÜ ✝ Übersetzen

 

Carl Weissner liest Bukowski beim Jetztmusikfestival Mannheim am 22.3.2010.

 

Zum 70. Geburtstag des Autors:

 

„I’m still here“. Bukowski ist siebzig. Ein Video von Thomas Schmitt.

Zum 20. Todestag des Autors:

Thomas Andre: Als der Gossenpoet nach Hamburg kam
Hamburger Abendblatt, 8.3.2014

 

Charles Bukowski: Porträt zum 20. Todestag

Zum 100. Geburtstag des Autors:

Frank Schäfer: Bukowski 100 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6 + 7 + 8
junge Welt

Schreiben als Selbstbehauptung: 100 Jahre Bukowski mit Frank Schäfer, Sarah Käsmayr und Peter Merg
Lesung und Buchvorstellung am 15.10.2020 im Ladenlokal der jungen Welt

Sascha Seiler: Vorbemerkung zum Themenschwerpunkt der August-Ausgabe
literaturkritik.de, August 2020

Frank Schäfer: Das Geklapper
literaturkritik.de, August 2020

Frank Schäfer: Der arme Mann aus L. A.
nd, 15.8.2020

Rafael Arto-Haumacher: FBI #140-35907 – Die Akte Charles Bukowski
literaturkritik.de, August 2020

Manfred Orlick: Ein Außenseiter und Chronist des gescheiterten American Dream
literaturkritik.de, August 2020

Christian Gaier: Dichter der Randexistenzen: Charles Bukowski zum 100. Geburtstag
Die Rheinpfalz, 12.8.2020

Benno Käsmayr: Bukowski und ich
Süddeutsche Zeitung, 13.8.2020

Almut Tina Schmidt: Nennen Sie das Literatur?
Die Presse, 13.8.2020

Florian Bissig: Skandalautor Charles Bukowski: Dieses Jahr wäre er Hundert Jahre geworden – und wäre verhasster denn je
Tagblatt, 14.8.2020

Thomas Hartmann: Charles Bukowski: Vom Tankwart zum Kult-Autor
mdr Kultur, 16.8.2020

Sven Ahnert: Mehr als Sex und Suff
SRF, 15.8.2020

Almut Finck: „Ich schreibe, geh zu Pferderennen, und ich trinke“
Deutschlandfunk, 16.8.2020

Airen: Dicht, Dichter, Bukowski
Der Spiegel, 16.8.2020

Paul Ingendaay: „Bedienen Sie sich aus diesem Schrott“
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.8.2020

Markus Mayer: 100 Jahre Charles Bukowski: Der Dirty Old Man der Literatur
BR24, 16.8.2020

Alexander Kluy: Mythen, Dreck und Schlacke – 100 Jahre Charles Bukowski
Wiener Zeitung, 16.8.2020

Ralph Grosse-Bley: Hitler, Huren und die „Fuck Machine“
Bild, 16.8.2020

Alexander Wasner: Charles Bukowski – Der etwas andere Andernacher

 

 

Fakten und Vermutungen zum Autor + KLfG

 

Charles Bukowski – Born into this.

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