4. Juli

Noch mehr Wetterkapriolen, zur Zeit ist Neumond, heute zehn Wärmegrade weniger als gestern; lustlose Arbeit an meiner Kritik der Literaturkritik für die ›Manuskripte‹; letzte Korrekturen an der Anthologie, letzte Durchsicht des Romans und Zuordnung der Bilder. Und jetzt doch der positive Bericht von Krys – neue Stelle gefunden, über Nacht alles in Ordnung, große Erleichterung, spürbarer Elan. Meinerseits – unproduktives Werkeln, Ungewissheit über meinen Gesundheitszustand und zunehmender Ärger über Ärzte, Verleger, Kritiker, Kuratoren usf., von denen ich pauschal erwarten würde, dass sie wissen … dass sie ihren Job souverän beherrschen und sich dennoch in den Dienst der Sache stellen, die gleichermaßen mein Interesse und ihr Geschäft ist. Worüber … in wem täusche ich mich, wenn mir die jungen Kollegen, die meine Söhne sein könnten, als eine Generation von Vätern vorkommen, die mir einerseits weit voraus ist und die anderseits weit hinter mir zurücksteht; mit der ich jedenfalls nichts anzufangen weiß. – Was diese Aufzeichnungen von allem andern, was ich schreibend erledige, am meisten unterscheidet, ist die durchgehende Präsenz … ist der laufende Auftritt der ersten Person Einzahl. Seit Jahren gibt es kaum noch ein Gedicht von mir, in dem ein lyrisches Ich vorkommt, und auch als Kritiker, als Publizist, als Wissenschaftler vermeide ich es soweit wie möglich, mich in der Ichform zu artikulieren. Das multiple Ich meiner Erzähltexte ist durchweg ein fiktionales Konstrukt, auch dort … gerade dort, wo es sich als authentisch behauptet. Jenes Ich sagt dann einfach das, was ich als Autor es sagen lasse. Hier schreibe ich ausschließlich als die erste Person, als ein kompaktes und mehr oder minder autonomes Ich, das meinen zivilen Namen trägt. Hier bin ich also zu behaften, hier darf man zurückfragen, widersprechen, korrigieren, ergänzen, bezweifeln, abweisen, und nie werde ich dabei nicht gemeint sein. Dazu stehe ich. Doch was ich geschrieben habe, das habe ich nicht, und ich bin’s auch nicht. Wer wäre schon zu lesen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.