Ingolds Tagesblock 14

31 x 13 Zeilen über alles und noch viel mehr

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sind. Der literarische Autor, ob Grosschriftsteller, hermetischer Lyriker oder unbedarfter
Schreiberling, kann zum Beispiel, wie Alexandre Kojève einst in Bezug auf „das Buch“
generell ausgeführt hat, „jenen Hund unter diesen Tisch setzen, selbst wenn beide in diesem
Augenblick durch eine Entfernung von tausend Kilometern voneinander getrennt sind. Nun
ist aber diese dem [sprachlich verfassten] Denken eigene Macht, die Dinge zu scheiden und
wieder zu verbinden, tatsächlich ‚absolut‘, denn keine wirkliche verbindende oder
abstossende Kraft ist mächtig genug, um sich ihr zu widersetzen.“ − Auf solche Art, meint
Kojève, schaffe und gestalte der Autor als schöpferischer Mensch innerhalb der real
gegebenen („natürlichen“) Welt eine mögliche („kulturelle“) Welt, die ebenso singulär und
konsistent sei wie jene. Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich künstlerische Autorschaft
durchaus als eigenmächtiges Schöpfertum begreifen, dessen Hervorbringungen, möglich und
real zugleich, einen spezifischen, zutiefst paradoxalen Wirklichkeitsstatus haben. Mit dem
Sozialphilosophen Albert O. Hirschman könnte man in diesem Zusammenhang von einer

 
Felix Philipp Ingold, 23.11.2017

Ingolds Tagesblock bis zum 31.12.2017 nun in täglicher Fortsetzung.

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