Ingolds Tagesblock 27

31 x 13 Zeilen über alles und noch viel mehr

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souveräne Suchbewegung und, wiederum gleichzeitig, als technische und interpretative
Problemlösung behauptet. Die Besonderheit dieser Vortragsweise wird zusätzlich dadurch
hervorgehoben, dass die aufgenommenen Stücke durch ungewöhnlich lange Pausen
voneinander getrennt sind. Die populär sein wollende Werkauswahl gewinnt dadurch einen
gänzlich andern Charakter, sie entfaltet sich unter Tatjana Nikolajewas Händen zu einem
integralen Werk, das Bach so nicht komponiert hat, das aber die Interpretin, in seinem Sinn,
auf ihre unverwechselbare Weise stets von neuem so arrangiert. − Nicht erst seit der
zufälligen Entdeckung dieser Aufnahme lasse ich mich beim Gedichtschreiben von den
Bachschen Solowerken „begleiten“, am liebsten von den Cellosuiten, den
Goldbergvariationen. Diese Simultaneität von Hörerfahrnis und Schreibbewegung ist
vermutlich auch der Grund dafür, dass meine poetischen Texte in den vergangnen Jahren
immer länger geworden sind und dabei (hinsichtlich ihrer klanglichen, ihrer rhythmischen,
ihrer strophischen Struktur) auch an Komplexität zugenommen haben. − Das aus vierhundert

 

Felix Philipp Ingold, 23.11.2017

Ingolds Tagesblock bis zum 31.12.2017 nun in täglicher Fortsetzung.

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