Ingolds Tagesblock 30

31 x 13 Zeilen über alles und noch viel mehr

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davon erreicht. Zwar kann ich mich für die Themen und Thesen durchaus interessieren,
nichts aber anfangen damit. Seit Jahren, Jahrzehnten stehn die Werke bei mir im Regal,
einige hab ich ganz, andre auszugsweise gelesen, nichts davon ist geblieben, keinerlei
Erkenntnisgewinn, auch keine Irritation, bloss − pur − lange Weile mit (immer wieder)
desolatem Schlussakkord: So what! Dies in eklatantem Unterschied zu Texten − zum Beispiel
− von Artaud, Blanchot, Foucault, Derrida, die mich gleichermassen faszinieren, fordern,
befremden, manchmal auch abstossen, nie nicht bereichern. Doch woran, genau, liegt’s?
Was macht den Unterschied? Wieso folge ich diesen bedenkenlos ins Ungewisse, akzeptiere
Stuss und Dunkelheit ebenso, wie ich jähe Einsichten oder Aufhellungen dankbar festhalte,
während jene mich durchweg kalt lassen und mir gleichgültig bleiben? Ob’s doch
vielleicht eine Stilfrage ist? Ob die Denk- und Schreibbewegung als solche, unabhängig
vom Gemeinten, vom Dargelegten, die Rezeption bestimmt − das Verstehenkönnen ebenso
wie das Verstehenwollen! Der passende Begriff dazu wäre wohl „Prägnanz“

 

Felix Philipp Ingold, 23.11.2017

Ingolds Tagesblock bis zum 31.12.2017 nun in täglicher Fortsetzung.

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