Ingolds Tagesblock 7

31 x 13 Zeilen über alles und noch viel mehr

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Insgesamt fünfeinhalbtausend Eintragungen finden sich in den sogenannten Sudelheften, die
Georg Christoph Lichtenberg − Physiker, Philosoph und Literat in Göttingen − zwischen 1764
und 1799 vollgeschrieben hat. Postum sind die meist beiläufigen, eher fahrig formulierten
Aufzeichnungen pauschal als „Aphorismen“ geadelt und schon bald als Lichtenbergs
Hauptwerk ausgewiesen worden; und mehr als das: Man feierte und feiert den Autor als
Schöpfer der deutschen Aphoristik − mit dieser Textsorte bleibt sein Name verbunden, auf
Grund der „Aphorismen“ ist er als Klassiker in den Kanon eingegangen, obwohl er eine
Vielzahl andrer, ebenso starker Schriften hinterlassen hat. Bekommt man, auf insgesamt
1000 Druckseiten, all die sogenannten Aphorismen in chronologischer Abfolge (und also
nicht nach Themen gruppiert) zu Gesicht, erkennt man rasch, dass Aphorismen −
im gattungspoetischen Verständnis − bei Lichtenberg eine eher untergeordnete Rolle spielen;
dass demgegenüber spontane Anmerkungen zum zeitgenössischen Literatur- und
Wissenschaftsbetrieb oder auch zur eigenen Befindlichkeit deutlich überwiegen,

 

Felix Philipp Ingold, 23.11.2017

Ingolds Tagesblock bis zum 31.12.2017 nun in täglicher Fortsetzung.

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