Pro Infirmis

Und jetzt treibt da draußen in der Uferströmung sehr langsam ein grellgelbes Schlauchboot mit der weithin sichtbaren Aufschrift PRO INFIRMIS vorüber –

– so langsam, daß ich von meinem Fenster aus erkennen kann, wie zwei Schwerbehinderte in prall mit Luft gefüllten Schwimmwesten sich heftig, so gut es eben geht, begatten.

Aber da werden sie auch schon von ein paar Jugendlichen, die unten beim Bootssteg auf ihren im Leerlauf ratternden Mopeds hocken, gesichtet und höhnisch ausgebuht.

Worauf die Liebenden, ganz ohne Hast und unbeirrt sich küssend, voneinander ablassen.

(Rote Fabrik; am 23. August 1982)

aus: Felix Philipp Ingold: Haupts Werk Das Leben
Ein Koordinatenbuch vom vorläufig letzten bis zum ersten Kapitel.

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