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WEIBLICHES

 

WEIB,
WEIBER

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

WEISSE

 

Weibliches war ihm zuwider; am schlimmsten – Damen und Huren von Welt, Mütter und Frauen von Männern. »Ergibt’s sich, daß ich zwischen Weibern sitze, so trifft es mich am allerschwersten; denn dann werde ich mich weder mit den Ellbogen aufstützen noch ungestört schlafen können.« Erträglich, bisweilen sogar angenehm waren ihm einzig (sofern sie unerreichbar blieben!) Novizinnen und Nymphchen im Alter zwischen elf und höchstens fünfzehn Jahren, namentlich dann, wenn es sich – wie in den »Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen« – um die Töchter hochgestellter Amtspersonen handelte, oder aber – wie in »Wij« – um tote, der Kinder- wie der Frauenwelt entrückte Mädchen: Puppen. (Vor dem achtlos und undeutlich skizzierten Hintergrund von Gogols ereignisarmem Leben »hoben sich, klar und bis in die feinsten Einzelheiten ausgeführt, die zarten Züge eines reizenden Blondinchens ab, das süße Oval ihres Gesichts, die unendliche Schlankheit der Gestalt, wie man sie nur bei ganz jungen Mädchen sieht, die das Pensionat erst einige Monate hinter sich haben, und ihr schlichtes weißes Kleid, das die anmutigen Linien ihrer kindlichen Glieder so schmiegsam umwallte. Einem schneeweiß schimmernden, kunstvoll aus Elfenbein geschnitzten Spielzeug gleichend, trat einzig sie, hell und diaphan, aus dem undurchdringlichen Dunkel hervor …«) Gogols Problem war – jenseits der sozialen Dunkelkammer, in der seine homosexuellen und nekrophilen Neigungen gelegentlich kritisch (unterscheidbar) wurden – ein ästhetisches, nicht ein klinisches Problem; daß es als solches nicht gelöst, nur beschrieben und durch Beschreibung zumindest gebannt werden kann, ist bei Nabokov zu lernen: als Schmetterling ist Humbert Humberts Lo-Lolita der Gogolschen Pannotschka entschlüpft.1 Kunst um des »Lebens« willen!

aus: Felix Philipp Ingold: Haupts Werk Das Leben
Ein Koordinatenbuch vom vorläufig letzten bis zum ersten Kapitel.

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