20. Mai

Aleksandr Blok, auf dem Höhepunkt seines Ruhms als erster Autor seiner Generation, schreibt in einem Brief vom 29. April 1913 an L. D.: »Dennoch ist es bitter. Wieder schreiben, alles für die Schublade, ringsum … Gekläff von alt und jung, ein enger, enger Kreis von Vertrauten, Verständnislosigkeit derer, die verstehen könnten, Ungewißheit in bezug auf das Leben …«
So Ähnliches höre ich, heute, von schreibenden Kollegen, die meßbar erfolgreich sind und dennoch ständig über mangelnde Anerkennung und inadäquate Kritik sich beklagen. Ich selbst kenne solche Zerknirschung auch, mir fehlt aber jene Folie der Berühmtheit, die die Klage über das eigene Unerkanntsein und die Verständnislosigkeit derer, die verstehen könnten, so obszön erscheinen läßt.


aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand.
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.