22. März

Diese Fliege war zuerst da, zu früh; sie liegt rücklings auf dem weißen Fensterbrett, dreht sich, flügelschlagend und sirrend, um sich selbst. Wie ein Kreisel kippt sie bald auf diese, bald auf jene Seite, still bleibt sie dann für eine Weile liegen, als müßte sie Kraft schöpfen, ein kleines bißchen Kraft, um sich noch einmal zu spannen.
Auffallend laut läßt sie nun die Flügel schnarren, und wieder beginnt die rasende Drehung im Kreis auf dem Rücken, das Rudern der flimmernden Beinchen. Der Todeskampf, so scheint mir, dauert lang … so lang, als wär’’s ein Überlebenskampf. Dann ist plötzlich Schluß. Reglos und schräg, wie ein winziges Wrack, bleibt die Fliege liegen.
Du! … höre ich mich in der Mittagsstille sagen.

Share on Facebook0Email this to someoneShare on Google+0Tweet about this on TwitterPin on Pinterest0

aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand.
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.