Fragezeichen

Es gibt von Edmond Jabès, unter anderm, ein »Buch der Fragen«; nicht nur Fragen machen dieses Buch aus, das Buch selbst ist die Frage, zu beantworten nie. Die Wahrheit des Juden ist sein stetiges Fragen, es gilt nicht dem kommenden, vielmehr dem gewesenen … dem als Gewesener anwesenden Gott. Dem Nichts. So sehr war der Jude schon immer der Fragende, daß er schließlich, über sich selbst gebeugt, einem Fragezeichen zu gleichen begann. Daß er, als Fragender, mit jeder Frage sich in Frage stellt, weiß er; er weiß, daß all seine Sätze, auch wenn er sie noch so oft wiederholt, sie bisweilen auch, pathetisch, zu Sentenzen überhöht, fraglich bleiben. Und aber nur so, als fragliche, sind sie wahr.

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aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand.
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

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