Nachgeboren

Stets bleibt der Autor gegenüber dem Wort im Hintertreffen; seine Existenzform kann nur die des Nachfahren sein … die des ewigen Sohns.
Anknüpfen, weiterschreiben … darin besteht und darauf beschränkt sich die Arbeit des Schriftstellers; der Vorgang ist tatsächlich so einfach, so einsichtig und, gerade deshalb, so enttäuschend, wie Maurice Blanchot ihn in seinem Essay über »Das Tier von Lascaux« vergegenwärtigt: »Was geschrieben steht, kommt wie die sakrale Sprache … man weiß nicht woher, es bleibt ohne Autor, ist ohne Ursprung, und dadurch verweist es auf etwas noch Ursprünglicheres.
Hinter der Sprache des Geschriebenen ist niemand anwesend, doch verleiht sie der Abwesenheit Stimme …« Und dies wiederum heißt … Blanchot betont’’s in seinem Versuch über »Die Literatur und die ursprüngliche Erfahrung«: »Der Dichter existiert nur dichterisch, als Möglichkeit des Gedichts und in diesem Sinn nach ihm, obwohl einzig in dessen Angesicht.«


aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand.
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

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