Paradies

Zufällig aus einer Bücherkiste der Heilsarmee, es ist kurz vor Weihnachten, einen völlig zerlesenen Roman gefischt. Umschlag, Titelseite und Teile des ersten Kapitels fehlen, es gibt kein Inhaltsverzeichnis, der Name des Autors ist nicht zu erschließen, da auch der Schluß des Buchs fehlt, bleibt sein Umfang unklar. Ein geschundenes Buch, zweidrei Seiten lese ich im Stehn, vermute einen Trivialroman aus dem spätern 19. Jahrhundert, pathetisches Mischprodukt aus Karl May und Gustav Freytag. Doch gibt’s da auch eine Szene … einen Dialog wie diesen (rasch in der Agenda notiert):
»Die Wüste, müssen Sie wissen, ist alles, und sie ist nichts … «
»Und was noch, wenn ich bitten darf?«
»Nun«, so fuhr er – durch die unerbetene Zwischenfrage offenbar verstimmt – viel zu laut, fast schreiend fort: »Es ist wie Gott und … aber ohne die Menschen.«


aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand.
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

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