Sokratisch

Ich weiß, daß ich nichts weiß. Der Satz, allgemein als Bescheidenheitsformel anerkannt und gern zitiert, ist so töricht wie eitel.

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Man kann nicht wissen, was man nicht wissen kann, und was man, anderseits, wissen könnte, wäre der Rede nicht wert.

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Wissen, das man erwerben, einsetzen, durchsetzen kann, jenes Wissen, das von der aufgeklärten Moderne als Instrument der Macht genutzt wurde, ist das schlechtere Wissen; es ist ein Wissen diesseits der Wahrheit, ein beliebiges Wissen, jederzeit dekretierbar, jederzeit zu widerrufen, ein Wissen, das man haben und also auch verlieren kann, es kann einem gegeben, es kann einem genommen werden.

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Wogegen Nichtwissen unlernbar ist, es ist nicht zu haben, es ist eine Form des Seins, nie kannst du’s vergessen. War nicht auch Wittgenstein … suchend, sich sehnend … unterwegs in den »grünenden Tälern der Dummheit«.


aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand.
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

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