Stunt

Ein Mann, der dem sowjetischen Diktator Josef Stalin als Double gedient hat, ist nach Presseberichten in der südrussischen Stadt Krasnodar gestorben.
Der Doppelgänger Stalins, von der Zeitung »Rabotschaja Tribuna« nur mit seinem Vornamen, Raschid, bezeichnet, wurde dreiundneunzig Jahre alt; er mußte stellvertretend für Stalin an Banketten und Versammlungen teilnehmen, soll aber nur einer von mehreren Doppelgängern des Diktators gewesen sein.
Raschid, der aus einem kleinen Dorf im Nordkaukasus stammte und zwanzig Jahre jünger als Stalin war, sah dem georgischen Landsmann zum Verwechseln ähnlich und war zum Double des Diktators eigens ausgebildet worden. Nach dem Tod Stalins soll er zurückgezogen zuerst in Taschkent, danach in Krasnodar gelebt haben.

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Alle Autorität ist, um ihre Macht, ihren Einfluß zu wahren, auf Repräsentation angewiesen. Repräsentiert wurde Stalin nicht nur durch seine leibhaftigen Doppelgänger, sondern auch durch sein ikonenartiges Image, das in Permanenz vom Sowjetfilm, von der Sowjetmalerei, auch von der Sowjetliteratur kolportiert wurde.
Daß Stalin, wie übrigens auch Hitler und andere Despoten, sich als Autor hervorgetan hat, macht deutlich, wie eng Autorität und Autorschaft, Macht und Repräsentation beieinander liegen.

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aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand.
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

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