Verwählt

Fehlerhafte Übersetzungen sind nicht die schlechtesten. Im Gegenteil; manch eine Übersetzung zieht aus Fehlern des Übersetzers Gewinn. Abweichungen gegenüber dem Original, gewollt oder ungewollt, können die Zielsprache bereichern, erweitern deren Imaginationsraum. Die Übersetzungen Luthers, Hölderlins, Rilkes, Celans sind Beispiele dafür. Und selbst elementare übersetzerische Fehlleistungen, die etwa zur Folge haben, daß der französische Boden als deutsche Sonne aufgeht oder daß der polnische Mond im tschechischen Klo versinkt, können gelegentlich zu poetischen Phantasielösungen werden.


aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand.
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

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