Weiß (II)

Am Quai vor dem Stadthaus ein paar Jugendliche, tief über die gußeiserne Brüstung gebeugt … sie schreien und prusten; sie spucken, wie ich beim Näherkommen sehen kann, auf einen großen weißen Schwan, der sich, gemächlich rudernd, reglos in der Uferströmung am Fuß der Quaimauer hält.
Die Jungen, höre ich, wetten um ein kleines Stellmesser mit gewellter Klinge … zehnmal spucken, und wer den Schwan am häufigsten trifft, soll gewonnen haben. »Und dann«, sagt der eine … der kleinste von ihnen, »gehn wir eine Taube schlachten … oder eine Katze.«
Den Schwan hat die Spucke eines andern Jungen ins Aug getroffen, rasch senkt er den Kopf; sein Hals und die Brust, gespiegelt im Wasser, sehn momentweise aus wie eine weiche schimmernde Acht.

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aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand.
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

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