Gerd Adloff: Fortgang

Mashup von Juliane Duda zum Buch von Gerd Adloff: Fortgang

Adloff/Bodecker-Fortgang

EIN GEDICHT

Ein Gedicht redet immer nur
vom Gedicht
redet immer nur von der Welt
redet immer nur vom Dichter
redet immer nur vom Gedicht.
Gedichte sind wie die Welt
die Dichter
geschwätzig, verstockt
verlogen und ehrlich
voll Hoffnung
verzweifelt
voll verzweifeltem Mut.
Ein Gedicht ist wie das Leben:
gewöhnlich:
eine Herde Zebras
auf dem Alex am Morgen
und die Fee, die gibt dir drei Wünsche frei
ein Gedicht ist wie das Leben:
überraschend:
die Bahn die stets
in den Schienen fährt
und in der Salztüte Salz.
Im Gedicht
die Worte, sind maskiert
sie ziehen einher
wie im Karnevalszug die Leute
sie zeigen ihr wahres Gesicht
manchmal um Mitternacht
oder wann auch immer
vielleicht hast du Glück
und entdeckst:
das Gedicht
im Gedicht.

 

 

 

Erst-Erscheinung und Vorgeschichte

Der Torero wirft sich in die Arena. Direkt in den Rachen des Publikums. Es hat sich versammelt. Um seinetwillen. Um seinetwillen? Gewiß, um seinetwillen auch.
Ein noch gänzlich unbekannter, unbenannter Planet entfernteren Sonnensystems präsentiert der Fachwelt sein erstaunliches Image. Ein Millionen-Ding. Jahr-Millionen-Ding. Gravitation und Zu-Fall machten’s möglich. All-Geschichte wird ablesbar, zumindest ihr Zeit-Wert – Planet namenlos liefert die Daten, Adoptiv-Väter vielerorts notieren, registrieren, hypothetisieren.
Das Auftauchen eines neuen Gedichte-Schreibers verläuft weit weniger spektakulär, der Wellenschlag hält sich in Grenzen; Sprache ist auch Barriere, sie, des Dichters Instrument.
Eines aber haben die genannten Primär-Auftritte. Erst-Erscheinungen gemeinsam – die beträchtliche Vorgeschichte. Nichts kommt von nichts und so was von so was, wie der Berliner sagt.
Goethes Wort vom Talent, das sich in der Stille bilde, mag als Voraussetzung gelten, eines Tages am literarischen Horizont bemerkt zu werden, wobei „Stille“ keineswegs als Weltabgewandtheit mißverstanden sein, sondern eher zu „Rummel“ kontrapunktieren soll.
Gerd Adloff dürfen wir getrost orten. Er wird unserem Blickfeld so bald nicht entschwinden. Die Leuchtsignale seiner Sujets, die vielfältige Eigenart seiner Begabung – poetischer Tiefgrund & treffsicherer Witz – verheißen Dauer, das heißt „Fortgang“, mit dem Titel des Autors zu reden.
Meine Bekanntschaft mit G. A. rührt vom Schweriner Poetenseminar. Adloff war der von mir betreuten Gruppe als Sekretär zugeteilt. Leise Vorbehalte widerlegte der frischgebackene Diplomgermanist und Literaturwissenschaftler in überzeugender Weise, ohne viel Worte zu machen, sozusagen stillschweigend, er ist das ganze Gegenteil eines Schwätzers, er geizt mit dem Wort. Vielleicht hat er eine Wort-Sparbüchse und zieht die allzu abgegriffenen aus dem Verkehr. Dabei ist er kein leidenschaftsarmer, eher ein vulkanischer Typ. Eruptiv. An Herzdrücken wird er nicht sterben. Was gesagt werden muß, sagt er. Genauer: es bricht aus ihm heraus. Ein vulkanischer Typ. Kein Dauerspeier. Und erst recht kein Dauerschreier. Obwohl nicht wenige seiner Gedichte Schreie sind. Und obwohl das Verb „schreien“ eines der von ihm meistverwandten Poesiewörter ist, vielleicht gerade der sonstigen dialogischen Zurückhaltung wegen.
Adloff ist nicht nur Wortdichter. Er verdichtet Situationen, die nimmt er aus dem Leben und stellt sie nach seinem Poesiewillen so vor uns hin, daß sie leuchten. Eine jede in ihrer ganz und gar eigenen Art. Eben das macht die Eigenart seiner Gebilde.
Der Autor geht nicht um den heißen Brei. Er läßt uns die Suppe löffeln, Er ist auf Wahrhaftigkeit aus. Er kommt um das genaue Detail nicht herum, auch nicht um das peinlich genaue. Sein Eigen-Sinn hat nichts von Narzißmus, nichts von Nabelschau, nichts von Selbstgenügsamkeit.
Für den, der auf Veränderung aus ist, kann Selbstbescheidung nicht genügen. Der sein Eigen-Ich als Synonym nutzt für das Eigen-Ich von Zeitgenossen, darf sich mit Floskeln nicht begnügen. Das wirklich Eigenartige duldet keine Verstellung, darum auch sind die eigenartigen Gedichte höchst selten artig.
Der Autor schöpft eine Menge neu aus den Tiefbrunnen unserer Sprache. Er geht sorgsam mit dem Material seiner Verse um. Wort ist bei ihm nicht austauschbar. Es steht genau da, wo es hingehört. Er scheut weder Grobianisches noch den Spaß, der grausen macht. Der Ausdruck sitzt dem Sujet angemessen. Bei aller Vielfalt des Angebotenen – Adloffs Gedicht bleibt natürlich. Wie der Dichter: ohne Manier.
Adloff ist 1952 in Berlin geboren. Die Verse des Mannes leugnen ihre Vorgeschichte nicht. Er schuldet sie zu beträchtlichem Teil der Realität dieser sehr besonderen Stadt, und zwar dort, wo ihr Herz von je vorwiegend links schlug, in den Grenzbereichen von Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg. Der Autor bedarf des „Icke“ und „Dette“ nicht, um berlinisch zu sein. Ein Gedicht wie das folgende ersetzt Bände:

Tradition.
Ende gut, alles Blut
sagt der Schlächter
denn mir ist alles Wurst
seit ich fünfzehn war
da nahm mich Vater in die Lehre
und da gabs nichts
zwischen Schinken und Speck
und statt aufs Meer fuhr ich mitm Messer
durchs Fleisch
und vergaß bald
und wurde zufrieden
und mein Junge
wird wie ich.

Auch wenn der Autor die Antike bemüht wie in dem 83 entstandenen Gedicht „Stein des Sisyphos“ oder dem vom gleichen Jahr „Stell dir vor“, so bleibt er doch hart an der Gegenwart:

Stell dir vor
die Griechen kommen
vom Schlachtfest in Troja
doch ihre Städte
aus der Ferne von der Trojaner Brände
zerstört
und was Troja ist
sind auch sie.

Die parabelhafte Variante zielt auf jene schon einmal für die Deutschen in Hitlerdeutschland – und nicht nur für sie – verhängnisvolle Gewöhnung an den alltäglichen Schrecken. In dem Siebenzeilen-Gedicht „Kassandra“ heißt es zum Schluß:

sie hofft sich zu irren
diesmal
obwohl

Eindringlicheres in solcher Kürze zur Problematik des Warnrufens zwischen Zweifel und Hoffnung gelesen zu haben, erinnere ich nicht.
Die Weise, die Dichters Verse anstimmen, führt letztlich zur Weise des Lebens, das bis auf den Tag ein reines Dichterleben nicht ist. Glücklicherweise? Vielleicht. Vielleicht nicht.
Wenn von Lebensweise die Rede ist, so wird es biografisch, geografisch, soziologisch, psychologisch, politisch, analytisch, geschlechtlich und rechtlich… Von all solchem wird in dem Band gehandelt, des Gedankens Blässe – dafür steh ich – kommt an keiner einzigen Stelle auf. Bevor der Autor Germanistik in Berlin studierte, trieb er tagsüber und nach Feierabend, teils hauptberuflich, teils privat, die allerverschiedensten Studien an den allerverschiedensten Plätzen, die unverfänglichen seien genannt: als Rotationsarbeiter, drei Jahre in der NVA, Buchverkäufer, Packer in einer Druckerei; wer mehr und anderes zu erfahren wünscht, der lese selbst.
Der Dichter Gerd Adloff setzt zwischen den ersten Versen des Bandes „Ein Gedicht“ und den letzten „Dieses Gedicht ist ein Gedicht“ beachtlichen Sprachfluß frei. Er eröffnet vor uns ein weites poetisches Feld, Credo des Autors und Ausblick zugleich.

Jo Schulz, November 1984, Nachwort

 

Fortschritt – Fortgang

Gerd Adloff dürfte bei einem größeren Kreis von Lesern in unserem Land kein Unbekannter mehr sein, obwohl mit diesem Gedichtband sein Buchdebüt vorliegt. Eine relativ große Zahl von Gedichten (etwa ein Viertel der hier veröffentlichten) erschien bereits in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften. Und trotzdem differenziert sich das Bild vom literarischen Werk dieses Autors durch den Band aufs vielfältigste, und in diesem Sinne ist eher Fortschritt denn Fortgang festzustellen.
Wenn man will, kann man den Autor zu einer in letzter Zeit verstärkt sich zu Wort meldenden Gruppe junger Lyriker zählen, die versuchen, mit unterschiedlichen ästhetischen Konzepten einen breiteren Leser- und Zuhörerkreis zur tätigen Auseinandersetzung in seinem, unserem Alltag zu bewegen. Damit wird ein poetologisches Konzept vertreten, das auf das vergleichsweise unvermittelte Eingreifen in die Wirklichkeit zielt. Da der „jungen Literatur“ am Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre ein solches Funktionsverständnis ziemlich rundweg abgesprochen worden ist, sollte diese Entwicklung in der Lyrik zu Aufmerksamkeit Anlaß geben, selbst wenn ästhetisches Holpern und weltanschauliches Hapern der Darstellung und Bewertung des Alltags unter historischem und zeitgenössisch-globalem Blickwinkel angekreidet werden könnten. Dies kalkulierend, heißt es bei Adloff:

Hört dieses Krächzen
der wagt es
zu kommen
uns, unter die Ohren
und, hätten wir nicht
einen Gott
der singt so
wie wirs wünschen
und ist doch die Norm
und das Maß: nicht möglich
zu übertreffen.
(„Gruppenbild 2: Marsyas, Apoll“)

Das Streben nach der Diskussion mit dem Leser wird deutlich am rationalen Gestus vieler Gedichte. Er findet sich bei Gerd Adloff auch unter thematischem Aspekt: Wahrheitserkenntnis und -vermittlung gehören zu den auffälligen Interessen des Lyrikers. Schon die Traditionswahl im „Gedicht nach Brecht und Braun“ kann als Beleg dafür gelten:

Die Wahrheit
Brüder, ihr fürchtet um sie
daß ihr sie hinter den Lippen verschließt
ihr sorgt euch
sie könne verzweifelt machen
den, den sie trifft unverhofft
ihr sagt
sie könne manchmal verwirren
mag sein, aber seht ihr denn nicht
daß da, wo sie fehlt
auf den Straßen, den Plätzen
sich anderes breitmacht
Gerüchte und Lügen
die Leute ausfüllen den freien Raum
und maßen mutlos
voll Mut die Besten
wo die Wahrheit nicht spricht
Brüder, Freunde
da schweigt sie.

An diesem Gedicht lassen sich wichtige Merkmale der poetischen Methode Adloffs sichtbar machen. Der lyrische Sprecher sieht sich in einer Gemeinschaft von Freunden, mit denen er sich prinzipiell einig weiß. Gleichzeitig stellt er ein Wissensgefälle zwischen den „Brüdern“ und den „Leuten“ fest, das das Vertrauen zwischen ihnen behindert, weil dieses Gefälle – hier im Gegensatz zu den Bedingungen der frühen Entwicklungsphase unseres Landes in Brechts Gedicht – nicht als historisch notwendig, sondern willkürlich erzeugt erscheint. Indem der Sprecher populäre Argumentationen in bezug auf das Verschweigen „der Wahrheit“ aufgreift, widerspiegelt er Erfahrungen sozialen Kommunikationsgebahrens eines großen Teils seiner Rezipienten und beabsichtigt damit ihre Identifikation mit seiner Position. Diese Identifikation kann jedoch nur zustande kommen, wenn der Leser die im Text verwendete spezifische Bedeutung von „Wahrheit“ nachvollzieht, denn der Begriff beinhaltet offenbar das Bekenntnis zur Widerspiegelung der gesamten Widersprüchlichkeit sozialer Vorgänge, im besonderen jedoch zu ihren oft uneingestandenen negativen Wirkungen. Es kann damit gerechnet werden, daß nicht jeder Leser diese für die produktive Gedichtaneignung notwendige Voraussetzung nachvollziehen mag, ja, daß die Wirkungsstrategie des Gedichts, solche realen Widersprüche reproduziert, weil Verständnis für die „Brüder“ als Bedingung für die Verständigung mit ihnen kaum aufgebracht wird, obwohl sie scheinbar angesprochen werden. Mir scheint, hier wird eine neue Stufe „sozialismusinterner Auseinandersetzung“ (Dieter Schlenstedt) in Angriff genommen, auf der die Distanzen gegenüber den Gemeinsamkeiten ausgestellt werden und damit objektiv die Hinwendung zu einem kleineren Rezipientenkreis erfolgt. In diesem Sinn wird auf die Darstellung „selbstverständlicher“ Lösungen gesellschaftlicher Fragen verzichtet und deren „Ergänzung“ in der literarischen Kommunikation dem Leser anvertraut, Daß es sich dabei um ein bewußtes Wirkungskonzept handelt, zeigt ein Text, der sozusagen als Lektüreanweisung für den Leser und als Selbstverständigung des Autors aufgefaßt werden kann; dort heißt es:

Nicht mehr würdigen
mit einer Antwort
will ich die
die werfen mir vor
daß ich glücklich bin
nicht, aber, daß ich davon schreibe…
  („Nicht mehr“)

Wenn man auch in Rechnung stellt, daß neben der Grundidee der Gedichte zusätzliche Reize für den Leser durch überraschende Zeilensprünge sowie syntaktische Verschränkungen (und dadurch bedingte Konnotationen) zu gewinnen sind, so ist in diesen Gedichten auch ein häufig im gesamten Band anzutreffendes ästhetisches Manko unübersehbar: ihnen fehlt es an lakonischem Schliff, was dazu führt, den Leser zu unterfordern. Besonders am ersten Gedicht ist zu beobachten, daß die sofort einleuchtende gedankliche Substanz sehr breit dargestellt worden ist. Dies könnte ein Indiz dafür sein, daß – im Gegensatz zum rationalen Gestus – die emotionale Beteiligung des Autors sich in einer gewissen Weitschweifigkeit niederschlägt.
Die Hinwendung zu kleineren Lesergruppen bedeutet keine Einengung der Wirklichkeitssicht in den Gedichten Gerd Adloffs. Thematischer Schwerpunkt seiner Lyrik ist die Fähigkeit des Individuums (unter besonderer Berücksichtigung des Künstlers), sich aus den Bedingungen unseres Alltages heraus produktiv zu globalen Prozessen ins Verhältnis zu setzen. Verständlicherweise gilt ein Großteil der Aufmerksamkeit den produktiven und den destruktiven Faktoren in bezug auf die Erhaltung des Weltfriedens. Dieses Nachdenken schließt auch die Prüfung unserer gängigen Positionen ein, zum Beispiel die Befürwortung gerechter Kriege, die von Adloff problematisiert wird, weil bei der gegenwärtigen weltpolitischen Konstellation und militärischen Vernichtungspotenz auch ein solcher Krieg in den Weltuntergang münden könnte. In diese Situation des Nachdenkens – eben auch hier wieder ein deutlich spürbares Erkenntnisinteresse des lyrischen Subjekts – wird der Leser ganz direkt hineingezogen, indem er mit einer fiktiven Situation, einer Denk-Aufgabe, konfrontiert wird:

Stell dir vor
die Griechen kommen
vom Schlachtfest in Troja
doch ihre Städte
aus der Ferne von der Trojaner Brände
zerstört
und was Troja ist
sind auch sie… Nun geh
such in der Asche
nach dem Recht. („Stell dir vor“)

Im Gegensatz zum Vorwurf mangelnder Dichte beim weiter oben erwähnten Gedichttyp ist dem Autor ein sehr produktiver Umgang mit mythologischen Stoffen zu bescheinigen. Er nutzt sie als Modellsituationen, in denen sich die Erörterung von Problemen globaler Dimension mit der poetischen Erhellung von Veränderungen in individuellen Grundsituationen verbinden läßt. Aus diesem Grund kann dem Nachwortautor des vorliegenden Gedichtbuches, Jo Schulz, nur zugestimmt werden, wenn er eine besondere Leistungsfähigkeit des Autors in der Variierung mythologischer Bilder erkennt. So könnte Adloffs „Kassandra“ gut und gerne ein Musterzitat für das Funktionsverständnis von Literatur in den achtziger Jahren werden:

Das dreifache Leiden
keiner erhört sie
sie weiß das
und schreit doch
sie hofft sich zu irren
diesmal
obwohl.

Wenn anfangs „Rationalität“ als wichtiges Merkmal der Lyrik Gerd Adloffs genannt worden ist, so bedeutet das nicht etwa, daß sich die Gedichte dem Leser in der Sprache dürrer Thesen und Gedankenkonstruktionen präsentieren, sondern schließt – sozusagen als dialektischer Pol (wenn man von einem einschichtigen Rationalitätsbegriff ausgeht) – eine urwüchsige Sprech- und Sprachlust des Autors ein, die auch vor der ausgestellten Verspieltheit nicht zurückschreckt: als ein Ausdruck von Lebenslust (z.B. „Spasz“, „Tote Hose“, „Columbus“). Dieses Verständnis von Rationalität widerspiegelt sich auch in relativ vielen Gedichten, die der poetologischen Selbstverständigung des Autors – vor den Augen des Lesers – dienen. Sie mögen als Beleg dafür gelten, wie wichtig dem Autor die Verständigung mit dem Leser ist. Deshalb dürfte die Anordnung von zwei Gedichten am Anfang („Ein Gedicht“) und am Ende („Dieses Gedicht ist ein Gedicht“) kaum zufällig sein. Interessant ist vor allem das, letzte Gedicht, wenn man etwas über den „Fortgang“ der künstlerischen Arbeit Adloffs wissen möchte, denn das Widmungsgedicht wurde geschrieben für „alle Dichter, die noch Witze machen / können & Spaß / obwohl sie sehen was läuft. / … & sagen will dieses Gedicht / nichts weniger als / warum ich noch hoffe / & leben will.“ Wenn gerade die letzten Verse, die die letzten des gesamten Bandes sind, durch diese Position möglicherweise eine etwas aufdringlich pathetische Wirkung haben, weil mit einer gewissen Beiläufigkeit kokettiert wird, in der die „großen Worte“ gelassen ausgesprochen werden, so artikuliert sich doch eine mir sympathische Haltung, die soziales Engagement für unverzichtbar hält – auch und gerade aus dem vollen Bewußtsein heraus, eher gleichförmigen Fortgang erwarten zu können als raschen Fortschritt der kleinen und der großen Welt; aber eben diesen „Fortgang“ zu sichern erfordert „wieder und wieder“ die „Plackerei“ („Stein des Sisyphos“), wie es in einem der späteren Gedichte des Bandes heißt; keine Alternative: der Fortgang.

Wolfgang Gabler, neue deutsche literatur, Heft 405, September 1986

 

Fakten und Vermutungen zum Autor

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