Gerhard Rühm: gesammelte werke – 3.1 auditive poesie

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Gerhard Rühm: gesammelte werke – 3.1 auditive poesie

Rühm-gesammelte werke – 3.1 auditive poesie

DOKUMENTARISCHE SONETTE

mittwoch, 23.7.1969
erschuetterungen auf dem mond

der vón den ástronáuten ármstrong únd
und áldrin ím im „méer der stílle stille“
zurúeckgelássenéne séismo- stílle
graphgráph hat hát erschúetterúngen únd

auf áuf dem mónd rerégistríertriert. únd
die érsten méldungén darúeber stílle
im ráumfahrtfáhrtkóntrollzéntrum stílle
houhóuston háben grósses áufauf- únd

aufséhen érerrégt errégt errégt.
nanásawíssenscháftler wóllen héute
dazúzu stéllung néhmenmén errégt.

mit sórge wird in hóuston díe ex- héute
trem hóhe témperátúr errégt
im séismográphen béobáchtet héute.

 

 

Editorischer Bericht

Mit dem vorliegenden Band der Gesammelten Werke Gerhard Rühms wird einer der Schwerpunkte seiner künstlerischen Arbeit, die „auditive Poesie“, erstmals in ihrem gesamten Facettenreichtum vorgestellt. Band 3.1 ergänzt und vervollständigt damit die Edition seiner „poetischen Texte“ im engeren Sinn, der zuvor schon die Bände gedichte (Band 1.1 und 1.2, 2005) und visuelle poesie (Band 2.1, 2006) gewidmet waren. Und er wird wiederum ergänzt durch den Folgeband 3.2, der den zum Vortrag bestimmten „auditiven Texten“ als Pendant die im Studio produzierten „radiophonen Texte“, also Hörspiele und kürzere Hörstücke, gegenüberstellt. Da aber schon die beiden Eröffnungsbände der Werkausgabe ein repräsentatives Panorama des dichterischen Œuvres von Gerhard Rühm bieten sollten, sind dort bereits einige Beispiele der „auditiven“ Poesie vorweggenommen, die nun hier in umfassendem Kontext figurieren.
Dass die auditive Poesie erst in grösserem zeitlichem Abstand zu den früheren Bänden erscheinen kann, hat verschiedene Gründe, nicht zuletzt die komplizierte Quellenlage: Manche der hier versammelten Texte mussten aus weit verstreuten Publikationen zusammengesucht, andere aus Manuskript- und Typoskriptskizzen erst eigens in druckreife Fassungen übertragen werden, viele wurden ergänzt, retuschiert oder gründlicher überarbeitet und schliesslich fast alle mit detaillierten Ausführungshinweisen an notiert, die ihre spezifischen Qualitäten als Vortragstexte deutlich hervortreten lassen. Das betraf vor allem jene Arbeiten, die nicht als „Lesetexte“ im herkömmlichen Sinn, vielmehr nur in erweiterter grafischer Form, etwa als Partituren, darstellbar sind.
Insgesamt enthält dieser Band, der alle früher publizierten an Umfang weit übertrifft, knapp neunhundert Arbeiten – Einzeltexte und Zyklen, die in sechs Jahrzehnten, zwischen 1952 und 2012, entstanden sind. Sechzig Arbeiten waren bislang unveröffentlicht, und viele, die zuvor schon, meist in entlegenen Zeitschriften oder Anthologien, erschienen sind, liegen hier erstmals gebündelt in Buchform vor, so dass der Leser einen umfassenden Überblick gewinnen kann.
Um die Fülle des Materials sinnvoll zu strukturieren, hat der Autor die Texte in einzelne Gruppen gegliedert, die bestimmte inhaltliche und formale, vor allem aber vortragstechnische Aspekte thematisieren. Naturgemäß ergeben sich hier gelegentlich Abgrenzungsprobleme, denn einzelne Texte lassen sich zweifellos verschiedenen Kategorien zuordnen: So sind etwa die Grenzen zwischen „Litaneien“ und „Sprechtexten“ einerseits, „Litaneien“ und „Klanggedichten“ andererseits durchaus fliessend. Innerhalb dieser Gruppen sind die Arbeiten stets so weit wie möglich nach ihren Entstehungsdaten angeordnet, so dass sich gewisse chronologische Entwicklungslinien deutlich verfolgen lassen. Innovative Aspekte im historischen Globalzusammenhang der Gattung auditive Poesie bieten vor allem die Sprechtexte für zwei, drei oder mehr Stimmen, die den engen Konnex dieses „poetischen“ mit „musikalischen“ Genres besonders sinnfällig machen. Nähere Aufschlüsse dazu wie auch zu anderen poetologischen und interpretatorischen Aspekten geben die „Erläuterungen des Autors“ im Kommentarteil.
Wie für die Gesamtedition generell gilt auch für diesen Band, dass es sich nicht um eine historisch-kritische Ausgabe handelt, in der die Entstehungsgeschichte der Texte, ihre Fassungen und Überarbeitungen detailliert dokumentiert werden, vielmehr um eine annotierte Lese- und Studienausgabe. Sie entstand wie stets in enger Zusammenarbeit mit dem Autor. Er hat die Vorlagen für die Publikation, das heisst die Textgestalt „letzter Hand“, und die Reihung der Werke bestimmt, und er hat, wo es ihm geboten erschien, einzelne Werke und Werkgruppen mehr oder minder ausführlich kommentiert. Die Herausgeberin beschränkt sich auf bibliographische Hinweise und Anmerkungen zu den einzelnen Texten, die wie gewohnt Angaben zur Datierung und zu bisher erschienenen Drucken enthalten. Erfasst wurden aber auch, soweit im einzelnen noch nachweisbar, die wichtigsten Rundfunkproduktionen und Veröffentlichungen auf Tonträgern. Ein Novum bietet dieser Band insofern, als ihm eine CD mit einer repräsentativen Auswahl von solistischen Vortragstexten und Sprechduetten in authentischen Aufnahmen beigefügt ist. Sie vermitteln den Lesern (wie auch den potentiellen Interpreten) eine unmittelbar sinnliche Erfahrung der „auditiven“ Dimension dieser poetischen Texte.
Ohne die großzügige Förderung des Deutschen Literaturfonds e.V. und der deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Hamburg wäre das Erscheinen dieses Bandes kaum möglich gewesen. Unser Dank gilt ferner allen, die zur Realisation dieser Ausgabe, zur Beschaffung von Quellenmaterial und Editionsnachweisen beigetragen haben, nicht zuletzt dem Produzenten der CD-Aufnahme Daniel Löwenbrück.

Mit dem vorliegenden Band

der Gesammelten Werke Gerhard Rühms wird einer der Schwerpunkte seiner künstlerischen Arbeit, die auditive Poesie, erstmals in ihrem gesammelten Facettenreichtum vorgestellt. Band 3.1 ergänzt und vervollständigt damit die Edition seiner „poetischen Texte“. Dass die auditive Poesie erst in grössern zeitlichem Abstand zu den früheren Bänden erscheinen kann, hat verschiedene Gründe, nicht zuletzt die komplizierte Quellenlage: Manche der hier versammelten Texte mussten aus weit verstreuten Publikationen zusammengesucht, andere aus Manuskript- und Typoskriptskizzen erst eigens in druckreife Fassungen übertragen werden, viele wurden ergänzt, retuschiert oder gründlicher überarbeitet und schliesslich fast alle mit detaillierten Ausführungshinweisen annotiert, die ihre spezifischen Qualitäten als Vortragstexte deutlich hervortreten lassen.  Insgesamt enthät dieser Band, der alle früheren publizierten an Umfang weit übertrifft, knapp neunhundert Arbeiten – Einzeltexte und Zyklen, die in sechs Jahrzehnten, zwischen 1952 und 2012, entstanden sind. Sechzig Arbeiten waren bislang unveröffentlicht, und viele, die zuvor schon, meist in entlegenen Zeitschriften oder Anthologien, erschienen sind, liegen hier erstmals gebündelt in Buchform vor.

Matthes & Seitz Verlag, Ankündigung

 

Zum 80. Geburtstag des Autors:

Michael Lentz: Spiel ist Ernst, und Ernst ist Spiel
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.2.2010

Paul Jandl: Dem Dichter Gerhard Rühm zum 80. Geburtstag
Die Welt, 12.2.2010

Zum 85. Geburtstag des Autors:

Apa: „Die Mutter der Wiener Gruppe
Salzburger Nachrichten, 12.2.2015

Zum 90. Geburtstag des Autors:

Peter Grubmüller: Der musizierende Literatur-Maler
OÖNachrichten, 12.2.2020

Daniela Strigl: Opernmörder
Süddeutsche Zeitung, 11.2.2020

Ronald Pohl: Gerhard Rühm zum Neunziger
derStandart, 12.2.2020

Doris Glaser und Peter Klein: „Der Herr der Laute“
radio.friendsofalan.de, 9.2.2020

Fakten und Vermutungen zum Autor + Vita + ÖM + ArchivKLG
Porträtgalerie: Autorenarchiv Isolde OhlbaumGalerie Foto Gezett
Dirk Skiba Autorenporträts
shi 詩 yan 言 kou 口

 

Gerhard Rühm liest seine seufzer prozession am 10.11.2009 in der Alten Schmiede zu Wien.

 

Monika Lichtenfeld und Gerhard Rühm lesen unter anderem Sprechduette beim Literaturfestival Sprachsalz im Parkhotel bei Hall in Tirol (10.–12.9.2010)

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