Hans-Eckardt Wenzel: Seit ich am Meer bin

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Hans-Eckardt Wenzel: Seit ich am Meer bin

Wenzel-Seit ich am Meer bin

FEBRUAR

Die gelbe Sichel liegt nun auf dem Rücken.
Der Himmel überfüllt von Satelliten.
Planeten schlagen unsichtbare Brücken
Und es besuchen sich die Eremiten.

Ein wenig eher schon erscheint die Früh,
Die Sterne so wie Blumen abzupflücken.
Die Flüsse fließen aus der Agonie.
Die gelbe Sichel liegt nun auf dem Rücken.

 

 

 

Wenzels Gedichtband

versammelt Texte unterschiedlicher Provenienz: Neben Lied und Ballade kommt das ausgreifende Langgedicht ebenso zu seinem Recht wie die epigrammatische Notiz. Immer ist ein Ich anwesend, das sich und die Welt befragt. Es verneigt sich am Bosporus vor Mond und Meer, ist traurig in Sevilla und eingefangen in das Elend der herrenlosen Hunde, spürt das Echo der Wellen in seinen Lenden und die Umklammerung der Höllen. Es erkundet den Schnee Europas wie die eigenen Abgründe im Kontakt mit alten Göttern; ein Experte in Katastrophen. Dabei stehen Wenzel sehr verschiedene Tonlagen zur Verfügung: Durchheiterte Melancholie, scharfzüngiger Sarkasmus, elegische Introspektion wie auch die leise Ansprache an die Geliebte. Mit Brecht, Kramer oder Robert Desnos an der Seite zeigt er, was Lyrik vermag: Das Ich in die Welt zu halten und die Welt in das Ich, und zwar so, daß wir tief berührt werden können.

Matrosenblau Verlag, Klappentext, 2011

 

Zwischen Freirhythmik und Reimzwang

– Der Sänger Hans-Eckardt Wenzel als Dichter. –

Schweriner Poetenseminar und Singebewegung, Studium der Kulturwissenschaften und frühe Mitgliedschaft im DDR-Schriftstellerverband, die Gedichtbände Lied vom wilden Mohn und Antrag auf Verlängerung des Monats August, die Singprojekte Liedertheater Karls Enkel und Hammer-Rehwü sowie Goldene Amiga für die erste LP Stirb mit mir ein Stück und Heinrich-Heine-Preis des DDR-Kulturministeriums standen am Anfang seiner Karriere als Autor und Sänger.
Hans-Eckardt Wenzel, 1955 bei Wittenberg geboren, gehört längst zu einem der produktivsten und populärsten Liedermacher deutscher Zunge und Lunge. Allein seit 1994 erhielt er für seine Produktionen achtmal den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Aber hier gilt es nicht, eine neue Wenzel-CD zu vermelden, sondern einen Wenzel-Gedichtband. Schon Walther von der Vogelweide wußte, ein Liedtext muß nicht zwangsläufig ein Gedicht sein, was freilich auch andersherum sinnstiftend ist. Und richtig, immer wenn Wenzel den freirhythmischen Dichter raushängen läßt, wirken seine poetischen Ambitionen angestrengt und bemüht, erstarren sie zur Pose. Erinnert er sich aber an den Sound von Heinrich Heine oder Theodor Kramer und bindet seine Verse in liedhafte Reime, dann bewegt sich Wenzel plötzlich auf sicherem Terrain und läuft mitunter zu guter Form auf.
Es wird mehreren Personen „für die kritische Betreuung des Buches“ gedankt. Hätte es den Gedichten geholfen, wenn ein Lyrikkollege unter den Bedankten wäre? Wohl kaum. Bezogen auf Titel und Verlag versteht sich von selbst, das Buch ist in matrosenblaues Leinen gebunden, farbgleich begleitet ein Lesebändchen die Lektüre und in den Gedichten gehören „Meer“, „Ozean“ und „die See“ zu den Lieblingstermini des Autors. Das Meer „faltete wie zum Gebet die Hände“, es wird zu Weizen, Raps und tiefem Tal, Piraten treiben übers und „Land steigt in das Meer“.
Das Buch besingt die Lebensreise ebenso wie touristische Reisen, die zumeist nach Süden gerichtet sind. Wenn sich beide Reisearten verbünden, gelingt mitunter ein wundersam leichter Ton. Wie im ersten Gedicht des Buches, das zugleich auch das schönste ist:

KLEINES CEVENNEN LIED

Mein Heimweh macht nun Pause,
Obwohl ich fremd hier bin.
Ich hasse mein Zuhause
Und will nicht wieder hin…
Ich fühl mich in der Fremde,
Als wäre ich zuhaus.

Nicht selten wird der Leser bei Wenzel an irgendetwas erinnert. Hier denkt er an die durch Schuberts Winterreise berühmt gewordenen Wilhelm-Müller-Verse „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh’ ich wieder aus“. Beim „Bugewitzer Kalender“ denkt er an Kästners „13 Monate“ und an Brechts Buckower Elegien. Aber die Originale bleiben unerreicht. Wem wirklich an Originalen gelegen ist, greife zum großen Liederbuch. Hier gibt es Wenzel von „Selbstbildnis 1981“ bis zu „Tausend Tode“. Und was das Beste ist, alle Texte sind mit Noten versehen. Wenzel zum Selbermachen und Mitsingen, „wenn die Reisigfeuer brennen / Und das Land im Rauch ertrinkt“.

Michael Wüstefeld, SAX, 22.6.2011

 

Wenzel? ja, Wenzel

Was auch immer man an Wenzel mag oder nicht – in diesem kleinen Band ist alles versammelt. Vom unvertonten Text bis hin zum Wenzel-„Gassenhauer“, alles dabei und alles wie immer aus dem Herzen getextet. Wer allerdings eine Sammlung seichter, weltschmerzender Lyrik aus dem Meeresauschen erwartet, der sei gewarnt. Das Spektrum reicht vom offensichtlichen Fernweh bis hin zur bissigen Satire nah der Gürtellinie. Vom Dreizeiler bis zum Epos – keine Ausnahmen erlaubt.
Mein Fazit: Kaufenswert und garantiert nicht nur 1x zum Lesen gut…

R. Luplow, amazon.de, 7.5.2011

Grundgefühl Heimatlosigkeit

– Der Lyriker Hans Eckardt Wenzel forderte kurz vor dem Umbruch 1989 in einer Resolution von Musikern und Liedermachern Reformen in der DDR. Im Osten Deutschlands ist er heute sehr, im Westen eher wenig bekannt. Nun erscheint ein neuer Band mit seinen Gedichten. –

In Hans-Eckardt Wenzels Gedichtband Antrag auf Verlängerung des Monats August aus dem Jahr 1986 findet sich das Gedicht „Das Meer geht heute bis an meine Zehen“. Darin beklagt sich das Lyrische Ich, dass es den Rand seines kleinen Landes erreicht hat, wenn seine Zehen Fühlung mit dem Meer nehmen. Auch für den 1956 in Kropstädt/Wittenberg geborenen Autor weckte die Ostsee zu dieser Zeit Sehnsüchte. Die vermag das lyrische Ich nicht zu stillen, denn, am Ufer stehend, kann es keinen Schritt mehr weiter gehen, weil das Meer eine Grenze markiert. Mit dem Titel seines neuen Gedichtbandes Seit ich am Meer bin, wendet sich Wenzel erneut dem Meer zu, das ganz unbeeindruckt von inzwischen stattgehabten politischen Wenden weiterhin Welle auf Welle ans Ufer schickt. Auf das Meer ist Verlass. Wann immer man zu ihm zurückkommt, es ist ewig das gleiche Meeresrauschen zu hören, zwar ein Rauschen in Variationen, aber dennoch ein Rauschen.
Dass in unruhigen Zeiten wenigstens auf die Natur Verlass ist, hat etwas Beruhigendes. Das Meer, im vorletzten Gedichtband ein Element unter anderen, ist im neuen Gedichtband von elementarer Bedeutung. Dem traumlosen lyrischen Ich schenkt es im titelgebenden Gedicht Träume. Auch wenn die sich durch Schwere auszeichnen, ist das Ich mit dieser Meereszuwendung einverstanden, denn es will sich ja nicht aus der Zeit träumen. Wenzel entwirft keine sich der Idylle zuneigenden Traumburgen, auch wenn die Hoffnungen, die das lyrische Ich in der Vergangenheit hegte, auf Sand gebaut waren. Es „hasst sein Zuhause / Und will nicht wieder hin“, wie es in „Kleines Cervennen Lied“ heißt, einem der schönsten Gedichte aus diesem sehr gelungenen Lyrikband. Diese Heimatlosigkeit ist eines der Grundgefühle, denen Wenzel in seinen Gedichten immer wieder Ausdruck verleiht. Es ist die Fremde, mit der er sich arrangieren muss, es ist das Gefühl des Fremdseins, das ihn begleitet – „weich verzeichnet verschwimmen meine Orte“ lautet eine Zeile aus dem Gedicht „In meiner Stadt sind jetzt die Barbaren zu Hause“.
Nicht nur die Orte verschwimmen, sondern auch die Jahre. Zeit ist vergangen, auch wenn das Meer den Eindruck erweckt, als wäre alles noch wie immer. Inzwischen ist das lyrische Ich, das sich im neuen Band zu Wort meldet, in der Welt herumgekommen. Nun ruft ihm das Meer mit der Zeit, von der es rauschend erzählt, eine andere Grenze in Erinnerung. Nicht nur in seinen Liedern, sondern auch in den neuen, mit sehr viel Melancholie unterlegten Gedichten, erweist sich Wenzel als ein hoffnungslos Verlorener, der sich nicht damit abfinden will, dass das Glück nur mit der Zukunft Hand in Hand gehen soll. Er findet es auch in der Vergangenheit, wenn er sich erinnert. Zum Glücklichsein aber bleibt dem sich nach Glück Verzehrenden nur wenig Zeit. Wenzel ist ein wacher, ein die Widrigkeiten der Zeit nie aus den Augen verlierender dichtender Liedermacher, der von der Schönheit nicht lassen will und der zugleich benennt, wodurch sie bedroht wird. Das hat Wenzels Gedichte früher ausgezeichnet. Diesen Anspruch hat er nicht aufgegeben. Eigentlich muss man Wenzel hören, aber manchmal sollte man ihn auch lesen, denn die Gedichte nehmen einen anders mit als die Lieder und man kann sie anders mitnehmen.

Michael Opitz, Deutschlandfunk Kultur, 30.1.2012

Schreiben als Schutz vor der Welt

– Berlin-Prenzlauer Berg, ein Hinterhaus in der Nähe des Friedrichshains. Aus dem Fenster fällt der Blick auf den Hof, die nächste Häuserwand, Bäume, einen Sandkasten. Hans-Eckardt Wenzel sitzt am Schreibtisch, vor sich eine Tasse Kaffee. Er trägt ein blau-weiß gestreiftes Sweatshirt. Was sonst. –

Seit 1976 wohnt der aus Kropstädt bei Wittenberg (Sachsen-Anhalt) stammende Musiker hier. Einer der letzten Alteingesessenen. Er mag die Stadt, mag es, mittendrin zu sein. Mit Sehen und Hören, mit Beobachten fangen seine Lieder an, seine Texte. Ein paar Worte, die ihm im Vorübergehen einfallen. Eine Empfindung. „Die erste Zeile“, sagt Hans-Eckardt Wenzel, „ist Gottesgabe. Der Rest ist Fleiß.“
Etwa zwei Dutzend Alben von ihm sind in den vergangenen 25 Jahren erschienen. Für die erste Platte, Stirb mit mir ein Stück (1986), gab es gleich den DDR-Schallplattenpreis für Chanson. Seitdem ist kaum ein Jahr vergangen, in dem Wenzel nichts veröffentlicht, nichts vertont hat – darunter Texte der beiden Österreicher Theodor Kramer (1897–1958) und Henriette Haill (1904–1996). „Es sind ja eher die Label, die festlegen, dass man nur alle zwei Jahre eine CD herausbringen soll“, sagt er.

Wenn man sich dagegen Komponisten früherer Jahrhunderte anschaut wie Johann Sebastian Bach, die haben auch eine Menge geschrieben.

Kreativität als Versuch, sich vor der Welt zu schützen. Manchmal ist das bei Wenzel so. Dann wieder gibt es einen äußeren Anlass, sich mit einem Thema zu befassen. Zum Beispiel mit dem US-amerikanischen Folkmusiker Woody Guthrie (1912–1967). Dessen Tochter Nora hatte bei ihm angefragt, ob er die Lieder ihres Vaters für den deutschen Sprachraum neu erschließen wolle. So entstand das Album Ticky Tock (2003); später folgte eine Deutschland-Tournee mit Guthrie-Sohn Arlo.
Der Nährboden für eine andere Zusammenarbeit war dagegen Freundschaft: Auf der CD Masken (2009) macht Wenzel Musik zu Texten von Christoph Hein. Den Schriftsteller, erzählt er, habe er in der Wendezeit kennengelernt, damals, als alles im Umbruch war.

Wir haben eine ähnliche Biografie, kommen zum Beispiel aus kleinen Städten, die noch dazu nur 30 Kilometer auseinander liegen.

Seitdem nehmen der Musiker und der Autor regen Anteil an der Arbeit des jeweils anderen. „Ich fühle mich beschenkt von dem, was er schreibt“, sagt Wenzel, und dass man sich gegenseitig anrege. Auch auf der Bühne, wo sie – wie am Sonntag in Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) – hin und wieder gemeinsam auftreten.
Als Hein ihm damals ein paar seiner Texte gab und fragte, ob er sie nicht vertonen wolle, musste Wenzel also nicht lange überlegen. „Er schreibt auf eine fantastische, sachliche Art“, schwärmt er.
Dabei war der Liedermacher, der zu DDR-Zeiten nicht zuletzt durch seine Bühnenprogramme mit Steffen Mensching (Letztes aus der Da Da eR) bekannt wurde, anfangs selbst eher im literarischen Bereich angesiedelt.

Bis ich dann entdeckte, dass Musik eine Form ist, die das ausdrücken kann, was Sprache nicht vermag.

Das Verhältnis von Text und Musik begann ihn zu interessieren – und beschäftigt ihn bis heute.

In der DDR gab es ja zum Beispiel eine sehr sprachzentrierte Art zu singen, im Westen dagegen ein stärkeres musikalisches Empfinden.

Anfang der 90er-Jahre begann Wenzel darum, an seiner Musik zu arbeiten. Er, der Autodidakt. „Ich habe mir das Handwerk selbst beigebracht, Partituren studiert“, erinnert er sich. Erst lernte er Konzertgitarre, dann kaufte er sich ein Klavier.

Ich habe es ohne Lehrer bis zu Bach-Fugen geschafft.

Wieder etwas später hatte er das Gefühl, Akkordeon könne interessant klingen. So, sagt er, war – und ist – es bei ihm immer:

Ich lerne, was ich für einen Song brauche.

Auf diese Weise ist zuletzt noch die Klarinette hinzugekommen.
Sein Zuhause sieht er dabei vor allem in der ernsten, der klassischen Musik.

Natürlich höre ich auch Rock, Pop und Folk, habe früher in einer Schülerband die ,Stones‘ gespielt.

Was Hans-Eckardt Wenzel aber wirklich fasziniert, sind die Lieder von Franz Schubert, die Werke von Dmitri Schostakowitsch und Johann Sebastian Bach. Letzterer ist erst in den vergangenen Jahren dazugekommen.

Seit die Unordnung in der Welt zugenommen hat, fasziniert mich seine mathematische Ordnung.

In die Programme der deutschen Radiosender schafft man es mit so einem Hintergrund naturgemäß eher selten. Muss man aber auch nicht, sagt Hans-Eckardt Wenzel, der seine Fangemeinde nicht zuletzt über seine Auftritte an sich bindet. Was für ihn selbst eine Möglichkeit ist, aus der Einsamkeit der Produktion herauszukommen, den Zweifel zu bekämpfen, ob die eigene Arbeit Sinn macht, zeigt ihm andererseits, dass es einen Bedarf nach dem gibt, was eben nicht „Mainstream“ ist.

Das, was in den Medien nicht stattfindet, findet auf den Konzerten statt.

Man dürfe seine eigenen Interessen eben nicht verleugnen, ist Wenzel überzeugt. Auch wenn das viel Kraft koste. Gerade junge Künstler meinten oft, sie müssten sich anbiedern.

Aber diese Leute werden nur verbraucht. Man organisiert Zombies, um Geld zu verdienen, und wirft sie dann weg.

Besser sei es da, sein eigenes System zu errichten, die Monopolstellung der großen Medienunternehmen zu unterlaufen.

Das viel geschmähte Internet ist da eine gute Möglichkeit.

Hans-Eckardt Wenzel kann von der Musik leben. „Das ist Glück“, sagt er. Von dem Lyriker Theodor Kramer, erklärte er einmal in einem Interview, habe er gelernt, dass man die Realität akzeptieren müsse. „Solange sie einem nicht ans Leben geht“, schiebt er heute nach. Die Bindung an die Wirklichkeit ist für ihn etwas Entscheidendes. „Darum“, sagt er, „bin ich auch nicht aus der DDR weggegangen.“
Heute ist der Musiker viel unterwegs. Auf der ganzen Welt. Ein „sehr intensiver Familienmensch“ sei er daher nicht. Immerhin hat er für Nesthäkchen Mascha eine eigene CD mit Kinderliedern eingesungen. Tochter Karla ist bereits selbst als Musikerin erfolgreich. „Ich bin ja mit Kindern groß geworden, habe selbst vier Schwestern“, sagt Wenzel. Der Rückhalt der Familie sei ihm wichtig.
Gerade ist sein neuer Lyrikband erschienen, der erste seit 25 Jahren. Geschrieben habe er ja eigentlich immer. In der Freizeit, ohne den Vorsatz, das einmal veröffentlichen zu wollen.

Ich hatte keine Lust, mich in diesen Buchmarkt zu mischen. Da herrschen ja zum Teil mafiöse Strukturen.

Und doch fühlte sich der 55-Jährige, nachdem sich „Unmengen von Material“ angesammelt hatten, in der Pflicht, „das alles mal zu ordnen“.
Seit ich am Meer bin heißt der schmale Band, der nun Balladen und Lieder vereint, lange Gedichte und kurze, poetische Notizen. Sie handeln von der Ferne und wie sie den Wanderer empfängt, vom Loslassen ebenso wie von der Kraft der Liebe, von Sehnsucht und der Angst vor dem Tod. Wenzel erzählt von alldem, wie man es von seinen Liedern kennt: mal heiter-melancholisch, dann wieder mit feinem Sarkasmus, bitter und hart, dann wieder ganz zart und leise. Als die Arbeit am Buch im Endstadium war, hat er sich sogar die Musik versagt, drei Monate lang. „Sie hat manchmal so etwas Versöhnendes, das wollte ich fern halten“, sagt er. Und:

Unser ganzer Alltag ist so stark von Musik geprägt.

Hin und wieder brauche man da einfach die Kraft eines klar formulierten Wortes.
Mit seinen Versen will er an eine Tradition anschließen, eine „Form von Lyrik“, die seiner Meinung nach immer mehr aus der Öffentlichkeit verschwunden ist. Zum anderen ist das Buch aber auch eine Art Test.

Ich habe ja viele literarische Projekte, sitze zum Beispiel an einem Roman und einem Essayband. Lyrik jedoch ist die antikapitalistischste Form – man kann nie so viel Gewinn herausholen, wie man Arbeit in eine Zeile steckt.

Sollte es mit den Versen gut laufen, könnte er sich also durchaus mehr und andere Veröffentlichungen vorstellen.
Zur See, die seinem Gedichtband den Titel gegeben hat, fühlt sich Hans-Eckardt Wenzel übrigens schon immer besonders hingezogen.

Eigentlich bin ich ein verhinderter Matrose.

Das Leben auf Tournee sei der Arbeit auf einem Schiff ja auch nicht ganz unähnlich.

Das Schönste ist das Wegfahren, das Aufbrechen an neue, fremde Orte.

Stephanie Lubasch, MOZ, 9.4.2011

 

 

 

Zum 60. Geburtstag des Autors:

Torsten Wahl: Distanz zu den Siegern
Mitteldeutsche Zeitung, 30.7.2015

Torsten Wahl: Hans-Eckardt Wenzel hält sich tapfer am Rand
Berliner Zeitung, 31.7.2015

Hans-Eckardt Wenzel – Sänger, Dichter, Weltentdecker
Mitteldeutscher Rundfunk, 30.7.2015

Hans-Dieter Schütt: Hoch die Meerwertsteuer!
neues deutschland, 31.7.2015

Matthias Zwar: Der Clown mit den traurigen Augen
Freie Presse, 31.7.2015

 

Fakten und Vermutungen zum Autor + facebook + InterviewIMDb

 

Bild von Juliane Duda mit den Übermalungen von C.M.P. Schleime und den Texten von Andreas Koziol aus seinem Bestiarium Literaricum. Hier „Das Wenzelmensching“.

 

Beitragsbild von Juliane Duda zu Richard Pietraß: Dichterleben – Hans-Eckardt Wenzel

 

Hans-Eckardt Wenzel Soloprogramm 2006 bei den Osterburger Literaturtagen im Hotel Zum Reichskanzler.

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