Hans Magnus Enzensberger: Erinnerung an die Zukunft

Enzensberger-Erinnerung an die Zukunft

BLINDENSCHRIFT

Lochstreifen flattern vom Himmel
Es schneit Elektronen-Braille
Aus allen Wolken
fallen digitale Propheten

Mit verbundenen Augen
tastet Belsazer
die flimmernde Wand ab:
mit Händen zu greifen

immer dasselbe Programm:
Meneh tekel
Meneh meneh tekel
Meneh tekel

Gezeichnet:
unleserlich

Nimm die Binde ab
König Mensch und lies
unter der blinden Schrift
deinen eigenen Namen

 

 

Drei Fragen und drei Antworten

anläßlich einer Sammlung von Gedichten

1. Ob es einen Sinn hat, dieses Buch zu lesen.

Ich habe den Eindruck, daß die Nachfrage nach Sinn das Angebot bei weitem übertrifft. Das wundert mich nicht. Denn das Verlangen, unsern Handlungen einen Sinn zu verleihen – irgendeinen Sinn –, wird umso übermächtiger, je weniger die Verhältnisse, unter denen wir zusammenleben; es einlösen können. Betrieb und Verbrauch, Komfort und Sorge sind kein Ersatz dafür. Der aberwitzige Wunsch, der Alltag möge einen Sinn haben (was immer das heißen mag), ist äußerst hartnäckig. Niemand kann ihn aus der Welt schaffen, und niemand kann ihn erfüllen; am allerwenigsten, die Scharlatane und die Gurus, die Kurpfuscher und die Wanderprediger, denen eine verzweifelnde Kundschaft heute wieder einmal die Türen einrennt. Was diese Ratgeber anzubieten haben, sind Arzneien, die das Übel nur noch schlimmer machen. Ihre Surrogate steigern die Suche zur Sucht. Sinn ist nämlich keine Droge, die sich beliebig herstellen und auf den Markt werfen läßt. Nun will es ein altes und fatales Herkommen, daß die Literatur als Produzentin dieser raren und wenig faßbaren Substanz herhalten soll. Was die Wirklichkeit nicht hergibt, dafür soll die Kunst einspringen. Auch ich weiß, wie jeder Schriftsteller, davon ein melancholisches Lied zu singen. Oft genug bin ich gefragt worden: Wozu das alles? Was tun? Sehen Sie eine Hoffnung, einen Ausweg? Ich fürchte, nur ein Schwindler kann die verlangte Antwort geben. Wer sich, und sei es nur aus Hilfsbereitschaft, darauf einläßt; der wird unversehens zum Schlagertexter, oder, was mir schlimmer scheint, zum Hohepriester.
Tatsächlich merke ich, wenn ich mich auf Kunstmärkten und Seller-Listen umsehe, daß das alte Raunen wieder angeht, daß das Wolkige, Ungefähre, Beschwörende wieder einmal Konjunktur hat. Das Resultat ist gewöhnlich freche Augenwischerei oder schlechte Literatur. Nein, ich glaube nicht, daß die Dichter herbeischaffen können, was die menschliche Gesellschaft uns verweigert. Ich für meinen Teil weiß, daß ich Erlösung nicht zu bieten habe; und wenn meine Arbeit etwas stiften kann, dann ist es nicht Sinn, sondern Zweifel.

2. Ob dieses Buch einen Standpunkt vertritt.

Wenn schon keinen Seelentrost und keinen Lebenshilfe, höre ich hie und da sagen, dann werden wir vom Dichter, vom Essayisten doch zumindest eins erwarten dürfen: daß er uns sagt, wo, genau, und wogegen er steht, auf welche Grundsätze er schwört, wofür er eintritt und wogegen, und zwar, versteht sich, ein für allemal. Damit sind wir schon bei der nächsten Enttäuschung, auf die der Leser sich gefaßt machen muß. Es tut mir leid, aber nur ein Schuft gibt mehr, als er hat. Und so gestehe ich lieber gleich, daß ich nicht die geringste Lust verspüre, mich selber festzunageln und ein Sortiment von unverwüstlichen Bekenntnissen abzulegen. Im Gegenteil! Widersprüche stören mich nicht, sie gefallen mir, sie inspirieren mich, ohne sie kriege ich keine Luft.
Ich hänge sogar gerne von meinen historischen Umgebungen ab, vom fortwährenden Wortwechsel mit den andern, den Lebenden und den toten. Ich ruhe durchaus nicht in mir selber; das wäre mir auch zu langweilig. Ich brauche das Stimmengewirr, in Streit und Liebe. Ich muß mich frei bewegen; das nimmt mir keiner ab. Mancher, der so gefestigt ist, daß er sich schon längst nicht mehr von der Stelle rührt, wird sich darüber ärgern, daß der Schriftsteller nicht Platz nimmt, wenn er ihm, wie einem Dackel, „Platz!“ zuruft (und dieser Platz ist meistens das haarige Körbchen einer Weltanschauung). Aber auch der gutwillige Leser ist oft verwirrt, wenn er bemerkt, daß zum Schreiben nicht nur ein klarer Kopf gehört, sondern auch das, was die Boxer „Fußarbeit“ nennen. Der Vorzug dieses Trainings liegt aber darin, daß der Kämpfende sich selten dort befindet, wo seine Gegner ihn vermuten.
Im übrigen, bedenkt doch einmal für einen Augenblick – das möchte ich denen gern entgegenhalten, die mich lieber an einen festen Standpunkt gepflockt sähen –, bedenkt, wie wohlfeil die Beteuerungen zu haben sind, die ihr von mir hören möchtet! Es kostet ja nichts, sich zu den schönsten Grundsätzen zu bekennen. Was darf es sein? Die Gerechtigkeit auf der Welt? Respekt vor der Natur? Ein wenig Revolution? Der ewige Frieden? Brot für die Dritte Welt? Ein Happy-End für die Weltgeschichte? Die Politiker aller Farben machen uns in jedem Wahlkampf, auf jedem Parteikongreß vor, wie man dafür „eintritt“. Keiner glaubt ihnen; alles gähnt.
Da wäre es vielleicht doch gescheiter, man hielte sich nicht an Absichten, sondern an Resultate. Der Beweis dafür, ob der Pudding etwas taugt, liegt, wie die Engländer sagen, im Essen. Erst wenn sie getan ist, stellt sich heraus, was eine Arbeit taugt. Und was die Prinzipien angeht – meistens sind Haltungen dauerhafter! Allerdings wäre es mir recht; wenn sich zeigen sollte, daß die Verwandlungen aus fünfundzwanzig Jahren, die sich in diesen Gedichten finden, mehr Beharrlichkeit als Wankelmut, mehr Eigensinn als Willkür verrieten. Es wäre mir recht. Aber ich kann es nicht beurteilen.

3. Ob ein Verfasser sich selbst kommentieren muß

Ich finde, er sollte es bleiben lassen. Das ist leicht gesagt, aber schwer getan; denn die Forderung, er möge gefälligst erklären, warum er was wann geschrieben und wie er das Geschriebene gemeint habe, schallt heute jedem, der ein Buch veröffentlicht hat, aus Schulklassen, Funkhäusern, Diskussionszirkeln und Feuilleton-Redaktionen entgegen, so daß einer, der auf alle diese Wünsche eingehen wollte, gar nicht mehr dazu käme, etwas Neues zu schreiben. Die Literatur über Literatur erfreut sich einer entsetzlichen Beliebtheit. Vielen Lesern ist der Kommentar offenbar näher als der Text, die Interpretation willkommner als das Gedicht, das Nachwort lieber als das Buch.
Eine Art Hausschwamm scheint die Literatur befallen zu haben, der sich mit wunderbarer Geschwindigkeit ausbreitet und jedes geschriebene Wort, kaum daß es gedruckt ist, mit einer dicken Schimmelschicht von Auslegungen, Lesehilfen und Erklärungen überzieht. Und für den Fall, daß der Autor sich nicht dazu verstehen will, zu sagen, was er eigentlich sagen wollte (und was er anscheißend nur nicht so recht ausdrücken konnte), steht ein Heer von Spezialisten bereit, ihm auf die Sprünge zu helfen und dem Leser, der offensichtlich blind, taub, hilflos und ohne Vormünder verloren ist, an die Hand zu nehmen, ihn fortzubilden, anzuleiten und auf den Weg der rechten Lektüre zu bringen. Muß das sein? Gibt es wirklich niemand mehr, der selber lesen kann, auf eigene Faust, der durchaus fähig ist, sich sein teil dazu zu denken, auch ohne daß ihm irgend jemand – sei’s der Fachmann oder sei’s der Autor selber –, fortwährend irgendwelche Ratschläge, Deutungen, Ermahnungen ins Ohr zischelt? Sind wir wirklich alle auf Schulmeister und Experten angewiesen? Ja, gibt es die richtige Lesart überhaupt, die einzig wahre Bedeutung, auf deren Spur sie uns zu bringen versprechen?
Alles Unsinn. Lesen lernt man nur durch Lesen, und Bücher versteht man nur, wenn man sie selber in die Hand nimmt, selber zum Sprechen bringt. Von dem Augenblick an, wo er sein Buch aus der Band gibt: ist der Autor seiner nicht mehr Herr, die Schrift hört nicht mehr auf ihn, sie hört auf ihre Leser. Geneigte Leser, wütende Leser, ahnungslose, kenntnisreiche, dumme Leser und gescheite – wer das unterscheiden könnte! –, gründliche, flüchtige, ernsthafte und leichtsinnige Leser – das eine schließt das andere nicht aus! –, boshafte und liebe Leser: alle lesen sie etwas anderes aus ein und demselben Text, und alle haben sie recht. Nur die ängstlichen Leser nicht; an denen, wie an den ängstlichen Schreibern, ist Hopfen und Malz verloren.

Hans Magnus Enzensberger, Vorwort

Nachwort

Ich bin ganz gern asynchron…
(HME)

Mit einem breiten Spektrum an literarischen Formen, Verhaltensmodellen im kulturellen Bereich, Wirkungen in der Öffentlichkeit, in staatlichen Institutionen und Parteien ist HME in den letzten dreißig Jahren zu einer außergewöhnlichen literarischen und politischen Instanz geworden. Sein stets zum Widerspruch herausforderndes Werk, geprägt durch Bildung und Gelehrsamkeit, Neugier und Entdeckerlust, Zweifel und politische Wachsamkeit, gehört zum brisantesten einflußreichsten und intensivsten, was die westdeutsche Nachkriegsliteratur hervorgebracht hat.
Enzensberger ist Herausgeber von Poesie aus vielen Sprachen; er lebte in den USA, in Norwegen, Italien und Kuba, in Westdeutschland und in Westberlin; er war Rundfunkredakteur in Stuttgart, Verlagslektor in Frankfurt und 1965 Begründer und langjähriger Herausgeber der Zeitschrift Kursbuch, die ihn seit 1975 als Mitarbeiter nennt. Für die Monatsschrift Trans-Atlantik, die sich vom aufklärerisch-revolutionären Impetus des Kursbuches eher durch heitere Töne in der politischen Essayistik und elegante Reiseberichte unterscheidet, behielt er sich von 1980 bis 1982 Konzeption und Vetorecht vor.
Mit Ironie und Verzweiflung plädiert er heute wie vor fast einem Vierteljahrhundert für das utopische Moment der Literatur, „die spricht, als wäre Zukunft möglich, als ließe sich frei sprechen unter Unfreien, als wäre nicht Entfremdung und Sprachlosigkeit“, und insistiert auf den Eigensinn, auf die subversive Kraft von Poesie und die Aktivierung des Subjekts im historischen Prozeß. Die Widersprüche seiner poetischen Konzeption, die sich zwischen Engagement und Distanz, Utopie und Negation der Wirklichkeit bewegen, sind zugleich Merkmale seiner intellektuellen Produktivität, „Anweisung an Sisyphos“ heißt ein Gedicht seines ersten Gedichtbandes.

Was du tust, ist aussichtslos, Gut:
du hast es begriffen, gib es zu,
aber finde dich nicht damit ab,
Mann mit dem Stein…

Ob als Lyriker und kritischer Publizist, als Dramatiker und Hörspielautor oder als Herausgeber von internationaler moderner Poesie und von Zeitschriften – immer waren seine Projekte „unzeitgemäß“. Mit Peter Rühmkorf und Erich Fried war er in den fünfziger Jahren einer der ersten, der nicht nur politische Gedichte schrieb, sondern auch das politische Gedicht Heines und Brechts verteidigte. Die kritischen Analysen der Bewußtseinsindustrie seines Landes empfahlen den Intellektuellen zu Beginn der sechziger Jahre, sich auf ihr gefährliches Spiel einzulassen, lange bevor die einseitigen Medientheorien der Neuen Linken – die nur ihre manipulative Funktion betonten – entstanden. Frühzeitig signalisierte Enzensberger die Probleme der Dritten Welt, ihre Kolonialisierung durch die größten Industriestaaten und wurde zum Vordenker der 68er Studentenbewegung, ohne sich von einer Fraktion oder Gruppierung vereinnahmen zu lassen. Seine Kritik der politischen Ökologie erschien 1973 im Kursbuch, als an eine starke grün-alternative Bewegung in der BRD noch nicht zu denken war. In seiner jüngsten Hörspiel- und Theaterarbeit belebt er mit dem Werk des Philosophen Denis Diderot die Tradition der französischen Aufklärung in Zeiten von Vernunftskritik (auch bei Enzensberger selbst) und Postmoderne. Die politischen und ästhetischen Innovationen, die von Enzensberger ausgingen, waren stets geschichtlich fundiert und bezogen sich mit radikaler Kritik auf die kapitalistische Gesellschaft. Sie wurden aber auch von ihm zurückgenommen oder zerstört, wenn sie zu Klischees oder zur Mode erstarrten.
Seit den sechziger Jahren ist Enzensbergers Suche nach Formen des künstlerischen und politischen Engagements geprägt durch die Auseinandersetzung mit globalen Menschheitsproblemen – Hunger in der Dritten Welt, Umweltzerstörung, Zerstörung der menschlichen Zivilisation durch Atomkraft, Bedrohung von Kultur und Individuum und andere Folgen unbedachten Fortschrittsoptimismus in einer das Bewußtsein und die Wahrnehmung verstellenden Welt der Medien. Wenn er heute eine Lobrede auf den Eigensinn hält und die Vorzüge der Inkonsequenz preist, Bekenntnissen und Zugehörigkeitserklärungen gegenüber mehr auf die Widersprüche der Wirklichkeit, den Zweifel an traditionellen Denkmodellen und eigene Selbstkritik setzt, so spiegeln sich darin Erfahrungen und Hoffnungen eines kritischen Intellektuellen, der angesichts der vor der Menschheit aufgehäuften Widersprüche einzig und allein seiner radikalen Subjektivität vertraut.
Mit seinem vorläufig letzten Projekt Die Andere Bibliothek (1985) markiert Enzensberger schon im Titel den Widerspruch zum Vertrauten., Bereits in einem Zeit-Essay (1981) „Das Brot und die Schrift“ machte er auf den Untergang der „Schwarzen Kunst“, der Kunst der Schriftgießer, Setzer und Drucker durch moderne fotomechanische Verfahren und damit auf „die Zerstörung der Sinnlichkeit“ aufmerksam. In der Anderen Bibliothek erscheint nun seit 1985 jeden Monat ein Buch zu einem festen Preis. Die von Enzensberger getroffene Auswahl wird von Franz Greno verlegt, der mit alten Monotyp-Setzmaschinen arbeitet, im alten Bleiverfahren, so daß jedes Buch in einer anderen Schrift gedruckt werden kann. Das Ziel ist die Produktion von billigen, anspruchsvollen und schönen Büchern. Mit unterschiedlichsten literarischen Präsentationsformen entsteht eine „Archäologie der Weltliteratur“: Lügengeschichten (Lukian von Samosata), autobiographische Erinnerungen (Charhadi: Ein Leben voller Fallgruben, Boris Svinkow: Erinnerungen eines Terroristen, Karl August von Varnhagen: Journal einer Revolution 1848/49), Reisebeschreibungen (Seume: Spaziergang nach Syrakus), Märchen (Norwegische Märchen), Recherchen (H.C. Lea: Die Inquisition). Bisher liegen 34 Bände vor. Drei Sonderbände mit den Berichten über die Ermittlungen der Amerikanischen Militärregierung für Deutschland (OMGUS) gegen deutsche Großbanken (Dresdner Bank, Deutsche Bank) und Industrieunternehmen (I. G. Farben) von 1945 bis 1947 bringen zum erstenmal in Buchform und in deutscher Sprache dieses Material über die Verantwortung der genannten Firmen für den Aufstieg des Nationalsozialismus an die Öffentlichkeit. Der Umgang mit dokumentarischem Material, mit Fakten und Zitaten gehört seit drei Jahrzehnten zu Enzensbergers Literaturverständnis. Er bereicherte damit nicht nur seine poetischen Verfahren, sondern leistete eindrucksvolle Aufklärungsarbeit über verdrängte und unbewältigte Geschichte.
Im Unterschied zu seinem Aufsatz „Baukasten zu einer Theorie der Medien“ von 1970, in dem Enzensberger einen emanzipatorischen Mediengebrauch fordert und eine Konzeption von Kommunikationsnetzen entwickelt, die Massenaktivität ermöglichen, richten sich seine Reflexionen heute mehr auf den Zustand der Literatur und auf die Zukunft des Buches im Zeitalter der Massenmedien. Dafür wird ihm, vor allem aus linken Kreisen, die Rückkehr in „den Schoß der Bourgeoisie“ und „ein Abstürzen vom politischen Schlagfit zum kulturell durchdünsteten Schöntümler“ attestiert: das sind jedoch Simplifizierungen, die wie all jene Fixierungen Enzensbergers – Möchtegern-Villon, Pubertäts-Brecht, romantische Gestalt, Dandy, Anarcho-Kommunist, um nur einige zu nennen – zu kurz greifen. Suche nach authentischen Standpunkten, theoretischer Sinn und beispielhafte Sprachbeherrschung zeugen ebenso wie seine Provokationen und produktiven Widersprüche vom Eigensinn und von der Widerstandskraft seiner Dichtung, aber auch von den Möglichkeiten und Grenzen eines kritischen Intellektuellen unter den Bedingungen eines Landes ohne starke politische Bewegung für eitle engagierte Literatur. Die 1968 in den Berliner Gemeinplätzen verkündete Aufforderung an die Intellektuellen „Kurzfristige Hoffnungen sind eitel. Langfristige Resignation ist selbstmörderisch“ bleibt eine Maxime seines Denkens, Schreibens und Handelns.

Der erste Gedichtband Enzensbergers, Verteidigung der Wölfe (1957), der in der westdeutschen Lyrikentwicklung der fünfziger Jahre eine gesellschaftspolitische und sprachliche Neuorientierung markierte, enthielt eine eigens vom Autor für diesen Band verfaßte Abhandlung seiner bisherigen Lebensstationen:

Geboren am 11. November 1929 in Kaufbeuren im bayrischen Allgäu (unter uns gesagt der Geburtsstadt Ganghofers…); als Kind in Nürnberg; ,Reichsparteitage‘ vor mittelalterlicher Kulisse; im Nachbarhaus wohnte Streicher, die Leute aus dem Haus brachten ihm Blumen zum Geburtstag; später kamen die Luftminen. Im Winter 44/45 zum Volkssturm; Ehrenkleid in die Mülltonne, Schwarzhandel und Abitur. Studium in Erlangen, Hamburg, Freiburg im Breisgau und an der Sorbonne; Literatur, Sprachen, Philosophie. Zwei Jahre Studententheater. In den Ferien Trampreisen durch Europa. Promotion 1955.

Die Dissertation „Über das dichterische Verfahren in Clemens Brentanos lyrischem Werk“, 1961 unter dem Titel „Brentanos Poetik“ veröffentlicht, wäre nicht nur eine immanente Auseinandersetzung mit der Poetik Brentanos, sondern mehr noch der Versuch einer eigenen poetischen Selbstfindung. So lesen wir zu Beginn der Arbeit: „Sein wahres Wesen kennen wir nicht; der Brentano, von dem wir zu wissen glauben, ist ein Geschöpf, an dem seine und unsere Einbildungskraft nicht weniger teilhat als die Geschichte; ein träumerisches Kind…, Gebieter über ein phantastisches Fürstentum zwischen Himmel und Erde; ein Kobold und Bürgerschreck…, ein Komödiant, Tagdieb und Gitarrenspieler, unsteter Mann…“
Diese Sätze lesen sich, als hätte Enzensberger Momente seiner eigenen Perspektive vorweggenommen. Mit der Romantik fühlt er sich verbunden, weil hier eine „poetische Revolution“ ausgelöst wurde, mit der die Moderne beginnt. Enzensbergers Interesse am lyrischen Werk Brentanos richtet sich auf das poetische Verfahren der „Entstellung“, mit dem die Worte aus ihrem gewöhnlichen Bedeutungszusammenhang gerissen werden, um sie dichterisch neu verfügbar zu machen. Die Leistung des Verfahrens sieht Enzensberger in der Eröffnung bisher nichtgenutzter Möglichkeiten der Sprache; so der syntaktische Choc, die Bildverdichtung, die Animation, die unverbundene Reihung, die grammatische Entstellung, die Identifikation und die entstellende Redensart. Das Wort wird zwischen seinen Bedeutungsmöglichkeiten in der Schwebe gehalten und kann nicht vorschnell auf eine konkrete Bindung festgelegt werden. Enzensberger hat dieses Verfahren für seine eigene lyrische Produktion mit großer Bewußtheit und „künstlerischer Ökonomie“ übernommen, er hat seine Poetik an ihm ausgebildet. Literarische Subversivität und politischen Gebrauchswert stellte er gegen die zeit- und geschichtslose Naturlyrik, gegen Benns Konzept vom „absoluten Gedicht“ und von „monologischer Kunst“ ebenso wie gegen das Reduktionsverfahren der „konkreten Poesie“. Innerhalb der westdeutschen Nachkriegslyrik setzte er einen durch Offenheit gegenüber den gesellschaftlichen Verhältnissen und durch die Aufnahme von Umgangs- und Alltagssprache in Form von Sprachmontagen gekennzeichneten Gedichtstyp durch Enzensbergers Montageverständnis entwickelte sich aus intensiver Beschäftigung mit der modernen Poesie, besonders aus intimer Kenntnis César Vallejos, William Carlos Williams und Pablo Nerudas, und aus praktischer und analytischer Beschäftigung mit der Bewußtseinsindustrie, die er bereits zu Beginn der sechziger Jahre in seiner Essaysammlung Einzelheiten als die eigentliche Schlüsselindustrie des zwanzigsten Jahrhunderts bezeichnete. Das „ironisierende und verfremdende Zitieren von, Umgangsjargon, Parolen, Reklameversen und Nachrichten verweist nicht nur auf einen konkreten Sprachgebrauch, es zielt auf die Demontage, von Sprach- und Denkmustern bürgerlicher Ideologie. So kontrastiert er zum Beispiel in dem Gedicht „Bildzeitung“ eine Vielfalt von Sprachebenen und Sprachstilen. Einmontiert in den Text sind Elemente des Märchens, idiomatische Wendungen und Slogans der Umgangssprache, Begriffe aus der Arbeitswelt und dem Sportjargon, Formeln aus der Sprache der Werbung und der Predigt, die sich in ihrer Gesamtheit gegenseitig relativieren, entlarven und verfremden.
Die Strophen wenden sich jeweils an einen konkreten Adressaten, der zugleich für die ganze Gesellschaft steht: der Mann in seinem sozialen Status als Arbeiter, die Frau in den Abhängigkeitsverhältnissen des Berufslebens und des Mannes, und Mann und Frau gemeinsam als „Stimmvieh“ und „Sozialpartner“, Gängige Wunschbilder, der Medien –„du wirst reich sein“, „du wirst schön sein“ – werden durch die Kopplung mit dem schönen Schein der Märchenwelt „Tischlein deck dich“, „Eselin streck dich“ als irrationale entlarvt. Das Zerlegen und Umbauen von Wortmaterial – „Markenstecher“, „Uhrenkleber“, „Manitypistin“, „Stenoküre“, „Sozialvieh“, „Stimmenpartner“ – lassen eine Vielfalt von Sinnbezügen und Mehrdeutigkeiten im Gedicht entdecken.
Der Band Verteidigung der Wölfe ist aufgeteilt in freundliche, traurige und böse Gedichte. Reinhold Grimm, der 1958 die erste wissenschaftliche Arbeit über Enzensbergers „montierte Lyrik“ vorlegte, sah 1978 in der sich immer wiederholenden Struktur der Enzensbergerschen Gedichtbände eine Parallele zu Schillers drei Gattungen der sentimentalen Poesie: der ungebrochenen naturverbundenen Idylle, der klagenden Elegie und der beißenden Satire. In der Tat lassen sich mit dieser Einteilung auch die folgenden Bände vergleichen; Landessprache (1960), in dem mehr die aggressive Klage überwiegt, Blindenschrift (1964), der vorwiegend Elegien enthält, und der vorläufig letzte Lyrikband Die Furie des Verschwindens (1980), der wieder die klassische Dreiteilung Idylle, Elegie (hier Psalm) und Satire beinhaltet. Was in den Gedichten von 1957 noch möglich schien, ist es für Enzensberger jedoch in denen von 1980 nicht mehr: „die Vermittlung zwischen Geschichte, Natur und Subjekt kann nicht mehr gelingen“.

Innerhalb der westdeutschen Nachkriegsliteratur (repräsentiert vor allem durch die Gruppe 47) hebt sich Enzensbergers Lyrik besonders durch aggressive, scharfe Kritik ab, die sich mit Pathos, Ironie und Skepsis gegen die restaurative Zeitstimmung zur Wehr setzte. Als Meister der Montage von vernutzten Redensarten aus allen Sprachbereichen und einer hochentwickelten Kunstsprache gestaltete er Bilder gesellschaftlicher Verhaltensweisen, einer totaler werdenden Bewußtseinsindustrie, des Abbaus von Demokratie, der Zufriedenheit in der Stagnation und der staatlich geförderten geistigen Deformation der Individuen in der Adenauer-Ära. Im Gedicht „Goldener Schnittmusterbogen zur poetischen Wiederaufrüstung“ entwickelt Enzensberger nicht nur seine Lyrikauffassung – „Abschußrampen, Armeebischöfe, security risks: leider: Vokabeln ohne Aroma, keineswegs holzfrei / kaum zu Goldschaum der Kantilene zu schlagen…“ –, sondern dokumentiert auf anschauliche Weise das politisch-literarische Panorama der bundesdeutschen Wirklichkeit der fünfziger Jahre:

… Asphodelen
Viellieber, Mohn und Metaphysik, auch Urin
und Gebärmutterkrebs sind noch eher erlaubt,
Wenn schon Moderne, Verzicht auf Belcanto
als abendländischer Müll, Globkes Dossiers,
Mord feixend gefilmt, Sicherheitshauptämter…

Gegen das gewohnte Leseverhalten hatte Enzensberger seine ersten drei Gedichtbände in Kleinschreibung drucken lassen. Leider wurde die konsequente Kleinschreibung schon im Auswahlband Gedichte 1955-1970 (1971) durch die Wiedereinführung der Großbuchstaben ersetzt.
Gehen in den späteren Gedichten auch das Pathos und die Aggressivität verloren, so ist die kritisch-provokante Wahrnehmung von Widersprüchen, die ihre Wurzeln in der Faschismuserfahrung des jungen Enzensberger hat, ein bleibendes Element seiner Poesie.

Wenn einem der historische Prozeß einmal unter die Haut gegangen ist, dann traut man dem ordentlichen Alltag mit den blankgeputzten Fassaden nie mehr ganz über den Weg.

Bereits in den frühen Gedichten klingen leise, verzweifelte Töne an über die ihm immer wieder abverlangten Gesten der Empörung, der Betroffenheit und des Protestes einer Entwicklung gegenüber, „wo es rückwärts aufwärts geht“ (Landessprache). So heißt es im Gedicht „Jemands Lied“:

Wie kann einer singen von dem was nicht singt
vom Stummen?

Seiner Poesieauffassung; der das Autonomiepostulat ebenso immanent ist wie die soziale Punktion der Literatur, liegt die Beschäftigung mit der internationalen modernen Poesieentwicklung und die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Positionen von Brecht, Benn und Adorno zugrunde.
Dem Gedichtband Verteidigung der Wölfe war eine Art „Gebrauchsanweisung“, ein loser Zettel beigegeben:

Hans Magnus Enzensberger will seine Gedichte verstanden wissen als Inschriften, Plakate, Flugblätter, in eine Mauer geritzt, auf eine Mauer geklebt, vor einer Mauer verteilt; nicht im Raum, sollen sie verklingen, in den Ohren des einen, geduldigen Lesers, sondern vor den Augen vieler, und gerade der Ungeduldigen, sollen sie stehen und leben, sollen sie wirken wie ein Inserat in der Zeitung, das Plakat auf der Litfaßsäule, die Schrift am Himmel. Sie sollen Mitteilungen sein, hier und jetzt, an uns alle.

Die an Brecht erinnernde Ablehnung des kulinarischen monologischen Gedichts findet sich auch in Landessprache (1960) wieder:

Diese Gedichte sind Gebrauchsgegenstände, nicht Geschenkartikel im engeren Sinne… Der Leser wird höflich ermahnt, zu erwägen, ob er ihnen beipflichten oder widersprechen möchte.

Brecht und Enzensberger – beide wollten in unterschiedlichen historischen Konstellationen ihre Dichtung in den Dienst der Veränderung der Gesellschaft stellen, jedoch ergaben sich daraus jeweils verschiedene Perspektiven. Der parteiliche Dichter Brecht war von der Möglichkeit revolutionärer sozialistischer Umgestaltung zutiefst überzeugt, der „selbstbeauftragte“ Dichter Enzensberger stand dieser mit Skepsis und Zweifeln gegenüber.

Der Aufsatz „Scherenschleifer und Poeten“, für Hans Benders Anthologie Mein Gedicht ist mein Messer (1961) geschrieben, führt Brechtsche Ansätze zur Auseinandersetzung mit Benns Ästhetik weiter. Gegen die absolute Artistik setzt Enzensberger politische Verantwortung und Sinnlichkeit, an der sprachliche Arbeit anzusetzen habe:

Indem sie Sachverhalte vorzeigen, können Gedichte Sachverhalte ändern und neue hervorbringen. Gedichte sind also nicht Konsumgüter, sondern Produktionsmittel, mit deren Hilfe es dem Leser gelingen kann, Wahrheit zu produzieren.

Enzensberger sagt sich hier zwar auf radikale Welse vom Bennschen Dichtungskonzept los, verschweigt jedoch, wie er für seine Lyrik die unterschiedlichen lyrischen Techniken der Bennschen Gedichte fruchtbar machte. Auch im Museum der modernen Poesie (1960), einer Präsentation von 350 europäischen Dichtern, heißt es polemisch gegen Benn gewandt: „… auch die moderne, wie jede Poesie spricht von etwas, spricht aus, was uns betrifft.“
Enzensberger wendet sich in seiner Einführung „Weltsprache der modernen Poesie“ gegen die ahistorische Kanonisierung der Moderne und weist zu Recht auf ihren historischen Stellenwert und die Aporien hin, die ihr von Anfang an innewohnten. Obwohl in seiner Auffassung von einer Weltsprache der modernen Poesie von Baudelaire bis Brecht die historischen Zäsuren zum Teil verschwinden, ist der Verweis auf den Zusammenhang von moderner Poesieentwicklung und industrieller Produktionsweise im Jahre 1960 bemerkenswert. Mit der Berufung auf E.A. Poe und W. Majakowski bezeichnet er den Poeten als Technologen und opponiert damit gegen den Mythos der Inspiration und die Fetischisierung der schöpferischen Fähigkeiten des Dichters. Im Fragen nach der Machbarkeit und den Reflexionen auf die Entstehungsgeschichte des Werkes wird Enzensbergers Beschäftigung mit dem Marxismus deutlich, den er stets als kritisches Instrumentarium zur Analyse von Geschichts- und Gesellschaftsprozessen anwandte, ohne jedoch auf den Sozialismus als Alternative zum Kapitalismus zu vertrauen.
Obwohl Enzensberger auf die Verwendbarkeit des Gedichts im kommunikativen und politischen Kontext zielt, unterliegt seinem Poesieverständnis eine Auffassung vom politischen Gedicht bzw. vom Verhältnis von Poesie und Politik, die eine starke Affinität zu Adornos Theorie vom autonomen Kunstwerk aufweist. Um die Differenz zwischen politischem und poetischem Prozeß bemüht, sieht Enzensberger den politischen Auftrag der Poesie darin, sich jedem politischen Auftrag zu verweigern „und für alle zu sprechen noch dort, wo es [das Gedicht; D. D.] von keinem spricht, von einem Baum, von einem Stein, von dem, was nicht ist“. Poesie ist daher immer Widerspruch nicht Zustimmung zum Bestehenden, denn, so seine These, „Herrschaft, ihres mythischen Mantels entkleidet, ist mit Poesie nicht länger zu versöhnen“. Kritik wird zur produktiven Unruhe des poetischen Prozesses, weil das Gedicht – Enzensberger diskutiert es in seinem Aufsatz „Poesie und Politik“ an dem Sonderfall des Herrscherlobes – in den Augen der Herrschaft anarchisch und unerträglich, durch sein bloßes Dasein subversiv ist. Poesie enthält immer ein utopisches Moment und erinnert im Angesicht des gegenwärtig Installierten an „das Selbstverständliche, das unverwirklicht ist… Sie ist Antizipation und sei’s im Modus des Zweifels der Absage, der Verneinung.“ Hier finden sich deutliche Anklänge an seinen Lehrer Adorno wieder. In Adornos negativ aufklärerischer Dialektik ist Fortschritt in der Geschichte zur ewigen Wiederholung immergleicher verdinglichter Abläufe erstarrt. Dem gesellschaftlichen Verwertungszusammenhang vermag sich allein authentische Kunst durch negative Erkenntnis der Wirklichkeit zu widersetzen. Das autonome Kunstwerk ist Kritik und Protest und zugleich Vorwegnahme eines Zustandes, in dem das „Unentstellte, Unerfaßte, noch nicht Subsumierte in Erscheinung tritt“. Material, Form und Technik sind die konstituierenden Momente des autonomen Kunstwerkes. „Kunst heißt nicht: Alternativen pointieren, sondern durch nichts anderes als ihre Gestalt, dem Wettlauf widersetzen, der dem Menschen immerzu die Pistole auf die Brust setzt.“ Verbunden mit einer Abwehr des politisch-praktischen Engagements als „Praxisfetischismus“ existiert für Adorno das revolutionäre Subjekt nur noch im ästhetischen Bereich. Auch für Enzensberger manifestiert sich der politische Gehalt der Poesie allein in der Sprache.
In Blindenschrift (1964) fehlt die „Gebrauchsanweisung“ und der zornig provokative Impetus. Fortschrittszweifel angesichts atomarer Bedrohung und Naturzerstörung sind beherrschende Themen. Ein ruhig-ausgeglichener, von der Schlichtheit und dem Unspektakulären der Dinge sprechender Ton herrscht vor. Die „schwierige Arbeit“ besteht jetzt darin, „im Namen der anderen, die nichts davon wissen / geduldig / festhalten am Schmerz der Negation“. Politisches Engagement und Poesie scheinen unvereinbar.
Der große Neruda-Essay formuliert ein Ideal und zugleich die Zweifel an seiner Verwirklichung:

Auf den Dichter, der die Zwickmühle sprengt, der weder die Dichtung um ihrer Zuhörer noch ihre Zuhörer um der Dichtung willen verrät, und der nicht die Poesie zur Magd der Politik, sondern die Politik zur Magd der Poesie, will sagen, zur Magd des Menschen macht: auf diesen Dichter werden wir vielleicht noch lange, und vielleicht vergeblich, warten müssen.

Die Diskrepanz zwischen propagierter politischer Nützlichkeit und dem Wissen um ihre Erfolgslosigkeit und die Suche nach dem „Unbeschriebenen“, nach der Autonomie, wie sie Enzensberger in zerrissener Schönheit in seinem Gedicht „Lachesis Lapponica“ gestaltete, wird in den Jahren zwischen 1965 und 1971 scheinbar zugunsten der politischen Aktivität aufgehoben. Es gibt hier keinen radikalen Bruch, denn politische Essays mit einem ausgesprochenen Sinn für das Konkrete und das bedeutende Detail schrieb Enzensberger schon seit Ende der fünfziger Jahre; man denke nur an seine „Vorschläge für Atomwaffengegner“ (1958, 1959) angesichts der Stationierung atomarer Waffen in der Bundesrepublik, seine brillanten kulturkritischen Essays „Einzelheiten I. Bewußtseinsindustrie“ (1962), „Einzelheiten II. Poesie und Politik“ (1964), die Sammlung „Politik und Verbrechen“ (1964), seine Rede „Notstand“, gehalten auf dem Kongreß Notstand der Demokratie 1966 in Frankfurt (Main), seinen „Katechismus zur Deutschen Frage“ (1966), die Essays „Deutschland, Deutschland unter anderem“ (1967) oder seinen Offenen Brief an den Präsidenten der Wesleyan University „Warum ich Amerika verlasse“ (1967).
Veränderte internationale Bedingungen wie der imperialistische Krieg in Vietnam, die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen in den USA und die nationalen Befreiungsbewegungen heben in den sechziger Jahren in allen Ländern des Kapitals eine antikapitalistische Massenbewegung hervorgerufen, an der die Intellektuellen und Studenten einen nicht geringen Anteil hatten, Der für die gesamte bürgerliche Epoche charakteristische Widerspruch zwischen Literatur und Politik, zwischen ästhetischer und sozialer Funktion der Literatur geriet erneut in Bewegung.
Nach fast zehnjährigem ununterbrochenem „Wirtschaftswunder“ gibt es auch in der BRD erste Krisenerscheinungen. Intellektuelle bekommen staatliche Repressionen zu spüren, wie bei der „Spiegel-Affäre“ von 1962. Wirtschaftsminister Erhard diffamierte öffentlich kritische Autoren als „Pinscher“, und der nordrheinwestfälische Innenminister Dufhus nannte die Gruppe 47 eine „geheime Reichsschrifttumskammer“. Durch solche Vorgänge geriet die Vorstellung von einer Autonomie der Literatur als der besten Gewähr für die Wahrnehmung einer gesellschaftskritischen Funktion der Kunst immer mehr in die Krise. Die Polarisierung unter den Schriftstellern verstärkte sich im Verlauf der sechziger Jahre. Die Ostermärsche, der Abbau der Demokratie, die Aktionen gegen den US-Krieg in Vietnam, die Kampagne gegen die Notstandsgesetze, die Wirtschaftskrise 1966/67, die Große Koalition, die Studentenbewegung für demokratische Veränderungen an den Hochschulen und die Aktionen gegen die Manipulierung durch die herrschenden Medienkonzerne wie Springer stellten ein nur moralisches Engagement in Frage und waren bei vielen Schriftstellem der Anlaß für die Suche nach einer praktisch-politischen Bestimmung der Kunst und ihrer eigenen Funktion als Intellektuelle.
Enzensberger wurde mit der Gründung und der Herausgabe des Kursbuches ab 1965 zu einem Sprecher und Motor der „Neuen Linken“ in der BRD, einer von Studenten und Intellektuellen getragenen politischen Bewegung, die sehr bald in eine generelle antikapitalistische Rebellion umschlug. Schon in den frühen sechziger Jahren hatte sich Enzensberger mit seinen Essays, über die Bewußtseinsindustrie als Kritiker der Distributionssphäre profiliert. Seine Modellanalysen waren als Lesehilfen für Zeitungsleser gedacht, als praktische Methode des Operierens, die das Problem der Vermittlung intellektueller Arbeit an den Adressaten signalisierte. Mit dem Kursbuch schuf er sich, nun ein eigenes Distributionsorgan, um die herrschenden Medien zu unterlaufen. Damit nahm Enzensberger die Benjaminsche Forderung an revolutionäre Intellektuelle auf, die objektive Widersprüchlichkeit der eigenen Situation als Ursache der Krise zu begreifen und die ihnen aufgrund ihres Bildungsprivilegs ermöglichte Form revolutionärer Theoriebildung zu praktizieren, auch wenn die Auflösung der „unheilvollen Verkupplung von idealistischer Moral und politischer Praxis“ nicht immer gelingen konnte.
Enzensbergers Kursbuch mobilisierte durch Dokumentation und Analyse von Problemen der Länder der Dritten Welt, von „Kapitalverflechtungen“ und der Diskussionen demokratischer und alternativer Bewegungen das öffentliche Bewußtsein für den antiimperialistischen Befreiungskampf und rief zahlreiche Aktionen zu seiner Unterstützung hervor. Die konsequente Hinwendung zu politischen Aktionen, zur Publizistik und zur Analyse historischer Prozesse hieß jedoch nicht, Enzensberger hätte die Produktion von Lyrik eingestellt. Ein 1971 publizierter Auswahlband von Gedichten spricht dagegen. Das kritische Potential, zuvor ausschließlich der Poesie zugeschrieben, wird nun hauptsächlich auf die kritischen Intellektuellen verlagert, Radikalität und Auftrag verbinden sich in der Verbreitung von Dokumentationen und Dossiers über die Länder Lateinamerikas, die Studentenbewegung oder der Flugschriften von Georg Büchner und Ludwig Weidig. 1963 hatte Enzensberger anläßlich der Verleihung des Büchner-Preises in Darmstadt in seiner Preisrede scharfe Kritik an beiden deutschen Staaten geübt und Büchner gegen die Stilisierung zum Klassiker in seinem Lande verteidigt. Noch glaubte er, ein Büchner-Zitat verändern zu müssen. Er plädierte für Veränderungen; durch Mut und List, Phantasie und Verhandlungsgeduld:

Wenn in unserer Zeit etwas helfen soll, so ist es dies, nicht Gewalt. Wenn in unserer Zeit etwas helfen soll, so ist es Hilfe!

Doch bereits ein Jahr später zitierte er Büchners Brief vom 5. April 1833 zustimmend:

Wenn in unserer Zeit etwas helfen soll, so ist es Gewalt!

Die Aktualität des von Enzensberger herausgegebenen Hessischen Landboten, verbunden mit Briefen und Prozeßakten, sieht der Autor nicht für die BRD und andere avancierte Industrieländer, in denen Vollbeschäftigung und permanente Steigerung von Produktion und Konsumtion des Status quo sicherten. Die Adressaten dieser Schrift sieht Enzensberger im Jahre 1964 in den Ländern Lateinamerikas, im Nahen Osten, auf dem indischen Subkontinent, in Südostasien und in großen Teilen Afrikas.
Der Essay „Berliner Gemeinplätze“ (1968) beginnt mit einer Paraphrase auf den Anfang des Kommunistischen Manifestes:

Ein Gespenst geht um in Europa: das Gespenst der Revolution.

Die mit Illusionen und Wunschbildern besetzte Projektion einer Revolutionserwartung führte bei Enzensberger zu einer selbstkritischen und rigorosen Abrechnung mit der Intelligenz im Nachkriegsdeutschland, die zwanzig Jahre lang systemimmanente Verbesserungsvorschläge, aber keine radikalen Gegenentwürfe geliefert habe. „Die Niederlage der reformistischen Intelligenz in Deutschland ist vollkommen. Die Große Koalition von 1966 hat sie besiegelt, der Berliner Sommer von 1967 hat sie vor aller Augen demontiert. Mit ihrem Narrenparadies ist es vorbei, die Zeit der schönen Selbsttäuschungen hat ein Ende.“ Weit davon entfernt, die Intellektuellen als revolutionäres Subjekt zu betrachten, entwickelte Enzensberger eine an Herbert Marcuse angelehnte Randgruppenstrategie, in deren Zentrum reale Demokratie, Dezentralisierung und Kooperation standen. In der schwachen und uneinheitlichen Klassenbasis der Systemopposition sah er ebenso wie in ihrer dezentralisierten und disparaten Struktur zugleich eine Chance – den Mangel an Kontrolle und die Möglichkeit von Kettenreaktionen, Der Aufsatz enthält eine klare Absage an Adornos Trennung der Theorie von der Praxis:

Auch die Solidarität der Intelligenz bleibt bloße Rhetorik, sofern sie sich nicht in politischen Handlungen äußert, deren Nutzen sich beweisen läßt.

Mit der „Rede vom Heizer Hieronymus“ eröffnet Enzensberger mit dem ihm gestifteten Geld des Nürnberger Kulturpreises ein Konto zur Erinnerung an den im Dritten Reich verschwundenen Heizer, um den Familien von in der BRD politisch Verfolgten zu helfen. Ebenso nutzbringend sind sein Verzicht auf sein Fellowship an einer amerikanischen Universität sowie sein Aufbruch nach Kuba als Protest gegen die herrschenden kapitalistischen Verhältnisse, die an der Ausplünderung der Dritten Welt teilhaben.
Auch die wichtigsten Diskussionen über die Funktion und die Zukunft von Literatur, über Kulturrevolution und emanzipatorischen Mediengebrauch fanden im Kursbuch statt. Innerhalb der Neuen Linken führte die Auseinandersetzung über eine Funktion von Literatur über verschiedene Zwischensstufen zur antinomischen Gegenüberstellung von literarischer Tätigkeit und sozialer Aktion und letztendlich zur Ästhetisierung der Politik. Enzensberger hat den kulturkritischen Ansatz in dieser Konsequenz nie radikalisiert. Die theoretischen Überlegungen zur Ohnmacht bürgerlicher Literatur, die mit der Metapher vom „Tod der Literatur“ in die Literaturdiskussionen eingingen, verblieben jedoch mit den zugrunde liegenden Thesen von der totalen Manipulation und dem affirmativen Charakter der Literatur im Gedankengebäude der Kritischen Theorie Marcuses. Die Forderung nach einer „politischen Alphabetisierung Deutschlands“ gründet in einer strikten Trennung von sozialer und ästhetischer Funktion von Literatur und zielt auf die „mögliche Entwicklung einer neuen, nicht mehr an Literatur orientierten Literatur“, auf Dokumentationen, Berichte, Reportagen.
Enzensbergers Experimente mit dem Dokumentarischen in Form von Recherchen, Materialsammlungen und Interviews gehen mit einer tiefgreifenden Beschäftigung mit Revolutionsgeschichte, mit der Geschichte der sozialistischen Revolution und des Anarchismus einher. Davon zeugen Das Verhör von Habana (1970) – eine exemplarische Rekonstruktion des geschichtlichen Vorgangs der amerikanischen Invasion auf Kuba, Freisprüche, Revolutionäre vor Gericht (1970) – eine Dokumentation revolutionärer Gerichtsreden aus den letzten 175 Jahren, Der kurze Sommer der Anarchie, Buenaventura Durrutis Leben und Tod (1972) – ein Dokumentarroman über den spanischen Anarchistenführer, Klassenbuch. Ein Lesebuch zu den Klassenkämpfen in Deutschland, Band 1-3 (1972), Gespräche mit Marx und Engels (1973) – eine Montage von Briefen, Reportagen, Spitzelberichten, Gerichtsprotokollen, Der Weg ins Freie (1975) – eine Sammlung von fünf Lebensläufen, die für Ausbruch- und Befreiungsprozesse stehen aus der Sklaverei, der Dienerschaft im Altersheim, im Irrenhaus, dem Militär und dem Gefängnis, und schließlich eine Auswahl aus Alexander Herzens Autobiographie Die gescheiterte Revolution. Denkwürdigkeiten aus dem 19. Jahrhundert (1977). In seinen dokumentarischen Arbeiten unterschiedlichster Art wird die arrangierende Rolle des Autors nicht verschwiegen, der „beim Entziffern der Überlieferung gerade auf die Brüche und Risse im Text…, auf Diskontinuitäten und Widersprüche, auf das Übersprungene, Ausgelassene und Kontradiktorische“ zu achten habe. Das deutliche Bekenntnis zur Literarisierung des Materials wendet sich gegen einen modischen Dokumentarismusbegriff, der den subjektiven Faktor vernachlässigt. Die Fragwürdigkeit der Quellen ist für Enzensberger evident, Geschichte ist somit nur als kollektive Fiktion rekonstruierbar.
1971 erschien nach siebenjähriger Pause wieder ein Gedichtband. Die SammIung Gedichte 1955 – 1970 enthielt neben einer Auswahl aus vorherigen Gedichtbänden neue Gedichte, die sich ironisch, sarkastisch mit der Niederlage der Studentenbewegung und ihrer illusionsreichen Politisierung auseinandersetzten („Beschluß gegen das Abenteurertum“, „Der PapierTruthan“, „Lied von denen auf die alles zutrifft und die alles schon wissen“, „Aufbruch in die 70er Jahre“, „Eine schwache Erinnerung“). Radikalität und Auftrag, in einem Politisierungsprozeß erworben, scheinen wieder der Isolation zu weichen. Viele Gedichte lassen erneut das Unbestimmte, den utopischen Horizont aufscheinen.

Bei unsern Debatten; Genossen,
kommt es mir manchmal so vor
als hätten wir etwas vergessen.
Wenn wir es nicht gewußt hätten
gäbe es keinen Kampf.
Fragt mich nicht was es ist.
Ich weiß nicht wie es heißt.
Ich weiß nur noch
daß es das Wichtigste ist
was wir vergessen haben.

heißt es in dem Gedicht „Eine schwache Erinnerung“.
Angesichts der konservativen Rechtswende setzte Mitte der siebziger Jahre unter den Intellektuellen eine Phase der Besinnung ein. Wie kann sich Literatur nach dem Protest behaupten? Neue Subjektivität, Alltagslyrik, autobiographische Wende, neue politische Subjekte in neuen sozialen Bewegungen im Kampf für Frieden und Abrüstung, Umwelterhaltung und Frauenemanzipation sprechen davon, daß Veränderungswünsche aufrechterhalten werden. Enzensbergers poetische Rückbesinnung und die vielfältigen Erfahrungen mit dem dokumentarischen Material führten zu einer dokumentarisch-poetischen Synthese im Gedichtbuch die wieder einmal „unzeitgemäß“ wirkte. Mausoleum. Siebenunddreißig Balladen aus der Geschichte des Fortschritts ist eine Archäologie des Fortschritts. Über die genaue historisch-biographische Recherche zeichnet er das einmalige Leben von Erfindern und Wissenschaftlern nach und zeigt in poetischer Form die schwierige Dialektik des geschichtlichen Fortschritts, die Marxsche Erkenntnis, daß in der bürgerlichen Gesellschaft jeder gesellschaftliche Fortschritt mit Einbußen und neuen Lasten für die Menschen verbunden ist.

Es ist ein Buch ohne Ausgang, denn in all diesen ungeheuren, tragischen und zutiefst kranken Menschen werden wir uns vielleicht wiedererkennen. Ja, uns selbst, unwiderruflich gefangen im Netz eines historischen Prozesses des Fortschritts – dessen Protagonisten und Opfer wir gleichermaßen sind.

Enzensberger läßt in den Balladen Widersprüche aufbrechen, die vom Standpunkt der Gegenwart aus als „Erinnerung und Vorahnung“, wie es in dem Piranesi-Gedicht heißt, gelesen werden. Die mit dem epischen Bericht verbundenen Elemente des Porträtgedichts finden sich bereits in dem Auswahlband des Jahres 1971 („Hommage à Gödel“, „Himmelsmaschine“, „Karl Heinrich Marx“ und „Niccolo Macchiavelli, geb. am 3. Mai 1496“), von denen nur die lyrische Biographie über den Uhrenbauer De Dondi und über den Staatsmann Macchiavelli in Mausoleum aufgenommen wurden.
Im Verspoem „Der Untergang der Titanic“ (1978) setzt Enzensberger den Untergangsmythos spielerisch ironisch in Verse um und gibt ein Gesamtpanorama, der lndividuellen und kollektiven Katastrophen in einer politisch-poetischen Bestandsaufnahme.

Unsere kollektiven Angst- und Wunschträume wiegen mindestens so schwer, wahrscheinlich schwerer als unsere Theorien und Analysen

heißt es in dem die „Titanic“ vorbereitenden Essay „Zwei Randbemerkungen zum Weltuntergang“. Enzensberger setzt keineswegs an die Stelle rationaler Kritik einen geschichtslosen Untergangsmythos. Er insistiert auf die unaufgeklärten Momente gesellschaftlicher und individueller Erscheinungen, auf die irrationalen Züge des Subjekts, von denen die Linke keine Notiz genommen hatte und die von rechten Kräften leicht mobilisiert werden konnten. Seine Absage an die anmaßende Theorien und Fortschrittsgläubigkeit der Neuen Linken, an ihre Utopien und Illusionen ist keine Flucht aus der Theorie in das Reich der Kunst. Die ironische Auseinandersetzung mit der negativen Utopie, der Apokalypse, enthält ein Plädoyer für die Kunst und die Aufforderung, den Phantasien, Bildern, Ängsten und Visionen der Subjekte mehr Beachtung zu schenken. Kunst als Vergnügen, Ironie, Mehrdeutigkeit und entstellendes Sprachspiel prägen die Gesänge und Gedichte über den realen und mythologischen Untergang des Fortschrittssymbols „Titanic“, über die verlorengegangenen Hoffnungen auf die kubanische Revolution und die Studentenbewegung. Die hier entfaltete Vielschichtigkeit im poetischen Gebilde, das mit Sarkasmus und ästhetischem Formvergnügen zum „Weitermachen“ auffordert – „die Personen vermutlich ertrunken im schrägen Regen / schwer zu sagen, warum, heule und schwimme ich weiter“ – findet sich auch in den Gedichtliedern für die Chansonsängerin Ingrid Caven, die auf der Schallplatte Abendstern 1979 erschienen, und in dem vorläufig letzten Gedichtband Die Furie des Verschwindens (1980) kritische Selbstreflexionen und liebevolle Innenporträts stehen hier neben politisch aggressiven tönen, die präzise Stimmungen einfangen, wie im Gedicht „Die Parasiten“:

Man sieht, wie der Staats-Scheißkerl wächst,
wie schwarz seine Mitesser sprießen,
seine Todesarbeiter, Hundeführer
und Deklamatoren. Am frühen Morgen,
wenn die Regale sich füllen, im Supermarkt,
sind keinerlei Leichen zu sehen.

Zwischen Momentaufnahmen aus den siebziger Jahren, die im Ton ratlos, heiter und zuweilen sarkastisch sind, und dem dritten Teil des Bandes, Die Furie des Verschwindens, bestehend aus Wach- und Schlafträumen, Meditationen und Geisterbildern, die sich einer thematischen Festlegung entziehen, hat Enzensberger in der Mitte des Bandes einen langen Psalm „Die Frösche von Bikini“ eingeschoben, der das „Rückgrat“ der Sammlung bildet und vom Autor so kommentiert wird:

Man kann es als den Versuch einer Abrechnung lesen. Der Text ist unruhig, brüchig, voller Abweichungen. Rücksicht auf das literarisch und ideologisch Abgemachte wird ebensowenig genommen wie auf das schreibende Ich.

Der für Enzensberger so zentrale Widerspruch zwischen politisch-engagierter und gesellschaftsindifferenter Haltung, seine Zweifel und Skepsis und besonders die meisterhafte Beherrschung des künstlerischen Handwerks – vom Gebrauch der Anaphern, Oxymora und Alliterationen bis zur assoziativen Montage von Sprach- und Gedankenspielen, der Wechsel von Stakkatos und Parlandos – verweisen auf eine Kontinuität seiner Dichtung. Die Metapher von der Furie des Verschwindens fand Enzensberger bei seinem Lehrer Adorno, der in seiner „Philosophie der Neuen Musik“, mit Hinweis auf Hegel, den Intellektuellen der fünfziger Jahre darauf verweist, daß die historische Gewalt, die Furie des Verschwindens, ästhetisch den Kompromiß verbiete.

So wie in seiner Poesie preist Enzensberger in den achtziger Jahren auch in den Essays „Politische Brosamen“ (1985) die Vorzüge der Inkonsequenz; das Vergnügen an der Phanthasie, die Unregierbarkeit und die Unruhe. Die Normalität, früher eher verspottet, wird heute als eigentliches Widerstandspotential betrachtet; die „Renitenz der Mehrheit“ – als defensive Kraft sei sie unfähig zu resignieren, resistent gegenüber Weltanschauungen und Ideologien und ausgerüstet mit Arbeitskraft, Schlauheit, Mut und Umsicht. Gleichzeitig zeugen publizistische und editorische Arbeiten wie der „Spiegel-Essay“ zur „Flick-Affäre“, die Herausgabe der Bände über die Kriegsverbrechen der deutschen Industrie und Banken oder das Vorwort zu Otto Webers Fotoalbum des gewöhnlichen Faschismus (1987), ebenso wie die Bearbeitung von Molières Menschenfeind und das eigene Stück Der Menschenfreund (1984) von aufklärerischer Intention, von Bewahrung vor Geschichtsverlust und von der erinnernden Funktion der Kunst.
Die mit unserem Band vorgestellte Auswahl beschränkt sich auf Enzensbergers lyrischen, literaturkritischen und poetologischen Beitrag zur Literaturentwicklung der BRD. Die Texte sind nach dem chronologischen Prinzip geordnet. Die Gedichtauswahl erfolgte nach dem 1983 bei Suhrkamp erschienenen lyrischen Gesamtwerk Die Gedichte, so daß Beiträge aus den thematischen Gedichtzyklen „Mausoleum. Siebenunddreißig Balladen aus der Geschichte des Fortschritts“, „Der Untergang der Titanic“, mit denen Enzensberger die Tradition des epischen Erzählgedichts in Anlehnung an William Carlos Williams, Wladimir Majakowski und Pablo Neruda neu belebte, nicht aufgenommen wurden.
Die hier vorgestellten Gedichte machen Kontinuitäten und Neuansätze im lyrischen Werk sichtbar. Sie zeugen von der Vielfalt der lyrischen Sprechweisen Enzensbergers, von der Eigenart des kunstvollen Versbaus, von seiner souveränen Kenntnis der modernen literarischen Traditionen und vom poetischen Umgang mit Alltagssprache, Wortspielen und verfremdeten Redensarten. Formenstrenge und Disziplin sind die Voraussetzungen für die spielerische Beherrschung der Regeln. Der Leser wird den aufklärerischen Skeptizismus Enzensbergers sowohl in den Gebärden des Zorns, der Auflehnung und der Negation der frühen Gedichte als auch in der illusionslosen Nüchternheit der späten Verse wiederfinden.
Die lyrik-theoretischen und literaturkritischen Aufsätze sind poetologische und politische Stellungnahmen zur Zeit und zum Standort der Kunst in der Geschichte. Sie dokumentieren Enzensbergers eigene poetologische Entwicklung im Kontext der politischen Entwicklung der Bundesrepublik. Die frühen Essays lassen bereits den Poeta doctus erkennen, der die internationale Literaturentwicklung brillant und sachkundig reflektiert und im nationalen Rahmen auf dichterische Talente aufmerksam macht. So stellte Enzensberger schon im Jahr ihres Erscheinens Die Blechtrommel von Grass in die besten Traditionen deutscher Erzählkunst und setzte sich für die Prosa von Koeppen, Andersch und Johnson ein. Im Zentrum der ausgewählten poetologischen Aufsätze steht der widersprüchliche Zusammenhang zwischen Poesie und Politik und damit die Frage nach der Funktion von Literatur, die auch sein gesamtes dichterisches Werk durchzieht. Sie enthalten Überlegungen zur politischen Lyrik und zu einer am eigenen Handwerk orientierten Dichtungstheorie, die von seiner Kenntnis, aber auch seiner Kritik an der modernen Poesieentwicklung zeugen. Sie spiegeln seine Auseinandersetzungen mit der Kulturindustrie, die über die Krise des Literaturbegriffs zu einer Poesieauffassung zurückführen, die sich mit List und Eigensinn den neuen Widersprüchen der Wirklichkeit stellt.
Wie die Autoren der „Dialektik der Aufklärung“ Adorno und Horkheimer setzt Enzensberger auf die negative Form der Utopie; nicht nur Kritik, vor allem Provokation sind ihm Ausdruck von Hoffnung.

Dorothea Dornhof, Nachwort, Juni 1987

 

Poet mit feinem Gespür für Politik

Die von Dorothea Dornhof besorgte Auswahl aus „Poesie und Poetik“ Hans Magnus Enzensbergers ist in mehrfacher Hinsicht verdienstvoll. Sie gibt DDR-Lesern einen Überblick über Enzensbergers Dichtungen aus drei Jahrzehnten, enthält Repräsentatives aus Gedichtsammlungen wie Verteidigung der Wölfe, Landessprache oder Blindenschrift, durch die sich der 1929 in Kaufbeuren geborene Autor bereits in den sechziger Jahren den Ruf erworben hatte, ein Klassiker der BRD-Literatur zu sein. Vorgestellt wird auch später entstandene Lyrik.
In einer Reihe von Essays und Reden — „Die Entstehung eines Gedichts“, „Meine Herren Mäzene“ oder „Lob des Analphabeten“ — sind literaturtheoretische und ästhetische Positionen des keineswegs widerspruchsfreien Dichters, der sich stets durch ein ausgeprägtes Gespür für die gesellschaftspolitische Situation in der BRD auszeichnete und doch auch immer wieder zu schwerwiegenden Irrtümern verleitet wurde, dokumentiert. Schließlich kommt Hans Magnus Enzensberger in Rezensionen über seine Zeitgenossen Wolfgang Koeppen, Günter Grass, Uwe Johnson als ein außerordentlich feinfühliger Literaturkritiker zu Wort, der man lese „Wilhelm Meister auf Blech getrommelt“ — sehr viel für das Selbstbewußtsein fortschrittlicher BRD-Literatur getan hat.
In den achtziger Jahren ist es ruhiger um Hans Magnus Enzensberger geworden. Das Abflauen der Studentenprotestbewegung und das Vorprellen des Konservatismus führten bei ihm zu Enttäuschungen, sogar zu einigen resignativen Tendenzen.
Dorothea Dornhof hat gut daran getan, die weltanschaulichen Widersprüche und Rückschläge Enzensbergers in ihrem profunden Nachwort nicht zu verschweigen, sich jedoch hauptsächlich auf diejenigen Aussagen in seinem Werk zu orientieren, die seine geschichtliche Größe, seine unverwechselbare geistige Produktivität und seine herausragende sprachkünstlerische Leistung ausmachen.
Daß parallel zur Reclam-Ausgabe in der Spektrum-Reihe des Verlages Volk und Welt die Enzensberger-Bearbeitung von Diderots Komödie Der Menschenfreund erschien, mag ein glücklicher Zufall sein. Er demonstriert jedoch das vielseitige poetische Talent Hans Magnus Enzensbergers ebenso wie das breite Interesse, das die DDR-Öffentlichkeit dem originellen BRD-Autor, der stets ein Kämpfer für den Fortschritt war, entgegenbringt.

Klaus Ziermann, Neues Deutschland, 25.3.1989

Erinnerung an die Zukunft. Poesie und Politik

Hans Magnus Enzensbergers Erinnerung an die Zukunft. Poesie und Poetik wurde 1988 im Reclam Verlag in Leipzig mit der Genehmigung des Suhrkamp Verlages, Frankfurt am Main, veröffentlicht. Der Verkauf in die Bundesrepublik sowie in andere Länder war nicht gestattet. Das Buch hat 333 Seiten. Die Gedichtsammlung umfasst 126 Gedichte, die in 7 Abschnitte unterteilt sind: Verteidigung der Wölfe, Landessprache, Blindenschrift, Davor, Danach, Lieder für Ingrid Caven, Die Furie des Verschwindens. Zu vier Abschnitten wurden zudem Enzensbergers Anmerkungen aus dem Band Die Gedichte in den Band aufgenommen. Außerdem sind in diesem Buch 14 Essays abgedruckt.

Der Gedichtsammlung vorangestellt sind Drei Fragen und drei Antworten anlässlich einer Sammlung von Gedichten von Hans Magnus Enzensberger. Er beantwortet darin folgende Fragen: 1. „Ob es einen Sinn hat dieses Buch zu lesen.“ 2. „Ob dieses Buch einen Standpunkt vertritt.“ 3. „Ob ein Verfasser sich selbst kommentieren soll.“
Im Nachwort von Dorothea Dornhof werden Teile von Enzensbergers literarischer Karriere geschildert. In diesem Zusammenhang geht sie auch auf bestimmte Gedichte, Gedichtbände und Essays ein. Teilweise wirkt dieses Nachwort wie ein Rechtfertigungsversuch, warum ein Buch des westdeutschen Autors Enzensbergers in der sozialistischen DDR erscheint. So wird Enzensberger beispielsweise als „Sprecher und Motor der Neuen Linken in der BRD“ bezeichnet. Der Hintergrund des Nachwortes wird auch am Vokabular deutlich. So schreibt die Autorin beispielsweise vom „imperialistische(n) Krieg in Vietnam“ oder davon, dass die „nationalen Befreiungsbewegungen (…) in den sechziger Jahren in allen Ländern des Kapitals eine antikapitalistische Massenbewegung hervorgerufen (hätten.)“

Hans Magnus Enzensberger Projekt

Zwischen Wölfen und Wolken

– Hans Magnus Enzensberger im Gespräch mit Jan Bürger und Dirk von Petersdorf. –

Jan Bürger: Guten Abend, meine Damen und Herren, lieber Hans Magnus Enzensberger, lieber Dirk von Petersdorff. Wir freuen uns über das zahlreiche Erscheinen. Dieser Abend unter dem Titel „Zwischen Wölfen und Wolken“ könnte vielleicht der Höhepunkt einer Tagung werden, die unter dem Motto „Hans Magnus Enzensberger und die Ideengeschichte der Bundesrepublik“ steht. Und so stand bisher auch tatsächlich die Entstehung und Entwicklung der Ideen und Konzepte Hans Magnus Enzensbergers im Zentrum der Tagung. Dieses Gespräch wird vielleicht die Entstehung und Entwicklung der Dichtung von Hans Magnus Enzensberger stärker hervorheben.
Über die Dichtung hat Hans Magnus Enzensberger in seinem Essay „Meldungen vom lyrischen Betrieb“ von 1989 gesagt:

Daß sie immer noch unter uns ist, grenzt an ein Wunder. Schon ihre Namen klingen wie ein Echo aus alten Zeiten: Poesie, Dichtung, Lyrik. Sonderbar, daß es immer noch viele Menschen gibt, die von der Arbeit an diesem schönen Anachronismus nicht lassen wollen.

In diesem Sinne hat Hans Magnus Enzensberger gestern in unseren Vorgesprächen wunderbar beiläufig gesagt:

Es ist doch eigentlich ein Wunder, dass ich seit über fünfzig Jahren Literatur mache, dass ich dichte, schreibe und ein Publikum habe. Ich kann davon leben, es funktioniert einfach.

Wir haben aus seinem Werk zwei Metaphern herausgenommen. Wenn dieser Abend unter dem Motto „Zwischen Wölfen und Wolken“ steht, dann erinnert dies an die verteidigung der wölfe, den Debütband von 1957, und an den bisher letzten großen Lyrikband Die Geschichte der Wolken. 99 Meditationen von 2003. Im April erscheint nun ein neues Gedichtbuch im Suhrkamp-Verlag: Rebus.
Bevor Dirk von Petersdorff in das Gespräch einsteigt, möchte ich ihn kurz vorstellen: Dirk von Petersdorff ist selbst Lyriker, debütierte 1992 mit dem Band Wie es weitergeht. Für seine Gedichte erhielt er den Kleist-Preis. Er hat poetologische Essays unter dem Titel Verlorene Kämpfe vorgelegt. Er ist auch Literaturwissenschaftler und als solcher Professor an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Habilitiert hat er sich mit der Arbeit: Fliehkräfte der Moderne. Zur Ich-Konstitution in der Lyrik des frühen 20. Jahrhunderts. Vielleicht sind wir damit auch schon bei einem Thema: Ich-Konstitution.

Dirk von Petersdorff: Es gibt ein einfaches Verständnis von Lyrik, das Lyrik als Gefühlsaussprache versteht; es wird etwas mitgeteilt, dass dem Sprecher auf dem Herzen liegt. In Ihrer Lyrik, Herr Enzensberger, scheint das anders zu sein. Dort ist ein markantes Ich vorhanden, aber eines, das weniger stark Gefühle ausbreitet. Vielleicht beobachtet es mehr, es geht durch die Welt, nimmt wahr, sucht nach ästhetischen Reizen und besitzt eine beachtliche Weltneugier. Wie würden Sie dieses ,Ich‘ beschreiben, das durch ihre Gedichte geht, das auch sofort wiedererkennbar ist? Was ist das für ein ,Ich‘?

Hans Magnus Enzensberger: Das subjektive eigene ,Ich‘ ist etwas, über das man nicht sehr viel sagen kann. Man kennt sich in diesem Sinn gar nicht. Man konstruiert sich vielleicht etwas und baut sich etwas zusammen, aber das ist auch keine Neuerkenntnis. Im 20. Jahrhundert war das schon recht bekannt, schon seit Rimbaud. Originalität kann man für so einen Gedankengang nicht in Anspruch nehmen. Im Grunde ist die Grammatik hier leitend. Es gibt ja in der Grammatik drei Personen, die erste, die zweite und die dritte. Ganz einfach. Es gibt auch nicht nur ein lyrisches ,Ich‘. Es gibt ein lyrisches ,Du‘, es gibt ein lyrisches ,Wir‘, es gibt ein lyrisches ,Sie‘. Man kann diese Möglichkeiten der Grammatik durchspielen, je nachdem, worum es geht. Das ,Wir‘ kommt sehr häufig in politischen Gedichten vor. Die dritte Person des ,Es‘ ist auch sehr interessant – übrigens eine ziemlich rätselhafte Kategorie. Man hat sich bereits als Kind darüber gewundert, dass es heißt: ,Es gibt‘. – Wer gibt? ,Es regnet‘. – Wer regnet? usw. Ich finde, man muss solche Möglichkeiten, die in der Sprache selbst vorhanden sind, ausbeuten. Ich verhalte mich in diesem Zusammenhang als Ausbeuter. Und dieses ,Ich‘ ist griffig und praktisch. Jeder glaubt, ein ,Ich‘ zu haben, es kommt einem irgendwie bekannt vor, und damit lässt sich schon was anfangen. Meine Verwendungen dieser ersten Person haben dennoch etwas relativ Neutrales, da ich ja keine Vertraulichkeiten möchte.

Petersdorff: Nein, zu große Vertraulichkeiten oder unangenehme Annäherungen an den Leser wird man in Ihren Gedichten in der Tat nicht finden.

Bürger: Sie sagten, Sie beuten die Grammatik aus. Es gibt sehr viele Autoren, die besonders am Anfang des Werkes – erst einmal anders vorgehen; man bekommt den Eindruck, dass sie ihre Biographie ausbeuten. Wenn man Ihr Werk anschaut, ist eher die Bewegung der Wendigkeit zu erkennen.

Enzensberger: Ich bin kein autobiographischer Schriftsteller, weil ich dann zu abgelenkt wäre. Es gibt so viele andere Personen und es gibt andere Sachen, die eigentlich spannender sind. Ein Therapeut seiner selbst zu sein ist doch eine furchtbar langweilige Sache. Das finde ich uninteressant.

Petersdorff: Einer der Anfänge Ihres Werkes liegt bei Clemens Brentano, über den Sie Ihre Doktorarbeit geschrieben haben. Brentano ist dann einer der festen Bezugspunkte geblieben. Sie haben immer wieder Werke von ihm herausgegeben, sein Werk auch weitergesponnen. Wie kam man eigentlich in den fünfziger Jahren, als Sie studiert haben, als Sie angefangen haben, sich in der Literatur umzusehen, zur Entscheidung für Brentano? Das ist schon etwas überraschend. Es hätte andere Autoren gegeben, die vielleicht zeitgemäßer gewesen wären.

Enzensberger: Es hat einerseits natürlich technische Gründe, denn dieser Brentano war eine ganz merkwürdige Mischung von Naivität und Durchtriebenheit, auch in seiner Arbeitsweise, in seinem Metier. Von ihm konnte man sehr viel lernen. Auch anderen Dichtern der Weltliteratur gegenüber verhalte ich mich ja ein wenig ausbeuterisch, in dem Sinn, dass ich von denen etwas lernen möchte. Ich möchte wissen: Wie hat der das gemacht. Da eröffnet sich auch ein Können, ein Verhältnis zur Sprache, ein Umgang mit der Metapher, ein Umgang mit der Redensart, ein Umgang mit Tonfällen. Den Umgang mit Tonfällen kann man schließlich nicht aus dem Lehrbuch lernen. Den kann man nur an Beispielen lernen. Dann gab es noch einen praktischen Grund dieser Brentano-Geschichte. Die Universitäten waren damals noch ziemlich verlockend, in dem Sinn, dass man dort tun und lassen konnte, was man wollte. So etwas wie Studiengänge gab es nicht. Man konnte a la carte studieren. Das war ein gewisser Komfort. Der Preis dafür war natürlich der sogenannte Abschluss. Also musste eine Promotion her. Ich habe das auch gemacht, um meine Eltern zu beruhigen, die sich Sorgen machten. Die haben gedacht, das wäre etwas, wenn „Dr.“ vor dem Namen stehe. Aber dazu musste man ja auch irgendein Thema finden, und dann habe ich mir gedacht: Gut dann nehmen wir Brentanos Werk einmal technisch auseinander und schauen, was sich da herausfinden lässt.

Bürger: Ist das nicht charmant an der Sache vorbeigegangen? Ist Brentano nicht doch ein Hausheiliger? Wenn man darüber nachdenkt, könnten Sie auch Diderot nennen. Und es gibt noch einige andere. Können Sie etwas darüber sagen, was diese Autoren auszeichnet, die Sie so besonders interessieren, die Sie ein Leben begleiten?

Enzensberger: Die sind eher komplementär und haben im Grunde keine Ähnlichkeit. Sie stammen aus verschiedenen Zeiten und sprechen ganz verschiedene Sprachen. Natürlich muss es an diesen Autoren etwas geben, das über die Sachlichkeit hinausreicht. Das müssen tolle Leute sein, die müssen uns gefallen, die müssen uns beschäftigen. Die Verrücktheit Brentanos hat mir gefallen, zum Beispiel diese Geschichte mit der Nonne. Mit den Aufzeichnungen von dieser Nonne, dieser Katharina Emmerick, wurde er übrigens ein Bestseller-Autor wider Willen. Er wurde ein katholischer Bestseller-Autor mit Millionenauflagen. Das muss man sich mal vorstellen. Natürlich hat er keinen Pfennig kassiert. Es ist auch interessant, warum dieser Mensch sich in dieser Weise mit der Religion beschäftigt. Was ist das für eine Neurose?

Bürger: Das können Sie vielleicht noch ausführlicher erzählen?

Petersdorff: Brentano ist auch ein Wahrheitssucher. Sie sprechen von Technik. Aber es gibt dort auch ein brennendes Interesse an der Wahrheit.

Enzensberger: Das gehört alles dazu. Die Literaturhistoriker beschäftigen sich ja auch mit den Liebesgeschichten von diesen Leuten. Warum eigentlich? Das ist nicht nur Textkritik. Es gibt etwas, das man spannend findet an diesen sonderbaren Personen. Man würde sich gerne mit denen treffen. Das ist auch ein Kriterium. Es gibt immerhin bedeutende Autoren, bei denen man sagen muss: Die sind absolut zu vermeiden. Mit denen möchte ich nicht in einem Zimmer sein.

Bürger: Wer wäre das für Sie zum Beispiel?

Enzensberger: Lebende Personen will ich natürlich nicht erwähnen. Aber vor Brecht habe ich mich zum Beispiel gehütet. Ich hatte einmal eine Einladung ins Berliner Ensemble. Darauf habe ich gesagt: „Nee, mit mir nicht. Mit mir nicht“. Erstens sind diese Meister gefährlich. Brechtschüler sind fast alle kaputtgegangen. Die einzige Ausnahme war Heiner Müller, der sich rechtzeitig befreit hat. Und zweitens war der Mann natürlich auch als Person unerträglich. Ein Ausbeuter ohnegleichen, also unangenehm. Gestunken haben soll er auch. Bei aller Bewunderung, gerade wegen der Bewunderung vermeiden. Diese Gedichte konnte ich ja auswendig. Die waren ganz wichtig für mich. Aber umso weniger darf man sich in dieses Magnetfeld begeben. Da wird man kaputtgemacht.

Bürger: War es für Sie schwer, sich von Brecht zu lösen?

Enzensberger: Da gab es Gegengifte. Da gab es dann meine Lateinamerikaner, meine Skandinavier. Man muss herum lesen, und manchmal auch jemanden, der vielleicht schon 2000 Jahre tot ist. Das kann dann auch hilfreich sein.

Petersdorff: Um noch einmal auf Ihre Anfänge zu kommen: Sie sind in der Form ihrer Lyrik einen ganz anderen Weg gegangen als Brentano. Dort ist fast alles gereimt und folgt einer metrischen Ordnung. Sie haben sich überwiegend für freie Formen entschieden, die zwar einen Rhythmus aufweisen, aber Sie verzichten auf den Reim und auf eine gleichmäßige Metrik. Wie ist es dazu gekommen? Ist das eine Frage des Temperaments, dass Sie gesagt haben: Feste Formen liegen mir nicht. Oder waren die bekannten Gedichtformen vorbelastet, hielten Sie sie für historisch überholt? Und haben Sie eigentlich experimentiert? Schon Ihre frühen Gedichte wirken wie selbstverständlich in einem Schwung geschrieben.

Enzensberger: Ich empfinde es nach wie vor als Vorteil, wenn man weiß, wie es geht. Ich kann Ihnen Terzinen liefern, so viele Sie wollen. Das muss man alles auch einmal durchgearbeitet haben, weil es natürlich auch das Ohr schärft. Ich habe mich mit solchen Formen beschäftigt. Heute ist das alles kein Problem mehr, aber damals gab es Hemmschwellen, schon angefangen mit dem Vokabular: Ein Wort wie „Wiederaufrüstung“ war in der Lyrik eigentlich nicht gern gesehen.

Bürger: Klingt ja auch nicht wahnsinnig schön.

Enzensberger: Ja, aber mit diesem Material hatte ich zu tun. Ich sehe es nicht ein, dass gewisse Wörter aus der Lyrik verbannt werden. Warum? Meinetwegen können sogar „Rosen“ und „Wiederaufrüstung“ in einem Gedicht vorkommen. Das macht doch nichts. Es gibt ja beides, den Rosenzüchter Adenauer, der gesagt hat: „Ja, die Atombombe ist eine stärkere Artillerie.“ Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Petersdorff: Zu den Rosen passt ein schönes Zitat, das Ihre Position deutlich macht. Es stammt aus dem „Sommergedicht“. Darin wird ein Kritiker zitiert, der sagt:

(Wasserhahn Feuerwerk
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaIst das dein Ernst?
Birkenlaub ist passé
aaaaaaaaaaaaaaaaaund Geschmack nach früher:
das ist keine Kunst
aaaaaaaaaaaaaaaaasagte der Kritiker
das geht nicht mehr
aaaaaaaaaaaaaaaaawirf die Metaphern weg
das ist vorbei

Soweit die Stimme des Kritikers. Darauf reagiert das „Ich“:

Und ich warf die Metaphern weg
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaging in die Sauna
und fand
aaaaaaaBirkenlaub
aaaaaaaaaaaaaaaaund diesen Geschmack
nach früher
aaaaaaaaaain meinem Mund)

Enzensberger: Ja, natürlich. Wenn z.B. jemand sagt, dass etwas nicht mehr geht, finde ich sofort ein Gegenbeispiel, immer. Wieso nicht? Das wollen wir erst einmal sehen. Man muss es probieren; immer diese Verabschiedungen. Wir haben ja alles abgeschafft: Tod der Literatur, Tod des Ich. Man wundert sich, dass wir überhaupt noch da sind.

Bürger: Vielleicht können wir noch einmal auf Ihre Gegengifte und Brecht zurückkommen. Sie sagten, dass Sie Ihre Skandinavier und Lateinamerikaner gehabt hätten. Ich finde diese Länderwechsel überraschend. Wie war das motiviert? Warum sind Sie damals nach Skandinavien gegangen? Wie kam es, dass Sie plötzlich in Südamerika waren? Hing das mit der Literatur zusammen? Oder war es so, dass Sie erst in diese Länder kamen und dann deren Literatur für sich entdeckten?

Enzensberger: Ich glaube, es hatte ganz vitale Gründe. Mit der DDR verbindet man eine Mauer. Man konnte aus der DDR nicht raus. In meiner Generation konnte man auch nicht raus. Aus diesem Nazideutschland konnte man doch nicht raus, man hatte keinen Pass. In welches Ausland hätte man denn schon gehen können? Es gab kein Geld, keine Devisen, man konnte nichts umtauschen. Die einzige Art, aus Deutschland rauszukommen, war mit den Stiefeln, mit der Armee, mit der Wehrmacht. Deswegen waren auch alle begeistert, wenn sie in Paris einmarschieren durften. Und deswegen gab es einen geradezu obsessiven Wunsch: Raus hier. 45, 46, 47, nichts wie raus hier, so schnell wie möglich.

Bürger: Und warum haben Sie sich dann ausgerechnet für Skandinavien entschieden? Warum für Lateinamerika ?

Enzensberger: Es gibt vielleicht auch ein paar private Gründe. Aber abgesehen davon hatte ich auch eine Vorstellung von der Demokratie. Es gab die vier Zonen, dann gab es die Bizone, irgendwann wurde sie zur Trizone, das Trizonenland, dann kam die Bundesrepublik. Zunächst war das ein merkwürdiges Land ohne Regierung. Das war auch ganz nett, ein paar Jahre ohne Regierung zu verbringen. Die Autoritäten hatten nicht mehr sehr viel zu sagen. Das war für einen 17/18jährigen eigentlich ganz angenehm. Um auf Skandinavien zurückzukommen: Ich hatte eben eine Vorstellung von der Demokratie. Das war ja keine neue Erfindung. Es gibt einige Völkerschaften, die eine gewisse Übung darin haben. Und ich dachte mir: Dort herrscht vielleicht eine angenehmere Atmosphäre.

Bürger: Aber wenn man an Kuba denkt, dann handelt es sich nicht unbedingt um einen demokratischen Impuls.

Enzensberger: Nein. Das war ein ganz anderes Problem. Das war auch zu einer ganz anderen Zeit. Das hatte mit dem Studium, das hatte mit der linken Kultur zu tun. Das hat mich alles interessiert. Und ich war eigentlich auch in fast allen sogenannten sozialistischen Ländern, mit Ausnahme vielleicht von Nordkorea. Das habe ich nie besucht. Und ich kannte mich dort sehr gut aus. Aber die haben natürlich sehr schnell kapiert, dass es eine aussichtslose Geschichte ist. Da war nichts zu holen.

Bürger: Gab es einen Moment, wo Sie das tatsächlich zum ersten Mal begriffen haben?

Enzensberger: Das ist nicht schwer zu verstehen. Sie sind in einem sibirischen Kaff und gehen dort spazieren. Und Sie sehen natürlich, was dort geschieht. Ich war ja kein Staatsgast, ich habe mich schon überall herumgetrieben. Und dann nimmt man einiges zur Kenntnis. Dann versucht man es auch in anderen Ländern, mal in Polen, mal woanders. Zwischen den Ländern gibt es natürlich auch Unterschiede. Und die Konklusion ist: So geht es auf keinen Fall. Und dann hat man versucht, eine ,best case analysis‘ durchzuführen. Kuba hat diese Rolle gespielt, weil der Sozialismus dort nicht von russischen Panzern eingeführt wurde, sondern die Kubaner ihn selbst errichtet haben. Und es ist klar, dass die kubanische Revolution zumindest am Anfang tatsächlich jede Abstimmung gewonnen hätte. Das waren vielleicht 80% der Leute, die das ausprobieren wollten, ihre Sorte von Sozialismus. Das wollte ich mir dann ganz genau anschauen und war ein Jahr lang dort, habe alles von oben bis unten studiert. Zu meinem Bedauern hat sich dann herausgestellt: No way, hier funktioniert es auch nicht. Und damit war dieser langwierige Studienprozess abgeschlossen.

Bürger: Wie haben Sie das Jahr dort gelebt? Was haben Sie gemacht?

Enzensberger: Ich hatte einen Kontrakt mit der kubanischen Administration, mit der Regierung. Und ich hatte das Vergnügen, ein paar kubanische Diplomaten kennenzulernen, an den Botschaften in Europa, in Rom, Warschau, Paris. Die Deutschen hatten damals keine. Und dann habe ich festgestellt, dass die völlig ahnungslos sind. Diese armen Mulatten, die sie dahin geschickt hatten, hatten nicht die geringste Vorstellung, wie eine Gesellschaft in Europa eigentlich funktioniert. Und daraufhin habe ich ihnen einen Vorschlag gemacht und gesagt: „Wenn Sie wollen, dann erkläre ich das Ihren jungen, in der Ausbildung begriffenen Diplomaten, wie eine Gewerkschaft organisiert ist, was Parteien, Wahlrecht, Rechtstaat sind, das ABC eben.“ Ich habe gedacht, das sei elementar notwendig. Ich habe gedacht, dass es doch gut sei, wenn sie sich dann besser in diesem System bewegen können. Aber das hat nicht funktioniert, weil sie schnell festgestellt haben, dass ich politisch nicht sehr zuverlässig war.
Dann habe ich mich noch ein wenig im Verlagswesen bewegt und in einigen anderen Bereichen. Ich wollte einiges wissen und kennenlernen, von oben bis unten. Ich war auch mit zwei rausgeschmissenen Ministern befreundet. Die kannten die Innenseite, die wussten, was los war, Politbüro und so. Dann habe ich noch die Zuckerernte kennengelernt, solche Dinge eben. Ich möchte das aber jetzt nicht weiter ausbreiten. Das wäre ein falscher Exotismus. Abgesehen davon aber mochte ich die Kubaner, sonst hätte ich es vielleicht nicht so lange ausgehalten. Ich mochte die. Na gut, Schwamm drüber.

Petersdorff: Jetzt sind wir von der Lyrik zur Politik gekommen.

Enzensberger: Das geht immer sehr schnell.

Petersdorff: Es ist soeben ein Briefwechsel erschienen, den Sie mit Peter Hacks geführt haben, der bis jetzt auf diese Weise nicht bekannt war. Das ist schon ein überraschender Fund. Und darin gibt es Passagen aus den späten fünfziger und frühen sechzig er Jahren, in denen Sie die Bundesrepublik erstaunlich vehement verteidigen. Sie äußern gegenüber Hacks: „In meinem Land gibt es die Todesstrafe nicht mehr, in meinem Land kann unser Briefwechsel veröffentlicht werden, in Ihrem jedoch nicht.“ Dass Sie zu dieser Zeit ein scharfer Kritiker der Bundesrepublik waren, wusste man. Aber das Pronomen ,mein‘ hat mich erstaunt. Empfanden Sie doch ein Gefühl der Zugehörigkeit? Verkörperte die Bundesrepublik für Sie doch ein Land, in das Sie gehörten und das Sie im Notfall auch verteidigten?

Enzensberger: Gegen die DDR galt das auf jeden Fall. Denn die DDR war eines der Länder, das ich am meisten verabscheut habe. Ich meine das gar nicht moralisch, die konnten ja nichts dafür, aber es war einfach so furchtbar. Da waren ja zwei Diktaturen übereinandergeschichtet, wie in einer schrecklichen Torte. Die Geschichte erhielt dann irgendwann Einzug in die Uniformen, in die Körpersprache der Beamten, dieser Volkspolizisten – unerträglich. Für mich hat es derartig an die Nazizeit erinnert, dass ich es überhaupt nicht ertragen konnte. Ich konnte das nicht ertragen. Und konfrontiert mit einem begeisterten Anhänger, einem Ultraanhänger, kam es zu einer Art Verteidigung der Bundesrepublik gegenüber der DDR. Peter Hacks war ja ein Genosse, der selbst den Genossen unangenehm war, da er zu weit gegangen ist in seiner Freude über die Diktatur. – Aber nun sind wir wieder bei der Politik. Das ist wie eine Rutschpartie.

Bürger: Das liegt wahrscheinlich auch an Ihrem Werk. In welchem Verhältnis steht denn das essayistische Werk zur Lyrik?

Enzensberger: Die Poesie ist schon wichtiger für mich als die Essayistik. Aber es ist doch so: Wenn man gut schläft, verbringt man damit acht Stunden. Dann bleiben immer noch sechzehn Stunden übrig. Und man kann doch nicht sechzehn Stunden lang Gedichte schreiben. Das wäre ja absurd. Also muss man sich auch andere Beschäftigungen suchen.
Außerdem wird man für Gedichte eigentlich nicht bezahlt. Aber merkwürdigerweise gibt es eine Klasse von Personen, die man Intellektuelle nennt. Und die werden aus irgendwelchen Gründen bezahlt. Die kriegen vielleicht Gehälter oder Honorare. Da kommt jemand wie Diderot wieder ins Spiel, einer der Erfinder dieses Typus, des Intellektuellen. So etwas muss ja immer erst erfunden werden. Diderot ist im übrigen eine sehr interessante Figur, eine wunderbare Figur. Er konnte auch alles Mögliche. Er konnte Prosa schreiben. Gedichte gibt es von ihm nur ein paar, die ziemlich schlecht sind. Aber er hat auch Theaterstücke geschrieben und dann diese wunderbaren Dialoge wie Rameaus Neffe und lauter andere Meisterwerke. Und dann gibt es noch einen großen Roman von ihm, Jakob und sein Herr, Jaques le Fataliste, und tolle Briefe, ja wunderbare Briefe. Wenn ich mir jemanden aussuchen könnte, mit dem ich mich gerne unterhalten würde, dann wäre Diderot die Nummer eins für mich.

Bürger: Und was würden Sie ihn als erstes fragen?

Enzensberger: Ich habe sogar einmal ein Interview mit ihm geführt. Es wurde auch gedruckt. Ich habe mich als ein Reporter verkleidet und ihn aufgesucht. Und das war dann auch eine sehr amüsante Unterhaltung, bei der er natürlich gewonnen hat.

Petersdorff: Ich möchte gerne noch einen Versuch zu den Zugehörigkeiten vornehmen. Ich weiß, dass Sie Generationen nicht besonders mögen, und es ist auch sehr glaubwürdig, dass Sie ein starker Individualist sind. Dennoch: Gerade jetzt wird viel von der Generation der nun Achtzigjährigen geredet, die die Bundesrepublik in erstaunlicher Weise geprägt haben und immer noch, wie man an Ihnen sieht, in bester Stimmung sind. Gibt es da eine Zugehörigkeit? Würden Sie, wenn Sie jetzt zurückblicken, Gemeinsamkeiten einer solchen Generation erkennen, oder würden Sie die Individualität und Besonderheit betonen?

Enzensberger: Nein, solche Gemeinsamkeiten sind nicht zu leugnen. Das hat aber ganz objektive Gründe. Dazu braucht man keine tieferen Gedanken zu hegen. Das Verbindende sind einfach die historischen Erfahrungen, die eine bestimmte Zeit mit sich bringt, wenn Personen im Keller saßen, während irgendwelche Minen vom Himmel herunterkamen, oder in Uniformen gepresst wurden. Das sind prägende Ereignisse. Wie sich jemand dann innerhalb dieser Grenzen und Bedingungen verhält, das macht den Unterschied, da beginnen die Verschiedenheiten. Aber etwas Gemeinsames behalten sie, das kann man loswerden. Ich werde das niemals los. Ich reagiere auf jede Form von diktatorischer Autorität mit einer geradezu irrationalen Abwehr. Ich kann nicht anders reagieren. Ich will sofort weg. Warum? Weil die ersten sechs oder sieben Jahre meines bewussten Daseins auf diese Weise geprägt wurden, weil ich herumkommandiert wurde, von irgendwelchen Deppen, die dauernd rumbrüllten. Das wird man so leicht nicht los.

Petersdorff: Es gibt sehr verschiedene Bilder und Meinungen zur Geschichte der Bundesrepublik. Es gibt natürlich auch Streit darüber. Die fünfziger Jahre, meinen viele Zeitgenossen, waren eine enge, eine dumpfe und muffige Zeit. Jüngere Historiker schreiben dagegen: Nein, das war eine Aufbruchszeit, in der sich eine plurale Gesellschaft entwickelte. Wie sind Ihre Erinnerungen? Gab es damals einen Neubeginn, oder hatten Sie auch zu dieser Zeit noch das Gefühl, eingeengt zu sein und heraus zu müssen?

Enzensberger: Natürlich, das war doch unerträglich. Der Polizeipräsident war ein Nazi, und wenn man zum Arzt gegangen ist, musste man sich fragen, was der denn eigentlich gemacht hatte. War dieser Typ vielleicht KZ-Arzt in Nordhausen? Es hat gewimmelt von denen, das Ganze war absolut unhygienisch. Natürlich war man dabei auch ungerecht.

Bürger: Das ist das eine. Die Kehrseite ist, dass sehr viel möglich war. Es war auch eine Zeit, in der man neue Positionen besetzen konnte.

Enzensberger: Sehr viele Leute sind ja in Russland und anderswo krepiert. In der Emigration gab es sehr hohe Verluste. Das heißt, dass das Feld dünn besetzt war. Deswegen war es viel leichter, irgendwo vielleicht Programmdirektor zu werden. Es war ja niemand da. Es war nur der alte Nazi da. Da gab es dann auch die Alliierten, die z.B. in den Rundfunkanstalten gesagt haben: „Der Reichsrundfunk ist vorbei, meine lieben Damen und Herren. Also jetzt suchen wir Leute, die nicht belastet sind, und die setzten wir dahin, nach dem Vorbild der BBC.“ Die Engländer hatten das durchgesetzt. Daher haben wir den öffentlichen Rundfunk, mit allen Scherereien, die er mit sich bringt. Aber wir haben ihn immerhin. Und insofern war es eine tolle Situation, unter sozialen Mobilitäts- und Karrieregesichtspunkten. Diese Situation beherbergte aber außerdem ein Risiko. Dieses Risiko bestand darin, dass man gegen die Nazis immer Recht hatte. Das war einfach und man konnte es sich angewöhnen. Ich kenne ein paar ältere Herren aus meiner Generation, die glauben immer noch, dass sie die moralische Oberhoheit über irgendetwas haben. Und das ist ja Unsinn. Ich meine das so: Ich kann doch auch nichts dafür, dass ich damals nicht zehn Jahre älter war. Vielleicht wäre ich in dem Fall auch in etwas herein geraten. Die Selbstgerechtigkeit gibt es auch. Und das ist das Risiko.

Bürger: Vielleicht in dem Zusammenhang: Wie haben Sie damals die Exilliteraten wahrgenommen? Wenn man sich die Gruppe 47 ansieht, hat man nicht gerade den Eindruck, dass die Emigranten umarmt wurden. Wie verhielt sich das bei Ihnen? Wann haben Sie angefangen, Exilliteraten wahrzunehmen?

Enzensberger: Man hatte das ja alles gelesen, weil die Lektüre ein Laster war, ein frühes Laster. Selbst im Haus meines Vaters gab es in der zweiten Reihe einiges Lesbares.

Bürger: Und was gab es da?

Enzensberger: Thomas Mann gab es da. Ich glaube, er hat sogar etwas von Döblin gehabt. Und wenn man erst einmal an der Nadel hängt, kommt man so leicht nicht wieder davon los – das ist ja eine Art Drogensucht diese Lektüre, das ist ja schrecklich.

Bürger: Aber insgesamt hieß man die Emigranten nicht willkommen?

Enzensberger: Man kann das nicht zu stark verallgemeinern. Nur institutionell war das typisch für die fünfziger Jahre. Die wollten gar nicht, dass die Emigranten zurückkommen. Die Universitäten wollten die gar nicht haben, niemand wollte die haben. Aber auch da gab es eben ein paar aufgeklärtere Leute. Ich hatte in Hamburg mal einen solchen Professor, Hans Wolffheim. Oder Alfred Andersch, der mein Mentor im Bereich der Medien war und ein Radioprogramm hatte. Ich war damals sogar Redakteur – ich war auch mal Angestellter –, allerdings nur eineinhalb Jahre. Alfred Andersch hatte jedenfalls die Gewohnheit, in seinen Programmen immer Platz für vergessene Leute der Emigration einzuräumen, denen es schlecht ging. Wiedergutmachung gab es ja nicht, die hatten alles verloren. Die saßen dann da mit ihrem schlechten Englisch und kamen in Amerika natürlich auch nicht über die Runden. Die hat er dann eingeladen.

Petersdorff: Für Nelly Sachs gibt es ein Gedicht, das Sie ihr gewidmet haben. Und Celan? Wie haben Sie ihn wahrgenommen?

Enzensberger: Ja, den habe ich auch erlebt. Ach ja, das stimmt, ich war noch einmal angestellt, ich glaube eineinhalb Jahre bei Suhrkamp. Dort hatte ich sozusagen auch mit Celan zu tun. Das war sehr kompliziert. Es war eigentlich eine Art Eiertanz, irgendeinen Dialektausdruck, irgendeinen Anschein von Antisemitismus oder irgendwelche scheinbaren Nazi-Ausdrücke zu vermeiden. Der hatte die Paranoia, das kann man verstehen. Und selbst Nelly Sachs ist erkrankt, richtig erkrankt, klinisch erkrankt. Und das hatte seine Gründe. Man kann nicht erwarten, dass diese Leute mit diesen Biographien unbeschwert herumlaufen so wie du und ich: „Naja, kommen wir mal auf einen Kaffee vorbei“. So ist das nicht. Das war schon heikler.

Petersdorff: Eine andere Phase in Ihrem Leben, die umstritten ist: das Jahr 1968. Es gibt ein Gespräch im Kursbuch, für das Sie sich mit Rudi Dutschke, Bernd Rabehl und Christian Semler zusammengesetzt haben. Und in diesem Gespräch werden revolutionäre Zustände ausgemalt, in denen Westberlin von der Bundesrepublik abgelöst und befreit ist. Es wird überlegt, wie das sozialistische Leben in Berlin dann organisiert werden soll, mit ganz neuen Formen der Arbeit und der Familie. Und wenn man Ihre Beiträge liest, hat man den Eindruck, dass Sie auf eine gewisse Weise mitmachen. Dann gibt es aber auch ironische Bemerkungen von Ihnen wie: „Die Kochkunst ist leider keine revolutionäre Kunst.“ Und man fragt sich, was denn das zu bedeuten hat? Machen Sie sich offensiv über die Revolutionäre lustig? Was war das für ein Gefühl, mit denen zusammenzusitzen, vor allem mit Dutschke? Fanden Sie den auch etwas gruselig?

Enzensberger: Nein. Der war im Grunde ein ganz lieber Kerl, der Rudi Dutschke. Der war eigentlich entwaffnend, auch aufgrund seiner wirklich angeborenen Naivität. Der war sehr ehrlich und hatte so ein Ethos, Skrupellosigkeit war ihm unbekannt, Bestechlichkeit undenkbar. Und solche entwaffnenden Personen gefallen mir irgendwie, weil sie eine Seltenheit sind. Aber diese Interviewsituation erforderte es auch, die Beteiligten herauszulocken. Ich war eigentlich der Moderator: „Nun sagt es doch mal endlich, wie stellt ihr euch das vor mit dieser Revolution, mit diesem sozialistischen Westberlin?“ Und dann mussten sie einige Karten auf den Tisch legen. Es war ein schreckliches Gespräch. Ich möchte es nicht besser machen, als es war.

Petersdorff: Fanden Sie es denn nachvollziehbar, was dort entworfen wurde, oder haben Sie die für völlig verrückt gehalten?

Enzensberger: Nein, das Gespräch fand im Rahmen der Zeitschrift statt. Sie ist ein Zufallsprodukt gewesen, hat als eine elitäre Angelegenheit begonnen, mit Heften über Linguistik, Mathematik und mehr. Und dann kam diese Nummer mit den 67ern ich bin ein 67er, ich bin kein 68er. Und die Zeitschrift wurde plötzlich zu einem Phänomen, weil das eigentlich die einzige Plattform war, in der diese ungefähr 77 verschiedenen Fraktionen der damaligen Linken publizieren durften. Ich habe die Unabhängigkeit gegen all diese Leute verteidigt. Das wurde ökonomisch auch gut abgesichert. Wir sind mit dem Anspruch zum Amtsgericht gegangen, dass uns niemand reinzureden hat. Aber es gab auch viel Unsinn darin. Es wollte natürlich immer jemand die politisch richtige und wahre Linie dort hineinbringen. Das war jedoch nicht meine Intention.

Petersdorff: Bei dem Ethos, das Sie im Bezug auf Dutschke angesprochen haben, handelte es sich doch auch um einen Unbedingtheitswillen. Es war in diesem Denken nicht vorgesehen, dass andere auch Recht haben könnten. Man selber war im Besitz der Wahrheit, im Singular.
In den Fünfzigern hatten Sie eine Position vertreten, die sagte: „Wahrheit ist eigentlich etwas Verteiltes, und ich selber verabschiede mich von der Vorstellung, absolut im Recht zu sein.“ Und dann kamen Leute, die an eine einzige Wahrheit glauben konnten, vielleicht durch diese Naivität.

Enzensberger: Da kann man leider nichts machen, weil es immer viele Leute gibt, die gewissheitssüchtig sind. Und das kann sich in jeder Form zeigen: politisch, religiös, irgendwie. Dann kann einer sich daran festhalten. Das ist harmlos. Nur wenn es viele auf einmal werden, wird es unangenehm.

Petersdorff: Es gibt in den neunziger Jahren in dem Band Kiosk ein eindrucksvolles Kapitel mit religiösen Gedichten. Das war eine der großen Überraschungen in Ihrem Werk. Man wusste zwar nie, was in Ihrem Denken noch passieren würde, aber es hätte wahrscheinlich doch keiner erwartet, dass diese religiösen Gedichte erscheinen. Sie sind von einer großen Eindringlichkeit. Und man hat auch den Eindruck, dass Sie hier über Fragen sprechen, die nicht nur ästhetisch interessant sind. Gibt es ein religiöses Grundgefühl, das am Anfang Ihres Lebens vielleicht vorhanden war und dann wiederkommt? Auch jetzt in den letzten Gedichtbänden scheint ein Transzendenzinteresse vorhanden zu sein. Es ist klar, es handelt sich nicht um Bekenntnislyrik, darüber muss man nicht reden. Aber ist etwas vorhanden, das man im weitesten Sinne Religion nennen könnte?

Enzensberger: Die Aufklärer, nicht zuletzt Diderot, hatten ja die Vorstellung, dass man die Religion loswerden könnte. Sie wurde zum Feind erklärt, mit mehr oder weniger großer Radikalität. Ich glaube das nicht. Man kann das nicht einfach loswerden, anthropologisch ist das nicht möglich. Das heißt, es wird immer eine Form der Religion geben. Und auch wenn man das Religiöse als eine Erfindung betrachtet, als eine Erfindung der Spezies, dann ist es erstaunlich, auf eine solche Idee erst einmal gekommen zu sein, und höchst merkwürdig. Ich komme aus einer katholischen Familie, das heißt, ich kenne mich ein bisschen aus. Und es gab Zeiten, wo die Theologen bei weitem die scharfsinnigsten Menschen waren, die man auf diesem Kontinent antreffen konnte. Die Scholastiker beispielsweise waren einfach fantastisch. Das waren ganz tolle Leute.

Bürger: Deswegen müssen nicht gleich Gedichte geschrieben werden, in denen ein Engel auftaucht.

Enzensberger: Aber wieso? Der Engel wird einfach stehen gelassen. Ich habe keine Lust, mit dem Engel zu kämpfen. Der steht da irgendwie so. Das sind ja keine Bekenntnisse, nichts könnte fernerliegen.

Petersdorff: Aber Sie sagen immerhin, dass religiöse Bedürfnisse anthropologisch verankert sind. In Ihrer Kindheit hat es ein religiöses Leben gegeben. Sind Sie damit gerne groß geworden oder entwickelte sich schnell ein Distanz dazu?

Enzensberger: Das war ein Teil der kulturellen Atmosphäre. Das kriegt man mit. Wenn ich mit einer Person am Tisch sitze und wir kennen uns nicht, dann kann ich Ihnen nach zehn Minuten sagen, ob der protestantisch oder katholisch geprägt ist. Für solche Dinge habe ich einen Geruchssinn entwickelt. Und das ist nicht unbedingt schädlich.

Bürger: Worin besteht der Zusammenhang zwischen Ihren Gedichten und einer Restmetaphysik? Hat das direkt mit dem Schreiben von Gedichten zu tun? Hat das auch mit dem Willen zu tun, Schönheit hervorzubringen?

Enzensberger: Schopenhauer hat einmal gesagt: „Sie glauben vielleicht, dass Sie nichts von Philosophie verstehen. Mir wäre das nur lieb, denn dann können Sie mich besser anhören. Aber die Tatsache ist, Sie haben alle schon Ihre Philosophie. Sie haben alle schon eine Metaphysik, denn es verhält sich so, dass der Mensch ein metaphysisches Tier ist.“ So ungefähr drückt sich Schopenhauer aus. Das finde ich richtig. Selbst die Kinder fangen schon damit an. Mit vier oder fünf Jahren hat meine Tochter gesagt: „Gott ist rund.“ Das ist doch toll.

Petersdorff: Was haben Sie darauf geantwortet?

Enzensberger: Sie hatte schon verstanden, dass die Kugel die perfekte Form ist. Das hat sie irgendwie intuitiv verstanden. Das ist wirklich verblüffend. Über solche Dinge überhaupt nachzudenken, das ist der menschlichen Spezies eigen. Andere Spezies sind ja auch nicht schlecht, aber das können sie nicht.

Bürger: Wahrscheinlich .

Petersdorff: Das muss evolutionär irgendeinen Sinn haben, solche Fragen zu stellen, sonst wäre es vielleicht schon verschwunden.

Enzensberger: Ja, sagen die Soziobiologen jedenfalls. Andere sagen, das sei der Heilige Geist. Wir wollen das mal offen lassen .

Aus: Dirk von Petersdorff (Hrsg.): Hans Magnus Enzensberger und die Ideengeschichte der Bundesrepublik, Universitätsverlag WINTER, 2010

Hugo Loetscher: hans magnus enzensberger
DU, Heft 3, 1961

BRUCH
Nach Hans Magnus Enzensberger

Die Ordnung zerbricht, der Staat;
Rohrbruch; die brechenden Herzen;
das Glück bricht, das Glas, ich bitte
mich jetzt nicht zu unterbrechen;
der Luxus bricht aus, na wenn schon;
zerbrecht euch nicht meinen Kopf;
Bruchlandung; schade, ich breche
in Tränen aus, brechenden Auges;
in Lachen auch, heiser und brüchig;
zu neuen Ufern breche ich auf,
ununterbrochen, bis zum Erbrechen;
brecht ruhig den Stab über mich;
Wortbruch; das Ende bricht an;
der Vers bricht, die Stimme mir auch;
willkommene Unterbrechung;
ich breche ab, breche auf,
ungebrochen; immer der Eure
wünsche ich Hals- und Beinbruch.

Kurt Bartsch

 

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Zum 60. Geburtstag des Autors:

Eckhard Ullrich: Von unserem Umgang mit Andersdenkenden
Neue Zeit, 11.11.1989

Zum 70. Geburtstag des Autors:

Frank Schirrmacher: Eine Legende, ihr Neidhammel!
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6.11.1999

Hans-Ulrich Treichel: Startigel und Zieligel
Frankfurter Rundschau, 6.11.1999

Peter von Becker: Der Blick der Katze
Der Tagesspiegel, 11.11.1999

Ralph Dutli: Bestimmt nicht in der Badehose
Die Weltwoche, 11.11.1999

Joachim Kaiser: Übermut und Überschuss
Süddeutsche Zeitung, 11.11.1999

Jörg Lau: Windhund mit Orden
Die Zeit, 11.11.1999

Thomas E. Schmidt: Mehrdeutig aus Lust und Überzeugung
Die Welt, 11.11.1999

Fritz Göttler: homo faber der Sprache
Süddeutsche Zeitung, 12.11.1999

Erhard Schütz: Meine Weisheit ist eine Binse
der Freitag, 12.11.1999

Sebastian Kiefer: 70 Jahre Hans Magnus Enzensberger. Eine Nachlese
Deutsche Bücher, Heft 1, 2000

Zum 75. Geburtstag des Autors:

Hans-Jürgen Heise: HME, ein Profi des Scharfsinns
die horen, Heft 216, 4. Quartal 2004

Werner Bartens: Der ständige Versuch der Alphabetisierung
Badische Zeitung, 11.11.2004

Frank Dietschreit: Deutscher Diderot und Parade-Intellektueller
Mannheimer Morgen, 11.11.2004

Hans Joachim Müller: Ein intellektueller Wolf
Basler Zeitung, 11.11.2004

Cornelia Niedermeier: Der Kopf ist eine Bibliothek des Anderen
Der Standard, 11.11.2004

Gudrun Norbisrath: Der Verteidiger des Denkens
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 11.11.2004

Peter Rühmkorf: Lieber Hans Magnus
Frankfurter Rundschau, 11.11.2004

Stephan Schlak: Das Leben – ein Schaum
Der Tagesspiegel, 11.11.2004

Hans-Dieter Schütt: Welt ohne Weltgeist
Neues Deutschland, 11.11.2004

Zum 80. Geburtstag des Autors:

Matthias Matussek: Dichtung und Klarheit
Der Spiegel, 9.11.2009

Michael Braun: Fliegender Robert der Ironie
Basler Zeitung, 11.11.2009

Harald Jähner: Fliegender Seitenwechsel
Berliner Zeitung, 11.11.2009

Joachim Kaiser: Ein poetisches Naturereignis
Süddeutsche Zeitung, 11.11.2009

Wiebke Porombka: Für immer jung
die tageszeitung, 11.11.2009

Hans-Dieter Schütt: „Ich bin keiner von uns“
Neues Deutschland, 11.11.2009

Markus Schwering: Auf ihn sollte man eher nicht bauen
Kölner Stadt-Anzeiger, 11.11.2009

Rolf Spinnler: Liebhaber der lyrischen Pastorale
Stuttgarter Zeitung, 11.11.2009

Thomas Steinfeld: Schwabinger Verführung
Süddeutsche Zeitung, 11.11.2009

Armin Thurnher: Ein fröhlicher Provokateur wird frische 80
Falter, 11.11.2009

Arno Widmann: Irrlichternd heiter voran
Frankfurter Rundschau, 11.11.2009

Martin Zingg: Die Wasserzeichen der Poesie
Neue Zürcher Zeitung, 11.11.2009

Michael Braun: Rastloser Denknomade
Rheinischer Merkur, 12.11.2009

Ulla Unseld-Berkéwicz: Das Lächeln der Cellistin
Literarische Welt, 14.11.2009

Hanjo Kesting: Meister der Lüfte
Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Heft 11, 2009

Zum 85. Geburtstag des Autors:

Arno Widmann: Der begeisterte Animateur
Frankfurter Runschau, 10.11.2014

Heike Mund: Unruhestand: Enzensberger wird 85
Deutsche Welle, 10.11.2014

Scharfzüngiger Spätaufsteher
Bayerischer Rundfunk, 11.11.2014

Gabi Rüth: Ein heiterer Provokateur
WDR 5, 11.11.2014

Jochen Schimmang: Von Hans Magnus Enzensberger lernen
boell.de, 11.11.2014

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Fakten und Vermutungen zum Autor + Archiv + KLGInterviews
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Autorenarchiv Susanne Schleyer
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Hans Magnus Enzensberger Der diskrete Charme des Hans Magnus Enzensberger. Dokumentarfilm aus dem Jahre 1999.

 

Hans Magnus Enzensberger liest auf dem IX. International Poetry Festival von Medellín 1999.

 

Hans Magnus Enzensberger – Trailer zu Ich bin keiner von uns – Filme, Porträts, Interviews.

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