Isele

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Theo Breuer: Im Delta der Lyrikverlage

Im oberrheinischen Eggingen geht Klaus Isele seiner Arbeit als Verleger und Herausgeber des nach ihm benannten Literaturverlags Isele nach, den ich über die Jahre anhand verschiedener Einzeltitel über den grünen Lyrikklee gelobt habe. Nun, nachdem ich nach 2000 eine Vielzahl weiterer Lyrikbände von Isele gelesen habe, ist mein Interesse nicht geringer geworden, im Gegenteil. Klaus Isele ist beständig auf der Suche nach neuen starken Stimmen, darüber hinaus aber auch jemand, der es sich zur verlegerischen Aufgabe macht, Autoren konsequent zu betreuen, wie es das Beispiel Peter Salomon zeigt, dessen Werk in der Edition Isele erscheint (siehe Sistiger Favoriten). Das Editionshändchen Klaus Iseles, der betont, daß ihm die Lyrik im Verlagsprogramm immer wesentlicher geworden ist gegenüber der vordergründig natürlich gewichtigeren Prosa, ist mir außerordentlich sympathisch. Originelle Lyrik wird in feine Bücher gepackt, die ich gern zur Hand nehme, um Gedichte wiederzulesen. Bei Isele finden Sie Walter Helmut Fritz mit Pulsschlag  (1996), Jochen Kelter mit Aber wenigstens Wasser (1998), Hermann Kinder mit Nachts mit Filzstift und Tinte (1998) oder Johannes Poethen mit  Zwischen dem All und dem Nichts (1995), deren Gedichte ich auch nach der medial so übertrieben apostrophierten Zeitenwende nach 2000, die ich in vielen Lebensbereichen nicht erkennen kann (sollten etwa Autoren 2002 anders schreiben als 1998?), genügend Energie abstrahlen, um als gleichsam „lyrische Beute“ empfunden zu werden. – Bei Isele finden Sie aber auch über den oberrheinischen Raum hinaus noch zu entdeckende originelle Lyrikbücher – beispielsweise Iren Baumanns Die vorgewärmten Schuhe (mit Tuschen von Harald Naegeli, 2000), Rita Binders Haus am Licht (1999), Erika Brandners Der halbe Mond (2002), Gianni Kuhns alpsee. meerkanten. anderorten (1999), Sabine Naefs Tagelang möchte ich um diese Ecke biegen (2001), Maria Schneiders Gib mir mehr von dem Duft (1999) oder Markus Stegmanns Fuchsverbiss (2004). Die am liebevollsten gestalteten Bücher sind die kleinformatigen, in schwarzes Leinen gehüllten Bände der auf 15 Titel angelegten Reihe Kleine oberrheinische Bibliothek, die einmal mehr zeigt, welch klangvolle Namen sich im Hinterland verbergen: Neben Walter Helmut Fritz, Jochen Kelter und Arnold Stadler finde ich hier u.a. auch den lesenswerten Lyrikband Der Fernseher ist kein schlechter Priester (1998) von Christian Haller. Die Lyrik dieser Menschen im deutschsprachigen Raum (noch) bekannt(er) zu machen hat sich Klaus Isele zur lebenslangen Aufgabe gemacht. Auf U1 der leider letzten von Klaus Isele betreuten Ausgabe der Literaturzeitschrift Allmende (N° 70/71, 21. Jg., 2001) prangt das Wort „LYRIK“. Das sagt alles.

Erschienen in: Theo Breuer – Aus dem Hinterland, Edition YE, 2005

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