Itzik Manger: Poesiealbum 205

Manger/Naumann-Poesiealbum 205

EPILOG

Ich bin müde, gute Nacht,
meine Augenlider kleben,
wie ein Traum verflog das Leben,
was ich liebte, was ich dacht.
Ich bin müde, gute Nacht,
meine Augenlider kleben.

Halb im Wachen, halb im Traum
murmel ich das letzte Lied,
seht, ein großer Vogel zieht
aufwärts durch den weiten Raum,
halb im Wachen, halb im Traum
murmel ich das letzte Lied.

Hab euch einen Traum gebracht,
und ihr habt ihn weggetrieben,
und (wie oftmal in der Nacht)
bin ich vor der Tür geblieben;
hab euch einen Traum gebracht,
und ihr habt ihn weggetrieben…

 

 

Es wurde gesagt:

wenn alle jiddische Volksüberlieferung, gottbewahre, verlorenginge, aus dem Werk Itzik Mangers wäre sie wiederzugewinnen. Er hat seine Lyrik aus Volkshaftem gespeist und ist dabei selber zum Volksdichter geworden. Aber auch deutsche Gedichte – Goethes und Schillers, der Romantiker und Heines – haben ihn angeregt: Die frühesten Texte schrieb er deutsch, bevor er zum Jiddischen fand.
In seinen Liedern und Balladen gehen Schlichtheit und Raffinement, Süße und Bitternis, Sentiment und Ratio, Humor und Innigkeit, Phantastik und Realität eine sehr romantische Legierung ein. Manger schrieb, Poesie sei „die schönste und edelste aller Künste, alle Wege führen zu ihr, und alle Wege kommen von ihr“.

Hubert Witt, Verlag Neues Leben, Klappentext, 1984

 

Gal-Ed, Ruth Renée Reif: Das unbekannte Jiddischland

 

REGENRAUSCHLIED
Für Itzik Manger

Der Regen rinnt im Traufenrohr,
Im Nachtwind schwankt ein Licht,
Ins Dunkle lauscht mein waches Ohr,
Es hört den trägen Tropfenchor,
Dein Singen hört es nicht.

Es sinnt ein Zecher wo beim Wein,
Sein Blick im Glase bricht.
Die Nacht ist wie ein Stern so klein,
Dein Lied, das wie der Wein so rein.
Dein Lied, er hört es nicht.

Der Regen trommelt auf das Dach.
Im Winde stöhnt ein Baum,
Mein Blut jagt deinem Rufe nach
Und hämmert tote Worte wach,
Dein Singen klagt im Traum.

Alfred Kittner

 

Fakten und Vermutungen zum Poesiealbum + wiederentdeckt +
50 Jahre 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6

 

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Fakten und Vermutungen zum Autor

 

Itzik Manger liest sein Gedicht „There is a tree that stand“.

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