Ivan Blatný: Hilfsschule Bixley V

Blatný/Leibner-Hilfsschule Bixley V

JEDEN TAG SCHREIBEN ohne dabei je alles zu berühren. Das macht mich mürrisch. Ich werde noch reich werden damit in dieser Welt der Reichmanns. Das Heute heißt’s noch überstehen, das Morgen wird dann besser. Morgen dann will ich ein anderer werden. Ebenso drängen nach Glücklichsein, davon reden auf diesen Zetteln. Die Tabletten einnehmen, andernfalls werde ich mich rühren. Mein Becher geht zur Auktion. Ich sollte zum Hochamt in die Kirche gehen und mich vorbereiten auf die Ewigkeit. Um 2 Uhr werde ich zum Kunstgewerbe gehen, da gibt es was zu trinken. Ich werde nicht um Geld bitten... Ich werde der glücklichste Mensch auf Erden sein. Wie sagt man, wenn es zwei Uhr ist? Ich bin der glücklichste Mensch auf Erden. Jetzt habe ich gut Zeit zum Schreiben. Mr. Cook weigert sich mir Geld zu geben, es ist das Gegenteil einer Silberhochzeit. Mir egal. Wie sagt man, wenn es zwei Uhr ist? Ich werde begeistert sein und nichts sonst; ich habe nur etwas Bade-Scheu. Morgen. Ich habe keine Zweifel dass ich der glücklichste Mensch auf Erden bin. Schon heute ist das so. Vladimír Holan, lehrte mich Lemurii schreiben. Schuld ist Unsinn, jede Schuld endet an der nächsten Regenrinne, wo der Morgenregen sie abwäscht, was für ein Gedanke, was muss das für ein Regen sein, der zugleich wandelt und reinwäscht. Kann man mir nach alledem Geld geben für die heutigen Zigaretten? Furchtbare Schmerzen, helfen einem beim Sterben. Nun, wenn das Königliche Gericht zumacht kann ich getrost um das Geld bitten.

Übertragen von Frank-Wolf Matthies

 

 

 

Einige Bemerkungen des Nachdichters

Gottes Wege sind unerforschlich, dieser Gedanke ist dem Dichter Blatný stets gegenwärtig. Gottes Wollen ist unerforschlich. Ich denke, ohne dass dieses Wollen Jürgen Serke über Ivan Blatný hätte schreiben lassen, hätte ich nie von ihm erfahren, nie diesen großartigen Menschen kennengelernt. Dafür will ich hiermit Jürgen Serke danken. Mit diesem Band ist in etwa die Hälfte des Gesamten veröffentlicht, welches vermutlich 10 Bücher ausmachen wird.
Nach England gekommen war der 1919 in Brünn geborene Blatný – Sohn des Schriftstellers Lev Blatný (1894–1930) und Inhaber eines 1935 vom Großvater geerbten Optikerladens – kurz nach der kommunistischen Machtergreifung am 29. März 1948 als Mitglied einer Schriftstellerdelegation. Unmittelbar nach der Ankunft setzte er sich von der Gruppe ab und begründete seine Emigration gegenüber dem Sender BBC mit der auch für die Kultur bedrohlichen Situation in der Tschechoslowakei. Seine Kollegen, der Lyriker Jiří Kolář (1914–2002) und der Übersetzer Arnošt Vaněček (1900–1983), kehrten ohne ihn nach Prag zurück. In der tschechischen Presse wurde Blatný daraufhin zum Landesverräter und Deserteur erklärt und offiziell aus der tschechischen Literatur ausgestoßen. Als er sich im Herbst 1948 in London bzw. im Claybury Psychiatrie Hospital in Essex einer psychiatrischen Behandlung unterziehen musste, wurde er im Tschechoslowakischen Rundfunk sogar für tot erklärt. Bevor er 1954 auf Grund der Diagnose „paranoide Schizophrenie“ für immer hinter Anstaltsmauern verschwand, arbeitete er freiberuflich für die BBC und Radio freies Europa. Dichterisch war er in all diesen Jahren kaum aktiv, ist aber immerhin mit fünf Gedichten in der 1954 von Peter Demetz redigierten Sammlung tschechischer Exildichtung Neviditelný domov (Die unsichtbare Heimat) vertreten. Die weiteren Lebensstationen Blatnýs sind mit psychiatrischen Kliniken verbunden: 1963 wurde er aus dem Claybury Hospital in das House of Hope und 1977 in das St. Clement’s Hospital (das Bixley Ward-Warren House), beide in Ipswich, verlegt. Die restlichen Jahre bis zu seinem Tod (1985–1990) verbrachte er in einer Pension in Clacton-on-Sea. (Christa Rothmeier, in Alte Wege, Nachwort, Februar 2005)
Auch diese Sammlung sollte wie ein Wäldchen betreten und betrachtet werden. Ein kleiner Wald, von dessen großem Bruder der Schriftsteller Thoreau sagt, dass er ihn sofort wieder verlässt, um seinen Spaziergang noch einmal neu zu beginnen, sobald er bemerkt, dass er in ihm spaziert, ohne mit seinen Gedanken, seiner Aufmerksamkeit, seiner Liebe und Ehrfurcht ganz bei ihm zu sein. Der Dichter Peter Hille hat vermutlich ähnlich gedacht und empfunden. Ebenso der tschechische Dichter Jan Zahradníček.
Bei diesen Anmerkungen handelt sich um den Versuch, dem Leser der Nach-Dichtungen etwas zusätzlich zu sagen, oftmals handelt es sich bezüglich der nachfolgenden Texte um Vermutungen, so, wie es sich bei den Nachdichtungen um Versuche handelt, Versuche, die vorangegangenen Übertragungen zu Nachdichtungen zu formen. Vermutungen und Versuche ohne jede Gewissheit. Es ist nicht notwendig, sie zu lesen – sowohl die Gedichte, als auch die Anmerkungen. Dem unsicheren Leser sei eher davon abgeraten. Es kann nicht oft genug gesagt werden: es gibt keine absolute Objektivität. Wenn zwei Menschen einen Gegenstand ansehen, dann sehen sie zwei Gegenstände… die nicht selten voneinander sehr verschieden sind, wobei der Gegenstand selbst noch ein ganz anderer ist. Gedichte, sagte einst der Schriftsteller F., gleichen den Vitaminen – man bemerkt sie erst, wenn sie fehlen. Der Dichter Friedrich Hölderlin formuliert dies noch sehr viel deutlicher, und zwar nicht nur im Hyperion.
Bemüht, möglichst wörtlich zu übertragen, muss ich darauf hinweisen, dass die tschechischen Sätze oft einer Perlenkette gleichen, die Worte klingen sehr ähnlich, so dass aus diesem Gleichklang das nachfolgende Wort beinahe zwangsläufig zu erwachsen scheint – ,,assoziative Schreibweise“ –, was im Deutschen nur manches Mal nachzuahmen ist. Überhaupt: ist das Tschechische geradezu üppig, von einer Opulenz gegen die das Hochdeutsche geradezu magersüchtig wirkt. Dennoch habe ich nur in Ausnahmefällen versucht, dies im Deutschen nachzuahmen. Denn im Tschechischen ist diese Art sich auszudrücken natürlich, kaum vorstellbar, dass jemand daran Anstoß nehmen würde. Das ist nicht das, was man im Feuilleton „Mundart“ nennt, es handelt sich um ein Lebensgefühl. Im Hochdeutschen dagegen wird diese Art sich mitzuteilen, schnell als affektiert empfunden.

Die Auswahl erfolgte auch diesmal weder chronologisch, noch „thematisch“, noch sonst irgendwie „üblich“. Sie wurde bestimmt von der Liebe auf den Blick, wenn auch nicht auf den ersten. Mit einer Einschränkung: in diesen Band wurden ausschließlich „Prosa-Texte“ aufgenommen. Etliche Bilder sind beinahe „tagebuchnaturalistisch“: weswegen sie manchmal nicht näher erläutert werden, nicht erläutert werden können, da es mir beispielsweise heute, im Jahr 2016, nicht möglich ist, zu eruieren, was für Tabakwaren vor dreißig Jahren in England verkauft wurden, wie sie verpackt waren, was sie gekostet haben. Ähnliche Schwierigkeiten ergaben sich mir oftmals auch, wenn ich nach Informationen suchte, die das Brünn der Zeit zwischen 1920 bis ungefähr 1948 betreffen, bzw. tschechische Dichter, Maler, Komponisten, Politiker, gar deren Lebensgefährten. Ähnliche Schwierigkeiten auch, wenn es um Restaurants, Kaffeehäuser, Fabriken, Ladengeschäfte in Brünn bzw. Brno in dieser Zeit geht. Die besten Stadtpläne, Postkartensammlungen, Nachschlagewerke geben einen nur sehr schmalen Blick frei. Ein Blick ohne Gerüche, ohne Geräusche, ohne Bewegungen, ohne Temperaturempfindungen … alles dies war aber in der Erinnerung des Dichters Blatný auch noch nach 40 Jahren in der Fremde vermutlich vollständig vorhanden. Dies war sein Schatz, der größte Schatz überhaupt, Burg und Vermögen, den Dichter gottähnlich machend.

Sollten Sie das Gefühl haben, dass Ihre Gedanken beim Lesen dieses Buches nicht bei dem Dichter und dessen Gedanken sind, beginnen Sie unbedingt noch einmal von vorne.

Frank-Wolf Matthies

 

Rechte

Hier sei es wiederholt: Über die Rechte im juristischen Sinne wurde nicht weiter nachgedacht, da diese Übertragungen nicht für den Verkauf oder sonst eine Form der geschäftsmäßigen Veröffentlichung gedacht sind.
Der Nachdichter verfügt nur über ein Recht – das Recht des Dichters, das Recht: Gedichte zu lesen und weiterzuerzählen ohne dafür Geld oder sonst etwas Materielles zu bekommen – allein dieses Buch, welches ausschließlich für den privaten Gebrauch und zum Vergnügen des Verschenkens geschaffen wurde.
In dankbarer Hochachtung sowohl für den Dichter Ivan Blatný, als auch für die Beschützerin und Bewahrerin des späten Werkes und seines Dichters: Frances Meacham. Des Weiteren für Lutz Leibner und Hannes Schwenger, die gemeinsam das Erscheinen dieses Buches ermöglichten.

Frank-Wolf Matthies, 2017

 

Eine Liebe auf den ersten Blick

– Ein deutscher Dichter lernt tschechisch, um Ivan Blatný zu übersetzen. –

Dies ist eine wunderbare Geschichte, in der Vergangenheit in  die Zukunft geschrieben ist. Im  November vergangenen Jahres bekam ich ein außergewöhnliches Buch mit einem Schreiben:

Sehr geehrter Herr Serke, ich hoffe jetzt einfach mal, dass Sie sich meiner zumindest vage erinnern werden  – und schicke Ihnen dieses eben erschienene Buch, denn schließlich bin ich Ihnen zutiefst dankbar dafür, mich mit dem Dichter Ivan Blatný bekannt gemacht zu haben. Es war für mich das, was man oft viel zu leichtfertig eine ‚Liebe auf den ersten Blick‘ nennt.

Das Buch, das ich in  Händen hielt, war Band  IV der Lyrik von  Ivan Blatný mit dem Titel  Hilfsschule Bixley –  die Gedichte  Pomocná škola Bixley  galten bisher als unübersetzbar. Inzwischen habe ich all diese bibliophil gestalteten Bände. Es sind Nachdichtungen aus dem Tschechischen des deutschen Lyrikers  Frank‑Wolf Matthies, der Blatnýs Sinnlichkeit, seine Rhythmik und klanglichen Gestaltungsmomente kongenial getroffen hat. Dazu Collagen des Berliner Malers Lutz Leibner (geb.  1949) von einer Intensität, wie sie zu spüren ist in  den Collagen Jiří Kolářs (1914–2002), des Freundes Ivan Blatnýs. Ich erinnere mich, wie der 31jährige Matthies mit seiner Frau Patricia, die das Zentrum seiner Lyrik ist, 1982 in  meinem Haus in  Großhansdorf bei Hamburg auftauchte  – allein wegen Ivan Blatný. Den hatte ich ein Jahr zuvor im St.  Clement’s Hospital im  englischen Ipswich, einer psychiatrischen Anstalt, aufgesucht und ein Porträt im  STERN-Magazin  veröffentlicht. 33  Jahre zuvor hatte sich Blatný von einer tschechischen Schriftstellerorganisation bei einem Besuch in  London kurz nach dem kommunistischen Putsch 1948 in  der Tschechoslowakei abgesetzt, war in  eine psychiatrische Anstalt geflohen und der kommunistischen Verfolgung in  seinem Land entkommen.
Ivan Blatný, 1919 in  Brünn geboren, war in  seinem Heimatland als Verfasser von vier Gedichtbänden berühmt. Nach seiner Flucht nach London wurde er zum Vaterlandsverräter gestempelt. Die Krankenschwester Frances Meacham hatte ihn in  Ipswich entdeckt. Sie, die im  Zweiten Weltkrieg einen tschechischen Piloten geliebt und Tschechisch gelernt hatte, sorgte dafür, dass Blatnýs Gedichte, die er in  der Anstalt schrieb, nicht mehr in  den Müll wanderten. Mrs. Meacham bewahrte die Gedichte bei sich zuhause und schickte viele von ihnen nach Kanada zum tschechischen Exil-Verlag Sixty‑Eight  Publishers, der sie veröffentlichte.
Das alles ist heute in  der Tschechischen Republik bekannt. Als Blatný 1990 in  England starb, wurde seine Urne auf dem Friedhof in  Brünn beigesetzt. Sein Werk ist wieder in  der Tschechischen Republik erhältlich. Auch in  deutscher Übersetzung gibt es einen Lyrikband:  Stará bydliště, übertragen von Christa Rothmeier unter dem Titel  Alte Wohnsitze. Das Opus magnum, die  Hilfsschule Bixley, vor einem Jahrzehnt angekündigt, ist nicht erschienen. Deshalb mein unglaubliches Erstaunen, als ich Band  IV der Gedichte in  der Hand hielt.
Frank-Wolf Matthies hat die vier Bände zusammen mit seinem Malerfreund Lutz Leibner auf eigene Kosten drucken lassen. In  einer Auflage von 5o  Exemplaren, die an  Freunde verschenkt werden. In  einem der Blatný‑Bände steht:

Gewidmet Jürgen Serke, ohne den es dieses Buch nicht gäbe.

In einem anderen:

Für Jürgen Serke, der mir diese Welt geöffnet und somit den Einlass ermöglicht hat.

Man liest das beglückt und zugleich erschrocken, kramt alle Bücher von Frank‑Wolf Matthies hervor, die im  Bücherschrank stehen, und sucht nach einer Erklärung der Verklärung des Dichters Blatný. Matthies, 1951 in  Ostberlin geboren, wird 1979, 1980 und 1981 mit drei Bänden Lyrik und Prosa sichtbar, nicht in  der DDR, sondern im  Westen beim Rowohlt‑Verlag. Mit einer sicheren Liebe an  seiner Seite, seiner Frau Patricia, die ihm noch heute Sicherheit gibt. Er lebt und schreibt wahrhaftig in  einem Land, in  dem man nicht wahrhaftig sein darf.
Zweimal wird er in  Ostberlin verhaftet. Was er geschrieben hat, wird von der Staatssicherheit (Stasi) als „Beleidigung und Herabwürdigung“ des SED-Systems gewertet. 1981 lässt man ihn und seine Familie ausreisen. Günter Grass nimmt die Familie in  seinem Westberliner Haus auf. Er bleibt, was er in  Ostberlin immer gewesen ist: unbeugsam. Das macht ihn auch im  Westen schnell unbequem. „Beuge dich nur für die Liebe.“ Dieser Satz des einstigen Résistance‑Kämpfers René Char könnte auch seine Lebensmaxime sein.
Noch einmal wird er sichtbar mit seiner kraftstrotzenden Verzweiflung bei einem bedeutenden Verlag: bei Suhrkamp mit seinem Tagebuch Fortunes. Zahlreiche Bücher folgen bei kleinen Verlagen. Der Kampf mit sich, gegen seine Verletzungen und mit der DDR dauert lange. Der Dichter als sein eigener Therapeut. Seine zeitgenössische Version der  Aeneis  ist ein großes Prosawerk, das in  der Bundesrepublik schon nicht mehr wahrgenommen wird. Immer wieder geht es darum, aus der traumatischen Situation Jugendjahre in  der DDR herauszufinden.
Im  Tagebuch Fortunes (1985) taucht Ivan Blatný erstmals mit einem Gedicht aus meinem Porträt über den Dichter in  Ipswich (Die verbannten Dichter, 1982) auf. Jiří Gruša, der bei meinem Besuch Blatnýs dabei war, hatte es für mein Porträt übersetzt. Gruša sollte aus dem Tschechischen dolmetschen. Es war nicht nötig. „Sprechen Sie deutsch“, sagte der damals 61jährige zu mir, „Deutsch ist die Sprache meiner Großmutter. Es ist die Sprache meiner Wünsche. Großmutter habe ich sie gesagt.“
Matthies sagt:

Seit Ihrem Text im  STERN  und dann in  Ihrem Buch ist Ivan Blatný immer in  mir anwesend. Er lässt mich weiterleben. Wenn es mir schlecht geht, zieht er mich hoch.

Im  Jahre 2013 erlitt Frank‑Wolf Matthies einen schweren Schlaganfall. Es grenzt an  ein Wunder, dass er die Lähmungen nach einem Jahr überwunden hatte.
Matthies wohnt heute am  Rande Oranienburgs bei Berlin. Die vier Kinder sind längst erwachsen. Seine Frau, eine Lehrerin, ist inzwischen pensioniert. Und so erlebe ich bei meinem Besuch der beiden ein Paar wie Philemon und Baucis. Er, ein schmaler hochgewachsener Mann, hat gerade eine Lungenentzündung überwunden.
Nach dem Schlaganfall begann Matthies mit den Blatný‑Nachdichtungen.

Ich sagte mir, jetzt wird es langsam Zeit, wenn du es lesen willst.

Und nun traute er sich, das Tschechisch, das er sich selbst beigebracht hatte, umzusetzen für seine deutschen Nachdichtungen. Das Lernen der tschechischen Sprache nennt er ein Vertrautmachen.

Wenn ich mich selbst befragen würde, danach, ob es Dichter gibt, zu  denen ich Vertrauen habe und die mir vertrauen können, dann wären das Friedrich Hölderlin, Friedrich Nietzsche und Ivan Blatný.

Matthies spricht so, als lebten sie alle noch, deren Namen er nennt. Er trägt sie in  sich. Wenn er von Blatný spricht, sagt er:

Die Sprache singt. Jedes Wort gibt das nächste Wort. Blatný lebte 4o  Jahre in  einer völlig fremden Kultur. Niemand war eigentlich da in  seiner eigenen Sprache. Und dann das Wunder dieser Lyrik.

Den drei von Matthies bewunderten Dichtern wird Wahn, Wahnsinn zugeschrieben. Wenn es so ist, war es die hohe Zeit der Dichtung. Matthies gibt den Zuschreibungen einen anderen Sinn:

Einzig, was in  der Phantasie existiert, existiert tatsächlich  – lebt, einzigartig, universal, unsterblich.

In  der Nachdichtung  Hilfsschule Bixley  gibt Matthies dem Durcheinander des desaströsen 2o.  Jahrhunderts die Struktur einer Erinnerung aus der Einbildungskraft Blatnýs. Blatný und Matthies zeigen die Dissonanz als Geheimnis der Harmonie. Matthies hat den Gedichten des Tschechen einen voluminösen Anmerkungsapparat als Anhang hinzugefügt  – wegen der häufigen Verwendung von realen Personen- und Ortsnamen und Geschichtsdaten. Er zeigt auch, wie Blatný im  Wechsel von tschechischer Sprache in  die englische oder deutsche sein Europa verteidigt und zusammengehalten hat.

Jürgen Serke, institut pro studium literatury, 21.6.2017

 

Fakten und Vermutungen zum Übersetzer

 


 

Francis Nenic: Vom Wunder der doppelten Biografieführung

Annette Kraus: Im Exil verfemt und vergessen

Fakten und Vermutungen zum Autor

 

Ivan Blatný – Tschechische Dokumentation von 1990, Teil 1/2.

 

Ivan Blatný – Tschechische Dokumentation von 1990, Teil 2/2.

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