Karl Mickel: Poesiealbum 161

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Karl Mickel: Poesiealbum 161

Mickel/Goltzsche-Poesiealbum 161

ODYSSEUS IN ITHAKA
Für Georg Maurer in herzlicher Verehrung

Wo bin ich? das ist nicht Ithaka. Die Berge
Sind blau in Ithaka, die Ebnen geräumig
Das Blattwerk grün, o Wechselspiel der Schatten
Auf Wechsellicht lebendiger Gewässer!
Stumpf schleichts zwischen Geröll stinkend
Hier. Die Haine Staub und Strünke, aufstehn
Will ich nicht, ich wäre mit einem Schritt
Am Rand der Welt und spucke auf die Hügel.

Ich hab geschrumpft dies Land, indem ich in
Zehn Jahre Troia, und ich kenns nicht wieder
Und hätt es nicht erkannt nach einem Tag:
Was ich verlasse, schrumpft. Die Frau am Morgen
Sobald die Tür ich zuschlag, ihre eigne
Großmutter ist sie, die Tür fällt rieselnd
In Staub, das Haus in Trümmern, Bäume dorrn
Sobald ich tret aus ihrem Schatten, Flüsse
Lassen zurück im leeren Bett geplatzte
Fische, wenn ich ausm Bad steig, So
Das hier ist Ithaka, seine eigene Mumie.

Ich bin ein Gott vermutlich und kann aufleben
Was ich einschrumpfte, andres dafür tötend.
’s geht ein Gerücht Odysseus kehre wieder
Leichenfarb, die Leichenfarb zu tauschen
Gegen Wangenrot von dreihundert Jünglingen:
Dann trügen diese Äcker doppelt, Zwillinge
Wirft alles Vieh, mit Wölfen Lämmer spielen
Und Götter kehren ein in Ithaka
Regelmäßig

Dreihundert Stück! Penelope, entweder
Mit jedem macht sie’s, keinen will sie dauernd
Dreihundert Mann ersetz nicht einmal ich
Oder mit Keinem? da wär sie zu langweilig
Und Kirke fällt mir ein, wenn ich sie vögle
Die Sau. Für Kirkes Schatten soll ich
Dreihundert abtun? Keinen. Troia reicht.
Ich will kein Gott sein, hinter mir zerfällt
Die sich selber fallen läßt, die Welt.

Zehn Jahr auf dünner Planke ritt ich, mit
Göttern meinen Willen kreuzend, litt
Klaglos, meines Feinds Poseidon Kraft
Stülpt ich auf meine Schwachheit, harter Haft
Vertrauend, daß die dauere und ich
Auf solchen Fels, ein Gott, mir gründe: mich.
Nun will ich nicht allein sein. Und ich geh
Mit wenig Freunden, auf der öden See
Wo keiner war, errichten ein Gefährt:
Ein schwankend flüchtig sicheres, die Erd.
Die Welt ein Schiff! voraus ein Meer des Lichts
Uns hebt der Bug, so blicken wir ins Nichts

(1965)

 

 

Karl Mickel

In seinen Versen hört man das Hofgeschrei der Berliner Großstadt. Die Häuser haben es ihm angetan, die alten und die neuen – der Menschen wegen, die darin wohnen. Ihrer Liebe und ihrem Arbeitsalltag ist der Dichter auf der Spur. In widerspruchsvollen Verhältnissen von Natur, Geschichte und Kunst eröffnet er uns – bis in die Antike zurück – weite Kulturräume neue Aussichten auf gegenwärtiges und Künftiges. Mickels Gedichte sind gedankenscharf und derb-erotisch zugleich. Mit jahrhundertealten und modernen Ausdrucksmitteln experimentierend, bringt er eine Poesie zur Wirkung, in der sich unpathetisch-profane Alltagssprache und hohe Formkultur nicht ausschließen, sondern wechselseitig bedingen.

Ankündigung in Adelbert von Chamisso: Poesiealbum 160, Verlag Neues Leben, 1981

Gedrängtheit

ist Merkmal der Sprache von Karl Mickel. Hier waltet hohe Bewußtheit, beherrschte Form ist ihr Ausdruck. Rhythmus und Gestik tragen Sinn in dieser Versdichtung. Verkürzte Bildaufrufe, fugenloses Nennen, schroffe Bedeutungswechsel, vielfältiges In-eins der Bezüge – sie fordern uns auf, in einen intensiven lyrischen Prozeß einzutreten. Aus Geschichte und Alltag, tradiertem und Erfahrenem, Vergangenheit und Gegenwart stammt das Material für Sinngestalten widerspruchsvollen Menschendaseins und Menschentuns. Mit Lamento und Gelächter wurden und – zunehmend in einer phantastischen Sachlichkeit – werden sie vorgezeigt. „Wo bin ich?“ wird gefragt; wir haben uns zu fragen, wer wir sind.

Dieter Schlenstedt, Verlag Neues Leben, Klappentext, 1981

 

Karl Mickel: Freier Umgang mit klassischen Formen

und täglichem Hofgeschrei

Es ist zu viel, wenn Einer um sich blickt
Und Schönes siehet, und der Zeit Punkt Augen-
Blick ist Höhlung, ungefüllt mit Liebem:
Ich war der Mann, der weit und singend geht

Singen was? der Finsternis Geschichte.
Jetzt bin ich ich, und liebe lehre dichte.

Karl Mickel, der sich in einem „Gegen-Sonett“ so darstellt, wurde 1935 in Dresden, der sächsischen Kulturmetropole, geboren. Er trat zuerst mit argumentierenden, durchaus agitatorisch tendierten Versen auf, schrieb schon zu Beginn der 60er Jahre Kantatentexte für den Komponisten Paul Dessau, von dessen musikalischer Rhythmisierung er für seine Verse profitiert hat. Mit den Schlußzeilen seines Gedichts „Winterreise“ von 1959 gab er einer Tendenzwende in der DDR-Lyrik die Überschrift:

Zu allem Neuen eine neue Landschaft
Wir schließen langsam mit uns selbst Bekanntschaft.

Bekanntschaft mit uns selbst – war der Titel einer Anthologie, unter deren Motto eine junge Generation von Autoren antrat, zu denen neben Karl Mickel, Volker Braun, Heinz Czechowski, Bernd Jentzsch und Rainer Kirsch zählten, schon auf dem Höhepunkt jener „Lyrikwelle“, die mit Versen dieser Autoren ein neues Selbstverständnis durchsetzte, das sich mit apologetisch-hymnischer Freundlichkeit nicht mehr begnügte, sondern im realistischen Gedicht Möglichkeiten sah, sich im gesellschaftlichen Prozeß zu erkennen. – Lobverse und Beschimpfungen lautete der Titel von Mickels erstem Gedichtband, der noch an Brechts „Lob des Lernens“ erinnern mochte, für eine Lyrik, in der „die Zukunft“ poetisch mit „am Tische saß“, aber bereits nur „Lamento und Gelächter“ übrig hatte.
Mickel studierte nicht nur die strenge Sonettform von ihren Quellen her, nämlich bei Dante und Shakespeare, las nicht nur die Elegien Catulls oder die Hymnen des englischen Barockdichters John Donne für sich anders, er beschäftigte sich mit der griechischen Mythologie und ihrer Verwendung in der deutschen Klassik, die ihm Zusammenhänge der Weltpoesie erschloß. Aus solchen Intentionen entstand dann ein Gedicht, das seinerseits heftig beschimpft oder gelobt wurde, ein Entwurf, mit dem er, wie mit einem Paukenschlag, erst eigentlich seinen Einstand in der deutschen Lyrik gab. Karl Mickel, „Der See“:

See, schartige Schüssel, gefüllt mit Fischleibern
Du Anti-Himmel unterm Kiel, abgesplitterte Hirnschal
Von Herrn Herr Hydrocephalos, vor unsern Zeitläuften
Eingedrückt ins Erdreich, Denkmal des Aufpralls
Nach rasendem Absturz: du stößt mich im Gegensinn
Aufwärts, ab, wenn ich atemlos nieder zum Grund tauch
Wo alte Schuhe zuhaus sind zwischen den Weißbäuchen.

Totes gedeiht noch! An Ufern, grindigen Wundrändern
Verlängert sichs, wächsts, der Hirnschale Haarstoppel
Borstiges Baumwerk, trägfauler als der Verblichene
(Ein Jahr: ein Schritt, zehn Jahr: ein Wasserabschlagen
Ein Jahrhundert: ein Satz). Das soll ich ausforschen?
Und die Amphibien. Was sie reinlich einst abschleckten
Koten sie tropfen weis voll, unersättlicher Kreislauf
Leichen und Laich.

aaaaaaaaaaaaaaaaaAlso bleibt einzig das Leersaufen
Übrig, in Tamerlans Spur, der soff sich aus Feindschädel-
Pokalen eins an („Nicht länger denkt der Erschlagene“
Sagt das Gefäß, „nicht denke an ihn!“ sagt der Inhalt).
So faß ich die Bäume („hoffentlich halten die Wurzeln!“)
Und reiße die Mulde empor, schräg in die Wolkenwand
Zerr ich den See, ich saufe, die Lippen zerspringen
Ich saufe, ich saufe, ich sauf – wohin mit den Abwässern!
See, schartige Schüssel, gefüllt mit Fischleibern:

Durch mich durch jetzt Fluß inmitten eurer Behausungen!
Ich lieg und verdaue den Fisch

Heute kann man nur schwer nachvollziehen, worüber sich damals eine literarisch-kulturpolitische Öffentlichkeit aus Anlaß eines dreiteilig-freirhythmischen Gedichts fast bis zum Exzeß ereiferte. Die metaphorische Begeisterung des sich seiner Geschichte bewußtwerdenden Ichs mit der Gebärde des klassischen Selbsthelfers wirkte wie eine Provokation, ergrimmte oder begeisterte Leser wie Kollegen des Autors gleichermaßen. Einer von ihnen, Georg Maurer, Mickel nennt ihn „mein Lehrer“, sagte:

Ich sehe es im ganzen als großen Spaß an, der mit behaglichem Grimm vorgetragen wird. Da kommt dieser Herr Mickel, Michel, Megalos (megaloi theoi: das sind die großen Götter!) an die Stelle, wo der Wasserkopf, Herr Hydrocephalos, vor der Menschheitsgeschichte kopfüber auf die Erde gesaust ist. Davon ist geblieben ein Teich zum Baden für Herrn Mickel, na also! Aber der Teich hats doch in sich. Das wächst’s kraus und kreist zwischen Leichen und Laich. Und das nimmt sich enorm viel Zeit. Ein Jahrhundert: ein Satz. Das soll Herr Mickel im selben Tempo ausforschen? Wo käme er hin? Da wird kurzer Prozeß gemacht. Und der grimmige Tamerlan fällt ihm ein, der sich die halbe Welt einst unterwarf. Der soff sich aus Feindesschädeln eins an. Das aber gerade tut nun Herr Mickel nicht! In Tamerlans Machtspur ist’s ihm dafür ein Großspaß, mit aller Kraft, so daß er gerade fürchtet, am Seerand die Wurzeln der Bäume könnten seiner Aktivität nicht standhalten, die Erdmulde emporzureißen und den ganzen Teich sich einzuflößen mit der Geste eines Riesen – und den im Magen verbleibenden Fisch zu verdauen. Das ganze ein Naturgedicht, wie es – meine ich – nur in der sozialistischen Naturlyrik entstehen kann, übermütige, groteske Metapher für den gewaltigen Angriff, immer rascher die Natur zu bewältigen zu Nutz und Vergnügen der Menschheit.

Soweit Georg Maurer. Sein Beitrag freilich wurde in der damals als „öffentlich“ deklarierten Debatte der Studentenzeitung forum im Jahre 1966 nicht gedruckt, weil er den ideologischen Gralshütern nicht in ihr dogmatisches Konzept paßte. Das Schlußwort bekam hingegen Professor Hans Koch, der nicht nur das Gedicht, sondern vor allem auch seinen Autor abzuqualifizieren hatte; auszugsweise Zitat aus dem Verdikt:

Wirklichkeit bietet sich dem Subjekt dar als etwas Häßliches, Abstoßendes, Ekelerregendes, krankhaft und krank wahrscheinlich von Urzeiten her. (…) Die Häßlichkeit dieser Natur-Welt oder Welt-Natur ist ausnahmslos: Der See, ein Anti-Himmel in des Wortes vielerlei Deutlichkeit, eine schartige Schüssel, vernutzt und verrottet, abgesplitterte Hirnschale von etwas Menschenähnlich-Unmenschlichem, Verkrüppeltem (…) Deutliche Gesellschaftssymbole, poetisch gewaltsam einem unangemessenen Naturgegenstand aufgepropft (…) können sich zu einem dialektischen Gesellschaftsbild nicht zusammenschließen. Das kommt daher, daß die Weltanschauung, dieses Gedichts außerhalb des eigenen Subjekts nichts kennt und entdeckt, auch nicht andeutungsweise, was sie lieben ließe…

In der Besprechung des gesamten Gedichtbandes von Karl Mickel heißt es vom gleichen Professor unter der Überschrift „Hilfloses lyrisches Ich“ dann endgültig:

Widerwärtig häuft sich Fäkal- und Sexualvokabular, wo Kraft und Saft nicht ideeller Substanz entspringen. (…) All die be- und verklemmten Gefühle können sich hier nicht im Mittun, in verantwortlicher geistiger Mitwirkung an einem großen, organisierten, kollektiven Werk befreien…

Solche Urteile kommentieren sich selbst, was ihre Verfasser nicht hindert, bei wechselndem Anlaß, wieder laut und mächtig zu werden. Mickels Gedichte teilten die Leserschaft, hinfort sind die Meinungen über Karl Mickel geteilt. Er selbst wird Gegenstand von Gedichten, etwa wenn ihn Volker Braun – in Anspielung auf zitierte Kritiker – im Stile seiner Mottek-Sonette verteidigt:

Du auch hast deine Art, bei Sinnen bleiben
Ohne wie sonstwer daß du alles fliehst.
Den Riß der Welt zwischen den Beinen siehst
Kopierst du annehmbar sich dran zu reiben.

Das hilflose, sagen die Professoren.
Ich, die sich nur behelfen wo sie dürfen
Du aber mußt den Grund der Suppe schlürfen
Wo nichts mehr bleibt. Das nennen die verloren.

Und anders Mottek, der die Zukunft schaut
Und sagt Unsägliches sagbar in deinem Vers.
Nie hat Wissenschaft Kunst so gebaut.

Kühl wie die ist und wahr. Das soll es geben
Hör ich dich murmeln verstanden von keinem.
Und Loch an Loch die Welt aus Gräbern Leben.

Mickels Mottek-Sonette finden sich zuerst in seinem Band Vita nova mea – Mein neues Leben von 1966, für den sich Mickel Dantes Buch vita nuova als Muster nahm, der mit diesen Gedichten Beatrice besingt, in einem Stil, den man seinerzeit den „neuen süßen Stil“ nannte, in dem Dante die Geliebte zur mystischen Gestalt verklärt und Liebesgenuß in geistiger Hingabe läutert – wie ihn Mickel – zur Freude seiner Kritiker – drastisch zur Feier der körperlichen Liebe stilisiert. Mickel sagt in einem Aufsatz „Plattheiten über Gedichte“:

Ich halte dafür, daß ein bestimmter Mann A unter Umständen ohne eine bestimmte Frau B ebensowenig seines Lebens froh werden kann, wie ohne den Arbeiter- und Bauern-Staat; ich trete nicht für versteckte Pornographie ein, sondern für offene, ich berufe mich auf Friedrich Engels, welcher sich wiederum auf andere Autoritäten beruft.

Kritiker haben ihn wiederum dafür arg gescholten, Dichterkollegen ihn deshalb in Gedichten verteidigt, wie Adolf Endler in seiner „düsteren Legende vom Karl Mickel“, die ein Beispiel dafür bietet, wie sich damals Autoren solidarisch füreinander einsetzten, sich über ihre Arbeiten verständigten. Adolf Endler, „Die düstere Legende vom Karl Mickel“:

Losgekettet habe ich mich oft mit Bissen,
Dickes Blut floß mit dem Speichel aus der Zunge.
Von den andern schnitt ich sanfter mich mit Küssen.
Einmal noch, nur einmal! flehten Alt und Junge.

aaaaaWankend stand der Feind der Lügner und der Trägen
aaaaa– Wars Villon, Karl Mickel, war es Oscar Wilde? –,
aaaaaSah sie eifrig, junge Fraun, den Schandpfahl sägen;
aaaaaWitwen, sie vor allem, haben sich beeilt.

aaaaaAuch der Hohe Rat hat ihn mit Macht gescholten:
aaaaaSeine sittenlosen Schriften treff der Bann!
aaaaaDrei Doktoren unsrer Alma mater rollten
aaaaaJenen Pfahl zum Markt: Reicht her den Mann!

Losgekettet habe ich mich oft mit Bissen,
Ha und Blut floß mit dem Speichel aus der Zunge.
Von den andern schnitt ich sanfter mich mit Küssen.
Einmal noch, nur einmal! flehten Alt und Junge.

aaaaaOb mit Eheringen, güldnen, ob mit Beilen
aaaaaZielten sie auf was man lustvoll schiebt.
aaaaa(Drei Doktoren gründlich tilgen Mickels Zeilen,
aaaaaBis es keine auf der ganzen Welt mehr gibt.)

aaaaaEisig nunmehr, Heros düsterer Ballade,
aaaaaEr skandierte: Each man kills the thing he loves.
aaaaaUnd sie taten es und schnürten ihn zum Rade.
aaaaaKonnte keiner Englisch in dem Rund des Kaffs?

Mickels Anteilnahme, sein menschliches Engagement kommt vielleicht am eindrucksvollsten in dem großen Gedicht zur Geltung, das er über seine Heimatstadt schrieb, ein Gedicht, das einer Stadtlandschaft Aspekte abgewinnt in faszinierendem Wechsel von poetischer Schilderung und polemischer Spannung. Es ist das vielschichtige Gedicht „Dresdner Häuser“, sein erstes Motiv ist der Gegensatz von einst und jetzt, von alt und neu. Versuchen wir ihm zu folgen:

Seltsamer Hang! Die Häuser stehn, als sei
hier nichts geschehen…
Die schöngeschnittnen Räume! Ihr Verfall
Rührt, scheint es, vom ungehemmten
Wachstum wilder Kirschen im Parterre
Langsam, scheint es, haben die Bewohner
Sich eingeschränkt, um endlich nur ein Zimmer
Noch einzunehmen mit dem Blick zum Fluß.
Das also gibt es…

Ein Bild vom zerstörten Dresden. Harmonie nennen wir den Zusammenklang von Natur und Zivilisation. Die alten Häuser am Elbufer sind Kriegshinterbliebene, von der letzten Generation ihrer Bürger dem Verderben ausgeliefert, als der Krieg an seinen Ausgangsort zurückschlug – das war eben vor 35 Jahren.

Die hier wohnten
Inmitten großer Industrie, erhabener
Natur, die Stadt zu Füßen, setzten in Gang
Des Todes Fließband … Buckelköpfe
In sichern Bunkern, westwärts weg, bevor
Gestein und Fleisch zu schrecklichen Gebirgen
Zusammenglühten stadtwärts…

Was Harmonie schien, ist die Ruhe nach der Zerstörung. Die Ruinen geben den Blick frei auf die neuen Viertel der Stadt:

… kahle Häuser, reizlos
Eins wie’s andere, buntgemalt, mit dünnen
Wänden, niedern Zimmern, Bad
Ungekachelt, schön, daß sie da sind…

Hier herrscht Disharmonie. Eile konnte nicht ersetzen, was zuvor in Jahrhunderten organisch gewachsen war – Dresden, Barockstadt, Elbflorenz – das jetzt in verlassener Ruhe seltsam da steht. In den neuen Wohnungen aber ist Leben. Die Mängel der Architektur, die nur allzu offensichtlich sind, verstellen nicht den Blick dafür. Alte Ruhe kommt zur Unruhe des Aufbaus.

Gibts das Ruhe hierorts? Freundin, wir
Beschäftigt auf den Polstermöbeln emp-
Finden was wie Ruhe zwischen zwei
Herzschlägen…
Ruhig sind die Pausen in den hastig
Polternden Schritten, wenn der Schichtarbeiter
Von nebenan zur offnen Haustür geht…
Das ist die Ruhe:
Zeit zwischen Blitz und Donner, Unrast hat Löcher
Pflicht geht nicht durch, eh Muße Pflicht wird…

Ein zweites Motiv durchzieht das Gedicht: Ruhe und Unruhe dieser Zeit. Ruhig ist es gegenwärtig nie, und deshalb unterbricht der Sprecher sein Gedicht, schaltet den Bericht der Nachbarin ein, mit der er Wand an Wand lebt, sie erzählt, was sie unruhig macht:

Auf Disteläckern wir lernten uns kennen
Und krumme Rücken, dem Bündnispartner
Halfen wir, daß er die Ernte
Einbringt, die er uns verkauft…
Nicht in die Knie gehn! Erste sein am Rain!
Daß Zeit ist für den Kuß, die Luft war trocken
Staub im Mund, er sprach:
aaaaaaaaaaaaaaaaaaNicht erst das Grab
Soll, wenn wir leben, Buckel heilen!
Ich geb nicht auf, wie leb ich sonst?

In diese Hast und Mühe der Leute, sagt der Sprecher von ihren Häusern, die gewiß kein Höhepunkt der Städtebaukunst sind, die aber dennoch auf veränderte Besitzverhältnisse hinweisen:

Weil sie den Krach mit den Vermieterinnen
Gewaltlos hindern. Weil ich die Ruhe liebe
Sag ich zu dieser Bauart: Ja. Das Neue.

In den alten Häusern herrschen noch die alten Besitzverhältnisse, in die neuen Häuser ziehen sie nicht automatisch mit ein. Denn die Zeit, da Muße einmal Pflicht sein wird diese Zeit ist jetzt nicht. Mickel rückt durch solches Inbeziehung-Setzen verschiedene Zeitebenen ins Gedicht. Vergangenheit wird mit den „Buckelköpfen“ erinnert, und dieser Vergangenheit stellt er alltägliche Gegenwart entgegen, mit der Verheißung, „Bucklige zu heilen“ noch vor dem Grab, Buckel, die von den Buckelköpfen hinterlassen wurden. An diesem Punkt angelangt, wirft der Sprecher die Frage auf: Wo bin ich? Wer?, weil er, der ein ungeschminktes Bild werktätigen Lebens gab, sich vor die unbillige Forderung gestellt sieht:

„Des Dichters Lied sei heiter“
Nicht diese Töne, Freunde! Eure Stimme
Soll hinbaun was, wo vorher nichts war, Wald
Niederreißen, Schornsteinwälder hochziehn
In kürzern Zeiten als ein Ästlein wächst…

Des Dichters Lied kann nicht heiter sein, wo das Leben alles andere als heiter ist. Mickel nimmt Schillers Vers aus dem Prolog zum Wallenstein: „Ernst ist das Leben, heiter sei die Kunst“ – um sich im Gegenzitat von Auffassungen abzugrenzen, die wie seine Kritiker, Kunst gern als Werk und Beiwerk sehen, zur Aufmunterung der Arbeitsleistung beizutragen. Das Gedicht wird polemisch. Das geflügelte Wort „Und neues Leben blüht aus den Ruinen“, man findet es in Schillers Wilhelm Tell, und eine Hymne hat es mit „Auferstanden aus Ruinen“ adaptiert – wird sarkastisch kommentiert:

Das neue Leben blüht nicht aus Ruinen
Da blüht Unkraut, Unkraut
Muß weg, eh Neues hinkann…

Auf einer dritten Ebene des Gedichts wird die ästhetische Auseinandersetzung geführt, nicht getrennt von der gesellschaftlichen, dafür auf Mickelsche Weise: heiter, mit Ironie und Selbstironie. Der Schluß des Gedichts aber ist anderen Temperaments. Weist der Sprecher ungerechtfertigte Ansprüche an Kunst spöttisch ab, so hat er doch den innigen Wunsch, daß sein Vers den Leuten etwas gibt, etwas Praktisches, um sich heimisch zu fühlen. Oft las man das abgegriffene Bild „unser neues Haus bauen“, das glatt als Entsprechung für konfliktreiches Leben gelten sollte. Mickel nimmt die Losung als Metapher wörtlich, das heißt beim Wort: er selbst, der Sprecher, möchte ein solches Haus sein. Das Gedicht „Dresdner Häuser“ schließt:

Ich selber will ein Haus sein, sterbe ich
Stein durch und durch, der Prost Glut Sturm
Unfühlend abweist, weist sie für euch ab.
Nach außen leit ich eure Stürme willig
In mir ein Herz wird schlagen wie der Donner
Waldungen stürzen, fliegt ein Fenster auf
Mit euren Gluten heize ich die Stadt
Sobald euch friert, den Kontinent vereis ich.
Wer in mich eindringt, bricht sich das Genick
Bevor er euch behelligt, auf der Treppe
Die Kindlein über meinen Dachfirst wandeln
Schwerelos.

Mickel will mit solchen Entwürfen das Groß-Gedicht versuchen – „Große Gegenstände erheischen große Formen“ –, indem er sich einen dialektischen Begriff von der Hymne macht, wie er sie bei den Klassikern liest, denen er mit „freiem, ehrwürdigem Gelächter“ naht, um sich von ihnen zu nehmen, was er brauchen kann: das Gedicht als Feld für das Spiel der eigenen Möglichkeiten.
Lassen sich die ersten Resultate schon in dem Band Vita nova mea ablesen, so setzen sie sich in dem 1975 publizierten Buch Eisenzeit noch souveräner durch, weil ästhetische Erörterungen aus dem Vers verbannt werden. Die Gesamtkonzeption von Mickels Lyrik zeigt sich aber vor allem in der strengen Auswahl seiner Gedichte Odysseus in Ithaka von 1976, die jeweils nur wenige Gedichte für je ein Jahr ihrer Niederschrift gelten läßt. Gedichte, in denen Gegenwärtiges zu Geschichte und Kunst von gestern in Kontrast gesetzt wird, so daß alltägliche Ereignisse, ein Krankenhausaufenthalt, ein Traum, ein Tisch, ein Hofgeschrei, Gelegenheit bieten, sie gleichzeitig als aktuell und schon historisch zu empfinden.
Ein Text, der ziemlich der Umgangssprache auf der Straße folgt, ja diese Sprachgestik ganz bewußt notiert, heißt „Hofgeschrei“, er gibt eine Szene mit ihren rituellen Widerholungen fast stenographisch wieder:

Wo ist der Ball?
Suche sofort den Ball!
Du sollst den Ball suchen!
Such den Ball!
Ohne Ball brauchst du nicht oben zu kommen
Du sollst den Ball suchen! hab ich dir gesagt dort links in der Ecke.
Wo ist der Ball?
Der weiß nicht, wo rechts und wo links ist.
Komm ja nicht oben ohne den Ball! du
Sollst sofort den Ball suchen!
Hab ich dir gesagt. Wenn du den Ball nicht suchst
Brauchst du nicht oben zu kommen.
Du sollst oben kommen sofort mit dem Ball
Hab ich dir gesagt! wo ist der Ball
Suche sofort den Ball du kriegst Dresche
Wenn du oben kommst ohne den Ball
Komm sofort oben du sollst
Den Ball suchen hab ich dir gesagt

Im Berliner Idiom ruft da eine Mutter oder ein Vater aus dem hochgelegenen Stockwerk – also von oben herab – das Kind; und der Vorgang hat plötzlich weit über den banalen Anlaß hinaus Bedeutung, weil er sich in seiner widersinnigen Dialektik von Hinweis-Aufforderung-Drohung und Befehl in einem fehlerhaften Kreis dreht und so durch die Sprachgebärde selbst Zustände entlarvt, besser als jeder Bericht oder Kommentar. Das Gedicht fängt auch gestisch einen gesellschaftlichen Status ein, dem man sogar einen politischen Sinn geben kann, überträgt man die familiäre Scheltszene in die Arena der großen Politik: Mickel läßt das Gedicht für das Jahr 1968 gelten.
Dieser Bezug wird noch deutlicher, vergleicht man das Gedicht mit zwei Epigrammen Bertolt Brechts, die dieser Anfang der 50er Jahre schrieb, ebenfalls kleine, alltägliche Vorfälle schildernd, sie aber durch die Gedichtüberschriften in einen gesellschaftspolitischen Kontext rückend. Brechts Texte lauten:

UNGLÜCKLICHER VORANG

Hier ist ein Haus, das für euch gebaut ist.
Es ist weit. Es ist dicht.
Es ist gut für euch, tretet ein.

Zögernd nähern sich
Zimmerleute und Maurer
Klempner und Glaser.

Glücklicher Vorgang

Das Kind kommt gelaufen
Mutter, binde mir die Schürze.
Die Schürze wird gebunden.

Die also, die sich die Häuser gebaut haben, nähern sich auf Geheiß oder gar Befehl nur zögernd dem, was ihnen doch eigentlich gehört. Mickel hält nichts von solchen didaktischen Gesten, wie Brecht sie, immer mit dem Ziel der Belehrung und Unterweisung, austeilt, um „unglückliche Zustände“ durch Gegenüberstellung zu dekuvrieren.

Suche sofort den Ball!…
Du weißt nicht, wo rechts und wo links ist…
Du kriegst Dresche
Wenn du oben kommst ohne den Ball
Komm sofort oben…

Mickel überträgt solche Fehlabläufe auch in die Struktur anderer Gedichte, etwa in die Paradestücke gewitzter Argumentation in reimlosen Sonetten unter dem Titel: „Mottek sagt“ – wo sich sachlicher Vortrag mit der Logik einer abspulenden Spirale überdreht, um absurde Verhältnisse wieder durchschaubar zu machen. Mickel hat die Gedichte seinem Lehrer, dem Wirtschaftswissenschaftler Professor Mottek, gewidmet und in den Mund gelegt. Er läßt ihn zum Beispiel im ersten Sonett – ein Jahrzehnt vor dem ersten Smog-Alarm in Berlin – ausführen:

In Tokio, sagt Mottek, sie verkaufen
Sauerstoff in Läden gegen Geld
Wer zahlt darf atmen, drei oder zehn Züge
Aus einer Maske, und in England
Sind, sagt Mottek, an der Nordseeküste
In einem halben Jahr gestorben Seevögel
Zwölftausend Stück, und er weiß nicht warum
Fünftausend Jahre früher die Drawida-
Kultur verkam, vermutlich haben Abwässer
Vergiftet See und Plankton und der Fischtod
Tötete, sagte Mottek, auch die Vögel
Und die Drawida kannten keine Düngung
Die haben also die Natur beraubt
Vier Fünftel unsers Sauerstoffs, sagt Mottek
Erzeugt das Plankton, wer ein Auto kauft
Kauft den Auntounfall, weiß er das?
Mottek sagt, er denkt, der Andre hat ihn

Fast folgerichtig brachte der Spaß am gestischen Sprechen Mickel zum Theater, wo sich auf der Bühne Fragender und Antwortender konfrontiert sehen. Er arbeitete Jahre am Berliner Ensemble, schrieb eine Fassung der Celestina, eine Adaption der antiken Nausikaa, schließlich das Libretto zur Oper Einstein von Paul Dessau, das Brechts Fragestellung aus dem Galilei auf den Punkt bringt: der Wissenschaftler verbrennt selbst die neue Weltformel, die er gefunden hat. Aber Hanswurst, die alte Volksfigur, entkommt dem Hinrichtungsteich und dem Krokodilsrachen (das Teichsymbol des Gedichts wird wiederum aufgenommen) und spaziert auf der Schneide des Rasiermessers sicher ans andere Ufer: „Sie sehen, meine Damen und Herren: Ich lebe gern.“ Das ist zugleich das umfassendste Credo des Dichters Mickel.

Wäre nachzutragen, daß unser Autor, als Sohn eines Arbeiters geboren zu Dresden, in Berlin lebt, daß er Wirtschaftsgeschichte studierte, daß er Redakteur der Zeitschrift Junge Kunst war und zeitweise selbst Dozent an der Hochschule für Ökonomie („Marx wird Marx“ heißt ein Essay). Zur Person: Blasser Mann, der vor allem durch seine Mager-, sprich Schlankheit das Mitleid der Frauen unwiderstehlich zu wecken scheint – „tief lagen die Augen“ heißt es in einem Gedicht von Sarah Kirsch.
Mickel also: ein Großsprecher, Marktschreier, Spötter – der selbst Spott nur schwer vertragen kann (was ihn mit einem Mann wie Heinrich Heine verbindet: also von byronischer Zerrissenheit – die der Zerrissenheit seines Landes und seiner Zeit entspricht). Ein verletzlicher Mensch, der seine Verletzlichkeit hinter Grobheiten versteckt und es nur Freunden gestattet, daß auf seine Kosten gelacht wird. Der diesen Freunden – Leising, Endler, Kirsten – Gedichte herzlich gewidmet hat.
Ein Mann, ausgestattet mit diesem doppelten Blick, der gleichzeitig an- und abwesend auf uns und an uns vorbeisieht, unberechenbar vernünftig, abstrus genau. Von diesen Zügen finden Sie etwas in dem Gedicht „Die Elbe“; ein Gedicht, in dem nicht nur von einem Fluß die Rede ist, sondern auch von uns, von dieser Welt, diesem Zwitterwesen, dieser Synthese aus Natur und Zivilisation, wie sie sich in den antiken Wesen der griechischen Kentauren plastisch verkörpern, den Kentauren, von denen Hölderlin in einem Kommentar zu Pindar anmerkt:

Der Begriff von den Centauren ist wohl der vom Geiste eines Stromes, sofern der Bahn und Grenze macht, mit Gewalt, auf der ursprünglich pfadlosen aufwärtswachsenden Erde. Sein Bild ist deswegen an Stellen der Natur, wo das Gestade reich an Felsen und Grotten ist, besonders an Orten, wo ursprünglich der Strom die Kette der Gebirge verlassen und ihre Richtung quer durchreißen mußte (…) sich Bahn machte, eine Bestimmung annahm…

Karl Mickel sieht von solchen mythischen Vorstellungen ausgehend auf den Fluß von heute, der sich immer in Bewegung befindet, vital, unreglementiert inmitten aller Regulierung – Strom wie einst und immer. Karl Mickel, „Die Elbe“:

Schwarz die Elbe, Schwemmholz rammt das Ufer
Regenböen treffen graue Eisschollen
Die Böschung ist befestigt, Stein an Stein
Granit und Porphyr von Dresden bis Hosterwitz
Kein Brocken ohne Inschrift, Initialen
Gespeerte Herzen, Hähne auf der Stange
Kratzen sich ein von Dresden bis Hosterwitz.
Die Rillentiefe mißt des Mädchens Keuschheit
Und Furcht oder Dauer der Fesselung:
Mit lockern Knien die Frauen zwischen Nummer
Und Nummer zwischen Gras und Heu, die Sieger
Eilen, den Triumpf in Stein zu metzen
Die Pause für die Nachwelt nutzend: kenne
Nun den Gleichen wieder! find die Gleiche!
Aus Seufzern Küssen Worten Ein Geflüster
An Einem Ufer gleich jung alle Väter
Und Mütter Söhne Töchter von Dresden bis Hosterwitz
Im dürren Weinberg von den schwarzen Ästen
Träuft der Regen wie ein Schwarm von Kirschblüten:
So sah ich das. Jedoch das exponierte
Material reicht weiter. Männer, Frauen
Vernetzt gekoppelt, schlagen Wellen, Fluß
Neben dem Fluß, der Verkehrsstrom
Reißt, der Interruptus auf der Straße
Und die Menge, wenn zwei Autos sich
Vernichteten, kreist um die Leere
Wie der Strom ums Aug des Strudels wirbelt.
Umgekehrt. Hier eine liegt am Boden
Gespickt rundum, und Reisig kerbt die Hüfte
Dann ziehen ihre Blicke aus der Leiche
Passanten. Glimmend um die Trümmer
Kreist das Volk von Weixdorf bis Pesterwitz
Sanft wie die Berge neben dem Fluß
(Czechowski) kriechen Bestien in die, aus dem
Zoo, bei Kindern, nach dem Angriff
Achselhöhlen. Und Berufsverkehr
Heißt, daß Der mit Jenem, Der mit Dieser
Es (Sein Wesen) treibt, und jedes Menschs
Verrichtung, wenn nur eines, und nicht sofort
Ein anderes die Lücke, wie es, besser
Oder schlechter, ist, füllt, fällt, nicht wäre:
Vgl. auch den Kommentar zu Pindar
Von Hölderlin, Belebendes (Kentauren)

Gerhard Wolf, die horen, Heft 124, 4. Quartal 1981

 

Karl Mickel

WORT ZUM SONNTAG

Sach daste nich vom weg wech
wenn nich gleich sachst daste nich
vom weg wech hörste sachen sollste
daste nich vom weg wech und nich
die pulle am stamm weißtschon
holst sonst ne neue vom weg wech sagst
na los wirds bald piefke

Peter Wawerzinek

 

Fakten und Vermutungen zum Poesiealbum + wiederentdeckt +
50 Jahre 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6

 

 

In der Reihe Die Jahrzehnte. Das deutsche Gedicht in der 2. Hälfte des XX. Jahrhunderts fand 1992 in der literaturwerkstatt berlin ein poetologisches Gespräch zwischen Stephan Hermlin, Adolf Endler und Karl Mickel statt.

In der Reihe Die Jahrzehnte. Das deutsche Gedicht in der 2. Hälfte des XX. Jahrhunderts präsentierten Autoren ein frei gewähltes „fremdes“ und ein eigenes Gedicht aus einem Jahrzehnt. So entstanden Zeitbilder und eine poetologische Materialsammlung zur Dichtung eines Jahrhunderts. Das Gespräch zwischen Bernd Jentzsch, Wulf Kirsten und Karl Mickel fand 1993 in der Literaturwerkstatt Berlin statt und ist hier online zu hören.

Welche Poeme haben das Leben und Schreiben von Karl Mickel und Volker Braun in der DDR und Michael Krüger in der BRD geprägt? Darüber diskutierten die drei Lyriker und Essayisten 1993.

 

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Porträtgalerie: Autorenarchiv Susanne SchleyerGalerie Foto Gezett
Nachrufe auf Karl Mickel: Berliner Zeitung ✝ FR ✝  der Freitag ✝
Der Tagesspiegel ✝ Die Zeit ✝ FAZ ✝ ndl ✝ NZZ ✝ Ostragehege

Konrad Franke: Der souveräne Weltanschauer
Süddeutsche Zeitung, 23.6.2000

Ijoma Mangold: Forderung nach Leichtigkeit und Höhe
Badische Zeitung, 24.6.2000

Zum 10. Todestag von Karl Mickel:

Thomas J. Richter & Heike Friauf: Eine Frage – Zum 10. Todestag des großen deutschen Dichters Karl Mickel
Die Linke, Juni 2010

Zum 80. Geburtstag von Karl Mickel:

Stefan Amzoll: Was ist das, ein Mensch?
neues deutschland, 12.8.2015

 

Bild von Juliane Duda mit den Übermalungen von C.M.P. Schleime und den Texten von Andreas Koziol aus seinem Bestiarium Literaricum. Hier „Der Mickel“.

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