ABBRUCHBRUCH, BRECHT!
schon von den zusehern auf 3satz verabschieden
elfen halten dem Ansturm der ORFs stand
und die zarten trolle wissen es schon: wirf zum ZDF
(die luft die-
wir atmen, vielleicht das ein verbliebenes walross
den samen inniger atmet zusammen mit reinecke stuss
die hochtrauben, wer befreit ihre zarten knöchel
vom schäbigen eise befreit sind öle und knechte
ein schlummernder kloss fällt in der dauerbrühe
sir sympathische provokateur
seit 49 jahren gesterben)
entzwei fälle das urteil über dies handy, luftdicht
verpack’s und schmeiß’s in’ fluss verstädtert
-Akrobatische Gedichte von Konstantin Ames.-
Die Position des Anarchisten, der sprachliche Dekonstruktionsarbeiten verrichtet, war in der Lyrikszene nach dem Tod Thomas Klings lange vakant. Am kompromisslosen Experiment versucht sich nun seit einiger Zeit der aus dem Saarland stammende, 1979 geborene Wahl-Berliner Konstantin Ames, der als selbsternannter „Schnösel vom Literaturinstitut“ schon einige exzellente Talentproben abgeliefert hat.
Nach einigen Auftritten in Zeitschriften und auf diversen Lesebühnen legt Ames nun via Direktvertrieb im Internet seinen ersten Gedichtband Alsohäute vor, in der „roughbooks“-Reihe von Urs Engeler. Was Ames in einem Essay einmal als „Vershohnepipelung“ und „forcierte Flapsigkeit“ bezeichnet hat, wird hier mit Feuereifer in zwei Dutzend Gedichten zelebriert: eine zwischen Alltagswitz, Kalauer, hohem Ton und Sprachresteverwertung balancierende Wortakrobatik, die ihren Sprachstoff unablässig grammatischen Zerreißproben unterzieht.
Es geht hier nicht mehr um die Evokation von Befindlichkeiten oder gar Bekenntnisse eines lyrischen Ich, sondern um die Produktion einer sich permanent selbst generierender Sprachturbulenz. Der Autor posaunt diese Anstrengung nicht als avantgardistisches Dogma hinaus, sondern kennzeichnet das gelegentlich Hyperaktive seines Verfahrens selbstironisch: als Methode eines Vortragskünstlers, „der mit seinen mitunter experimentell lautmalerischen Fersen nur rumstampfte wie ein weinroter Elefant auf der Trommel“. Seine fröhliche Wissenschaft der Dichtkunst kommentiert Ames mit gewitzten Fußnoten und „tranchierten Poenten“: „Banane ist hase, ich weiß von nutz.“ In seinen Travestien von alten Gedichtformen lässt sich Ames als heiterer „Hölderloin“ gerne von seiner Lust am Assoziieren überwältigen. Noch fehlt der Eulenspiegelei manchmal die formale Disziplin. Aber die selbstkritischen Zurufe sind nicht zu überhören: „Dies Koma ist bezaubernd schön. Dies Koma ist nicht neu genug.“
Michael Braun, Der Tagesspiegel, 19.3.2011
Gut „gestaltete Vortragskunst gelang auch dem Saarländer Konstantin Honecker, dem Schnösel vom Literaturinstitut.“ So tönt es eulenspiegelhaft aus den dekonstruktivistischen „Gegenstrophen“ des 1979 geborenen Konstantin Ames. Für hauptstädtische Open Mike-Kenner, Lesebühnen-Gemeinden und Leser von einschlägigen Zeitschriften wie Zwischen den Zeilen und Edit ist er längst ein Geheimtipp, erst recht für Internet-Surfer zwischen lyrikline.org und karawa.net. Konstantin Ames ist unter den neuen Experimentellen einer der witzigsten, fröhlichsten und phantasievollsten Sprachakrobaten. Dass seine gesprochenen assoziativen Wirbel auch dem Blick schwarz auf weiß standhalten, beweist sein erster Gedichtband Alsohäute in der via Internet vertriebenen roughbook-Reihe von Urs Engeler. Als „Hölderloin“, „Huratio“, verhinderter Löwenbändiger oder „weinroter Elefant“ trommelt er lautmalerisch mit „Fersen“ (nicht „Versen“) gegen „Amokkläffer“ und „Binnennarren“. Dabei schlüpft er selbst in die Rolle des Narren, der alles, was er kritisch wahrnimmt, lustvoll verkalauert, indem er es in phonetische Splitter zerstiebt, die er mittels Reim und Versbruch neu formatiert, transformiert und grafisch gestaltet, als wäre das Kunstwerk soeben der Schmiede der konkreten Poesie entsprungen. Was sich unter scheinbar verspielter Oberfläche als Sprach- oder Sprechschluderei mit Dialekt-Elementen tarnt, hält dem gesellschaftlichen Alltag den Spiegel vor, verballhornt Etikettierungen und Werbestrategien. Statt in das übliche Wehklagen über die Brotlosigkeit der Dichtkunst einzustimmen, verziert Ames seine Gedichte mit listigen Überschriften.
Dorothea von Törne, Die Welt, 9.7.2011
Meinolf Reul: „Liebt ihr Buchstaben?“
Im roughblog können sie weitere aktuelle Informationen zu diesem Buch erfahren.
Dieser Band wird nicht über den Buchhandel vertrieben, ist aber bei redaktion@planetlyrik.de für 8,90 € inklusive Versand zu bekommen.
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Theo Breuer stellt den Ithaka Verlag vor.
Mike Scott von The Waterboys spricht über sein Album „An Appointment with Mr Yeats‟.
erschienen 17. Mai 2012
erschienen 28. Dezember 2009
erschienen 21. Februar 2010
erschienen 16. Mai 2012
erschienen 13. Juli 2011
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