Lyrik eins

Mashup von Juliane Duda zum Buch Lyrik eins

Lyrik eins

 

 

 

 

Poesie will die Nacht nicht vertreiben sondern benutzen

– Die BR-Radionacht für Lyrik: jetzt auch als AudioBook. –

Am 4. April 2001 präsentierte der Hörfunk des Bayerischen Rundfunks zum ersten Mal in seiner Programmgeschichte eine „Radionacht der Poesie“ in Bayern2Radio: live aus der Muffathalle in München gesendet und als vierstündige Fernsehaufzeichnung für BR-alpha, den Bildungskanal des Bayerischen Fernsehens, die im Rahmen der Sendereihe Denkzeit ausgestrahlt wurde.
Co-Partner für diese neue Lyrik-Initiative der Hauptabteilung Kultur waren das Lyrikkabinett München, der Suhrkamp Verlag, Michael Krüger für den Hanser Verlag, das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, die Muffathalle München und BR-alpha. Sie alle waren überzeugt von dem Projekt, aus dem Hörfunk und aus dem Programm Bayern2Radio heraus eine neue Initiative für Lyrik zu entwickeln und zu realisieren.
Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk präsentiert sich Lyrik meist in didaktischem Zusammenhang oder als Stoff für Wunschsendungen, gelegentlich in kulturkritischen, literarischen und historischen Sendungen, im Bayerischen Rundfunk auch im Kultmagazin Zündfunk und insbesondere in Radioessays der Abteilung Hörspiel und Medienkunst.
Im öffentlichen Leben wird Lyrik eher marginal wahrgenommen – bis auf regionale und durchaus erfolgreiche Lyrik-Festivals wie z.B. in Landsberg am Lech. Lyrik gilt als Luxus, als zu hermetisch, als Programm für Eliten. Zu leise, zu kryptisch, so wenig zu positionieren in vorgegebenen Formaten und Sendestrukturen, Veranstaltungsprogrammen und Printmedien. „Poesie erleuchtet wie ein Feuerwerk, will aber die Nacht nicht vertreiben, sondern benutzen“ schrieb Jean Paul. Nur: Radio-Nächte dienen heute längst anderer Kommunikation. So schmückt Lyrik außerhalb der gewohnten Verbreitungswege Textseiten von Einkaufstaschen oder Plakatwänden, sie lebt in den Nischen der Kultur.
Vier Stunden Lyrik pur: live im Hörfunk, im Fernsehen als vollständige Aufzeichnung gesendet inklusive der Einspielungen von Dokumentaraufnahmen aus dem Archiv, als AudioBook auch zusätzlich zu den Programmen für das individuelle Hörerlebnis stets und spontan präsent, ein Lyrik-„Ereignis“ in Kooperation mit wichtigen Partnern: Das war die Vision der Hauptabteilung Kultur des Bayerischen Rundfunks. Daran arbeitete sie seit dem Jahr 2000 in einem Team, für das stellvertretend Martina Boette-Sonner und Martin Zeyn von der Projektredaktion und Claudia Holzner vom Programm-Marketing Bayern2Radio genannt werden sollen.
Die Muffathalle war am 4. April restlos ausverkauft, (obwohl die Printmedien über Lyrik. Eins. kaum berichteten). Das Publikum: Überwiegend jung, jünger als das Stammpublikum der gehobenen Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Klar war, dass Lyrik pur angeboten werden sollte; sie stand im Mittelpunkt. Um die Präsentation des Abends wurden deshalb zwei Lyriker gebeten: der BR-Kulturredakteur Peter Hamm und der Autor Albert Ostermaier, der mit dem Bayerischen Rundfunk seit langem zusammen arbeitet. Im letzten Teil als Lyrik-DJ: Rayl Patzak.

Für Lyrik. Eins. wurden eingeladen: Bastian Boettcher, Volker Braun, Robert Gernhardt, Ludwig Harig, Barbara Köhler, Michael Krüger, Olga Martynova, Cees Nooteboom, Peter Rühmkorf, Christian Uetz, Poppy Seed und Musik: Bert Wrede

Sie alle kamen und: Sie blieben – weit über ihren Auftritt hinaus.

Die Reaktion auf Lyrik. Eins. war nur positiv. Zahlreiche E-mails und Telefonanrufe bestätigten das breite Publikumsinteresse. Die Lyriknacht wurde per Radio zum Kultereignis. Lyrik war angekommen. Sie wurde angenommen.
Der Hörverlag ist bei den künftigen multimedialen Lyriknächten als Koproduzent von Anfang an dabei. Gedichte und Soundperformances sollen ihr Publikum finden: In Bayern2Radio, in BR-alpha und natürlich in der Muffathalle München. Die nächsten Veranstaltungen sind in Planung unter der Federführung des Bayerischen Rundfunks. Es ist auch eine Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, in seinen Programmen Räume zu schaffen, in denen Poesie Nächte nicht vertreibt, sondern nutzt. Denn darum geht es: Kultur erleben und gestalten zu können als Gegenentwurf zu einem zunehmend ökonomisch-kommerziellen Werteverständnis.

Christoph Lindenmeyer, Nachwort

 

Inhalt

CD 1

1. Jingle
2. Begrüßung: Peter Hamm und Albert Ostermaier

 

Volker Braun

3. Aus dem dogmatischen Schlummer geweckt
4. Der Weststrand. V
5. 6.5.1996
6. Lagerfeld

 

Robert Gernhardt und Peter Rühmkorf

7. Einführung: Peter Hamm
8. Einführung: Robert Gernhardt
9. Alles über den Künstler (RG)
10. Hochseil (PR)
11. Der alte und der junge Dichter (RG)
12. Altern als Problem für Künstler (PR)
13. Nachmittag eines Dichters (RG)
14. Geplatzter Fototermin (PR)
15. Besserwisser-Blues (RG)
16. Stillleben – bei Anruf Mord! (PR)
17. Couplet vom Hauptstadtroman (RG)
18. Reimfibel (PR)
19. Eigentlich nicht (RG)
20. Wollte nur mal fragen (PR)
21. Das war nicht (RG)
22. Schnellimbiss (PR)
23. Die Geburt (RG)
24. Liebe Dich, Liebe (PR)

 

Barbara Köhler

25. Einführung: Albert Ostermaier
26. Herzenssache, haupt/sächlich
27. Jemand geht. 3 Fortschritte beziehungsweiser Logik
28. Sage mir Muse
29. Nausikaa. Die Erste
30. Kirke
31. Schnittstelle
32. Fermate

 

CD 2

Christian Uetz

1. Einführung: Albert Ostermaier
2. Sich schämen und lieben
3. 1, 2, 5, 11, 24, 63, 64, 65
4. Der Kommende

 

Cees Nooteboom

5. Einführung: Peter Hamm
6. Bashō
7. Die Litanei des Auges
8. Post
9. Rilke, gemalt von Paula Modersohn Becker, 1906
10. Garten
11. Silesius träumt
12. Cauda

 

Ludwig Harig

13. Einführung: Peter Hamm
14. Die Eckbälle von Wankdorf: Was einst in Bern geschah
15. Vor dem Finale: Das Schöne ist nur Geist
16. Nach dem Finale: Es lag an der Natur
17. Erstes alexandrinisches Sonett über den Fußball
18. Zweites alexandrinisches Sonett über den Fußball
19. Auftakt. Deutschland-USA: Und Berti fragte sich
20. Kräfte der Askese. Deutschland-Jugoslawien: Den ahnungsvollen Satz
21. Großes Gruppenbild. Deutschland-Iran: Die Rache von Lyon
22. Viertelfinale: Wo die Franzosen erst, Ins Nichts: Der Kanzler hatte
23. Nach dem Finale: Verklungen Freitag Nacht

 

CD 3

Olga Martynova und Michael Krüger (russische und deutsche Lesung)

1. Einführung: Albert Ostermaier
2. Einführung: Michael Krüger
3. Bayern am Nachmittag. Auf dem Land
4. Französische Bibliothek
5. Die Tragödie
6. Ich habe keine Angst, ich sage: Schweige, Wimmeln
7. Im Dürren und Seidenen der deutschen Zunge
8. Überleitung: Michael Krüger

 

Michael Krüger

9. Die kleinen Verse
10. Rede des Malers
11. Rede des Museumswärters
12. Geschichte der Malerei
13. Marx redet
14. Rede des Taxifahrers
15. Rede des Petrarca nach dem Abstieg vom Mont Ventoux
16. Rede des Philosophen

 

Poppy Seed (englische Lesung)

17. Einführung: Rayl Patzak
18. Story Book of Life
19. Business Sense
20. He Touches
21. How Dare I

 

CD 4

Bastian Boettcher

1. Einführung: Rayl Patzak
2. Baden-Baden
3. Teleliebe
4. Sommersonne
5. Diesige Tage
6. Coola Winta
7. Schnittstelle
8. Gedicht für dich
9. Süßes Leben

 

Albert Ostermaier, musikalisch begleitet von Bert Wrede

10. Einführung: Rayl Patzak
11. Gel
12. Leitkultur
13. Fernsehabend
14. Supermarktsex
15. OMU
16. On the run
17. Fausttrip to the hip
18. Überleitung: Rayl Patzak und Peter Hamm

 

Anthologie der Dichterstimmen (Lesung aller Autoren)

19. „Pidi in Peking“ von Bertolt Brecht, gelesen von Albert Ostermaier
20. „Reiselied“ von Hugo von Hofmannsthal, gelesen von Robert Gernhardt
21. „Die Krähe“ von Joachim Ringelnatz, gelesen von Peter Rühmkorf
22. „Eine Weihnachtsromanze“ (in russischer Sprache) von Joseph Brodsky, gelesen von Olga Martynova
23. „Tiger, Tiger“ (in englischer Sprache) von William Blake, gelesen von Poppy Seed
24. „Wie sie schreiben“ von Michael Krüger, gelesen vom Autor
25. „Der schönen Kellnerin“ von Karl Mickel, gelesen von Volker Braun
26. „Nur zwei Dinge“ von Gottfried Benn, gelesen von Cees Nooteboom
27. „Abschiedsgedicht“ von Ror Wolf, gelesen von Ludwig Harig
28. „Ich kenne Dich“ von Paul Celan, gelesen von Christian Uetz
29. „Tillie schuften“ von Gertrude Stein, gelesen von Barbara Köhler
30. „Das Wallfahrerlied“ von Hermann Hesse, gelesen von Bastian Boettcher

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