Emily Dickinsons Gedicht „To make a prairie it takes a clover and one bee,…“

EMILY DICKINSON

To make a prairie it takes a clover and one bee,
One clover, and a bee,
And revery.
The revery alone will do,
If bees are few.

Für eine Lichtung braucht es Klee und eine Biene,
Ein Kleeblatt, eine Biene,
Und einen Traum.
Man kann es auch beim Traum belassen,
Falls eine Biene nicht zu fassen.

(Übersetzung Matthias Sträßner)

nach 1860

 

Konnotation

Im Alter von dreißig Jahren entschied sich die amerikanische Lyrikerin Emily Dickinson (1830–1886) für die große Absonderung. Die in dem College-Städtchen Amherst in Massachusetts lebende Dichterin kehrte dem großbürgerlichen Glanz ihres Elternhauses den Rücken zu und verschwand in ihrem Zimmer, um dort ein poetisches Werk von gewaltigem Umfang und bezwingender Intensität zu schaffen. Nach ihrem Tod im Mai 1886 fand man in diversen Kommoden der literarischen Eremitin insgesamt 1.775 Gedichte, von denen zu ihren Lebzeiten gerade mal sieben veröffentlicht worden waren.
Dickinsons lyrische Erkundung der Welt beginnt meist mit der Beobachtung eines sinnlichen Details oder eines Naturzeichens, in dem sich dann die alten gefährdeten Ordnungen und neuen Disharmonien des Daseins spiegeln. Mit metrisch sehr einfach gebauten Versen, die formal dem angelsächsischen Kirchenlied verwandt sind, wenden sich diese Gedichte den elementaren Dingen zu. Am Geheimnis der Welt teilzuhaben, bedeutet im vorliegenden Fall: das Zusammenspiel von Kleeblatt und Bienengesumm zu beobachten.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2010, Verlag Das Wunderhorn, 2009

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