Matthias Claudius’ Gedicht „Der Schwarze in der Zuckerplantage“

MATTHIAS CLAUDIUS

Der Schwarze in der Zuckerplantage

Weit von meinem Vaterlande
aaaaaaaMuß ich hier verschmachten und vergehn,
Ohne Trost, in Müh’ und Schande;
aaaaaaaOhhh die weißen Männer!! klug und schön!
Und ich hab’ den Männern ohn’ Erbarmen
aaaaaaaNichts getan.
Du im Himmel! hilf mir armen
aaaaaaaSchwarzen Mann!

1773

 

Konnotation

Am 31.August 1773 veröffentlichte der Wandsbecker Bothe, die von dem Dichter Matthias Claudius (1740–1815) redigierte Zeitschrift, ein Gedicht, das als die erste poetisch substantielle Kritik an der Sklaverei durch einen deutschen Dichter gelten kann.
Im 17. Jahrhundert hatte der Handel mit billigen Arbeitskräften für die Zuckerrohr-, Baumwoll- und Tabakplantagen auf dem amerikanischen Kontinent ein nie gekanntes Ausmaß erreicht. Drei Jahre vor der Niederschrift des Gedichts formulierten dann die englischen Quäker den ersten wirksamen Protest gegen die Sklaverei, 1772 verbot ein Richter die Sklaverei im englischen Mutterland, aber erst 1833 wurden alle Sklaven in den britischen Kolonien freigelassen. Hier gibt nun der Pfarrerssohn Matthias Claudius, ein Mann von tiefer Frömmigkeit, dem Leid der schwarzen Sklaven seine lyrische Stimme. Der Hilferuf des Gequälten, der sich an Gott richtet, scheint aber folgenlos zu verhallen.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2007, Verlag Das Wunderhorn, 2006

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