Michael Hamburger: Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Michael Hamburger: Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse

Hamburger-Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse

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Meinem toten Freund, der suchte nach dem Stillen
Mit Worten die nicht Rede waren und nicht Singen,
Wär es nach seinem Willen
In die Stille einzubrechen und Worte zu vereinen?
Schon bloßes Nennen hieße, ihn bedrängen
Wie damals der ihm fremde, mein älterer Freund,
Der aus Einsamkeit
Flinke Pfeile schnellte, testete, stichelte und reizte,
Ihn neckte ‚Du leidest daran, daß du nie gelitten hast.‘
Und er, der in sich gekehrte, nüchtern heitere,
Wütend vom Tisch erhob sich, warf ihn um,
Das Tee-Zeug purzelte auf einen Sommeranzug;
Saß dann, Achill gekränkt in seinem Zelt, und brütete
Bis aus tiefer Stille Verzeihen schlüpfte.

Stille war, was ich in seinen Worten las,
Selten vom Leiden an sich selbst.
Tischgespräche haben wir als Staub gelassen
In Texas, Mexiko, ‚meinem‘ Suffolk, ‚seinem‘ Drome.
Im Gehen uns überlassen, in neuen Stillen zu stromern,
Lauschend, schauend nach dem nie Gesagten.
Auslassung war seine Logik, sie ließ die Stille ein,
Eine Lücken-Logik, gelöcherter Verstand.
Nur so viel wusste ich von ihm – und was wir sahen miteinander,
Dann tat jeder für sich weiter, wie immer es ums Wetter stand,
Wie die golden-weiße Rose
Vergeblich lang gesucht bis sie sich für beide Gärten fand:
Noch eine Stille geteilt auf zweierlei Land.

Wo ‚seines‘ war, wird sie jetzt in größerer Stille groß,
Und hier noch eine weitere,
Hervorgegangen aus Samen einer seiner, malvenrot –
Enthüllte Urform, schönste Regression? –
Leugnet seinen Tod
Indem dieselbe Stille dieses Blumenhaupt bewohnt.

Aus Juli

 

 

Lyrische Betrachtungen über die Natur im Jahreslauf

Nicht-Ereignisse sind Zeichen aus einer regelhaften, aber unregulierbaren, unregierbaren Welt, die der menschlichen Manipulation und Sprache nicht erreichbar ist, einer Welt, die sich zusammensetzt aus Wind, Regen, Kälte, Frost, Bäumen, Blumen, Tieren, besonders den Vögeln und ihrer aller Sprachen. Es sind Zeichen aus der nicht-übersetzten Welt, die noch nicht in den Besitz der menschlich-pseudomenschlichen Worte übergegangen ist.

Folio Verlag, Ankündigung, 2004

 

Eine Chronik des Sichtbaren

− Michael Hamburgers lyrisches Tagebuch. −

Es ist erstaunlich, wie frisch und alterslos, wie aktuell und unverbraucht ein Alterswerk wirken kann. Mit den Aufzeichnungen „Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse“, bereits 2003 in englischer Ausgabe erschienen, hat der damals fast achtzigjährige Michael Hamburger ein traditionsreiches Thema aufgegriffen: den Gang durch die Jahreszeiten, den vor ihm schon viele andere angetreten haben. Im Gegensatz etwa zu James Thomsons Monumentalpoem „The Seasons“ errichten diese insgesamt 49 Gedichte kein allegorisches Gebäude, sondern beschränken sich – man möchte sagen: demutsvoll – auf Beobachtungen im Kleinen, in „Mikrokosmen“. Doch sie stellen keinen Rückzug in private Idyllik dar, in einen hortulus conclusus, ein verschlossenes Gärtlein, wie sich womöglich vermuten liesse. In Hamburgers Tagebuch ist nichts Beiläufiges oder Befindliches eingetragen, es sind hochkonzentrierte Notate aus der nächsten Natur. Klage ohne Larmoyanz Die Landschaft mag man als die Landschaft Suffolks, Hamburgers Wahlheimat, identifizieren, den Garten als den Apfelgarten des Dichters – sie bleiben dennoch utopisch in der ursprünglichen Wortbedeutung, ein Nirgendort, der überall sein könnte. In diesem Jahresgedicht ist die globale Situation stets präsent, ja, sie dringt unwillkommen ein und bestimmt sogar das Augenmerk, indem sie das, was selbstverständlich scheinen sollte, was allzu oft als belanglos angesehen wird, zum Wesentlichen erklärt. Das ist engagierte Literatur im besten Sinn: eine Klage ohne Larmoyanz, eine Anklage ohne aufdringlichen Gestus. Meist kursiv gesetzt und damit den harschen Gegensatz unterstreichend, nehmen sich solche zeitkritischen Passagen wie Fremdkörper aus, und ihr Vokabular ist so künstlich wie die Welt des „Homo pseudo-sapiens“, aus der sie stammen: Da geht die Rede vom Star-Wars-System, vom täglichen kakophonen Chor, von Offshore-Filialen und unserer Ramschzeit, von einem promiskuitiven Krieg und den Zuckungen mobiler Gelder. Dann geht, macht euch auf, aussermenschlich, In die künstlich frische Luft hinauf Der Megacities auf dem Mars, Der Transaktionen auf dem kalten Mond. In der Natur sind die Kreisläufe geregelt, das Sterben und erneute Aufblühen der Pflanzen, der Tod von Vogel und Vieh, der Abschied von Freunden, die man überlebt hat. Bescheiden nimmt sich daneben der Dichter aus, der einfach mitnotiert, was er erleben muss: „Und ich, ein Pfleger nur / Von unverkäuflichem Obst, / Muss bangen um meine Nicht-Ereignisse: / Sie könnten augenblicklich Nachricht werden…“ Naturhafte Geschehnisse abseits urbaner und merkantiler Interessen sind solche Nicht-Ereignisse, anders als die Meldungen in der Tagespresse mit ihrem Event-Charakter. Mondlicht ist wieder wirklich in diesen langen Nächten, Lässt das Land auch wirklich werden Vor den Augen, die vom Unwirklichen entfremdet Und trüb und lichtlos werden, abgelenkt vom Allerlei. Michael Hamburgers Gedichte feiern, selbst noch im melancholischen Tonfall, in der besorgten Resignation, das Sichtbare und Konkrete. Sie beschreiben die Farben der Blumen, die Windrichtungen, die Wolkenformen, die Spielarten des Lichts und des Wetters, das Verhalten der Vögel. Das Naturgedicht, unterschwellig noch immer ein Synonym für den Rückzug ins Unpolitische, ist sich bei Hamburger seiner Gegenwärtigkeit durchaus bewusst. Benennungen Der „Pfleger“ des Sichtbaren versucht, dessen Sprache zu dechiffrieren, eine Sprache, die „in Menschenwörtern nicht mehr ausgesprochen werden kann“. Wo die sparsam eingesetzten Metaphern an Grenzen gelangen, überdauern die Namen; wenn Fortschritt das Wesentliche nivelliert, ist die genaue Benennung ein Akt, den Wert der Einzelwesen zu verdeutlichen – gleichzeitig aber auch, schon seit Adam im Paradies erstmals die Schöpfung benannte, lediglich eine menschliche Handlung, auf die es letztlich nicht ankommt: „Doch lass sie ohne Namen hier zusammenleben. / Düstere Bewölkung blüht schon über Eden.“ Ein Hauch des Fragmentarischen weht aus den teilweise relativ kurzen Gedichten, als hätte der Zerfall bereits unaufhaltsam begonnen. Hamburger setzt dagegen die Leuchtkraft seiner Chronik unscheinbarer Ereignisse und enthält sich des mahnenden Zeigefingers. Ein kleiner Rahmen für wahrhaft grosse Dichtung. Insofern ist es bedauerlich, dass ein versierter Übersetzer wie Peter Waterhouse sich neben fraglos sehr gelungenen und mit genauem Einfühlungsvermögen übertragenen Passagen zu unbotmässigen Vergröberungen hinreissen liess, wie beispielsweise bei folgenden Gedichtanfängen: „Morgenröte. Endlich doch ein Tag / Erstrahlend“ („Red light in the morning. But at last one day‘s / Unbroken radiance“); „Zu Ostern ist im Morgennebel / Ein Gebet erblüht“ („Towards Easter the morning mist / Is pregnant with a prayer“); „Ein Inselmeer, gesteuert aus Nordwest“ („Driven from the north-west, cloud archipelagos“). Insgesamt übernimmt die Übertragung oft die Wortstellung des Originals so genau, als gelte es, eine vermeintliche inhaltliche Schlichtheit durch sprachliche Härten, die sich aus diesem Verfahren ergeben, zu kompensieren.

Jürgen Brôcan, Neue Zürcher Zeitung, 10.6.2006

Wind und Wetter

Wenn namhafte deutsche Schriftsteller nach ihrer Meinung über Michael Hamburger gefragt würden, so käme mit Sicherheit eine überwältigende Fülle von Sympathieerklärungen für den englisch schreibenden Dichter zu Tage. Kaum einer würde bezweifeln, dass Hamburger ein bedeutender europäischer Poet und ein großer Vermittler ist, ein subtiler Kenner der angelsächsischen wie der deutschen Poesie und ein englischer Lyriker von Rang, dessen Mutter- und Vatersprache allerdings eigentlich Deutsch ist. Bei den Lyriklesern jedoch ist Michael Hamburger als Dichter wenig bekannt, eher schon als Theoretiker mit seinem Buch „The Truth of Poetry“ (deutsch: „Wahrheit und Poesie“), das in England und in den USA als Standartwerk über moderne Lyrik gilt.
Umso nachdrücklicher sei nun hingewiesen auf die Lyrik-Werkausgabe, die der kleine Folio Verlag (Wien und Bozen) herausbringt und deren siebenter und letzter Band soeben, pünktlich zum 80. Geburtstag Michael Hamburgers, unter dem Titel Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse erschienen ist. Er ist zweisprachig und wurde wieder von Peter Waterhouse übertragen.
Die „Nicht-Ereignisse“, die der Buchtitel nennt, sind die Jahreszeiten, sind Wind und Wetter, Fauna und Flora, die dem menschlichen Zugriff noch immer weithin entzogen sind. In einem zwölfteiligen Zyklus von Dezember bis November zeichnet Hamburger die von ihm beobachtete Tier- und Pflanzenwelt, wobei die Schilderungen von Reflexionen durchwebt sind. Hier spricht kein schöngeistiger Schwärmer, auch kein eigentlicher Naturlyriker, sondern ein leidenschaftlicher Gärtner, der vermutlich nicht weniger stolz ist auf die dreißig Apfelsorten, die er in Suffolk gezüchtet hat, als auf seine Dutzend Bücher mit Gedichten, Essays und Übertragungen.
Michael Hamburger, 1924 als Sohn eines jüdischen Arztes in Berlin geboren, ist 1933 mit seinen Eltern nach England emigriert, wo er schon im alter von fünfzehn Jahren englische Gedichte schrieb. Zahlreiche deutsche Dichter der moderne wie Huchel, Eich, Bobrowski und Celan wurden durch seine Übertragungen in England bekannt. Als Literaturwissenschaftler hat er an Universitäten in England, den USA und in Deutschland unterrichtet.

Jürgen P. Wallmann, Westfälische Nachrichten, 25.8.2004

Michael Hamburger, der 80-jährige,

aus Berlin stammende und seit den dreißiger Jahren in London lebende Dichter, ist heute schon Legende. Als Jude war er gezwungen, seine Heimatstadt zu verlassen, und in England wurde er bald schon zu einem Kritiker jeder Art von Totalitarismus. Er entwickelte seine eigene Dichtung und wirkte dazu als herausragender Übersetzer der Werke Hölderlins, Goethes, Rilkes und von Dichtem seiner Generation ins Englische. Bedeutende Preise wurden ihm zuerkannt: die Goethe-Medaille, der Hölderlin-Preis.

Michael Hamburger schreibt auf Englisch, und jetzt ist im Folio-Verlag ein wundervolles Buch mit einem Gedicht Hamburgers herausgekommen, zweisprachig und mit viel sprachlichem Können und Einfühlungsvermögen übersetzt von Peter Waterhouse: Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse – typischer Hamburger-Titel, nach „Vernunft und Rebellion“, „Heimgekommen“, „Verlorner Einsatz“.

Ein ganzes Jahr ein Gedicht, beginnend mit Dezember, und gleich mit einem jener unvergleichlichen Bilder, die die Sprache Hamburgers so charakteristisch machen: „Sunshine on hoarfrost: one true winter day…“ – „Rauhreif im Sonnenlicht: ein wahrer Wintertag…“. Hamburger nimmt alles in seine Dichtung herein, das Außen und das Innen, er beobachtet sehr genau die Welt und ordnet sie seiner Dichtung unter – diese wird dadurch, die Dichtung, nichts anderes als selbst Welt: zunächst seine, die Welt des Dichters, die sich beim Lesen langsam, subtil, überträgt auf uns, die Lesenden. Hamburgers Kritik des „Außens“ verinnerlichen wir, die Leser, und sie wird unsere weil es nichts dagegen zu sagen gibt, „dass kaum mich schaudert vor dem echten Schrei der Eule! Aber vor den munter braven Schnattermäulern“. Landschaft, die Natur, immer wieder als Seismographen der Befindlichkeiten, dieser Dichter steht in der besten, auch deutschen Literaturtradition, gekonnt das Dialogische in den Gedichten, das Wechseln zwischen dem Außen, dem „kollektiven Moorhuhnschießen mit gezähltem Abschuß“ und dem Innen, wenn „Erste Dinge mit den letzten, den Erzählenden verschlagen“. Dieses Gedicht kann man nicht „verstehen“, man kann ihm sich nur langsam und immer wieder annähern. Michael Hamburger ist, wahrlich, einer der ganz großen Dichter.

Uli Rothfuss, kunstportal-bw.de, August 2004

Poesie als Grenzüberschreitung

Michael Hamburger ist ein gegenstandsbezogener Dichter, wie er selbst sagt. Es kann die Schmerle, ein kleiner Süßwasserfisch, sein, ein Baum, Kröten, die nach starkem Regen den Teich verfehlen und in Pfützen laichen, es können Träume sein oder politische Geschehnisse, die Gegenstand von Gedichten werden. Aber es sind nicht nur die Gegenstände, es ist auch die Gegenwart, die sich wie in einem Wassertropfen in seinen Gedichten nach allen Seiten spiegelt. Das Wesen der Dinge, das Wesen der Zeit, des Augenblicks. Das klingt romantisch. Was am Ende aber dasteht, ist schroff, nackt und eher kahl, entkleidet von jedem Überfluß oder Zuviel.

Am 22. März 1924 wurde Michael Hamburger als Sohn jüdischer Eltern in Berlin geboren und durch die Emigration der Familie nach Großbritannien zwangsläufig, bereits in jungen Jahren, zu einem englischen Dichter und Übersetzer in die englische Sprache, zunächst vor allem Hölderlin. Später kamen zeitgenössische Autoren dazu, wie Paul Celan, Günther Eich, Peter Huchel, Johannes Bobrowski oder Günther Grass und Hans Magnus Enzensberger.
Zu seinem 80. Geburtstag sind zwei Gedichtbände verschiedener Art erschienen: Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse. Gedicht, im Rahmen einer mehrbändigen Werkausgabe des Folio-Verlages; Unterhaltung mit der Muse des Alters mit Übersetzungen von 40 Lyrikern im Alter von 30 bis 80 Jahren (unter anderem von Durs Grünbein, Friederike Mayröcker, Raoul Schrott) ein Geschenk für den Dichter im Hanser-Verlag. Michael Krüger, Verlagsleiter und Lyriker, war ebenfalls unter den Übersetzern.
In Hamburgers Werk begegnet dem Leser Poesie als Grenzüberschreitung, ein Raum des Unbekannten, des Noch-nicht-Wissens, der Unsicherheit und der Geheimnisse. Es ist ein Raum, in dem auch seine Toten leben, ein Raum des Lebendigen und des ungewissen, der Zeitlosigkeit. Die Fähigkeit, Unsicherheit, Zweifel und Geheimnisse auszuhalten, war für den Dichter John Keats eine „wesentliche Voraussetzung für die künstlerische Arbeit“ − ‚negative capability‘ im englischen. Das Deutsche benötigt für diese Befähigung mehrere Wörter: „aushalten, ohne verärgert nach Tatsachen und Vernunftlösungen zu greifen“. Diese Fähigkeit eröffnet Hamburgers Sicht auf Gegenstände und Gegenwart, den Dingen, der Zeit zu begegnen, gegenüberzutreten.

Zum Wesen der Dinge
Es liegt nahe, daß diese Fähigkeit gereift ist. Daß er als Kind introvertiert war und kein Augenmensch, daß er oft nicht wußte, ob er wachte oder träumte, berichtet er immer wieder. Liest man heute das Langgedicht ‚Aus einem Tagebruch der Nicht-Ereignisse‘, lebt hier beides nebeneinander, das Wachen und das Träumen, untrennbar miteinander verbunden. Ein Gang durch das Jahr, die Monate von Dezember bis November: „Zu Ostern ist im Morgennebel / Ein Gebet erblüht / Das in Menschenwörtern nicht mehr ausgesprochen werden kann.“ Empört nennt er das „Reich globaler Gier“, die Erde als Finanz-Kommerz-Kriegsschauplatz, als Zukunftsvision: „und alle Wesen weg, / Die nicht Homo-Pseudo-Sapiens sind, / Bessere Fabriken für Lebensmittel, / Und nur Naturschutzzonen, / wie jene Art sie nötig hat.“ Gemeint ist die massenhafte Tötung der Rinder, lebende Wesen, entwürdigt, willkürliche Opfer menschlichen Profitstrebens.
Hamburger lebt im Marschland an der englischen Nordseeküste in Suffolk, dem Wetter und den Elementen ausgesetzt. Im April: „Eine sichtbare Sonne am fernen Rand der Weide / Steigt aus schnellen Wolken, / Die nicht Rauch sind, sondern Feuchtigkeit, die endlich austritt / Aus der lang getränkten pudelnassen Erde.“ Aus den Schemen zeichnet sich das Schwarzweiß der grasenden Kühe ab. Erinnerung oder Wirklichkeit? Überlebende sind Fasane; auf Familienausflug laufen sie daher, wo früher noch Kiebitze nisteten und Nahrung fanden. Die notwendigen Gartenarbeiten schaffen eine permanente Gegenwärtigkeit: „Holz also schleppen, karren, kürzen / (…) / Komprimierbar zu Kompost und klarer Asche, / Die wieder nähren werden, / Was sich verwandeln wird und wiederkehren, / Die leer und leerere Luft mit Holzrauch, Grasrauch würzen.“…

Brigitte Espenlaub, Das Goetheanum, 15.7.2005

Lektionen der Stille,

Von Berlin aus emigrierte er 1933 mit seiner Familie nach England – und er wechselte die Sprache. So erscheinen Michael Hamburgers Gedichte, Essays und autobiografischen Schriften seit jeher zuerst auf Englisch. Ist er also ein Autor „zwischen den Sprachen“? Hamburger hat seine Zweisprachigkeit stets als Bürde, ja als Unglück empfunden, und mehr denn je ist er auf Reduktion aus. Jetzt, mit achtzig Jahren, hat er einen Punkt erreicht, an dem er aufräumen will mit dem „Vielzuvielen, das überhängt“. In seinem verwilderten Garten im ostenglischen Suffolk lernt der Dichter Lektionen der Stille. Er sucht die Muße, wie schon der Titel seines Langgedichts „Aus dem Tagebuch der Nicht-Ereignisse“ verrät. Der Chronist der Jahreszeiten fühlt sich eingebunden in den Kreislauf der Natur.
In Hamburgers Tagebuch folgen die deutschen Fassungen von Peter Waterhouse als geschlossener Textblock nach den englischen Originalen. Was in Hamburgers 12 Monatsgedichten schon anklingt, ist in der von Richard Dove herausgegebenen zehnteiligen Lyrikanthologie „Unterhaltung mit der Muse des Alters“ (Hanser Verlag) besonders augenfällig: Die Mitwirkung von 39 Übersetzern an diesem „Geschenk zu Hamburgers 80. Geburtstag“ macht auf ein Kernproblem des Transfers zwischen zwei Sprachen aufmerksam: den Spagat zwischen Freiheit und Anpassung. Das Kriterium der Selbsteinschätzung spielt eine maßgebliche Rolle im Dialog zwischen Autor und Übersetzer. In Richard Doves Sammlung fehlen die englischen Originaltexte.
Wann wird der Tag endlich Tag, die Nacht nichts als nacht?“. Hoffnung, Erwartung, aber auch die Gewißheit eines Advents von Ungewissem sind die Funksprüche, die der alternde Dichter versendet. Was im Wechsel der Jahreszeiten und im unendlichen Spiel von Licht und Dunkel als Vorzeichnung zur Verfügung steht, münzt Hamburger auf die eigene Existenz. Doch das Besondere von Michael Hamburgers Schicksal, daß er eben ein Entwurzelter ist, der wieder Wurzeln schlägt, ohne den Kontinent jenseits des Kanals aus dem Auge zu verlieren, ist in diesen Gedichten nicht ausgelöscht.
Eine harmlos gestellte Frge „Fahren Sie heut abend zurück?“ hat für den Angesprochenen das Gewicht einer Existenzfrage. „‚Noch nicht‘, sage ich, ‚ich bin dazu ausersehen, etwas zu veranstalten…‘“. Die konventionelle Antwort verdeckt Hamburgers Lebensthema: „Nur, wo bin ich? Wann überhaupt zurückkehren / Und wie, ohne dies zu wissen?“ Hilde Spiels nicht nur rhetorisch gestellte Frage „Welche Welt ist meine Welt?“ ist auch für Hamburger von Bedeutung. Und wo das Leben die Orientierung zu verweigern scheint, setzt der Dichter seine letzte Karte auf die Kunst:

Nur die Poesie,
Haus der Unbehausten, Heilerin des Kummers,
Hielt diesen Mann zusammen, der nicht er selbst war.

Hansjörg Graf, Der Tagesspiegel, 10.4.2005

Auf Flimmerflügeln

Achtzig Jahre alt ist der englische Dichter Michael Hamburger, und inzwischen zu solchem Ansehen gelangt, dass seine neuen Gedichtbände unverzüglich übersetzt werden. Zumindest in die Sprache des Landes, das er 1933 verlassen musste. Nun ist auch sein jüngstes Werk auf Deutsch erschienen. Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse heißt es. Der Titel ist bezeichnend für das Schaffen Hamburgers, das sich schon seit langer Zeit in Richtung Schweigen bewegt und von einer Stille handelt, wie man sie selten zu hören bekommt.
Diese Stille hat Hamburger der Natur abgelauscht: Pflanzen, Tiere, Steine sind sein Gegenstand. Es geschieht nichts, nur das Wetter wechselt. Als Gärtner getarnt geht der Dichter durchs Dickicht und notiert seine Beobachtungen. Nach dem großen Zyklus „In Suffolk“, den „Baumgedichten“ und vielen anderen Versen, ist auf diese Weise auch das „Tagebuch der Nicht-Ereignisse“ entstanden. Es umfasst ein Jahr, pro Monat aber selten mehr als zwei, drei Gedichte. Am schönsten und klarsten ist vielleicht dieser Oktober-Eintrag:

Mitten am Morgen glimmt
Eine schwache Scheibe, Geistersonne
Durch Feuchtigkeit, die hängt und haftet.
Ein Blatt zittert, ein Schmetterling
Auf Flimmerflügeln
Wird sichtbar, erhebt sich mutig.

Dass außerhalb dieser Garten-Welt der Nicht-Ereignisse noch etwas vor sich geht, darauf weisen Rauchsäulen brennender Rinder-Scheiterhaufen und von Jets in die Wolken getriebene Tunnel hin – überflüssige Fingerzeige. Das Gedicht ist nicht der Ort für Zivilisationskritik (und wie eine solche, ziemlich müde, muten diese Fingerzeige an). Auch sind nicht alle Verse des dankenswerterweise zweisprachigen Bandes so durchscheinend hell wie im oben zitierten Oktober-Gedicht. Manchmal liegt das an der gewollten Unentschiedenheit Hamburgers, manchmal an der Übersetzung des Wiener Dichters Peter Waterhouse, der in Zweifelsfällen der rhythmisch-klanglichen Präzision den Vorzug gegenüber der nahe liegenden semantischen Entsprechung gegeben hat. Ganz zu Recht, denn so ist die Essenz der Gedichte, der eigenständige Ton, und auch etwas von der Knappheit des Englischen ins Deutsche gerettet. „Not ill, he says, only dying“ heißt es zum Beispiel von einem ins Telefon keuchenden Kumpan. Waterhouse macht daraus „Nicht krank, sagt er, krepierend bloß“. Das mag drastisch und auch ein wenig gekünstelt klingen. Aber anders hätte sich wohl kaum so kompakt fassen lassen, was im Englischen von so unerreichbarer Lakonie ist.

Tobias Lehmkuhl, Am Erker, Nr. 48, 2004

Zum 80. Geburtstag von Michael Hamburger

erschien der Gedichtband Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse mit der Übersetzung aus dem Englischen von Peter Waterhouse. Unter „Nicht-Ereignissen“ versteht Hamburger Zeichen aus einer nicht regellosen, aber unregulierbaren, nicht regierbaren Welt, die sich aus Wind, Regen, Kälte, Frost, Blumen, Bäumen und Tieren zusammensetzt, also aus der Natur. Hamburger notiert Monat für Monat seine Beobachtungen und setzt diese in lyrische Formen. Dabei vermischt er in einzigartiger Weise diese „Nicht-Ereignisse“ mit „Ereignissen“, also mit Erinnerungen, mit Gedanken, mit Überlegungen, mit Fragen und Antworten auf das, was die Natur gewissermaßen in ihm hervorruft. Die Übersetzungen von Waterhouse halten sich oft wortgetreu an die Originaltexte, was einerseits löblich ist, andererseits eine gewisse Härte erzeugt. Die englischen Verse klingen oft milder. Nicht-Ereignisse können sehr ereignisreich sein, so mein Urteil über dieses stimmungsvolle Buch.

Decision, Nr. 66, 2004

Gelebte Jahre

Aus einem Tagebuch der Nicht Ereignisse ist der siebente und letzte Band des vom österreichischen Lyrikers Peter Waterhouse seit mehr als einem Jahrzehnt betrieben, in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug zu veranschlagenden Übersetzungsprojektes, das lyrische Werk des heute 80-jährigen englischen Dichters Michael Hamburger ins Deutsche zu bringen.

Alle Themen und Motive von Hamburger sind auch hier vereint: Traum, Erde, Baum, Leben, Tod. Der Beginn des nach Kalendermonaten gegliederten Gedichtes, ein Jahreszeitenzyklus aus zwölf Teile mit jeweils drei bis maximal sieben Gedichten scheint an den vorletzten Band – In einer kalten Jahreszeit anzuknüpfen. Das Jahr beginnt bei Hamburger unorthodox – doch nicht unbegründet im Dezember: dem Moment der großen Zeitenwende – ohne alle messianische Erwartung, ohne Frohbotschaft und ohne Weihnachten

* „Sunshine on hoarfrost“
Rauhreif im Sonnenlicht:
ein wahrer Wintertag.“

Der Ort des Geschehens ist Suffolk – wo Michael Hamburger – seit vielen Jahren lebt − eine scheinbare Idylle, der Dichter befindet sich Rückzug auf den eigene Garten, auf Pflanzen und Tiere, klassische Utensilien des dichterischen locus amoenus, des geschützten und lieblichen Ortes. Welt und Gegenwart – die „Ramschzeit“ – wie sie Hamburger nennt, spielen sich nur noch in der Ferne ab, der Sprecher hingegen beginnt vor der südenglischen Naturkulisse sein Jahrhundert zu überblicken – das er auf ziemlich lakonische Weise charakterisiert: „Vertreibung, Weltkrieg, Umwälzung, Entfremdung, Verringerung und Werden, Wehren.“ Der Monat fängt in grellem Licht und endet in heller sternklarer Nacht – mit dem längsten Tag. Also klassisch.
Der Jänner läßt Tankwagen auftauchen – Heitzöl muß nachgefüllt werden −, es folgt ein vorsichtiger Blick in die Ferne, der Februar bringt „zwei, drei Schneeglöckchen, pudelnaß, baumeln“ zum Vorschein – doch als. die Natur sogleich durch ein „sie strebt nach Erfolg wie die geldgenötigten Politiker – durch das Präsentieren von Wachstum“ chrakterisiert wird, merkt man, daß man sich nicht einfach in der beschaulichen Welt eines alten Mannes befindet, der beschlossen hat, nur noch den eigenen Garten zu bestellen.
Hamburger verknüpft in atemberaubender Organik den Wechsel von Jahreszeiten und Geschichte und man spürte geradezu bei jedem Schritt des „Pflegers von unverkäuflichem Obst“ als welchen er sich selbst bezeichnet, wie sich Licht und Wetter verändern – wie Welt und Kosmos auf diesen Ort sich konzentrieren, der immer und ausschließlich durch Konkretes ausgewiesen ist. Man merkt – durchaus beunruhigt: daß die Erde sich in ihrem langen langsamen Traum bewegt. Der Fasan hat sich im März gerade noch vor den Jägern gerettet, ein Fuchs trottet durch die Gegend, das Szenario ist im Mai durch die Mehlschwalben ein wenig ermüdet, diese beginnen mit dem Nestbau, im Juni werden Rosen besungen, die im Juli – ohne je als solche genannt zu werden auf opulente Weise besungen werden. August ist ein Stakkato an Blumennamen, Oktober Tod und Nebel, im November wird ein vermoderter Apfelbaum geschlagen und verbrannt, der November führt auch das Licht in den eigenen Schatten zurück.
Man kann diese Gedichte als Naturlyrik lesen – wie etwa das Gedicht an den Monat August.

Mit lastender Hitze kehrt
Dieser Monat aus Blaurot ein…

Man kann dieses Gedicht als reine Naturbeschreibung lesen, und Geschichte, auch die der eigenen Familie – Michael Hamburger ist als deutscher Jude mit seinen Eltern eine Zeitlang vor den Nazis nach England emigriert – auf sich beruhen lassen. Was dieses Jahreszeiten-Gedicht so spektakulär macht, ist die unaufgeregte, einfach souveräne Art, mit der beide Moment in eins gesetzt werden. Im April etwa – „april is the cruelest month“, wie es bei T. S. Eliot, einem der Hausgötter von Hamburger, heißt – im April taucht in diesem Garten unsentimentaler Erinnerungen plötzlich eine Versammlung von „Juden, sternlos inmitten des zerstörten Dresden“ auf, und das Bild geht sogleich nahtlos in jenes von den geschlachteten Rindern der Gegenwart über. (Es ist die Zeit von BSE und Massenschlachtungen): Resümiert wird das Ganze mit einem wuchtigen: „Auch hier hat Rassenhygiene, aus Gewinnsucht, die Wehrlosen verurteilt  / Zu sterben für die Reinheit, durch Metzger sterblich und nicht rein.“
Hamburger, der offenbar nie Gefahr läuft weder obszön, noch kitschig oder polemisch zu werden geht noch weiter – er spricht vom Gebet der Tiere, er spricht von Adam und Eva, von Flut und Sintflut und man liest all das, ohne je am Sinn des Gesagten Anstoß zu nehmen oder zu zweifeln.

ZU OSTERN IST im Morgennebel ein Gebet erblüht.
Das in Menschenwörtern nicht mehr ausgesprochen werden kann:
Daß aus dem Reich der globalen Gier
Am Höhepunkt am Ende des Jahrtausends
Als die alten und emporgekommenen Imperien
Überwältigt waren, aufgeteilt,
Oder Stück für Stückchen übernommen,
Erlöst, die Welt hervorgehen will
Nicht ganz so wie sie war am Anfang.

Wer hätte mehr gesagt?
Die mythologische Ebene, die Michael Hamburger hier in äußerst verknappter Sprache evoziert – es sei daran erinnert, daß er nicht nur Hölderlin, sondern auch Rilke und vor allem Paul Celan ins Englische übersetzt und selbst eine Reihe großer Oden- und hymnenartiger Texte geschrieben hat – die Welt des Mythos, hat hier ein Mass an Bescheidenheit und Alltäglichkeit erreicht, das nie von äußerlichen Philosophemen getragen wird, auch von keinem Goehteschen Stirb und Werde, sondern ausschließlich vom Gedicht selbst. Hamburger läßt Wucht und Gewalt der Welt in seine Text eindringen, als stelle es nicht die geringste Gefahr dar, sich mit der ganzen Natur anzulegen. „Do not go gentle into that good night – Old age should rage and burn at close of days“ hatte der Hamburger Freund Dylan Thomas einst über Alter und Tod gedichtete – Michael Hamburger nimmt sein Alter gelassen: „Allein gelassen, der Halbnatur des wilden Gartens / Im Frühlicht und im Licht des Abends tiefer, / Versöhnen sich die inkonstanten Töne fast.“ Fast – das ist der Grundton dieser Gedichte, die durch Unaufdringlichkeit maximale Wirkung erzeugen.
Der Ausdruck „Nicht-Ereignis“ ist dabei der Schlüssel zum Verständnis. Nicht-Ereignis, das ist der Kampfjet der plötzlich durch die Wolkendecke bricht, das ist der 11. September, an dem Passagierflugzeuge in Bomben verwandelt wurden, Nicht-Ereignis ist die genmanipulierte Natur, Nichtereignis ist der ganze „Finanz-Konsum-Kriegsschauplatz“, und – schließlich der eigenen Tod. Ereignis hingegen das Wachstum der Pflanzen, der Wechsel von Licht und Jahreszeit, das Altern und Überleben einer Katze, oder das Gespräch mit einem Freund – wie etwa im Fall des Nekrologes für den französischen Dichter Andre de Bouchet.

Meinem toten Freund, der suchte nach dem Stillen
Mit Worten die nicht Rede waren und nicht Singen
Wäre es nach seinem Willen
IN die Stille einzubrechen und Worte zu vereinen?…
Auslassung war seine Logik, sie ließ die Stille ein
eine Lücken-Logik, gelöcherter Verstand.
Nur soviel wußte ich von ihm – und was wir sahen miteinander,
Dann tat jeder für sich weiter, wie immer es ums Wetter stand…

Ereignis – durchaus im heideggerschen Sinn als Ereignis des Seins: heißt – Lücken-Logik, gelöcherter Verstand.
Daß Michael Hamburgers Gedichte nie in tiefsinniges, existenzielles Pathos, den entsprechenden Jargon wie die Pose verfallen, hat wohl mit dem Umstand zu tun, daß er – Meister des lyrischen Understatements – auch über ein gehöriges Maß an Ironie und Selbstironie verfügt. Das Selbstporträt im Februar – zeigt ihn, den beklommenen Gärtner aus dem Blickwinkel der Nachbarn, die sein Sinnieren einfach wegwischen mit einem: „Gibt auch helle Seiten, unbeschwerte.“
„Mich ertappend der beklommen gärtnert…“
Man könnte Michael Hamburger als Visionär, als Zivilisationskritiker bezeichnet – er selbst versteht sich mit Vorbehalt als Ökologe, als „Grüner“ – die Gedichte aber, die er seit einem halben Jahrhundert schreibt als engagiert in einem durchaus radikalen Sinn. Trotzdem wäre eine derartige Charakteristik bei einem Mann, der sich mit Poesie und Poetik auch theoretisch befasst hat – in der Studie „Wahrheit und Poesie“ nämlich, nebenbei das beste Buch, das man zur Lyrik des 20. Jahrhunderts und der Moderne lesen kann – ein solches Urteil wäre allzu verkürzt. Michael Hamburger ist ein Dichter im herkömmlichsten Sinn, der weder Moden noch Stilen nachlaufen muß, der es auch nicht nötig hat sich als experimenteller Autor oder als raunender Neo-Dichter zu produzieren. Hamburger ist ein Dichter in Großbuchstaben – diese aber leise gesprochen. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil er – sich – in seinen eigen Worten – in seinem Schreiben auf einen einzigen Umstand konzentiert:
„Für einen Dichter ist die Sprache alles, was sie je gewesen ist und noch werden kann, alles was sie je vollbracht hat oder noch vollbringen kann.“ Und vor allem: „eine Sprache, die unmittelbar und dringlich ist und nicht zur Schau stellt woher sie kommt und wohin sie geht.“
Das klingt unspektakulär – fast wie ein Nicht-Ereignis im Hamburgeschen Sinn – läßt sich zu hundert Prozent auf das Gedicht „Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse“ beziehen, das selbst eines der wichtigsten Ereignisse dieser Zeit darstellt.

Erich Klein, Österreichischer Rundfunk, 11.7.2004

Welch provokanter Titel für einen Gedichtband

Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse heißt das neue Buch von Michael Hamburger. Hat dieser Autor in seinem Leben denn so Unerhebliches erlebt, immerhin feiert er justament zum Erscheinen des Bandes seinen 80. Geburtstag?!
Um den Titel verstehen zu können, muß man die Betonung vom „Nicht“ wegführen und auf das zweite Wort legen. Denn Michael Hamburger zieht in diesem Gedichtband, der eine achtbändige auf deutsch erscheinende Werkausgabe abrundet, keine enttäuschte Quersumme gelebter Jahre.
Das Wort Nicht-Ereignisse bezieht der englische Dichter auf eine außerhalb der Menschen liegende Welt, die von der Sprache verschont geblieben ist. Eine, wenn man so will, weitestgehend unübersetzte Welt, die für sich bislang weder Identität noch Fortschritt erfunden hat. Hier wird keine Sprache benötigt, um sich untereinander zu verständigen. Denn Sprache ist manipulierbar und sogenannte Ereignisse, die mit Auftritten, mit Besonderheiten und Erfahrungen verbunden sind, gibt es demzufolge in dieser Welt nicht. In dieser Welt bedeutet der Tod nicht einmal einen Verlust an Identität und Selbständigkeit, denn diese Begriffe sind unbekannt, wie überhaupt Begriffe nicht zählen.
Es ist, kurz gesagt, die Welt von Flora und Fauna, von Wind und Wetter. Der Mensch lebt, mehr eingebunden als ihm lieb ist, in dieser Natur. Da kann er sich noch so viele Hilfestellungen und Tricks ausdenken, mit Genen manipulieren und die Energiestärke von Sonnen in Atomkraftwerken nachahmen: Auf eine stille Weise bleibt diese Welt dem Menschen dennoch überlegen. Denn das, was in ihr vergeht, wird nicht – wie der einzelne Mensch – ausgelöscht, sondern taucht wieder ein in das verborgene Reich des Möglichen, in schlummernde Anlagen und untergründige Kräfte.

Sprecher:

Die Linde, fünfzehnjährig, Wurzeln regen-unterspült,
Lehnt, die Weide beugt sich.

Schau zum Grund und gründlich: rät der bewegliche Wind:
Was hält sind Mikrokosmen, was so versagt
Köpfe, die sie spiegeln könnten. Anstatt einzugreifen.
Erheb Dich früh und du wirst sehen
Andre Flammen, glühend-rot die Sonne ungefährlich
Liegen am Himmelsrand des Felds.
Obgleich lichtlos, bauscht der Saft die Knospen.
Aus dunklen Raupen schlüpfen neue Flügel.
Funkeln dann in jedem Wetter.
Eine Weiße in der Nacht, ein schwaches Strahlen
Das der kalte Mond jenseits der Wolken weiterschickt.

Gegen den abfälligen Begriff des Naturlyrikers, um das gleich klarzustellen, hat sich Michael Hamburger schon immer gewehrt. Dieses Etikett wird, wie er schreibt, allein von städtischen Naturen und Dichtern benutzt, die sich der idyllischen Naturbetrachtung mit sauberen Händen hingeben könnten. Als ob die Wirklichkeit sich nur in den Großstädten abspiele und Baum- und Viehzucht nicht weniger wirklich seien als die Verarbeitung ihrer Produkte in Fabriken. Michael Hamburger schöpft, wenn er seine Gedichte schreibt, nicht aus einer verklärten Weltsicht, sondern aus genauen Beobachtungen und Erfahrungen.
Oder ganz einfach auch aus praktischer Arbeit. Der Achzigjährige ist ein renommierter Züchter von Apfelsorten in seinem Suffolker Garten und dafür weit über seine Gegend hinaus bekannt.

O-Ton: Ich habe jetzt 35 verschiedene Apfelsorten in meinem Garten, die ich alle entweder angepflanzt oder sogar aus Samen gezogen hab. Ich hab sogar welche gesammelt in Belgien, in Frankreich und in Deutschland … Auch in dem Garten von Ted Hughes. Der hatte nämlich einen wunderschönen Apfel, der hatte eine ganz dunkle Farbe, fast purpurnfarbigen, der nur in Devon wächst, wo er lebte. Und er hat mir einen solchen Apfel geschenkt und ich hab aus den Kernen zwei Bäume gezogen … In allen Büchern steht, man kann aus Kernen keine Apfelbäume ziehen, weil sie dann nicht artgetreu werden. Aber es stimmt nicht, aus all denen, die ich gezogen hab, war nur einer vielleicht, der hatte nicht die echte Art, die ich erzeugen wollte. So habe ich jetzt diese Sammlung von Äpfeln, die ich gar nicht mehr essen kann (lacht). Ich wurde sogar in der Zeitung abgebildet mit meinen Äpfeln, weil sich jetzt auch viele Leute für alte Apfelarten interessieren. In diesem Jahr z.B. kamen auch Leute in meinem Apfelgarten und holten sich Äpfel ab, die werden ausgestellt und die Leute dürfen sie kosten. Und auf diese Weise werden manche von diesen alten Apfelarten wieder ins Bewußtsein dieser Menschen kommen.

In dem englisch ausgesprochenen Vornamen Michael und dem deutsch ausgesprochenen Nachnamen Hamburger deuten sich die wechselvolle Biographie des Dichters an. Geboren wurde Michael Hamburger 1924 in Berlin. Zu Beginn des aufkommenden Faschismus rettete sich die jüdische Familie Hamburger mit ihren vier Kindern nach England, wo der Dichter bis heute ansässig geblieben ist.
Eine andere Sprache bedeutet immer auch einen anderen Erlebnis- Kultur- und Gesellschaftsbereich, schreibt Hamburger in seinen Erinnerungen. Die Versetzung von der deutschen in die englische Sprache habe für ihn die Wucht eines zweiten Sündenfalles, einer zweiten Sprachverwirrung gehabt. Dadurch verlor er jene sprachliche Unschuld und Unbefangenheit, welcher man die Selbstverständlichkeit verdanke, die Dinge beim Namen zu nennen.
Was für Michael Hamburger vom frühen Sprachwechsel zurückblieb, ist sowohl ein Gefühl für Übergänge als auch ein gründliches Mißtrauen gegenüber Reichtum und Wohlklang von Worten. Die ausgeprägte Sprachskepsis Hamburgers merkt man seinen Gedichten an. Die Worte werden um die Dinge gelegt, um sie wie eine schützende Hülle zu transportieren. Nie war Hamburger der Versuchung erlegen, mit den Worten selbst zu experimentieren, sie gegeneinander auszuspielen oder sie gar zu zerbrechen und neu zusammenzupuzzeln. Denn die Worte gehören jener Welt an, die er ohnehin – verglichen mit jener Welt der Nicht-Ereignisse – für eine nicht so wesentliche, weil selbstverschuldet desolate hält.
Der Dichter Hamburger zählt zu einer Generation, die noch durch ein anderes Verständnis von Veränderung als die derzeit Jungen geprägt wurde. Bewegungen und Ortsveränderungen waren für Hamburger stets mehr den biografischen Notwendigkeiten, weniger einer unbändigen Reiselust geschuldet. Heute schieben den durchschnittlichen Mitteleuropäer Tourismus, Eventshopping, Globalökonomie oder einfach nur preisgünstige Verkehrsmittel durchs Land. Diese sprunghaften und seriellen Bewegungen bedeuten aber nicht immer Veränderungen. Denn das genaue, differenzierte Beobachten jener Bedingungen, die das Unterwegssein begleiten, wird kaum noch erprobt.
Anders bei Michael Hamburger. Unterwegssein war für Hamburger lange Zeit nicht nur eine körperliche Situation, sondern wurde es für ihn zu einem wichtigen literarischen Begriff. Seine allererste Gedichtsammlung, maschinengeschrieben und von einem Freund in Umlauf gebracht, hieß: „Reiseplan“. Später und fast ein Jahrzehnt lang schrieb Hamburger an einem zweiteiligen Zyklus mit dem Titel „Variationen“, dessen erster Teil „Travelling“ heißt. „In Bewegung“, wie Peter Waterhouse sehr genau übersetzte. Das entspricht vollkommen dem Zustand des Werks und seines Schöpfers, der zwischen England und Kärnten, römischem Altertum und Schottland, amerikanischen Seen und Griechenland in mentaler Bewegung und Berührung ist, in emotionaler wie geistiger Aufruhr.
Unterwegssein bedeutet aber auch, daß das Werk Michael Hamburgers in viele Sprachen hinüber-gesetzt wurde.

O-Ton: Ja, das kommt zum Teil von meinen vielen Freundschaften. Ich hab enorm viel Freundschaften gehabt. Und Erich Fried war unter diesen.

… er war einer der frühesten meiner Übersetzer ins Deutsche. Er war ein so freimütiger Mensch. Sein Haus in London war immer offen für alle Leute, die überhaupt aus den deutschsprachigen Ländern kamen. Sie konnten dort wohnen, sie aßen dort, die Türen waren einfach offen …. ich habe gesehen, wie er auf einer großen Gesellschaft mit hundert Leuten vielleicht, hat er sich in die Ecke gesetzt und hat drei Gedichte geschrieben an einem Abend. So hat er gearbeitet.

Seit seinem fünfzehnten Lebensjahr, seitdem Michael Hamburger den Dichter Hölderlin für sich entdeckt und ihn erstmals ins Englische übertragen hat, bringt Hamburger in der Gegenbewegung dafür deutschsprachige Dichter ins Englische. Unter ihnen Goethe, Hans Magnus Enzensberger, Günter Eich, Peter Huchel, Johannes Bobrowski, Paul Celan und der vergessene Dichter Franz Baermann Steiner. Nicht wenige dieser Autoren verdanken es Hamburger, daß sie sogar erstmals auf Englisch zu lesen waren. Hölderlin blieb Hamburger in seiner Übersetzungsarbeit sogar ein Leben lang treu. Von Anfang an fessele ihn an diesen Dichter, daß Hölderlin der Wirklichkeitserfahrung unerbittlich seine Utopien entgegensetzte, obwohl er wußte, daß sie nicht zu verwirklichen waren. Inzwischen liegen fast 800 Seiten übersetzte Hölderlingedichte, teils in mehreren Variationen, vor.

O-Ton: Immer, wenn ich mich interessierte, wollte ich es auch übersetzen, weil alles Deutsche eigentlich unbekannt war in England. Und darum mußte ich es übersetzen, um irgend etwas dafür zu tun … Ich habe die erste englische Hofmannsthal-Übersetzung herausgegeben und zum Teil auch selber übersetzt. Ich habe Rilke übersetzt, ich habe Gottfried Benn übersetzt, ich habe Trakl übersetzt.

… Manche meiner Übersetzungen sind eigentlich verloren gegangen, weil ich keinen Verlag dafür fand. Und ich habe immer noch Übersetzungen, die nie gesammelt wurden oder in einem Buch erschienen. Ich habe zum Beispiel auch Kleist übersetzt, aber da kam es nie zu einem Buch, und ich hab Novalis übersetzt als ich jung war, und das ist auch nie ein Buch geworden.

Brecht habe ich wohl erst in den fünfziger Jahren überhaupt kennengelernt und habe auch ziemlich viele Gedichte von ihm übersetzt. Aber da war auch wieder eine Schwierigkeiten, weil die Rechte von dem Sohn verwaltet wurden in Amerika. Und er hat mir einen Vertrag geschickt, als meine ersten Übersetzungen fertig waren. Er sollte mir einen Dollar bezahlen, dafür hat er sich alle meine Rechte für immer geholt, was ich auch von Brecht übersetzte, gehörte ihm. Und den Dollar habe ich auch nicht bekommen.
Den Grund, warum er Gedichte, warum er überhaupt schreibe, verrät Michael Hamburger in seinen „Erinnerungen“. Früher oder später werde fast alles über das Leben eines Menschen vergessen, von demjenigen, der es lebte und von den anderen. Das große Geheimnis des geschriebenen Wortes liege deshalb in seiner Fähigkeit, der biologischen Zeit zu widerstehen und seine eigene zeitliche Dimension zu schaffen, die Dimension, die den Menschen vom Tier unterscheide.

Cornelia Jentzsch, Deutschlandfunk, 3.5.2004

Anschmiegen und kokett entfernen

− Kongenial: Hamburgers Lyrik, übersetzt von Waterhouse. −

Der Dichter Michael Hamburger hat sich früh als Übersetzer von Hölderlin, Rilke und Celan und als Lyrikexperte Ruhm erworben und sich so, zumal bei uns, als Autor von Gedichten verdächtig gemacht. Zu tief verwurzelt ist das Vorurteil, dass nur reine Toren und Genies (für viele ohnehin eins) zu dichten vermögen; in Trance und Taumel, unwissend, unter möglichst ganzer Ausschaltung jeglichen Wissens und Bewusstseins.
Tritt nun ein gelehrter Dichter wie Peter Waterhouse hinzu, der selbst über Celan dissertiert und sich oft kundig zu seinen poetischen Vorfahren geäußert hat und macht sich ans Übersetzen, geraten gleich beide unter Verdacht. Zwei durchaus Denkwillige – der 80-jährige deutsche Jude Hamburger, zur Flucht nach England gezwungen, und der englischösterreichische Endvierziger Waterhouse – stehen also einander gegenüber oder gar zur Seite.
Nun liegen in der schönen, in der Präsentation von Original und Übertragung etwas uneinheitlichen Reihe des Folio-Verlages Hamburgers jüngste Gedichte vor. Der Titel ist von fast schon aufreizendem Understatement geprägt: Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse. Gedicht. Indem auf eine Gegenüberstellung von Ausgangs- und Zieltext verzichtet wird, sieht man sich zunächst aufgefordert oder eingeladen, erst auf Englisch, dann auf Deutsch, den Jahreskreis vom Advent, der „Eventzeit“, bis zum folgenden November, dem notorischen Lieblingsmonat so vieler Dichter, zu durchmessen.
Mit Bedacht wurde die Überschreibung nachgestellt, um sie vom Original auch physisch abzurücken: „in einer Übersetzung von“ heißt es konsequenterweise auf dem Titelblatt. Das Zurückblättern, zu dem man dadurch angestiftet wird, lohnt. Zweierlei Texte, die sich bald formal, bald inhaltlich aneinander schmiegen und fast kokett wieder entfernen, ergeben ähnliche Gesamtheiten, deren beredte Unterschiede einen besonderen sinnlichen Zugewinn bergen.
Die austarierten Einzeltexte sind auf kommunikative Weise kompakt. Das nahe liegende, sich aufdrängende, oberflächliche Schöne vermeidet Michael Hamburger tunlichst; Waterhouse führt diese Tendenz noch weiter. Was im Einzelnen leicht zu bezweifeln wäre (oder sogar ist), erweist sich im Zusammen des Ganzen immer als schlüssig, oft sogar als zwingend. Die Übersetzung weitet den Blick auf das Gedicht durch so manche unerwartete zusätzliche Perspektive. Auf diese Weise aufgeraut, wird die Oberfläche erst griffig, und derart verzögert wird die Lektüre aufmerksam für die Details und ihre vielfältige Verschränkung.
Die sinnliche Klugheit dieses buchlangen zyklischen Gedichts ist unaufgeregt und rätsellos. Die leichte, leise Lakonie des englischen Textes und die virtuose Umständlichkeit von Waterhouses Österreichisch machen das Lautlesen unabdingbar. Ein zusätzlicher Genuss, den man sich vor Ohren führen muss! [*]

Fabjan Hafner, Die Presse, Spectrum, 10.7.2004

Entwaffnung der Sprache

− Der Empörung und dem Staunen treu: Dem Dichter Michael Hamburger zum Achtzigsten. −

Unter den „Launen des Lichts“, dem Constable-Himmel der ostenglischen Grafschaft Suffolk, wohnt Michael Hamburger seit fast dreißig Jahren – ein englischer Dichter und deutscher Emigrant, ein Kenner der Poesie zwischen Baudelaire und Pauf Celan, ein Übersetzer und Freund der Dichter, die er Übersetzte. Das Alter findet Ihn aktiv wie eh und je. Hamburger wechselt noch immer zwischen Schreibtisch und Garten. Er schreibt an Gedichten und Gedichtzyklen. Seine Verse sprechen vom Alter, aber auch von der Fähigkeit, sich immer wieder zu erneuern. „Man hört niemals auf zu staunen“, sagt er in einem Interview.

Hamburger versteht sich als „gegenstandsbezogenen Dichter“. Er lächelt über das Prädikat des Naturlyrikers, das man ihm gelegentlich anhängt. Er weiß, daß die Baum- und Viehzucht ebenso wirklich ist wie die Verarbeitung Ihrer Produkte in den Fabriken. Er weiß, daß hinter den Naturschutzgebieten, die an sein Haus reichen, das Atomkraftwerk Sizewell liegt. Er hat, wenn er vom Schreibtisch aufblickt, seinen Garten vor Augen. Hamburger liebt und hegt selten gewordene Apfelsorten, aber auch die von seinen Reisen eingeschmuggelten Exoten. Er kämpft gegen die Verwilderung dieses riesigen Gartens an, den ein Orkan 1987 verwüstete. Hier liegt ein vom Sturm gefällter uralter Maulbeerbaum, der immer noch blüht. Hier gibt es auch einen Faulbaum, den Hamburger 1987 gepflanzt hat. Er stammt aus dem Garten seines Freundes Peter Huchel, der sechs Jahre zuvor gestorben war.
Hamburgers Existenz hat etwas von Realsymbolik. Dichterisches Leben ist reale Produktion eines Mannes, der ausdrücklich als Schriftsteller und Gärtner zeichnet. Eines seiner jüngsten Gediche läßt offen, welche Produkte er meint. Er sieht sich dort als einen „Pfleger von unverkäuflichem Obst“, der um seine „Nicht-Ereignisse“ bangt:

Sie könnten augenblicklich Nachricht werden,
Wie das Schlachten, nunmehr planlos, heimlich
Der Rinder, Schweine, Schafe,
Wie der mutierte Mais und Raps,
Wie auch das Nicht-Klima, die Nicht-Jahreszeiten …

Diese Zeilen bezeugen, daß neben dem Staunen die Empörung lebt, die scharfsichtige Kritik an einer Welt, die im Zeichen von „pecunia“ beherrscht wird. Doch eine Kampagne gegen die „Firma Universale“ kann nicht Sache eines Dichters sein. Das Michael Hamburger einst ein englischer Dichter werden würde, wurde ihm nicht an seiner Wiege in der Lietzenburger Straße 8A in Charlottenburg gesungen. Dazu bedurfte es eines biographischen Risses. Hamburgers Vater, Professor an der Charité, hatte schon früh erkannt, was zu erwarten war. Als die Familie im November 1933 Berlin verließ, hatte der neunjährige Michael Hamburger gerade begriffen, daß er sich beim Völkerball in die „jüdische“ Gruppe einzureihen hatte.
Die Emigration zerstörte ihm die frohe Einheit der Dinge und Worte. Die Poesie wurde sein Rettungsring. Sein erstes veröffentlichtes Gedicht schrieb der Siebzehnjährige über Hölderlin – im Kriegsjahr 1941. Es eröffnet noch heute die „Collected Poems“ des Dichters. Und sein erstes Buch wurde eine Übersetzung von 36 Hölderlin-Gedichten. Der Lektor bei Faber & Faber – T.S. Eliot immerhin – hatte gemeint, solch ein Buch sei Luxus „at a time like this“. Aber es erschien dennoch, wenn auch in einem andern Verlag. Das war im dritten Kriegsjahr, und der Verfasser diente bereits als britischer Infanteriesoldat.
Übersetzen, so meinte Hamburger später, sei eine tiefere und ergiebigere Würdigung eines Textes als das Schreiben darüber. Und so hat er viel und vieles übersetzt, hauptsächlich Lyrik, von Goethe, Hölderlin und Rilke bis zu Bobrowski, Celan, Enzensberger, Huchel und zu manch anderem, der ihm heute dankt. Doch auch das kritisch-essayistische Schreiben gehört zum Beruf des „Kulturvermittlers“, wie Hamburger sich mit ironischem Understatement nennt. Resultat solcher Arbeit ist ein Standartwerk über die moderne Poesie, das 1969 erschienene „The Truth of Poetry“. Es zeigt, daß Lyrik nicht bloß Artistik und Hermetismus ist, sondern auch mit Leben und Wahrheit zu tun hat.
Aus dem Niemandsland zwischen den Sprachen gewann er die Elemente seiner Modernität: die Skepsis gegen jegliche Wortmystik und den unverstellten Blick auf die eigene Erfahrung und die zeitgenössische Wirklichkeit. Nach Themen hat Hamburger dabei nicht suchen müssen. Das Gedicht „In a Cold Season“ faßt in der Person Eichmanns die Banalität des Bösen. „Words cannot reach him in his prison of words.“ Mehr noch: Es dringt in der Kindheitserinnerung an die von den Nazis ermordete Großmutter zum persönlichen Zentrum des Grauens vor. Es zeigt, was Worte dennoch vermögen. Auch die anderen Gedichte dieser Thematik, etwa, „Between the Lines“, leben von dem Paradox, daß die Toten fähig sind, „Licht zu geben“ – zwischen den Linien, aber auch zwischen den Zeilen, wie es der Doppelsinn des englischen Titels nahelegt.
Seit den siebziger Jahren haben deutsche Kollegen wie Enzensberger, Kunert und Kunze aus seinem Œuvre übersetzt. Bei Hanser sind mehrere Sammelbände erschienen: „Heimgekommen“ (1984), „Unteilbar“ (1997), ein weiterer ist in Vorbereitung. Peter Waterhouse übersetzt für Folio das lyrische Werk im Alleingang Die neueren Titel wie „Traumgedichte“, „Baumgedichte“, „Todesgedichte“ und, in Kürze, „Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse“ erscheinen zweisprachig.
In den „Berliner Variationen“ aus „Zwischen den Sprachen“ schreibt Hamburger über die Unmöglichkeit, das Vergessene ganz zurückzugewinnen: „Der Schock des Wiederhabens wäre so zerstörend, daß wir im Augenblick aufhören müßten, unsere Sehnsucht zu verstehen. So aber verstehen wir sie, und um so besser, je versunkener das Vergessene in uns liegt.“ Das Vergessene und die Sehnsucht danach – wo wäre das besser aufgehoben als im Gedicht. Wir wünschen Michael Hamburger die Jahre und die Gedichte, die er sich wünscht.

Harald Hartung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.3.2004

„Schau zum Grund und gründlich“

− Rechtzeitig zum 80. Geburtstag des Lyrikers, Essayisten und Übersetzers Michael Hamburger rundet sich die Werkausgabe. −

Füge man die Gedichte eines einzigen Autors zusammen, seien sie in der Lage, die Kontinuität im Leben des Einzelnen und im menschlichen Leben schlechthin aufzuspüren. Davon ist der englische Lyriker, Kritiker und Essayist Michal Hamburger überzeugt. Er feiert am 22. März seinen 80. Geburtstag. „Wenn also mein realer und wesentIicher Lebensweg überhaupt irgendwo festgehalten wird, dann findet man ihn in meinen Gedichten.“
Außer in den äußeren Umständen, wonach Michael Hamburger 1924 in Berlin zur Welt kam. 1933 mit seinen Eltern nach England emigrierte und sich nach einem wechselvollen Leben in Suffolk ansiedelte, kann man also seine Biografie in den zahlreichen auf Deutsch erschienenen Gedicht- und Essaybänden nachlesen. Der jüngste Gedichtband Aus einem Tagebuch der Nicht-Ereignisse erscheint zum Jubiläum und rundet die im Folio Verlag herausgekommene achtbändige Werk-Edition ab. Übersetzt und herausgegeben wurden die Bände von Peter Waterhouse (mit Ausnahme der von Hermann Fischer übersetzten Essays).
Missverstehen sollte man den Titel aber ,nicht, das Langgedicht zieht keinesfalls enttäuscht die Quersumme gelebter Jahre. Das Wort Nicht-Ereignisse bezieht Hamburger auf eine Welt außerhalb der Menschen, die von der manipulativen Sprache nicht erreicht und daher auch nicht als Ereignis gefeiert werden kann, „schau zum Grund und gründlich: rät der bewegliche Wind“.
Es ist eine weitestgehend unübersetzte Welt, die für sich noch keine Identität und keinen Fortschritt erfunden hat und die deshalb nicht nur leichter vergehen, sondern auch leichter wiederkehren kann. Sie beherbergt Flora und Fauna, Wind und Wetter – die Natur schlechthin, in die der Mensch trotz genmanipulativer Hilfestellungen mehr eingebunden lebt, als ihm lieb ist, und die ihm auf eine stille Weise weiterhin überlegen bleibt. Vergehen lösche hier nicht aus, sondern belasse die Dinge im Bereich des Potenziellen und der Latenz, heißt es in der Buchankündigung, weil in der Welt der Nicht-Ereignisse der Tod keinen Verlust an Identität, Selbstsein und Selbständigkeit mit sich bringe.

Wegbereiter Hölderlins in England
Aus dem hier aufscheinenden poetischen Ethos spricht keine Altersweisheit oder gar vorsichtig beginnende Abschiednahme. Schon als Dreißigjähriger bemerkte Hamburger während einer ltalienreise, dass er die Natur nötiger habe als die Kunst und dass er keine Gedichte über das Raffael-Bild in Castiglione oder andere Meisterwerke schreiben könne, sondern ausschließlich über die Fotos, mit denen die Lebenden das Bild der Toten bewahrten. Das sei der Punkt, an dem Kunst und Natur- menschliche Natur − sich träfen.
Hamburgers Gedichte sind in einer klaren Form geschrieben, denn er beobachtet. Ihn interessierten die Phänomene selbst, nicht die Gefühle, die sie in ihm auslösten und die er in seine Gedichte übertragen könnte, wie er in seinen Erinnerungen „Verlorener Einsatz“ schreibt.
Neben poetischen Arbeiten liegen von Michael Hamburger auch zahlreiche Übersetzungen vor. Ihm vor allem ist es zu verdanken, dass Hölderlin in England Verbreitung fand. Mit fünfzehn entdeckte Hamburger ihn in einer Anthologie. Unbeirrt von seinem Lehrer, der dem Schüler diesen „unbedeutenden Dichter“ ausreden wollte, legte Hamburger drei Jahre später dem damaligen Lektor des Faber & Faber Verlages, T. S. Eliot, erste Übersetzungen vor.
Eliot reagierte damals auf eine heute noch gebräuchliche Weise: Nach Beratungen und Rückfragen habe der Verlag beschlossen, dass er in Zeiten wie diesen für den Luxus eines solchen Buches das Papier nicht erübrigen könne. So Eliot, selbstDichter. Übersetzungen von Dichtung verkauften sich immer schlecht. Dieser erste Misserfolg hielt Hamburger keinesfalls davon ab, ein Leben lang weiterhin Hölderlin zu übersetzen. Ebenso übertrug er, zum Teil erstmalig Goethe, Rilke, Enzensberger, Eich, Huchel, Bobrowski, Celan und den vergessenen Dichter Franz Baermann Steiner ins Englische.

Der Wahlverwandte W. G. Sebalds
Begleite einen der Schatten Hölderlins ein Leben lang, weil man zwei Tage nach ihm Geburtstag habe? Sei es möglich, dass man sich in diesem Haus in Suffolk habe niederlassen müssen, nur weil im Garten das Geburtsjahr Hölderlins, 1770, auf einer Wasserpumpe stehe? „Wie kommt es, daß man in einem anderen Menschen sich selber und wenn nicht sich selber, so doch seinen Vorgänger sieht?“ fragt W. G. Sebald in seinem englischen Reisebericht „Die Ringe des Saturn“.
Auch Sebald sah in Hamburger einen Wahlverwandten. „Daß ich dreiunddreißig Jahre nach Michael zum ersten Mal durch den englischen Zoll gegangen bin, daß ich jetzt daran denke, meinen Lehrberuf aufzugeben, wie er es getan hat, daß er sich in Suffolk und ich mich in Norfolk mit dem Schreiben plage, daß wir beide den Sinn unserer Arbeit bezweifeln und daß wir beide an einer Alkoholallergie leiden, das ist nicht weiter verwunderlich. Aber warum ich gleich bei meinem ersten Besuch bei Michael den Eindruck gewann, als lebte ich oder als hätte ich gelebt in seinem Haus und zwar in allem geradeso wie er, das kann ich mir nicht erklären.“

Cornelia Jentzsch, Literaturen, März 2004

hum und tja und tja und hum

− Im Tagebuch der Nicht-Ereignisse inszeniert der deutsch-englische Dichter Michael Hamburger seine ganze Lebenserfahrung auf der Bühne eines Gartens: nicht als versöhnliche Naturlyrik, sondern als Weltentwurf voller Engagement. −

Sunshine on hoarfrost: one true winterday
After a whole year’s cloudburst.

Rauhreif im Sonnenlicht: ein wahrer Wintertag
Nach den Wolkenbrüchen eines Jahres, Orkan, Nieseln
Pfützen auf den Beeten, die trockengelegte Marsch ein Morast.

Advent ist Eventzeit: WELTWEITE WARNUNG
Wo die Flut steigt und schwimmt, Bäume umgestürzt liegen.

Apokalyptisch und mit elementarer Wucht beginnt das Tagebuch der Nicht-Ereignisse von Michael Hamburger. Der siebte Gedichtband des englischen Dichters und Übersetzers – von Peter Waterhouse bisweilen eigenwillig, mitunter ziemlich frei, was den Sinn betrifft aber immer sehr präzise, kurz: kongenial übersetzt – versammelt alle Themen seiner früheren Bücher: Traum, Erde, Baum, Jahreszeiten, Geschichte und Tod.
Der Beginn des Jahreszeitenzyklus, jeder Monat besteht aus drei bis maximal sieben Gedichten, knüpft an den vorletzten Band In einer kalten Jahreszeit an. Das Jahr beginnt im Dezember, zur Zeit der großen Zeitenwende, jedoch ohne alle messianische Erwartung und Heilsbotschaft, ohne Weihnachten, auch wenn das Gedicht in der längsten Nacht endet. Weltgeschichte, kosmologisch betrachtet, ist der Rahmen der Dichtung. In einer Zeit aber, in der es für Kammerdiener bekanntlich keine Helden mehr gibt, kann auch das Ereignis nur noch „event“ sein.
Ort des Geschehens ist das südenglische Suffolk, wo der 1924 in Deutschland geborene Michael Hamburger seit nunmehr 28 Jahren lebt. Der Rückzug auf den eigenen Garten, die scheinbare Pastorale mit Pflanzen und Tieren, die genaue Beschreibung von Jahreszeitenwandel und täglichem Wetter muten aufs Erste idyllisch an – tatsächlich handelt es sich nicht um den locus amoenus der abendländischen Lyrik, der sich längst in einen nicht nur totgesagten Park verwandelt hat, sondern um den dramatischen Schauplatz von Hamburgers „ganzer Lebenserfahrung“, um jene Bühne, auf der er „in unserer Ramschzeit“, wie er das 20. Jahrhundert charakterisiert, inszeniert.
Ein Nicht-Ereignis stellt in Hamburgers poetischer Umwertung aller Werte etwa der Kampfjet dar, der durch die Wolkendecke bricht; Nicht-Ereignis ist auch der 11. September, „die Verwandlung von Passagierflugzeugen in Bomben“, Ereignis – das wird so nicht gesagt – hingegen das Gedicht.
Die Wahrheit wird als Tagebuch ins Werk gesetzt. Der Januar lässt Tankwagen auftauchen – es muss Heizöl nachgefüllt werden; im Februar baumeln die ersten „zwei drei Schneeglöckchen, pudelnass“, allerdings strebt die „stinkige“ Natur mit „blättergrünen Blumen (…) nach Erfolg wie die geldgenötigten Politiker durch das Präsentieren nach Wachstum“.
Spätestens hier bemerkt der Leser, dass er sich nicht in die versöhnliche Naturlyrik eines alten Mannes verirrt hat, der nur noch seinen eigenen Garten bestellt, sondern sich mit einem lyrischen Weltentwurf voller Engagement konfrontiert sieht, der bei aller Wut und allem Spott die Genauigkeit der Beobachtung und Beschreibung nie außer Acht lässt.
Und wenn sich der Dichter selbst auch als „Pfleger von unverkäuflichem Obst“ bezeichnet – womit nicht seine Gedichte gemeint sind −, es gelingt ihm auf atemberaubende Weise, Wechsel von Jahreszeiten, Lichtschattierungen und Bewegungen des Windes derart zu verknüpfen, dass man regelrecht spürt, was hier in dieser Staffage sonst noch vor sich geht: wie es im März Fuchs und Hase gelingt, sich vor den Jägern zu retten, wie die Mehlschwalbe – im Mai schon müde – heranfliegt und ihr Nest baut; im Juni werden die Rosen besungen, die im Juli, ohne je bei ihrem Namen genannt zu werden, zu berauschender Entfaltung gelangen; der August ist eine Farbenekstase: „mit lastender Hitze kehrt / dieser Monat aus Blaurot ein, / Rein in Weiderich, / Anklang im Gänsefuß-Weiß, / fortlebendes Lila in wilden Geranien…“; im Oktober tauchen die Nebel auf; im November wird ein Apfelbaum verbrannt, die Flamme führt das Licht in den eigenen Schatten zurück. Das sanfte Gesetz ist jenes der Gewalt.
„Alles Schwere“, habe er in seinem Landschaftsgedicht geschrieben, sagt Hamburger, der sich als Ökologe versteht – nicht in einem parteipolitisch verengten Sinn, sondern als Beschützer einer ländlichen Lebensform, die er heute nicht nur im Rückzug, sondern einfach vom Verschwinden bedroht sieht. Wie es guter britischer Art entspricht, mangelt es ihm dabei auch nicht an Selbstironie, wenn er gegen sein eigenes Pathos dem Nachbarn die Stimme leiht: „Gibt auch helle Seiten, unbeschwerte.“ Der Dichter repliziert:

Ich schau nach links und rechts ins Land.
Zurück, voraus: ein Großbrand
Ist das einzig Helle das ich finde.
Soll ich sagen, wo er sich befindet?
Anbetrachtung macht mich stumm.
Ich sage hum und tja und tja und hum
Lächle angestrengt…

Das Schwere ist für Michael Hamburger bis heute nicht zuletzt auch die eigene Biografie: Mit den Eltern schon zu Beginn der 1930er-Jahre aus Hitlerdeutschland nach England geflohen, hat er mit seinem Treblinka-Gedicht („In einer kalten Jahreszeit“) nicht nur seiner Großmutter ein berührendes Denkmal gesetzt, sondern auch eines der bedeutendsten Holocaustgedichte überhaupt geschrieben.
Im „Tagebuch“ taucht im Monat April – wohl in Anspielung an das „april is the cruelest month“ seines Lehrers T.S. Eliot – eine „Versammlung von Juden sternlos inmitten des zerstörten Dresden“ im imaginären Garten auf – und Hamburger scheut sich auch nicht, das Geschichtsmotiv an die Gegenwart zu binden. „Auch hier hat Rassenhygiene, aus Gewinnsucht, / die Wehrlosen verurteilt / Zu sterben für die Reinheit, durch Metzger sterblich und nicht rein.“ Die Rede ist vom Verschwinden der Kühe auf den angrenzenden Weiden und von der Notschlachtung der Rinder wegen BSE.
Die mythologische Ebene, die Michael Hamburger hier erreicht, ist nicht die aus Altersfuror herrührende Unfähigkeit zur Unterscheidung, sondern gründet in der Überzeugung, dass sich der Dichter nach dem Jahrhundert der ideologischen Weltbürgerkriege einzig und allein einem Medium verpflichtet wissen darf: der Sprache. Keiner Rhetorik, keinen dialektischen Tricks, keiner Ideologie. Das führt Hamburger seit seiner ersten Buchveröffentlichung vor, einer Übersetzung von Friedrich Hölderlin just im Kriegsjahr 1943; überdies ist er der bis heute maßgebliche Übersetzer von Paul Celan ins Englische.
Allein Sprache ist der Ort der Freiheit: „Für einen Dichter ist die Sprache alles, was je gewesen ist und noch werden kann.“ Vor allem geht es laut Hamburger aber um eine Sprache, die „unmittelbar und dringlich ist und nicht zur Schau stellt.“ In dieser Sprache lagert sich die Zeit ab und mit ihr das Ereignis. Hamburger braucht für dessen Darstellung keine experimentellen oder wie auch immer gearteten stilistischen Tricks, auch keine Metaphysik, die für ihn allein in Gestalt der so genannten „metaphysical poets“ Bestand hat, jener englischen Dichter aus dem 17. Jahrhundert, deren berühmtestem Vertreter, John Donne, Hamburger seinen ersten englisch geschriebenen Essay einst widmete.
John Donnes „stand still, an I will tell to Thee, a lecture upon love about love’s philosophie“ könnte denn auch als Motto über dem Tagebuch der Nicht-Ereignisse stehen. Erst im Moment des Stillstandes wird, wer genau hinhört und genau liest, verstehen, was mit dieser kryptischen Liebeserklärung gemeint ist: „Im Gleißen begegnen der Nacht, / Das Licht empfängt ihr Verschatten.“ Eine Liebeserklärung an die Welt, die er am Morgen intoniert: „Sunshine on hoarfrost: one true winterday…“

Erich Klein, Falter, 21.7.2004

 

W.G. Sebald besucht Michael Hamburger. Ein Text aus dem W.G. Sebald-Forum für den ausgewanderten Schriftsteller, Wanderer, Germanisten, Autor des Elementargedichts „Nach der Natur“ und  weiterer Werke. Eingerichtet von Christian Wirth.

 

Fakten und Vermutungen zum Übersetzer + KLG
Porträtgalerie: Autorenarchiv Isolde Ohlbaum + Galerie Foto Gezett +
Dirk Skiba Autorenporträts
shi 詩 yan 言 kou 口

 

Bild von Juliane Duda mit den Übermalungen von C.M.P. Schleime und den Texten von Andreas Koziol aus seinem Bestiarium Literaricum. Hier „Der Waterhouse“.

 

Beitragsbild von Juliane Duda zu Richard Pietraß: Dichterleben – Peter Waterhouse

 

Peter Waterhouse liest beim Tanz um das goldene Nilpferd am 10.3.2012 im Klagenfurter Ensemble.

Fakten und Vermutungen zum Autor + KLfGIMDb +
DAS&D + Johann-Heinrich-Voß-Preis
Porträtgalerie: Autorenarchiv Isolde Ohlbaum + Galerie Foto Gezett
Nachrufe auf Michael Hamburger: P.E.N. ✝ Die Zeit

 

 

Beitragsbild von Juliane Duda zu Richard Pietraß: Dichterleben – Michael Hamburger

 

Michael Hamburger – Ein englischer Dichter aus Deutschland.

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