Michael Krüger: Umstellung der Zeit

Krüger-Umstellung der Zeit

ÜBERSETZEN

Mein Nachbar übersetzt
persische Gedichte,
Ghaselen, als sei nicht
schon alles gesagt.
Manchmal höre ich
ihn schreien, wenn ihm,
vom Versmaß befreit,
deutsche Worte fehlen
für Gott

*

Wenn er am Ende ist,
ruft er an.
Er will hören, nicht lesen.
Was könnte, fragt er, in den
„Sieben Städten der Liebe“
passiert sein?
Von einer Zensur
will er nichts wissen.

Gott hat zu viel geschrieben,
damit legt er auf.

 

 

 

Zum siebzigsten Geburtstag: hundert neue Gedichte

Nach Kurz vor dem Gewitter (2003), Unter freiem Himmel (2007) und Ins Reine (2010) erscheint, rechtzeitig zum siebzigsten Geburtstag Michael Krügers, der neue Band seiner poetisch-lyrischen Naturerkundungen. Es sind Gedichte, die, mit einer Mischung aus Staunen und Reflexion, den Blick auf unsere Lebensverhältnisse richten – hundert Versuche, das zentrifugale Geschehen ohne große Worte, so lapidar wie möglich, zusammenzufassen, um zu einem wie immer flüchtigen Bild von der Welt zu kommen.

Suhrkamp Verlag, Ankündigung

 

Das hilfsbereite Herz der Wörter

– „Alles zittert. Und Gott zittert auch.“ – Hundert neue Gedichte von Michael Krüger. –

Das lyrische Ich hat keinen Schreibtisch. Wenn Michael Krüger einem Gedicht den Titel „Mein Schreibtisch in Allmannshausen“ gibt – es ist das erste im neuen Gedichtband Umstellung der Zeit –, dann lenkt er unsere Aufmerksamkeit auf ein Grundproblem des lyrischen Sprechens und auf seine Doppelrolle als lyrisches Ich und biografische Person. Sein ernstes Spiel mit dem Ich ist nicht nur kunstvoll, es ist auch intellektuell spannend, und oft genug macht es betroffen.
Auch in den sieben ersten Versen dieses Gedichts ist das biografische Ich eine Art Maske für das lyrische: „im Haus nebenan“ habe einst Mussolinis Außenminister gewohnt, „ein Haus weiter Hitlers Lieblingsdichter Hanns Johst“; ansonsten sind Kühe, Eichhörnchen, Pferde zu sehen und die Autobahn zu hören, aber dann ist da plötzlich so etwas wie eine andere Stimme, die sagt: „Man wird nicht angehalten, dem Menschen Gutes zu unterstellen.“ Und wenn nach diesem Einwurf die erste Stimme wieder ertönt, spricht sie eine phantasmagorische Reflexion des Ich:

Wenn die Sonne sinkt, sehe ich mich
im Fenster, aber natürlich können auch Spiegel irren.

Diese beiden Verse gehören gewiss zur Szene des Dichters am Schreibtisch, sie bilden aber auch eine Pointe, die allein stehen könnte, außerhalb ihres Kontextes – wie Tausende Geistesblitze, Aphorismen, Sentenzen in der Prosa von Ramón Gómez de la Serna (1888–1963), dem spanischen Avantgardisten, von dem Michael Krüger das Motto entlehnt hat, das diesem Gedicht unmittelbar vorausgeht.
Ganz im Geiste seines Zeitalters faszinierten den angehenden Surrealisten das Absurde oder auch nur das Überraschende, Schockierende in ganz kurzen Texten, für die er eine neue Gattung postulierte, die Greguería. Abgeleitet vom Adjektiv „griego“, nicht im Sinne von „griechisch“, sondern von „fremd und unverständlich“, soll sie Humor und Metapher mischen. Das Motto ist zwar keine spektakuläre Greguería („Die Vernunft trägt immer Trauer“), aber es weist in die Richtung, in die Michael Krüger seine Leserinnen und Leser führen möchte. Seine „Greguerías“, wenn wir sie denn so nennen wollen, sind zurückhaltend, ohne den intellektuell auftrumpfenden Ton der Prosa des Avantgardisten, immer auch geheimnisvoll – und in Versen.
Auch aus dem Zusammenhang gelöst repräsentieren sie noch das Ganze einer poetischen Botschaft, die sich durch alle hundert Gedichte hindurchschlängelt:

Alles zittert.
Und Gott zittert auch.

Es ist dies die letzte, ganz kurze Strophe des Gedichts „Lichtung“, das den Band, beschließt. Es spricht vom „Drama der Blätter“, „wenn sie fallen“, denn „Blätter beweinen die Toten.“ Das Licht macht in den Gedichten Michael Krügers vor allem den Schatten sichtbar, genauer gesagt das Dunkel, welches unser Leben einrahmt, und noch genauer gesagt, den Tod.
Diese genau hundert Gedichte bilden nach Kurz vor dem Gewitter (2003), Unter freiem Himmel (2007) und Ins Reine (2010) einen vierten Band in der gleichen schönen Ausstattung. Die Gedichte sind auf vier Kapitel verteilt, diesmal ohne Kapitelüberschriften. Nur die Motti laden ein, nach einem Zusammenhang zu suchen. In der ersten Abteilung greifen mehrere Gedichte auf Erinnerungen zurück, sprechen mit der Stimme des Alters: „Ein Wort fällt mir ein: Lupinen, / es führt mich zurück in die Kindheit“, „Erinnerung an die Schule“, „Klassentreffen“. Das „Fotoalbum“ zeigt kein Idyll, sondern beispielsweise Herrn Rohde „mit dem starren Blick / eines Kutschers, er sprang aus dem Fenster“. Dann unvermittelt: „Unika Zürn“: ja, auch sie, die Künstlerin und Dichterin von Anagrammen, sprang in Paris aus dem Fenster, mit 54 Jahren, am 19. Oktober 1970.
Die zweite Abteilung steht unter dem Motto eines Bantu-Sprichworts: „Wer den Weg tötet, der tötet auch den Wanderer“ und enthält vorwiegend Gedichte mit Eindrücken von Reisen – freilich in Schattenreiche, wie zum Beispiel Russland: „ein selbstsüchtiges Licht, / in dem nur Tote lesen können“ – und ganz selten einmal so etwas wie Humor für eine Postkarten-Greguería aus Indien:

Am Sonntag, nach dem Frühstück,
regeln heilige Kühe den Verkehr
vor dem Palast der Winde.
Sie schweigen Sanskrit.

Die dritte Abteilung zitiert ein Motto aus Alfred Brehms Reisen im Sudan:

Von jedem Hügel aus hofften wir den Strom zu erblicken: wir hofften immer vergebens.

Vielleicht könnte hier die Überschrift wie in einem früheren Bändchen Im Gespräch mit den Freunden heißen. Da gibt es eine Gratulation zu Handkes Siebzigstem, Gedenken an Nicolas Born, Claude Simon, Zev Birger. Es erscheint ihm Czeslaw Milosz:

und ich sah mich, mitten in Venedig,
auf einer Bank sitzen, die für den Tod
reserviert war…

„Man sah ihm den Tod nicht an, / wie er so dastand und Gedichte aufsagte.“ Die vierte Abteilung zitiert wieder eine Greguería, aber diesmal von dem slowenischen Dichter Aleš Šteger:

Es war das Jahr, in dem sie das Ministerium für Wetter auflösten.

Wetter und Natur haben hier tatsächlich oft das Wort. Einmal, wie in einem schönen Traum, verläuft der Tod sich im Schnee:

Wir lieben den Schnee,
wenn die Wege aussehen wie die Ränder
von Traueranzeigen. Großspurig
läuft der Tod dem Leben davon,
schon ist er im Weiß verschwunden.

Amsel, Apfelbaum, Garten, Fenster, Krähen, Vögel überhaupt, Wind und Sturm, Bäume, Lupinen und Knöterich: In Krügers Gedichten ist in vielen Jahren ein Vorrat eigener poetischer Motive entstanden. Sie bleiben in der Wirklichkeit verwurzelt und sind auch nach wiederholtem Gebrauch keine Chiffren mit festgelegter geheimer Bedeutung geworden. Freilich sind sie immer wieder die Quelle von Aussagen über die Unausweichlichkeit des Todes und, ja, die Genugtuung, ihm ins Auge zu blicken. Der Tod tritt dabei kaum je persönlich auf, er wird projiziert in „die Toten“.
Die Natur lässt sie ungerührt verwesen und verschwinden, allein im Geiste der Lebenden gibt es sie noch, und dass es sie noch gibt, ist unheimlich: einzeln und beinahe glücklich wie Czeslaw Milosz in Venedig, ungezählt und anonym trotz jenen Mathematikers’ von dem ein Taxifahrer in Erfurt erzählte, „45 gestorben, / der wusste die Zahl / aller Toten auf Erden.“ Es lässt sich aber nichts über die Toten sagen, ohne sie lebendig zu machen. Die Schattenwelt der Antike, Himmel, Fegefeuer und Hölle, der Makabertanz des Mittelalters stehen uns näher, als wir zugeben wollen im herbstlichen Strandcafé:

auf den schon angeketteten Stühlen
sitzen die Toten und trinken Wein
auf unsere Kosten.

Ein Gedicht erscheint uns wie die Quintessenz der Poetik dieses Dichters. Es heißt „Die Amsel“ und berichtet, wie der Sturm die Apfelbäume fleddert und eine Amsel gegen das Fenster schleudert:

Die Scheibe zittert leicht vom Aufprall,
dann fällt der Vogel. Was kann ich tun?
Ihr Totenhemd, das schwarze… ist jetzt befleckt.
Auch das Papier, auf dem ich klären wollte,
wer ich bin, hat sich nun eingeschwärzt
und liegt, in Leichenstarre, vor mir,
nicht zu gebrauchen für ein Liebeslied.

Der Schlussvers macht das Gedicht immun gegen alle Betulichkeit, die hier durchsickern könnte. Und plötzlich fällt auf, dass unter den hundert Gedichten kein Liebeslied zu finden ist und im vorigen Band unter „Alter Taschenkalender 1966“ stand: „Versuche, ein Liebesgedicht zu schreiben, / aufgegeben“, und im vorletzten „Das Wort Liebe lernte ich auswendig, / um es nicht gebrauchen zu müssen.“
Nur in einem Gedicht mit dem Titel „Dämmern“, in dem vom Abschied die Rede ist, heißt es:

ein letztes Schiff fährt vorbei,
an Bord werden Schlager gesungen
über eine Liebe, die nicht vergeht.

Wer sich in die poetische Welt Michael Krügers vertieft, wird eine Liebe spüren, die sich in jedem Gedicht erneuert und sich auch in jenem letzten Gedicht „Lichtung“ ausspricht, das mit dem Zittern Gottes schließt:

Die kommende Welt,
durchs böse Auge gesehen,
nimmt ihren Anfang
im hilfsbereiten Herzen der Wörter.

Michael Krügers Gedichte sprechen nicht von der Liebe, aber ihre untröstliche Schönheit, ihre Noblesse und ihren Ernst kann man lieben, und sie verdienen es.

Hans-Herbert Räkel, Süddeutsche Zeitung, 29.10.2013

Umstellung der Zeit von Michael Krüger

Es geht um die Grundwasserkrebse,
winzige Tiere mit Dornen und Borsten,
die das limnische Mesopsammal bewohnen,
das Ufergeröll aus Kiesel und Sand

(Michael Krüger: „Alte Brunnen“)

Was sagt der Heilige Augustinus nochmal gleich über die Zeit?

Wenn mich keiner danach fragt, so weiß ich, was es ist; sooft ich es jedoch einem Fragenden explizieren will, weiß ich es nicht.

Niemand hat Michael Krüger nach der Zeit gefragt. Gleichwohl funkelt in den Gedichten von Umstellung der Zeit (Suhrkamp Verlag, Berlin 2013) ständig dieses äußerst verwickelte Rätsel oder „inplicatissimum aenigma“, wie es Augustinus bezeichnete. Der scheidende Hanser-Chef allerdings gibt keine Antworten. Vielmehr umstellt er das Rätsel mit Bildern seiner eigenen Verwunderung:

Was wir, nach langem Grübeln,
die Dichte des Lebens nennen,
stellt das Wort in Frage,
die Sprache versagt.
Die Dichte ist wortlos

(Michael Krüger: „Der letzte Tag im August“).

Lebenszeit, geschöpfliche Zeit – Zeit, die je nach Kreatur länger oder kürzer ist, markiert jeweils eine sanfte Zäsur im Fortgang der Endlichkeit – Hölderlin nannte es die Weltalter. Krüger drückt es im Modus des Staunens aus:

Es dauert lange, bis man wirklich begreift,
dass einen die Bäume überleben,
der Falter dagegen, trotz seiner Schönheit, nicht

(Michael Krüger: „Bei Münsing“).

Was ist die Dichte des Lebens schon, wenn die Spanne der Lebenszeit jeglicher Kreatur anders ausfällt? Eine wortlose Fülle, die einfachhin verpufft, irgendwann im Ungesagten? Ist die Lebenszeit eine einzige Schaumblase, die auf dem Strom der Zeit dahintreibt, oder ist die Lebenszeit in sich segmentiert, von Phasen, Brüchen und Umstellungen geprägt? Und schließlich: Wie diesem Dahinplätschern und Wandel der erfahrenen Zeit einen Ausdruck geben?

 In den Gedichten Michael Krügers wird die Problematik der Zeit besonders an den Rändern und Falten der Lebensdichte greifbar. Denn das eigentliche Problem besteht in der trüben Undeutlichkeit der zeitgebundenen Erfahrung.

Jetzt sieht man die feinen Risse
im Schatten und dort,
wo der Bach sich in den See wühlt,
dass es braun aufschäumt
verliert der Tag sein helles Gemüt.
(…)
Jetzt sieht man den Weg aufleuchten,
der ins Dorf führt,
in jeder Fußspur lauert der Abschied.

(Michael Krüger: „Dämmern“).

Was zunächst daher kommt als Memento mori, ist vielmehr die Signatur der Zeitlichkeit selbst. Am stehenden „Jetzt“ der Gegenwart wird alles trüb: Die Vergangenheit (memoria) und das Kommende (expectatio) vermischen sich im vergegenwärtigenden Bewusstsein solchermaßen, dass keine eindeutige Bestimmung des eingangs konstatierten „Jetzt“ möglich scheint. Wir erleben hier Bilder am Schnittpunkt von Stasis und Kinesis. Dort, wo „Fluss“ und der „See“ kontrapunktisch zueinander gestellt sind, dort wird sodann ein zweites „Jetzt“ möglich – nämlich am Jetzt des Weges. Doch auch der Weg ist gezeichnet von einer ambivalenten Richtung, die einerseits „ins Dorf führt“ doch sogleich die Insignien des „Abschiedes“ trägt, also andererseits auch wieder von dem Dorf wegführt. Was ist dieses Dorf überhaupt? Ist es die langgesuchte Heimat, also ein Ithaka des Heimkehrers? Oder ist es ein Dorf der Sehnsucht, also eine Schatzinsel, die nach langem Suchen erreicht wird? Und selbst, wenn es eines dieser beiden Typen von Dorf wäre, warum ist der Weg dorthin so voll von Abschied?
Was Umstellung der Zeit so kraftvoll macht, sind nicht nur einzelne Passagen und Gedichte, sondern ein kompositorisches Arrangement, welches den Leser von Deckel zu Deckel zu neuen Zeitaporien führt, und ihn zugleich auch an einer bemerkenswerten Konsistenz an wiederkehrenden Motiven teilnehmen lässt. Die Leitmotivik gewinnt Krüger aus dem Bereich des Elementaren: Vögel, Steine, der Wind, Bäume, der Bach, das Eichhörnchen. Die Elementarität dieser Naturbilder jedoch ist aufgeladen mit der Ambivalenz des Symbols. Und was macht ein Symbol anderes, als dass es zu denken gibt?

Der Apfelbaum als Zeitparadigma
Verfolgen wir nun Passagen aus sechs Gedichten, die sich in Umstellung der Zeit verstreut befinden. Ich behaupte keineswegs, dass diese Wiederholungen eine intendierte Sinnrichtung aufweisen. Sie können zufällig sein. Ich beziehe die Texte in meiner Lektüre aber aufeinander, indem ich sie so lese. Ich denke, Michael Krügers Lyrikband ist deshalb so faszinierend, weil er im Gesamtarrangement einen Resonanzraum aufbaut, der Texte, die sich in ihm befinden, aufeinander verweist. Exemplarisch möchte ich das Motiv des Apfelbaums anschauen und in sechs Gedichten verfolgen. Der Apfelbaum steht zunächst im Singular, meint daher vielleicht den Apfelbaum; bald kennt er aber auch eine Pluralität.
Beginnen wir mit der ersten Erwähnung des Apfelbaums in Krügers Band:

(…) Übrigens
auch der Apfelbaum, der wie ich
im Krieg das Licht der Welt erblickt hat,
beginnt wieder zu blühen

(Michael Krüger: „Postkarte, Mai 2012“).

Wir bezeugen eine beiläufige Identifikation von lyrischem Ich und dem Bild des Apfelbaums. Offenbar konnte der Baum einige Zeit hindurch keine Früchte tragen, da er blütenlos blieb. Zehn Seiten weiter heißt es dann:

Der Apfelbaum trägt schwer
an seiner Last, bald wird er
die Früchte ins Gras werfen,
weil ich sie nicht pflücke

(Michael Krüger: „Der letzte Tag im August“).

Gleichwohl ist auch die Frucht keine leichte Kost, da der Baum schwer an ihr trägt. Sie wird nicht gepflückt, was bedeutet, sie kann fallen und zum Ursprung eines neuen Apfelbaums werden. Infolgedessen schließt das Gedicht mit den Versen:

und jetzt liegt der Apfel beim Stamm

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Vielleicht ist zu befürchten, dass sich der kriegsbedingte Zyklus von Zeugungsunfähigkeit und Fruchtbarkeit, den wir aus dem vorherigen Gedicht kennen, wiederholen könnte. Im dritten Apfelbaum-Gedicht heißt es nun:

Lieber Gott oder
wer immer sich zuständig fühlt
für den Hunger, nimm diese Äpfel
zu dir, sie gehören ins Licht

(Michael Krüger: „Alter Mann unterm Apfelbaum I“).

Auf die Schuld, die die Bücher der Zeit füllen, komme ich später zu sprechen. Zunächst möchte ich den Blick auf das semantische Feld richten, das von Gemarkungen der Worte „Schuld“ – „Gott“ – „Hunger“ – „Äpfel“ abgesteckt wird. Wir sind plötzlich im Terrain der Urerzählung der Schuld: dem Paradiesgarten und dem Baum der Erkenntnis. Dazu passt auch das Bild des Mangels, das im „Hunger“ gegeben ist. Ist mit dem Apfelbaum tatsächlich auch auf den verbotenen Baum im Paradies angespielt? Stellen wir uns dies einfach vor. Und ist – von der Schuld hergedacht – nicht die Folgerung, die sich jetzt ziehen lässt, wunderbar, dass der nach den Kriegstraumata neu erblühende Baum seine Früchte hingibt jenem, dem „sie gehören“, nämlich „ins Licht“? Dieser wundervolle Gedanke wird noch radikalisiert, wie wir gleich sehen werden:

Alles wurde erforscht,
nur die Systematik der Obstbäume
fand vor ihm keinen Homer.
Mein Apfelbaum
trägt wieder Früchte, und alle
sind ungenießbar und schön

(Michael Krüger: „Diel“).

Repoetisierung der natürlichen Welt
Ja, sicher, dass August Friedrich Adrian Diel (1756–1839) eine botanische Systematik der Kernobstsorten entworfen hat, macht uns nicht traurig. Wir befinden uns mit diesem Gedicht im Zeitalter der naturwissenschaftlichen Sprachverwirrung, nämlich bei Carl von Linné. Krügers Gedicht ironisiert jene Nomenklaturen, die die heutige Beschreibungssprache der Biologie prägen. Doch Krüger bringt den Apfelbaum in Stellung gegen die Birnensorten, die nach Diel benannt worden sind. Dieses von Krüger erarbeitete Symbol für Sünde und Erlösung wird jetzt zum Moment einer Repoetisierung der natürlichen Welt. Wir sind Ästheten – unsere Früchte sind „ungenießbar und schön“. Während das Gedicht Diel die biologische Sprachnormierung für Lebewesen in Spannung zu Homer bringt, wird plötzlich auch die Reichweite der beiden Diskursformen kritisch befragt. Welche Sprache wird dem Phänomen am gerechtesten? Wie lässt sich ein interpretationsbedürftiges Phänomen – wie die Schuld – am facettenreichsten zur Sprache bringen? Um welche Sprache sollten wir kämpfen? Im Modus dessen, was der Apfelbaum symbolisch verdichtet und zum Ausdruck bringt, können wir eine Sinnrichtung ablesen, die darauf abzielt ein möglichst volles Bild der Wirklichkeit ins Werk zu setzen. Die Poesie versucht das Ganze expressiv zu machen. Ein Anspruch, dem sie nie gerecht wird, der aber immer wieder neu versucht werden muss. Letztlich brauchen wir dafür eine

(…) unausrottbare Liebe zu Apfelbäumen,
die Geschichtsschreibung der Wolken

(Michael Krüger: „Spiegel“).

Allerdings ist das, was mit diesem Symbol gemeint ist, in der Logik von Umstellung der Zeit von endlicher Natur. Es ist vollkommen diesseitig; es wird irgendwann untergehen; und hat darin seine stille Größe. Aber ein bisschen Zeit ist noch.

Noch hängen Äpfel an den kahlen Ästen,
die hat der Frost verschont, als er,
von Süden kommend, über Nacht
mit einem rauhen Biss das Land versiegelte,

(…)
Ich stand und schaute, bis ich nichts mehr sah,
was sich mit diesen armen Äpfeln messen konnte

(Michael Krüger: „Arme Äpfel im Februar“).

Zum Schluss eine erneute Hinwendung zum Subjekt, das uns jetzt im Drama seiner produktiven Kontingenz deutlich wird als Maß aller Dinge, das aber zugleich als „arm“ zu bedauern ist. Man schaut es an, bis man nichts anderes mehr sieht. Es saugt alle Aufmerksamkeit in sich auf und verlangt nach Anschauung. Sein Tod ist aber zugleich selbstgemacht. Es ist der Frost, der mit dem Schnee kommt, den das erwähnte „Herz“ sich selbst „erträumte“. Wir haben es also mit einer Prägung der Zeit zu tun, die durch eine elementare Erfahrung gezeichnet wird. Ihr repräsentierendes Medium ist das Gedicht, sodass ich zum Schluss auf das Verhältnis von Zeit und Sprache auf Basis Michael Krügers Gedichte eingehen möchte.

Sign und Zeit
Das Zeichen, das mit der Dichtung hervorgebracht wird, ist als Stimme immer nur sequenziell ausdrückbar, sodass es immer schon temporal verfasst ist. Umstellung der Zeit ist mit zahlreichen Retrospektiven des biographischen Ichs gespickt. In den Gedichten begegnen wir Verortungen, die z.B. in New York, Istanbul, Boston, Indien oder Russland angesiedelt sind, aber auch personale Begegnungen, z.B. Claude Simon, Czesław Miłosz oder Nicolas Born. Diese biographischen Blitzlichter möchte ich im Zusammenhang mit wiederkehrenden Reflektionen über die Verdichtung biographischer Zeit lesen und besprechen.

Ein langer unruhiger Fluss,
eine unsichere Tinte,
müde der Töne und ausgelaugt,
und die leichten Schritte,
den alten Wörtern gemäß.

(…)
Was soll man schreiben,
um dem Leben zu entgehen

(Michael Krüger: „Spazierengehen, leicht bewegt“).

Den leeren Büchern ist die „unsichere Tinte“ ein Gegenüber. Die Wörter sind durch die Lebenszeit „alt“. Ihre Schwärze sammelt sich im dunklen Wasser des Sees, darin sich die Bäume spiegeln. Schreiben ist mit dem Hilfsverb „sollen“ gestimmt, hat also möglicherweise eine ethische Sinnrichtung. Während das Leben aber auch von Abgründen gezeichnet ist (wovon das erste Gedicht, „Mein Schreibtisch in Allmannshausen“, im Hinblick auf den Nazismus handelt), ermöglicht das Schreiben hier offenbar einen Ausweg („entgehen“). Allerdings ist das Schreiben selbst nicht unproblematisch, denn

Das Papier dunkelt ein,
und die treulosen Buchstaben
können Himmel und Erde
nicht auseinanderhalten

(Michael Krüger: „Nachts auf der Terrasse“).

Jegliche Vergegenwärtigung der Vergangenheit ist dem Vergessen ausgesetzt, aber auch der Fälschung. Schon die Auffindung des eigenen Namens ist schwer, wie es in Waldspaziergang heißt. Wie könnten unter solchen Umständen dann die Buchstaben schon Ewigkeit und Endlichkeit auseinanderhalten? Somit wird das Gedicht zu einem verzweifelten Unternehmen, das immer dem hinterher eilt, das ihm entgeht. Selbst die lichten Momente halten nicht lange genug an:

Jeder kennt den Moment,
da man auf die Lichtung tritt
und die Hasen,
nach einer Sekunde des Zögerns,
im Unterholz verschwinden.
Es gibt kein Wort,
das sie aufhalten könnte

(Michael Krüger: „Wie Gedichte entstehen“).

Auf der Lichtung ist Klarheit, ist das Dichte des Lebens augenblicklich gelichtet; aber kaum ist die Zeit der Einsicht umstellt oder gestellt, sieht man nur ihr kurzes Zögern bis sie forthuscht in der Verborgenheit des „Unterholzes“. Folglich sind die weißen Bücher nur solange unschuldig, bis sie in Berührung mit der schwarzen Tinte geraten und sodann das Papier, wie es oben heißt, „eindunkeln“.
Es ist dieses Paradox, das die Erfahrung der Zeit und der Suche nach schreibender Klarheit gegeneinander ausspielt, sodass letztlich nur „warten“ hilft, auf die lichten Momente. Diese geschehen meist in Phasenverschiebungen, während eines paradigmatischen Wechsels, eines Umbruchs oder einer Umstellung der Lebensgewohnheiten:

Ich warte eine Stunde
auf die Umstellung
der Zeit

(Michael Krüger: „Kein Haiku“).

Natürlich will man keineswegs die in Umstellung der Zeit versammelten Texte auf die Thematik der Zeit beschränken. Was ich hier vorgetragen habe, ist ein Vorschlag zur Zugangsweise. Dieser Vorschlag ist gewiss von meinen Lesegewohnheiten geprägt. Es ist ein möglicher Zugang unter vielen und beansprucht keineswegs mehr zu sein. Sicher aber ist: Es wartet eine Fülle an weiteren Motiven. Zahlreiche weitere Entdeckungen sind in diesem Band zu machen. So sind beispielsweise auch explizit gesellschaftskritische Texte darin zu finden (etwa „Linsen in New York“ oder „Schnee“). Gleichwohl führen die Gedichte einen äußerst sinnlichen Ansatz an die Naturlyrik vor. Ich denke, Michael Krügers Umstellung der Zeit sollte in keiner anspruchsvollen Lyrikbibliothek fehlen und garantiert eine ästhetische Leseerfahrung, die die Frage des Menschseins in einer solchen Würde ausleuchtet wie wenig vergleichbare Lyrikbände dies tun. Das ist eine ganz große Leistung für unsere Zeit.

Paul-Henri Campbell, dasgedichtblog.de, 9.12.2013

In jeder Fußspur lauert der Abschied

Bloß kein Tamtam: Der große Verleger Michael Krüger hört zum Jahresende bei Hanser auf. Vorher schenkt er uns Umstellung der Zeit – einen Band mit wunderbaren Gedankengedichten. Und er erfindet ein neues lyrisches Genre. –

Umstellung der Zeit? Wer Michael Krüger als Chef des Hauses Hanser kennt, das er in den fünfundvierzig Jahren seiner Tätigkeit zum führenden belletristischen Verlag in Deutschland gemacht hat, könnte den Titel seines neuen Gedichtbandes zunächst als einen nicht einmal sehr versteckten Hinweis auf seinen bevorstehenden Abschied vom Verlagsgeschäft lesen: Zum Ende des Jahres übergibt Michael Krüger, der am Montag siebzig Jahre alt wird, die Leitung des Verlags an Jo Lendle. Er selbst wird sich verstärkt dem Amt des Präsidenten der Bayerischen Akademie der Schönen Künste zuwenden, das man ihm kürzlich übertragen hat. Eine „Umstellung der Zeit“ also gleich in mehrfacher Hinsicht, könnte man meinen: Umstellung vom Berufsleben auf das Rentnerdasein, eine neue Zeiteinteilung, eine Konzentration auf künftige Aufgaben.
Ganz falsch kombiniert? Oder doch nicht so ganz verkehrt gemutmaßt? Das kurze Gedicht „Kein Haiku“, aus dem der Titel von Michael Krügers neuem Gedichtband stammt, geht so:

Eine tote Amsel
vor meinem Fenster.

Ich warte eine Stunde
auf die Umstellung
der Zeit.

Entschleunigung eines Rastlosen
Gemeint ist also die Zeitumstellung, die zur effektiveren Nutzung des Tageslichts eingerichtet wurde. Wenn man den genauen Zeitpunkt dieser Umstellung abpasst, kann man erleben, wie eine Stunde verlorengeht (Sommerzeit) oder wie sie sich verdoppelt (Winterzeit). „Für die „tote Amsel / vor meinem Fenster“ ist diese Zeitumstellung irrelevant – Tote haben keine Zeit –, nicht jedoch für das Ich dieses Gedichts. Es leistet sich angesichts des Todes der Amsel vor seinem Fenster den Luxus, eine ganze Stunde seiner Lebenszeit aufs Warten darauf zu verwenden, dass sich die Zeit verflüchtigt oder wiederkehrt, verschwindet oder bleibt.

Man muss kein angehender Pensionär sein, um sich Gedanken dieser Art über die Zeit zu machen. Aber es überrascht denn doch, dass sie ausgerechnet den Michael Krüger beschäftigen, den wir als rast- und ruhelosen Bücherherrn zu kennen glauben, Tag und Nacht befasst mit Lektüre, mit den Herausforderungen des digitalen Zeitalters, der Buchpreisbindung, des Urheberrechts, der Konzentration im Verlagswesen und im Buchhandel, wenn er nicht gerade weltweit an Jurysitzungen teilnimmt, Preis-, Jubiläums- und Gedenkreden vorbereitet und vorträgt, Buchmessen und Ausstellungen eröffnet, Bücher herausgibt, Vor- und Nachworte verfasst, die Zeitschrift Akzente redigiert, Konferenzen, Vorlesungen hält – woher, um alles in der Welt, nimmt dieser Mensch bloß die Zeit, über die Zeit nachzudenken und Gedichte zu schreiben über Amseln und Ameisen, über Äpfel und Birken, Krähen, Lupinen und über den Sand im Negev, „der meine Spur nicht halten kann“.

Antwort auf Nora Bossong
Sollte der Sand das denn tun? „In jeder Fußspur lauert der Abschied“, heißt es einmal. Michael Krügers neuer Gedichtband entfaltet, unumwunden gesagt, ein einziges hinreißendes Abschiedsszenario aus exakt hundert Gedichten: Es gibt kein großes Tamtam beim Abschied, aber doch eine entschiedene Trennung, einen letzten Schnitt, ausgeführt sogar mit der bedeutungsvollen Sense:

Die Möglichkeiten, Abschied zu nehmen,
werden geringer, also muß das Gras
dran glauben, das unbekümmerte Gras?
dieser Schnitt wird sich nicht wiederholen

liest man da oder anlässlich des Todes einer Birke, die am Pilz und am Schwamm eingeht:

So stelle ich mir den Abschied vor,
die kleinen Untergänge vor der Zeit

Auch die Amsel „vor meinem Fenster“ aus dem erwähnten Gedicht „Kein Haiku“ dürfte, ihr selbst unbewusst, „vor der Zeit“ gestorben sein. Ein zweites Gedicht, „Die Amsel“, beschreibt die näheren Umstände ihres Untergangs: Sie prallt gegen das Fenster und fällt tot hin. „Was kann ich tun?“

Ihr Totenhemd (…) ist jetzt befleckt.
Auch das Papier, auf dem ich klären wollte,
wer ich bin, hat sich nun eingeschwärzt
und liegt, in Leichenstarre, vor mir,
nicht zu gebrauchen für ein Liebeslied.

Das könnte so etwas wie eine Antwort auf Nora Bossongs Gedicht „Leichtes Gefieder“ sein, in dem der tödliche Anprall des Vogels (bei ihr ist es eine Krähe) gegen das Fenster ebenfalls zu einer Absage an das Liebeslied führt.

Die Natur leistet ihren Beitrag
Veritable Liebeslieder, innig und vielleicht gar noch gereimt, finden sich in Michael Krügers Gedichtband nicht. Er schreibt Gedankengedichte in verständlicher, gebildeter Sprache, anstrengungslos, locker gefügt, leicht hingesagt, wie es scheint; sie verzichten auf den Reim, auf artistische Spielereien und auf Buchstabenakrobatik, sogar die Strophenbildung ist selten; „bis an den Rand gefüllt mit Zweifel“, wenden sie sich dem Fragwürdigen und Unbegreiflichen zu, sagen beiläufig Abgründiges und münden nicht selten pointiert in Widersprüche oder Ausweglosigkeiten ein. So beispielsweise in dem Gedicht „Überholt“:

Es ist beruhigend, in alten Büchern zu blättern,
die längst überholt sind. Novalis, Hamann, nur so,
ohne tiefere Absicht. Als es noch Tinte gab.
Als man noch etwas vom Leben wollte

– so desillusioniert setzt dieses Gedicht ein, und es schließt, während aus dem Radio die mächtige Musik Gustav Mahlers erklingt:

Ich höre den Grillen zu,
die Mahler zu schätzen wissen.
Eine ewige Wiederkehr
in anderer Form,
unverständlich und ganz klar.

Die sogenannte „Natur“ nimmt einen überraschend hohen Stellenwert ein in den Gedichten Michael Krügers, den man sich doch eher als einen Schreibtischmenschen vorstellt: mit einem Gedicht über seinen Schreibtisch in Allmannshausen setzt der Gedichtband ein. Er sitzt am Schreibtisch vorm Fenster oder auf der Terrasse, geht spazieren oder radelt in die nähere Umgebung und erfährt die Naturphänomene als seine Gesprächs- und Lebenspartner. Mit menschlichen Empfindungen ausgestattet, denken sie mit: Der Stein lässt sich nicht aus der Fassung bringen, die Birken lachen, die Blätter weinen, der Bussard schreibt sogar mit. Die Naturdinge werden nicht angewispert oder angeraunt; sie sind agil, emotional beteiligt am Denkprozess der Gedichte. Was in der Natur zu sehen ist, gibt kaum Begeisterndes zu denken, weil es in den Kanon der eigenen Vergänglichkeit eingefügt wird. Aber einen ausschließlich autochthonen „Naturlyriker“ wird man Krüger dennoch nicht nennen wollen; er präsentiert sich in seinem neuen Gedichtband ebenso als ein Großstadtdichter, ein lyrischer Weltreisender, ein begnadeter Porträtist und gelegentlich sogar als ein still Meditierender.

Es geht auf das Ende zu
Unaufgeregt spricht er, mit fester Stimme, weder resignativ noch larmoyant, auch nicht „tapfer“, sondern ruhig, gelassen. Sentimentalitäten lässt er gar nicht erst aufkommen, auch dort nicht, wo Erinnerungen an die Kindheit und Schulzeit wachgerufen werden. Ein Anflug von Melancholie, schnell ironisch gebrochen, legt sich über die Verse, denen jeder enthusiastische Überschwang fremd ist. Liebevolle Bewunderung findet sich allenfalls für das traditionelle Linsengericht der Drenka Willen in New York, für Experten der Insekten, der Gräser, des menschlichen Gehirns oder – und dies vor allem – für die lebenden oder verstorbenen Freunde (meist Autoren des Hanser Verlags), denen er Gedichte widmet: er wünscht dem Freund Peter Handke zum 70. Geburtstag augenzwinkernd, halb ironisch und halb bedeutungsvoll, „das Buch mit den leeren Seiten“, er träumt sich Claude Simon an die Seite, erinnert sich an eine venezianische Begegnung mit Czesław Miłosz, begleitet Botho Strauß durch die Uckermark und „würde gern Born wiedersehen“, den Dichter der „hohen hellen Lieder“, „der hier geschlafen hat, / in diesem Bett, in diesem Hotel“.
Mit seinen Hotelgedichten etabliert Krüger – Raoul Schrott ist ihm mit seinem Gedichtband Hotels vorangegangen – ein neues lyrisches Genre. Wo der Reisende Station macht, da findet er Unterkünfte für Verstorbene vor. „Nur Tote wohnen hier. (…) Man darf kein Gepäck haben, / wenn man hier einziehen will. Sogar Bücher sind verboten“, heißt es über ein Hotel bei Erfurt. In einem Hotel in Russland gibt es „Kein warmes Wasser, dafür / ein selbstsüchtiges Licht, / in dem nur Tote lesen können“, und ganz New York wird zu einer „Stadt, in der / nur Tote leben“.
Michael Krügers jüngster Gedichtband verfährt bei aller zur Schau getragenen Nonchalance kompromissloser und radikaler als seine Vorgänger. Was immer Krüger in seinen Gedichten zur Sprache bringt, gerät in das Magnetfeld des Endes und des Abschieds; es gibt ihm zu denken über Gott und die Welt, allerdings, zum Glück, mehr über die Welt als über Gott, der sich ganz am Ende des Gedichtbandes sympathetisch bemerkbar macht:

Alles zittert.
Und Gott zittert auch.

Ja, wovor zittert er denn? Doch wohl vor dem, was nach dem Ende kommt: „eine Welt“ nämlich, „wo keiner / das Lebewohl mehr versteht“, das Abschiedswort also. Vielleicht aber zittern Gott und die Welt auch nur vor Michael Krügers nächstem Buch „Das Testament“, einem Roman, an dem er, wie man hört, zurzeit arbeitet.

Wulf Segebrecht, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6.12.2013

Suche nach dem nächsten Gedicht

– Michael Krüger wird am 9. Dezember 70 Jahre alt. Der Verleger über seinen Lyrikband, den Abschied bei Hanser und über seine Zukunft. –

Andreas Puff-Trojan: In Ihrem neuen Lyrikband Umstellung der Zeit heißt es über einen Elefanten, der von winzigen Vögeln traktiert wird:

Sie picken ihm hastig
ein Gedicht auf den Rücken.
Er lässt sie schreiben,
Gedichte sind gut
für die Haut.

Wem gehen heute noch Gedichte unter die Haut?

Michael Krüger: Ja, zum Beispiel mir, ich kann gar nicht genug davon kriegen. Ich habe ein ganz großes Vergnügen daran, vollkommen unsystematisch Gedichte zu lesen. Am liebsten habe ich es, wenn ich morgens aus dem Bett komme und mich an meinem kleinen Küchentisch setzte, zwei Sachen zu machen: entweder eines der vielen Gedichtbücher, die da herumliegen, in den verschiedensten Sprachen zu lesen oder aber ein Gedicht zu übersetzen. Oft ist es schön, wenn die Sachen schon mal übersetzt worden sind, dann kann man überprüfen, wie man es anders gemacht hätte. Und da sitze ich eine halbe Stunde, trinke meinen Espresso, esse meine Tomate mit Öl und übersetze, wie das Gefühl beschrieben wird, wenn jemand aus einem heißen Sommertag in den Schatten geht.

Puff-Trojan: Sicher, dieses Gefühl kennt jeder. Tatsache ist, dass Lyrik geachtet, aber wenig gelesen wird.

Krüger: Tatsache ist auch, dass jeder von uns – also auch der größte Verächter von Poesie – ununterbrochen mit den Formen von Dichtung umgeht. Nämlich im Lied, im Song, jeder Rapper ist ein Dichter, jedes Kind lernt Lieder auswendig. Und da jeder Englisch kann, versteht man sogar, was Bob Dylan singt. Was aber verlorengegangen ist, ist das Verhältnis des Einzelnen zu einem einzelnen Text. Das Massengefühl, mit mehreren Tausend Menschen in einer Arena zu sitzen und einem Sänger zuzuhören, kennt jeder. Aber zu Hause zu sitzen und ein Gedicht von Novalis, vom späten Goethe oder von Hölderlin zu lesen ist immer mit einem Müssen verbunden. Warum das so ist, weiß ich nicht. Ich denke aber, dass vielleicht eines Tages, wenn der Verdruss an der öffentlichen Rede so groß geworden ist, man es einfach nicht mehr aushalten wird.
Als ich den Wahlkampf in Deutschland verfolgt habe, musste ich oft einfach aufstehen und schreien. Ich bin schreiend durch die Wohnung gelaufen und habe mir gedacht: Das darf nicht sein! Es ist einfach unmenschlich, einen zu zwingen, sich diesen Unsinn anzuhören! Mit dem Dichter Joseph Brodsky bin ich folgender Meinung: Unsere Zivilisation sähe anders aus, wenn in den Parlamenten und in den Vorstandsetagen vor jeder Sitzung, bei denen es um wichtige Entscheidungen geht, ein Gedicht vorgelesen wird. Ich bin mir sicher, jeder würde sich anstrengen, anders zu sprechen. Ja, die Welt sähe anders aus.

Puff-Trojan: Ihr neuer Gedichtband trägt den Titel Umstellung der Zeit – Das Gedicht „Kein Haiku“ lautet:

Eine tote Amsel
vor meinem Fenster
Ich warte eine Stunde
auf die Umstellung
der Zeit.

– Was hat es also mit der Umstellung der Zeit auf sich?

Krüger: Ein totes Tier erinnert einen automatisch an die eigene Sterblichkeit. Und wenn man wie ich das biblische Alter von siebzig Jahren erreicht hat und mit einem lange ausgeübten Beruf aufhört, dann fragt man sich natürlich: Was macht man mit der verbleibenden Zeit? Der tote Vogel, das Memento mori, erinnert einen daran: Du musst jetzt mit deiner Zeit anders umgehen – und du darfst es auch! Zum Beispiel möchte ich wahnsinnig gern noch einmal Proust lesen. Das ist das Projekt für den nächsten Sommer, wenn die Tage länger werden, will ich noch einmal durch alle Bände steigen. Ich werde jeden Abend ein Kapitel lesen, zwanzig bis dreißig Seiten, und so durch den ganzen Sommer mit dem Projekt Auf der Suche nach der verlorenen Zeit verbringen.

Puff-Trojan: Sie werden aber doch sicher auch schreiben?

Krüger: Ja! Ich habe zwei große Projekte. An den Gedichten will ich weiterarbeiten. Allerdings möchte ich etwas anderes ausprobieren, etwas größere Formen. Ich habe eben immer Angst davor gehabt, bestimmte narrative Elemente in das Gedicht zu holen, jetzt will ich mich aber trauen, dies zu tun, ich will mich selber dazu überreden. Und das Zweite ist: Ich möchte noch ein ziemlich großes Prosabuch schreiben, mein „Testament“, wie ich es immer nenne. Und beide Projekte werden mich die nächsten zehn Jahre – so Gott will, dass es mich noch gibt – beschäftigen.

Puff-Trojan: Sie schreiben in einem weiten Sinn Naturlyrik. Nur geht es bei Ihnen weder erhaben noch erhoben zu. Das Gedicht „Wer war es?“ zeigt es glasklar:

Im Honig vom vergangenen Jahr
steckt unversehrt
eine Fliege.
Der perfekte Mord.
Kriminalromane
könnten so anfangen
oder so enden.

Krüger: Mein Gedicht versucht, zwei Elemente zu verbinden. Zum Ersten nimmt man wahr, dass die Fliege zwar tot ist, aber ihre Form behält. Unsere Vorstellung vom Tod ist ja üblicherweise die, dass wir zerfallen. Das wird mit dem Motiv vom Kriminalroman verknüpft, in dem normalerweise die gefundene Leiche schon etwas der Witterung ausgesetzt ist. Sie steht meist am Anfang der Geschichte. Vielleicht gibt es aber Geschichten, in denen die Leiche erst am Schluss auftaucht. Dann könnte man sagen, man nimmt das ganze Leben als einen Kriminalroman auf der Suche nach sich selber – und wird am Ende sich selber als Leiche finden.

Puff-Trojan: Ist es schwierig geworden, im Buch der Natur zu lesen?

Krüger: Das riesige Buch der Natur war früher jedermann zugänglich. Mittlerweile ist es für jüngere Menschen vollkommen unverständlich, wie man eine Eiche von einer Erle unterscheidet. Jeder kennt mehr Automarken als Baumnamen. Wer weiß, wo und wie Artischocken wachsen?
Das heißt, unsere Lernfähigkeit am Buch der Natur, die natürlich auch eine Differenzierungsleistung ist, ist gewaltig gesunken, vor allem bei den Menschen, die in der Großstadt geboren werden und hier leben. Dass es aber ein unendliches Trainingslager ist für unseren Verstand und unsere Wahrnehmung der Welt, das wird vergessen. Deshalb lautet meine These: Das Buch der Natur gehört wie alle anderen großen, bedeutenden Bücher zu unserer Ausstattung und sollte in einem Leben irgendwann mal bewusst zur Kenntnis genommen werden.

(…)

der Standart, 7./.8.2013

Lenker der Aufmerksamkeit

Maria Herlo: Herr Krüger, Ihr Motto ist: Kein Tag ohne Gedicht. Welches Gedicht haben Sie heute gelesen?

Michael Krüger: Viele, weil ich auf der Suche war. Eines ist hängengeblieben, „Porträt mit Hund“ von Rutger Kopland, einem Holländer, den ich früher kannte, jetzt ist er gestorben. Das Gedicht beschreibt in vierzehn Zeilen das symbiotische Verhältnis zu einem Hund, darin heißt es:

… ich habe etwas gemurmelt und
er legte sich hin, seufzte
und schlief ein…

In diesem kleinen Gedicht steckt mehr über unsere prekäre Beziehung zu Tieren als in allen Leitartikeln zusammen.

Herlo: Sie sind ein sehr beschäftigter Mensch. Wann finden Sie Zeit und Muße, nicht nur jeden Tag Gedichte zu lesen, sondern auch zu schreiben?

Krüger: Gedichte lesen kann man immer, sie sind kurz und schmerzvoll, man kann sie in jeder Lebenslage hervorziehen, anders als fette Romane, über denen man einschläft. Gedichte schreiben ist komplizierter. Bei mir entstehen sie im Kopf als Verdichtung einer bestimmten Haltung den Dingen, den Verhältnissen, der Natur gegenüber. Je sorgfältiger man darüber nachdenkt, desto einfacher wird das Gedicht. Es reduziert, wenn es glückt, komplexe Vorgänge, die dann – hoffentlich – im Kopf des Lesers sich wieder in hoher Komplexität entfalten. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Gedichte bilden nur ab, was jeder denkt, aber nicht auszusprechen wagt.

Herlo: Die Umstellung der Zeit, das klingt nach Veränderung und Neuanfang. Sie haben noch viel vor, oder?

Krüger: Ich habe es mir leichter vorgestellt. Aber es ist nicht leicht all das, was ich machen will, ohne Büro zu machen, das heißt, ich brauche viel Zeit, um mich überhaupt zu organisieren. Der Computer ist nicht mein Freund, das Telefon ist immer abgelaufen, ich besitze kein digitales Foto, das ich verschicken kann, ich kann elektronisch keine Reise buchen etc. Plötzlich merke ich, wie abhängig ich von Hilfe war. Mit der Akademie will ich darüber nachdenken, wie und ob es das Schöne noch gibt, ich will einen Roman schreiben, ich will die Bücher meiner Kollegen lesen, ich muss Reden halten zur Verteidigung der Poesie, und bei all diesen zeitraubenden Beschäftigungen will ich natürlich das süße Nichtstun pflegen, was mir leider noch nicht gelingt.

Herlo: Ihre Gedichte strahlen eine gewisse Ruhe aus, Selbstbesinnung, hinterfragen auch und fordern zum Hinschauen auf. Wie animieren Sie bei Ihren Lesungen die Zuhörer, zu einem Lyrikband zu greifen?

Krüger: Indem man gut liest. Beim Vorlesen sollte die Struktur eines Textes sofort deutlich werden. Aber vor allem muss man den Zuhörern die Angst nehmen, Gedichte seien etwas Hermetisches, Unverständliches, Geisterbeschwörungshaftes. Am Anfang der Menschwerdung standen Gedichte: Beschwörungen, Anrufe, Klagen, Dank und so weiter, alles elementare Dinge, die mit unserem unsicheren Leben zu tun haben, mit der erstaunten Frage, warum wir sind und wie wir die 80 Jahre halbwegs im Frieden mit uns und mit anderen verbringen können. Das Leben, obwohl anders geplant, ist so kompliziert geworden – denken Sie nur an die rasanten technologischen Prozesse – so unverständlich, dass es immer notwendiger wird, über die basalen Dinge nachzudenken. Genau das tut das Gedicht.

Schwetzinger Zeitung, 13.2.2014

Wortlose Signale

„Keiner hat den süssen Geruch des geschlagenen Holzes / so beschrieben, dass wir auf ihn verzichten könnten“ – mit diesen Worten beginnt ein Gedicht in Michael Krügers jüngstem Gedichtband: eine kleine Meditation darüber, dass Sprache Abwesendes zwar evozieren, das Beschworene aber nicht ersetzen kann. Umstellung der Zeit, so heisst der Band, knapp und verblüffend präzis. In den hundert neuen Gedichten geht es oft um Abwesendes, um Vergangenes und Verlorenes, das mit Worten in eine andere Zeit, in die Gegenwart gerettet werden soll. Zugleich ist das Vertrauen des Lyrikers Krüger in die Sprache nicht ungebrochen. Deren Unmittelbarkeit ist verloren und hat es wohl nie gegeben, das weiss er, seine Gedichte wissen das. Sie wollen jedoch – soweit das überhaupt möglich ist – in Erinnerung rufen, was einmal war, und sie wissen zugleich um die Vergeblichkeit, an etwas zu erinnern.
Viele Gedichte in diesem Band kann man als „Gelegenheitsgedichte“ bezeichnen, im besten Sinne des Wortes. Sie formulieren emphatische Hommagen an Freunde, sie gedenken verstorbener Weggefährten, erinnern etwa an Nicolas Born oder Claude Simon, sie holen aber auch Glücksmomente ins Wort, befreiende Erfahrungen unterwegs auf Reisen etwa. Unscheinbares wird beobachtet und gefeiert – Augenblicke, die, kaum benannt und an ein Bild gebunden, schon wieder zu entschwinden drohen. Das Gedicht bleibt zurück als Spur. Umgekehrt kann sich die Erinnerung auch an einem einzigen Wort entzünden:

Ein Wort fällt mir ein: Lupinen,
es führt mich zurück in die Kindheit.

Auffallend ist die Lakonie der Verse. Am eindrücklichsten sind Krügers Gedichte immer dort, wo sie auf grosse Worte verzichten.
Eine Wendung wie „Europa erwacht“ scheint dann schnell zu gross und zu gewichtig in diesem Umfeld, auch wenn diskrete Weltläufigkeit sicher ein Merkmal der Gedichte ist. „Manchmal blitzt es unten auf“, heisst es im Gedicht „Flug nach Istanbul“, „wahrscheinlich ein verlaufenes Kind, / das mit einem Spiegel Signale sendet. / Das bin doch ich, möchte ich rufen.“ Ein heiteres und zugleich melancholisches Bild. Solche Signale zu senden, gelingt Michael Krüger in diesem Gedichtband auf höchst berückende Weise.

Martin Zingg, Neue Zürcher Zeitung, 30.5.2014

LitMag-Weltlyrik: Michael Krüger

GEDICHT

Ich könnte von Kriegen erzählen,
von Göttern, die sich aus Langeweile
das Leben ausdachten, von Igeln
in meinem Garten, von mir.
Ich könnte von einem Mann erzählen,
der die Lesarten des Unglücks studiert
wie ein rumänischer Philosoph.
Auch mit Lorbeer
kann man Dämonen vertreiben.
Aber lieber die Klappe halten,
die Stille ist laut genug.

Ob Michael Krüger in den Kanon der „Weltlyrik“ gehört? Geschenkt, lassen wir diese dumme Frage. Ihn würde eine Antwort am wenigsten interessieren. Aber die Frage, warum er als Verleger in den letzten Jahrzehnten ein so unglaubliches Gespür für Lyriker gehabt hat, die zweifellos zu den ganz Großen der zeitgenössischen Weltlyrik gehören, ist schon eine sehr viel klügere Frage. Tomas Tranströmer, Seamus Heaney, Joseph Brodsky, Derek Walcott, Adam Zagajewski fallen einem sofort ein. Man müsste weitere nennen: Mario Luzi, Charles Simic, Les Murray, John Burnside und und und. Merkwürdig – oder auffallend – dass hier nur männliche Autorennamen einfallen, aber lassen wir das an dieser Stelle.
Nur wenige im deutschsprachigen Verlagswesen haben sich immer mit so viel Passion und Verve für die Lyrik aus allen Epochen und Erdteilen geschlagen – manchmal auch schlagen lassen – wie er. In seinem Nekrolog für den Freund und verehrten Dichter Joseph Brodsky schreibt Krüger an einer Stelle:

An der Poesie, an ihren Formen, ihrem Rhythmus, ihrer Intensität, maß er die Welt.

Ein Satz, der Wort für Wort auch auf Krüger zutrifft bis auf – Gott sei Dank – die für einen Nekrolog notwendige Zeitform der Vergangenheit.
Auffallend, wie viele Nobelpreisträger für Literatur man unter den Autoren des von Krüger (noch) geleiteten Münchner Hanser-Verlags findet. Und kaum einer der Journalisten, die mit Krüger ein Gespräch führen, unterlässt auch die Frage, wie man dieses scheinbar absolute Gespür für literarische Qualität entwickelt. Auch hier zitiert Krüger dann gerne  Joseph Brodsky:

Um einen guten literarischen Geschmack zu entwickeln, gibt es nur den einen Weg – Gedichte lesen.

Oder, die Ergänzung ist hier angebracht, man sollte auch versuchen, Gedichte zu schreiben.
Von Michael Krüger gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Gedichtbänden, die nicht in seinem eigenen Verlag, sondern bei Suhrkamp erschienen sind. Im derzeit neuesten Band Umstellung der Zeit findet man auch das zu Beginn zitierte Gedicht mit dem denkbar nüchternsten Titel „Gedicht“. Die Verse lesend, fragt man sich sofort, ob es sich überhaupt um ein Gedicht handelt oder ob es nicht vor dem Schreiben von Gedichten warnt, wenn man überhaupt nichts zu sagen hat. Über alles „könnte“ man ein Gedicht schreiben, über Gott und die Welt, Krieg und Frieden, über kluge Menschen und das kleine alltägliche Glück (oder Unglück).
Und über alles das und noch viel mehr werden ja auch Tag für Tag auf allen Erdteilen viele Gedichte geschrieben. Es heißt, noch nie zuvor in der Geschichte seien so viele Gedichte geschrieben worden wie heute im Zeitalter der (Video-) Bilder und der (Smartphone-) Töne.
Aber, so schreibt Krüger lakonisch zum Schluss dieses Gedichts, das vielleicht gar kein Gedicht ist, man könnte und sollte gerade deshalb auch einmal „die Klappe“ halten. „Die Stille ist laut genug“.
Ganz fein, kaum wahrnehmbar, aber raffiniert und mit langem intellektuellen Nachhall hat Krüger hier dann doch noch eine Zeitdiagnose hineingeschmuggelt. Schreibt sich  Michael Krüger, der ja laut Geburtsdatum auch zu der „68er-Generation“ gehört, mit seinen letzten Gedichten immer mehr aus den politischen Zeittumulten heraus? Geschenkt, noch so eine dumme Frage. „Klappe halten“…

Carl Wilhelm Macke, culturmag.de, 4.9.2013

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Weitere Beiträge zu diesem Buch:

Jenny Schon: Der Verschonte
literaturkritik.de, Mai 2014

Dirk Uwe Hansen: Man weiß nicht, ob man dazugehört
signaturen-magazin.de

Jürgen Brôcan: Im Vorbeigehen erinnert
fixpoetry.com, 22.11.2013

Druckfrisch: Michael Krüger: Umstellung der Zeit
ARD Mediathek; 15.12.2013

 

 

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Zum 70. Geburtstag des Autors:

Gregor Dotzauer: Das unbändige Leben der Agaven
Der Tagesspiegel, 9.12.2013

Volker Isfort: Er wird noch gebraucht
Abendzeitung München, 8.12.2013

Thomas Steinfeld: Herr K. tritt ab
Süddeutsche Zeitung, 9.12.2013

Charles Simic: Der Regenmantelmann
Neue Zürcher Zeitung, 9.12.2013

Norbert Gstrein: Der leere Raum
Neue Zürcher Zeitung, 9.12.2013

Cees Nooteboom: Der andere Atem
Neue Zürcher Zeitung, 9.12.2013

Peter von Matt: Der Freund auf der Kommandobrücke
Neue Zürcher Zeitung, 9.12.2013

Hans-Dieter Schütt: Warum fallen Sterne nicht herab
neues deutschland, 9.12.2013

Mara Delius: Nach draußen, hinein ins Buch
Die Welt, 9.12.2013

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Ein Abend für Michael Krüger. Michael Krüger ist eine Legende des Literaturbetriebs. Am 16.1.2014 sprach er in der Literaturwerkstatt Berlin mit Harald Hartung über seine Arbeit als Verleger, Herausgeber, Autor und Übersetzer.

 

Fakten und Vermutungen zum Autor + Archiv
Porträtgalerie: Autorenarchiv Isolde OhlbaumGalerie Foto Gezett
shi 詩 yan 言 kou 口

 

Richard Pietraß: Dichterleben – Michael Krüger

 

Michael KrügerLebenselixier Literatur im Gespräch mit Norbert Bischofberger, SRF 22.9.2013.

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