Octavio Paz: Vrindavan und andere Gedichte aus dem Osten

Paz-Vrindavan und andere Gedichte aus dem Osten

ERSCHEINUNG

Wenn der Mensch Staub ist,
ist das, was über die Ebene zieht,
nichts als Menschen.

Übersetzt von Rudolf Wittkopf

 

 

 

Seine indischen Jahre

waren für den mexikanischen Dichter und Essayisten Octavio Paz besonders fruchtbar. Die Begegnung mit der östlichen Welt bewirkte eine nachhaltige Erschütterung seiner Poetik, die bis dahin vor allem von der europäischen Moderne geprägt war, und eine Hinführung zu einer Art vibrierenden Ruhe in seiner Lyrik. Über sein Indien-Erlebnis, das ihn auch zu dem dichterischen Werk Der sprachgelehrte Affe und zu den Essays von Verbindungen – Trennungen inspirierte, berichtete Octavio Paz seinem Biographen Alberto Ruy Sánchez:
„In Indien treffe ich plötzlich auf eine Art von Netz aus Gefühlen, Ideen und Erfahrungen. Die Erotik zum Beispiel trennt mich nicht vom Heiligen, bringt mich ihm aber auch nicht näher. Erotik ist in Phantasie verwandelte Sexualität. Liebe ist diese erotische Phantasie, verwandelt in die Erwählung einer Person. Genau das ist es, was ich in Indien entdeckt habe und was wahrscheinlich meine Dichtung verändert hat. Auf der einen Seite füllte es meine Wörter mit mehr Wirklichkeit, gab ihnen eine größere Dichte. Sie wurden praller. Auf der anderen Seite wurden sie luzider. In gewisser Weise war es ein Wiedererlangen der Wirklichkeit dieser Welt durch die geliebte Person. Und noch etwas ganz Wesentliches: Es führt zur Erkenntnis, daß die Welt zwar real, aber nicht stabil ist. Sie ist unaufhörlich in Veränderung begriffen. Der Baum dort, den ich gerade anschaue, ist nicht immer der gleiche Baum. Er ist immer kurz davor, umzufallen, sich aufzulösen und in einem anderen Baum wiedergeboren zu werden, der mit dem von vor einer Sekunde identisch ist, aber er ist nicht der gleiche. Dasselbe geschieht auch mit mir und mit den Menschen um mich herum. So wurde das Universum für mich plötzlich nicht nur zur Gegenwart, sondern auch zu einer Frage. Und das wollte ich mit meinen Gedichten sagen.“
Vrindavan – Name einer heiligen Stätte des Hinduismus, wo der Legende nach Krishna die Kuhhirtin bezauberte – vereint zwei locker geknüpfte Gedichtzyklen, die thematisch und formal ganz Unterschiedliches enthalten, vom Dreizeiler bis zum Langgedicht. Es finden sich darin streng gestaltete Gedichte neben wunderbar beiläufigen und wie hingetuschten Gebilden. Octavio Paz schrieb diese Gedichte zwischen 1962 und 1968 in Indien, Afghanistan und Ceylon, und es ist möglich, sie als eine Art verdichtetes geistiges Tagebuch aus diesen nicht nur für Paz bewegten Jahren zu lesen.

Suhrkamp Verlag, Klappentext, 1994

 

Zweiter Kreis Ein neuer Anfang – 1944–1958

2. Die Früchte der Reife

1945 schlug ihm ein Freund seines Vaters vor, in den diplomatischen Dienst einzutreten, wo er die folgenden dreiundzwanzig Jahre seines Lebens verbringen sollte. Dank José Gorostiza, der im Außenministerium arbeitete, wurde Paz an die mexikanische Botschaft in Paris entsandt. Mit einem bescheidenen Posten begann er dort seine gemächliche diplomatische Karriere. Vor allem aber war Paris für Paz ein äußerst stimulierendes kulturelles Umfeld. Bei seiner Ankunft hatte er noch die damals weit verbreitete Illusion gehegt, das Europa der Nachkriegszeit würde in Gestalt einer neuen, eindeutig sozialistisch ausgerichteten Gesellschaft wie ein Phönix aus der Asche steigen. Aber bald schon wurde ihm klar, wie illusorisch diese Vorstellung war. Die hitzig geführten Polemiken jener Jahre interessierten ihn besonders: Camus, Breton, Sartre, Rousset, Aron, Merleau-Ponty diskutierten die Zukunft des in zwei große Blöcke gespaltenen Europas. In diesem Gespinst militanter Argumentationen war ein junger Grieche „der Turmwächter: Er hat eher und klarer gesehen als fast alle von uns“, wie Lucien Goldmann einmal zu Octavio Paz sagte. Dieser Grieche, einer seiner Freunde in jenen Tagen, war der damals im französischen Exil lebende Philosoph und Historiker Kostas Papaioannou (1925–1981). Niemand war besser geeignet als dieser hellsichtige, gelehrte Marxologe, sich ein Bild zu verschaffen von der Wirklichkeit der sozialistischen Länder und ihren Konzentrationslagern der Nachkriegsjahre; aber auch, um sich mit der antiken griechischen Kultur, mit byzantinischer Malerei oder zeitgenössischer Musik vertraut zu machen. Papaioannou wurde zu einem der wichtigsten Historiker und Kritiker des totalitären Systems. Mit Paz’ Worten:

Wenn einer von den Menschen, mit denen ich verkehrt habe, den Namen Freund verdient, in der Bedeutung, welche die antiken Philosophen diesem Wort gaben, dann war dieser Mensch Kostas.

Seine intellektuelle Ausstrahlung, mehr als sein direkter Einfluß, waren für Octavio Paz’ Lebensweg von großer Bedeutung. In diesem Griechen, dessen Gelehrtheit nur Lachen und Scharfsinn kannte, sah Paz Tag für Tag bestätigt, was sich ihm bereits angedeutet hatte, als er Victor Serge und Jean Malaquais begegnete: daß die Leidenschaft auch hellsichtig sein kann, sein soll.
Der menschenfreundliche Menschenfresser (El ogro filantrópico), eine Auswahl von Artikeln und Essays zu Geschichte und Politik, die Paz Anfang 1979 zusammenstellte, war dem im November 1981 verstorbenen griechischen Philosophen gewidmet. Ihm zum Gedenken schrieb Octavio Paz das lange Gedicht „Kostas“:

aaaDreißig war ich, kam aus Amerika und suchte in der Asche von 1946 das Ei des Phönix,
aaadu warst zwanzig, kamst aus Griechenland, von Aufstand und Gefängnis her,
aaawir begegneten uns in einem Café voller Qualm, Lärm und Literatur,
aaaein kleines Flackerfeuer der Begeisterung gegen die Kälte und die Not in diesem Februar,
aaawir begegneten uns und sprachen von Zapata und seinem Pferd, von der verschleierten Demeter, dem schwarzen Stein, dem Stutenkopf,
aaaund bei der Erinnerung an die schöne Zauberin aus Thessalien, die Lukios in einen Esel und Philosophen verwandelte,
aaaübertönte die Kaskade deines Lachens den Lärm der Unterhaltungen und das Klingkling der Teelöffel in den Tassen,
aaada war ein Gemecker von schwarzweißen Ziegen, die herdenweise in einem verbrannten Hügelland herumkletterten,
aaa
(…)
aaaKostas, in der kalten Asche Europas hab ich das Ei der Auferstehung nicht gefunden:
aaazu Füßen der grausamen, bluttriefenden Chimära aber fand ich dein Lächeln der Versöhnung.

In Paris traf er auch Benjamin Péret wieder, und durch ihn wirkte er an verschiedenen Aktivitäten und Publikationen der Surrealisten mit. Im Laufe der Zeit freundete er sich mit Andre Breton an und entwickelte, wenn auch verspätet, eine echte, eine leidenschaftliche und dauerhafte Nähe zum Surrealismus. Viele Jahre später, in Corriente alterna (Wechselstrom), gestand er ein:

Oftmals schreibe ich, als hielte ich stille Zwiesprache mit Breton: Rede, Gegenrede, Übereinstimmung, Auseinandergehen der Meinungen, Hochachtung, alles zusammen.

Paz sah im Surrealismus nicht etwa eine ästhetische Schule oder eine Manier, sondern „einen verborgenen Brennpunkt poetischer Leidenschaft in unserer elenden Zeit“, eine Unterwanderung der Sensibilität, eine Bewegung zur radikalen Befreiung der Kunst, der Erotik, der Moral, der Politik etc. Das heißt vor allem: Leben als Abenteuer. Paz flocht Elemente surrealistischer Poetik in seine Gedichte ein, glaubte jedoch nicht an die écriture automatique als Methode und führte das Thema wieder ein. Das Thema war es nämlich, ein Stück gelebter und personalisierter Zeitgeschichte, bis hin zum alltäglichen Detail, dessen Einführung in das Gedicht Paz von Eliot und Pound gelernt hatte. Genau zu dieser Zeit, Ende der vierziger Jahre, gelangt Paz’ lyrisches Werk zu seiner Reife; 1949 veröffentlicht er seine erste grundlegende Gedichtsammlung, Libertad bajo palabra (Freiheit auf Ehrenwort). Im Jahr darauf folgt sein Buch über das Wesen des Mexikaners, das bald zum Klassiker wird. Das Labyrinth der Einsamkeit, und ein Jahr später ein weiteres wichtiges Buch, geschrieben im Zeichen seiner neuen ästhetischen Weiterentwicklung, ein poetischer Prosatext, Adler oder Sonne? (¿Aguila o sol?). In nur drei Jahren also drei wichtige Bücher in seinem Œuvre, in der Literatur seiner Sprache und der seines Landes.
Libertad bajo palabra zeigt auch eine neue Sicht auf seine frühere Lyrik, ist ein Neuschreiben angesichts neuer Anforderungen, ist vor allem aber radikale Neuerung: Der Band erweist sich insgesamt als ein avantgardistisches Werk – in einer Zeit, da die Avantgarde allenthalben auf dem Rückzug war, immer akademischer wurde –, jedoch im Sinne einer kritischen Avantgarde, die den engen Rahmen der Stereotype weit überschritten hat. Die Gedichte aus Libertad bajo palabra zeugen von einer neuen Lebenseinstellung, die Octavio Paz, ohne es zu wissen, mit anderen Autoren teilte, die zur selben Zeit in Lateinamerika schrieben. Bei José Lezama Lima, Enrique Molina, Emilio Adolfo Westphalen, Nicanor Parra, Álvaro Mutis, Gonzalo Rojas und anderen, die zu Beginn der fünfziger Jahre mit Paz zu Wegbereitern der zeitgenössischen hispanoamerikanischen Lyrik wurden, gibt es ein gemeinsames poetisches Merkmal, das er in Die andere Zeit der Dichtung (Los hijos del limo, 1974) beschreibt als eine Art, Sprache zu leben:

Es ging nicht mehr wie 1920 darum, zu erfinden, sondern zu erforschen. Das Gebiet, das diese Dichter lockte, war nicht außen und auch nicht innen. Es war dieser Bereich, wo Innen und Außen ineinander übergehen: der Bereich der Sprache. Ihre Sorge galt nicht der Ästhetik; für diese jungen Dichter war die Sprache Schicksal und Wahl zugleich. Eine Gegebenheit und etwas, das wir erschaffen. Etwas, das uns erschafft.

In einem zentralen Gedicht des Bandes Hymne zwischen Ruinen (Himno entre ruinas) tritt eine neue künstlerische Form zutage, mit der Paz später noch weiter experimentiert: der Simultanismus. Mit Paz wurde dieses Verfahren, gleichzeitig zwei parallele Aktionen zu zeigen, zur neuen, selbstverständlichen Form der poetischen Moderne in unserer Sprache: er übertrug eine Errungenschaft, die Apollinaire und Cendrars für die französische und Pound und Eliot für die englischsprachige Lyrik entdeckt hatten, schöpferisch auf die eigene Sprache. 1960, 1967 und 1979 (in dem Band Poemas 1935–1975) wurde Libertad bajo palabra neu aufgelegt, jeweils mit weitgehenden Veränderungen, was schließlich einer Revision seines lyrischen Œuvres aus der Zeit zwischen 1935 und 1957 gleichkam.
Die erste Fassung von Libertad bajo palabra hieß Todavía (Dennoch); der Autor sah diese Gedichtsammlung als Beweis, als eine Bekräftigung, daß er immer noch Poet war, obwohl er seit 1942 keinen Band mehr veröffentlich hatte. Das Buch wurde von einem argentinischen Verlag, der zuvor bereits Nerudas Gedichtband Aufenthalt auf Erden verschmäht hatte, abgelehnt. Alfonso Reyes half ihm, das Buch Ende 1949 in Mexiko herauszubringen, wo es sofort große Anerkennung erfuhr. Der Titel ist eine Anspielung auf eine paradoxe Auffassung von Freiheit als etwas notwendig Bedingtem. Im griechischen Theater ist eine Voraussetzung für die Erfüllung des Schicksals die Freiheit der Figur. „Freiheit ist die Maske der Notwendigkeit“, hatte Paz dagegen schon 1935 geschrieben. Genauso muß die Freiheit der Dichtung zwischen präzisen und oftmals einengenden sprachlichen Formen fließen, um existieren zu können. Die Poesie ist nicht anders als die menschliche Existenz, bedingte Freiheit, Freiheit auf Ehrenwort. Eigentlich war das Buch als eine Folge von Räumen angelegt. Ein jeder zeigt eine Facette der Evolution eines Geistes; und dieser Geist ist ein Dichter, als Figur geschaffen von Octavio Paz.
Aufgrund der umgangssprachlichen Elemente, dem Abrücken von der sozialkritischen Dichtung und der Art und Weise, einen Platz in der Geschichte einzunehmen, war Libertad bajo palabra nicht nur ein Bruch mit seiner eigenen früheren, sondern überhaupt mit der damals in Mexiko geschriebenen Lyrik.
Paz hatte eine eigene Art und Weise gefunden, die Geschichte in die Lyrik einzubringen. Nun blieb ihm noch die Herausforderung, seine historischen Hauptthemen auch im Essay expliziter zu formulieren. Das Labyrinth der Einsamkeit, 1950 veröffentlicht, ist die Antwort auf zwei grundlegende Fragen: Was heißt es, im 20. Jahrhundert Mexikaner zu sein? Und: Welche Bedeutung hat Mexiko in dieser Epoche? Das Wort Einsamkeit wird in diesem Buch überwiegend historisch begriffen: als Mexikaner allein zu sein in der Zeit, in der Geschichte. Andererseits ist die Einsamkeit ein Zustand, den Paz als das Schicksal aller Menschen und aller Länder betrachtet. Die Prosa dieses Buches verrät den Dichter – eine luzide, rituelle Analyse eben jener am tiefsten verwurzelten Riten des Mexikaners der Gegenwart, das heißt des Mexikaners, der in verschiedenen historischen Zeiten gleichzeitig lebt. Geschichte, als Disziplin, ist für den Autor eine Möglichkeit der Erkenntnis auf halbem Wege zwischen Wissenschaft und Poesie. Im Labyrinth der Einsamkeit lichtet Paz voller Eifer den Identitätsnebel und gibt den kommenden Generationen die Wörter an die Hand, um ihn zu benennen.
Als literarisches Werk wurde dieses Buch, das die Mythen Mexikos und der Mexikaner reflektiert und durchstreift, seinerseits zu einem Mythos: Das Labyrinth der Einsamkeit ist einer der Hauptmythen der zeitgenössischen mexikanischen Kultur, wendet man Lévi-Strauss’ Hypothese an, daß jede Entzifferung eines Mythos stets einen neuen Mythos schafft. Sowohl das Denken von Roger Caillois in Le mythe et l’homme und L’homme et le sacré als auch die Lektüre des Schriftstellers und Philosophen Georges Bataille sowie des Anthropologen Marcel Mauss (die Ansichten dieser drei Denker zum rituellen Fest, zur nützlichen Verschwendung, zum Entstehen des Heiligen bei den Menschen, zu den okkulten Dimensionen des Lebens) waren für Octavio Paz in seinem Essay über das mexikanische Labyrinth richtungweisend. Viele seiner Beobachtungen des Alltäglichen, viele der mexikanischen Themen, über die er 1943 in seinen Leitartikeln für die Zeitung Novedades zu schreiben begonnen hatte, nahmen jetzt allmählich eine andere Bedeutung an.
Im Unterschied zu den Abhandlungen von Samuel Ramos über die Psychologie des Mexikaners, von Portilla über „das Durcheinander“, von Emilio Uranga über die Ontologie des Mexikaners beabsichtigte Paz vielmehr eine „Übung in kritischer Imagination“: eine literarische Erforschung okkulter, oftmals schädlicher religiöser Überzeugungen. „Mein Buch war gedacht als ein Versuch der moralischen Kritik: die Beschreibung einer verborgenen Realität, die schmerzt.“
Adler oder Sonne?, veröffentlicht im darauffolgenden Jahr 1951, ist eine Folge von Prosagedichten, gleichsam eine Bündelung seines bisherigen dichterischen Unternehmens. In keinem anderen Text wird Paz’ Auffassung vom Dichter als Sprach geborenem so deutlich wie hier. Andererseits ist jeder Text für sich eine Erforschung persönlicher, innerer wie äußerer Welten und Unterwelten, eine Erforschung Mexikos und der ganzen Erde. Wir haben es buchstäblich mit „dichterischer Arbeit“ im „Treibsand“ zu tun, um es mit den Überschriften zweier Teile eines Buches zu sagen, das alles besitzt, um als Ausdruck einer surrealistischen Sensibilität verstanden zu werden. Tatsächlich war eins der Gedichte, „Mariposa de obsidiana“, das von André Breton in den Almanach surréaliste du demi-siècle (1950) aufgenommen wurde, Paz’ erster Beitrag für eine surrealistische Publikation. So griffen dort in Paris, in der Mitte unseres Jahrhunderts, das Feuerwerk des Surrealismus und eine poetische Erkundung der mexikanischen Unterwelt ineinander. In einem späteren Gedicht, geschrieben anläßlich einer Ausstellung über surrealistische Kunst in Mexiko, zählte er verschiedene Surrealisten auf als eine „Konvergenz von Insurgenzen“. Auch seine Kunst konvergierte in jenem Moment.
Bei den Filmfestspielen von Cannes 1951, stellte sich ein surrealistischer Regisseur vor, der von Mexiko geprägt war: Luis Buñuel. Er durfte seinen Film Die Vergessenen (Kamera Gabriel Figueroa) nur in einem Nebenwettbewerb zeigen, da diverse mexikanische Funktionäre dagegen waren, daß dieser das Land offiziell vertrat. Jaime Torres Bodet zum Beispiel führte an, Die Vergessenen zeichne ein falsches Bild der dargestellten Gesellschaft. Octavio Paz wurde zu einem engagierten Fürsprecher Luis Buñuels und seines Films. Ein Text von ihm, „Der Poet Buñuel“, und ein Gedicht von Benjamin Péret wurden auf Flugblättern gedruckt. Ado Kyrou, Bennayou und Paz selbst verteilten sie während der Vorführungen und später am Ausgang. Der Film setzte sich letztendlich durch.
In Paris lernten sich auch Octavio Paz und Samuel Beckett flüchtig kennen. Beide übten für kurze Zeit eine bescheidene herausgeberische Tätigkeit aus. Keiner von ihnen konnte wissen, daß sie einmal den Nobelpreis für Literatur erhalten würden: Beckett 1969 und Paz 1990. Damals stellte Paz gerade eine Anthologie mexikanischer Lyrik zusammen, die von der UNESCO auf französisch und englisch herausgebracht wurde und zu der er auch das Vorwort schrieb. Beckett besorgte die Übersetzung der Anthologie ins Englische.
Ende 1951 ging Octavio Paz’ erster Aufenthalt in Paris zu Ende. Es waren sechs Jahre großer schöpferischer Aktivität gewesen, die der Entwicklung, die der Dichter seit seinem Aufenthalt in den USA durchgemacht hatte, eine besondere Richtung gegeben hatten. Die Vitalität, die seine Dichtung in Nordamerika angenommen hatte, und die Subtilität des Denkens, die in Frankreich hinzugekommen war, gaben seiner Kreativität einen neuen Charakter. Der Dichter und sein Werk waren zur Reife gelangt.

Alberto Ruy Sánchez, aus Alberto Ray Sánchez: Octavio Paz. Leben und Werk, Suhrkamp Verlag, 1991

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Fakten und Vermutungen zum AutorNobelpreis
Porträtgalerie
Zum 100. Geburtstag des Autors:

Bernhard Widder: Belesenheit und Fantasie
Wiener Zeitung, 28.3.2014

Peter Mohr: Romantiker in diplomatischen Diensten
titel-kulturmagazin.net, 31.3.2014

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Octavio Paz – Porträt, Gespräch und Lesung Teil 1.

 

Octavio Paz – Porträt, Gespräch und Lesung Teil 2.

 

Octavio Paz – Filmporträt nach seinem Tod.

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