Olga Martynova: Brief an die Zypressen

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Olga Martynova: Brief an die Zypressen

Martynova-Brief an die Zypressen

BRIEF AN DIE ZYPRESSEN

Wie geht es euch, meine Zypressen, im Winter?
Gleitet ihr hinunter mit den Terrassen Zyperns zum
aaaaaMeer in dem kalten Staub?
Schleppt ihr euch hinauf mit den Stufen der Krim
Hölzernen hinkenden Schritts?
Im Winter tun mir die Knie auch weh. –
Mit den Stufen der Krim nach oben, wo das Trugbild
aaaaades Bachtschissarai-Khans für immer
In der Tannenbaumschmuckkugel – meiner Sprache Kristallaugenlinse –
aaaaaeingeschlossen ist…
Steht ihr auf den Hängen der Provence…? In Schüttelfrost und Nichtstun
Auf den Hängen der Provence? kann es sein, daß auch dort die Schwermut
Des Winters und Nichtstuns stärker als das Glas sind,
In dem die sommerliche Traube schwankt?
Ist denn wohl die Luft immer noch erfüllt von Salbei,
Bohnenkraut, Quendel, Rosmarin und Thymian?
Bei mir im Norden schmachtet der zarte, seidige, brüchiggewordene Salbei
Wie die verschiedenen Bürstchen von Bohnenkraut, Quendel, Rosmarin, Thymian
aaaaa
Im Eimer als ein trockener Strauß
Und als Gewürze für sanftes Fleisch im Innern der Anrichte, –
Und die Luft in den Zimmern ist durchaus nicht erwärmt von ihnen.
Wird eure Luft denn warm von den Dornen der kahlen Felder?
Bei mir ist hier keine einzige Schwalbe geblieben, aber dafür
Zirpt der elektrische Wind im Bildschirm wie die Zikade.
Eure Zikaden, denke ich, schlafen in den Löchern des kaltgewordenen Gartens,
Wenn sie nicht tot sind, von dem Plateau fort in den grünen Abgrund geweht.
Zypressen! Eure grünen Stolas sind vom Rauhreif ergraut.
Ihr träumt, die Üppigkeit des vergangenen Sommers kommt bald wieder,
Und wir kehren zurück dorthin, wo wir um jedes Jahr altern,
Und es zwitschert alles um uns, in die neuen Stolas gehüllt.

 

 

 

Knisternde Zeit, nicht wiederholbarer Blick

So frei kann Lyrik sein, wenn sie nicht dauernd den toten Hund der Zukunft auf der Zunge führen muss. Aus dem Gewimmel der russischen Poeten von heute dringen ein paar eigenständige Stimmen. Eine davon gehört zweifellos Olga Martynova. Von der im Krasnojarsker Gebiet geborenen, in Leningrad aufgewachsenen, seit 1991 in Frankfurt am Main lebenden Lyrikerin gab es bisher schmale russische Gedichtbände. Vieles war in Zeitschriften verstreut, auch im Almanach Kamera chranenija (Gepäckaufbewahrung), den sie mit dem Schriftsteller Oleg Jurjew im poetischen Luftverkehr zwischen Frankfurt und Petersburg herausgibt. Nun ist erstmals eine Auswahl ihrer Gedichte auf Deutsch erschienen, von Elke Erb hellhörig mit der Lyrikerin gemeinsam erarbeitet. Gerade die Spannung zwischen dem „Dürren und Seidenen der deutschen Zunge“ und dem „Brotigen, Euterwarmen der russischen Sprache“ macht das kleine Buch zur lohnenden Entdeckung.
Einige neuere russische Lyriker betreiben eine Art „Minimal Music“, ein Sparprogramm von Winziggedichten, Einzeilern. Als ob sie sich um die Sprechbläschen der Einzeller nicht kümmern mag, lässt Olga Martynova die Verse wie lange Pendel ausschwingen, die Assoziationen unbehelligt ausschwärmen. Geradezu rhapsodisch ausgreifend dichtet sie mit dem, was ihr zufällt: Kindheitsträume und Totengedenken, Reisebilder, Petersburger Reminiszenzen, Visionen eines wachen, träumenden Auges zwischen Faszination und Schrecken. Martynovas Lyrik ist thematisch unerhört frei. Eine lyrische Völkerwanderungs-Chronik samt Alemannen, Langobarden und Goten gehört ebenso zum Bestand wie „Die wirklichen Abenteuer der Nacht“. Ein Gedicht wie „Besame Mucho“ verfädelt Vernunft und Hygiene mit dem Grauen der Geschichte („Sauber, sauber ist Europa ausgefegt. / Nur treibt der Wind das Grauen von gestern über den Boden“). Sirenen heulen, Hyänen wandern umher.
Bizarre Bruchstücke in einem manchmal pseudonaiven Märchenton von kühler Sympathie und blanker Neugier fügen sich zu bezaubernd eigenwilligen Konglomeraten, verblüffen durch die Frische der Bilder und Rhythmen. Die Fetzen von Naturlyrik, die durch ihre Gedichte leuchten, könnten von einer sibirischen postmodernen Droste-Hülshoff stammen, wenn das Etikett nicht so lachhaft wäre. Da gibt es, in „Bayern am Nachmittag“, ferkelrosa Regenwürmer und gehörnte angeheiterte Weinbergschnecken. Aber eben auch „die Angst, dieses trockene Reiben / des Blutes irgendwo innen“. In einem anderen Gedicht riechen die Schnurrbärte nach Wein und nach Angst.
Es ist noch nie so Gesehenes einer russischen Rhapsodin ohne Anspruch auf Ganzheit und Heilung. Olga Martynova schafft kleine lyrische Selbstinszenierungen von dramatischen Genres, etwa „Die Oper“ oder „Die Tragödie“:

Der Chor tröstet, bemitleidet, nicht, dass er heuchelt,
(…)
Ein Schatten auf Filzlatschen-Skiern gleitet um die Museumstür,
Sachlich wie eine Fliege, es riecht nach dunkler Zypresse,
Erwärmt von der Sonnenglut, nach dem ätzenden Schweiss des Boten.

Was hier besticht, ist die Fülle, über die das Gedicht eigenmächtig verfügt, die Geste beinah herrischer Aneignung jeden Dekors:

Soviel Reizendes ist auf der Welt.

Es ist eine Lyrik in Eigenregie, die sich selber Anweisungen gibt:

Meine Aufgabe ist seltsam: den Staub durchblasen, undeutlich murmeln,
Was gestern deutlich gesagt worden ist.

Das Titelgedicht ist eines der schönsten: „Brief an die Zypressen“, ein Traum vom Süden, sei es Krim oder Provence, wachgerufen vielleicht nur von einem Büschel Küchenkräuter, Salbei, Rosmarin. Geträumt wird im Norden, wo „der elektrische Wind im Bildschirm wie die Zikade zirpt“. In diversen Gedichten scheint der Atem angehalten, die Zeit ist aufgehoben für diese ruppig-zarten Momentaufnahmen. Aber auch das ist Illusion:

Die Zeit ist nicht gänzlich erstarrt, sie dehnt sich zum Bindestrich aus.

Ein Gedicht sagt selber, was sie alle auszeichnet: knisternde Zeit, nicht wiederholbarer Blick.

Ralph Dutli, Neue Zürcher Zeitung, 8.11.2001

 

„Rohr – Sprachrohr – Instrument“

– Elke Erb als Übersetzungskünstlerin. –1

Am Ende sei alle Poesie Übersetzung, hat Novalis geäußert. Am Ende ist alle Übersetzung Poesie, sage ich mit Blick auf Elke Erbs übersetzerisches Werk. Sie selber würde, so wie ich sie kenne, zwischen der einen und der anderen Tätigkeit nicht unterscheiden wollen. Elke Erb ist eine Wortarbeiterin, das besagt alles. Sie prüft die Wörter auf Sinn und Klang, auf Nebensinn und Echoraum, sie hört auf ihre innere Stimme und zieht gewissenhaft Wörterbücher bei, weil man Verantwortung hat. Einen leichtfertigen Umgang mit Wörtern lässt sie nicht gelten. Oder wenn es denn um Spiel geht, dann in Zwetajewas Verständnis („Die Kunst im Lichte des Gewissens“, 1932):

Das, was für euch ,Spiel‘ ist, ist für uns der einzige Ernst. Ernsthafter werden wir auch beim Sterben nicht sein.2

Elke Erb hat ein selten feines Ohr und ein Ethos, das beeindruckt. Ein Wortethos. Man muss ihr nur beim Reden zuhören, wie sie die Worte wählt, wie sie sie schafft, erfinderisch, um der Sache gerecht zu werden. Was dabei entsteht, ist ein Elke-Idiom, unverwechselbar und wahr, denn Elke Erb ringt nicht nur um den richtigen, sondern um den wahren Ausdruck. Das meint Wahrhaftigkeit mit allem Drum und Dran, andere mögen es Authentizität nennen.
Und wie, bitte, geht das mit dem Übersetzen zusammen, wo nicht die eigene, sondern eine fremde Stimme im Vordergrund steht? Elke Erb sieht es als ihre Aufgabe an, jeder sprachlichen Wahrhaftigkeit auf den Grund zu gehen, so gründlich, dass sie diese Wahrhaftigkeit neu formulieren kann.
Wir wissen und bewundern es: Neben ihrem umfangreichen eigenen poetischen Werk hat Elke Erb viel übersetzt, vor allem aus dem Russischen:
Gedichte und Prosa von Marina Zwetajewa, Verse von Alexander Blok, Boris Pasternak und Olga Martynova, ein dramatisches Poem von Sergej Jessenin, Romane und Gedichte von Oleg Jurjew, außerdem den schwierigen Weißrussen Ales Rasanau, der mit seinen Poemen, Versetten, aphoristischen „gnomischen Zeichen“ und haikuartigen „Punktierungen“ eigene Genres entworfen hat. Daneben hat Elke Erb – aufgrund von Interlinearübersetzungen – auch aus fernen oder ihr wenig geläufigen Sprachen nachgedichtet: etwa das wunderbare georgische Versepos Wis und Ramin oder (in jüngerer Zeit) Verse der Deutsch-Amerikanerin Rosmarie Waldrop. Überhaupt ist sie begabt für Zusammenarbeit, indem sie dankbar Vorschläge und Anregungen aufnimmt, um dann eine selbstverantwortete Version herzustellen, die überraschend, aber nie prätentiös ist, die das Deutsche nach allen Regeln der Kunst aktiviert, ohne es zu verbiegen oder gar zu vergewaltigen.
Bei Elke Erb lässt sich beobachten, wie fließend die Grenzen zwischen Übersetzen, Nachdichten und Dichten sind, da die Arbeit am Wort vor allen Dingen in einem genauen Hinhören besteht. Es mag emphatisch klingen, von einer medialen Begabung zu sprechen, und doch trifft es die Sache. Im Zusammenhang mit der Übersetzung von Oleg Jurjews „Hütchenspiel“ hat Elke Erb am 30. Januar 1996 notiert:

Eine Haarsträhne von mir denkt durch eine Haarsträhne von ihm hindurch, folglich. (Rohr.)3

Aus der Denkverbindung (und Hörverbindung) erwächst der neue Text: ein Nachbild von eigener Evidenz.
Das Wort Einfühlung oder Nähe habe ich in Elkes übersetzerischen Reflexionen nicht angetroffen, vielleicht versteht es sich von selbst. Dagegen das Wort „Echo-Art“ in dieser Notiz vom 4. August 1995:

Gestern, als ich die Übersetzungen aus Dylan Thomas verglich, empfand ich mit einemmal fasslich, wie ich es selbst gemacht hätte: rund und real wie Erbsen. Wie sie als trockene oder grüne Erbsen sind, zugleich nur gegenwärtig mit ihren Blütenlippen, an den Ranken, die sich locker häufen und winden, über die Beeterde auflungernd. – Wie geht es wohl an, jemanden wiederzugeben mit solcher Präsenz der Komposition aus dem eigenen Grund, wie sollen Lesende hinfinden zu dem übersetzten Text? – Keine Antwort. – Vermutlich holt jede Art ihre Echo-Art aus dir, wenn du übersetzt, und jedenfalls ist kein anderer Weg. – Vermutlich verschwindet das Medium im Hintergrund, und das Poem hat viele Fonds übereinander, vor welchen die Kontur spricht wie nur die des Verrats, die der Hahn kräht.4

Das ist nun durch und durch elkisch formuliert, nicht unvertrackt, zumal das Wort Verrat auftaucht. Nicht dass sich die traduttore Elke Erb als traditore bezeichnen würde, aber die Problematik ist ihr bewusst. Was holt man aus einem Text heraus, was vernachlässigt man, wo liegen die Akzente, die Einbußen, die Gewinne? Oder jenseits rechnerischen Kalküls: Wie gelingt ein Echo, das Musikalität und Anschaulichkeit des Originals vereint?
Ein kleines Beispiel dafür, wie Elke Erb im Detail vorgeht. Sie erklärt ihr Wortfindungsverfahren in einer Notiz vom 23. Juni 1995 so:

Entlang an der anscheinenden Gleichheit von russisch dal’, dol’ (Weite, Länge, auch Tal) und dolja (Anteil, Los, Schicksal) bis zu odolet’ (bewältigen, überwinden) komme ich dahin, überwinden mit überlängern zu ersetzen, – verweile ein wenig bei dem seltsamen Genuss, für das krampfige überwinden das lederige überlängern einzutauschen.5

Elke Erb hat sich übersetzerisch extrem schwierige Texte vorgenommen, nicht zuletzt solche, deren semantischer Eigensinn zu deutschen Neologismen herausfordert. Auf solchem Terrain agiert sie meisterhaft. In Oleg Jurjews Roman Der neue Golem oder Der Krieg der Kinder und Greise verpasst sie Büsten „eine gewisse avangardistische Zottigkeit und Höckerigkeit, stellenweise auch Rippeligkeit, an Lenins Glatze besonders unangebracht“.6 Wir lesen von „acid-farbenen Wachstuchrhomben“ und „schwelenden Augäpfeln“, von „Drei-Rathäuser-Plätzen“, „eierlbetriebenen Kondomfliegern“ und einem „Dösbattel“,7 während in Jurjews Gedichten „Kirschlorberei“ und „Rebenturchen-Dunkel“, „Schaum-Staub“ und „Sonnenabstiege“8 aufmerken lassen.
Eine verbale Extremkletterpartie stellt Zwetajewas elliptischer Nominalstil in ihren kurzen, oft männlich gereimten Versen dar. Semantik, Rhythmus und Klang bilden hier eine kompakte Einheit, die im Deutschen (das grammatikalisch-syntaktisch anders funktioniert) nur schwer wiederzugeben ist. Elke Erb schafft Straffheit und trifft den Ton, wie in dieser Übersetzung eines Gedichts aus dem Anatolij Steiger gewidmeten Zyklus „Gedichte an eine Waise“ (1936):

Auf dem Eise –
Meine Waise,
Auf der Eisscholle, Mine –
Der Geliebte,
In Vermintem, Guyana, Gehenna – Geliebter!

Unter Grind – und begehrt,
Aus dem Grab – und begehrt:
Sei mein Gast – Gebiss und Gebein nur – mein!

Mit der Kniekehlen-Trauer
Bis zur Abgrundnacht-Lauer
Von der letzten Wehe des Bauchs du bedauert.

Noch so elend die Grube und der Abgrund tief –
Versehrt du, begehrt du, zu hegen, geliebt
.

Auf dem Eise –
Meine Waise,
Auf der Eisscholle, Mine –
Der Geliebte,
In Vermintem, Guyana, Gehenna – Geliebter!
9

Erb’sche Findungen sind die „Kniekehlen-Trauer“ und die „Abgrundnacht-Lauer“ – und an anderer Stelle ein prägnantes „verwich“, Vergangenheitsform von „verweichen“, das „weichen“ und „verbleichen“ kombiniert.
Geschick und Erfindungsreichtum beweist Elke Erb (nicht nur bei Zwetajewa) im Umgang mit dem Reim, einem der leidigsten translatorischen Probleme überhaupt. Und doch ist gerade die russische Lyrik – bis hin zu Oleg Jurjew und Olga Martynova – größtenteils gereimt. Ein Eins-zu-eins verbietet sich wegen der unterschiedlichen Traditionen, aber auch, weil das Deutsche über weit weniger Reimwörter als das Russische verfügt und somit leicht in ein Korsett gerät. Alliterationen und Assonanzen helfen aus der Bredouille, und da und dort ein gezielter Reim, doch das erfordert feinsten poetischen Spürsinn. Diesmal zitiere ich zur Illustration ein Gedicht von Olga Martynova, das Elke Erb (aufgrund von Martynovas Rohübersetzung) im besten Sinne des Wortes nachgedichtet hat, sodass es – eine Art persönlicher Schöpfungsgeschichte – gleichermaßen Sinnlichkeit und Musikalität entfaltet:

Im Anfang war der Lehm der Rede Milch,
Honig, Luft. Im Strahl die Stäubchen hingen.
Die Welt war unwägbar. Wir konnten wie auf Schwingen
Im Karussell um Pappefernen fliegen:
„Drei Quellen“, „Alter Turm“, „Georgiens Hügel“,
„Die Darjalschlucht“. Schwalben schrien und querten
Des Abendhimmels Lücken. Ewig währte
Der ewige Herbst. Rubinrot durchsichtig die Welt, bekannten Bilds
Und behaglich so, wie ein Bonbon unter der Zunge schmilzt.

Die Anziehung wird stärker, die Welt verfestigt sie.
Staub setzt sich ab, verklebt zu Pillen, zieht sich aus dem Spinngeweb.
Vom hohen Flug der Schwalben zittern nun die Knie.
Und jenen Turm zu finden, muss man ihn wiederbaun, weichkneten den Lehm,
(Der Erbe gab das Haus auf aufgrund der Hypothek),
Der Lehm wird hart, und den Flügel kennt im Abdruck niemand;
Der Schnee schmilzt nicht, das Karussell rotiert, nicht dort indessen, wo die
Drei Palmen wachsen und im Springbrunnen schwimmt die Rose.
Das Bonbon verliert den Geschmack – ein Kieselstein, unter die Zunge gelegt.

Doch die Welt wird wieder dünn und im Nebeldunst wieder
Wird kalt die schwingende Klinge der Schwalbe schweifen;
Und zu Funken der Batzen Staub zerfällt;
Auf dem Wasser im Vogelgeschnatter beginnt deine arme Flöte zu pfeifen,
Dummer Tamino, den der Drache schon als Bild entsetzt;
Und der Bach fließt, „Die Mühle“ umbiegend, ein „Zugefrorener
Teich unter gelbem Laub“. Der Lehm wird werden wie Luft. Und zu sprudeln
Heben an „Die drei Quellen“, unklar, wovon sie reden freilich,
eifrig beipflichtend;
erneut herrscht immer Herbst und weiß nicht von Gesetz
noch Segenschenken.
Zu rasch, um über das noch nachzudenken,
wie unter der Zunge ein Bonbon zerschmilzt die Welt
.10

Schön, dieser abwechselnd prosaische und getragene Tonfall, ziseliert aus kleinen syntaktischen Inversionen und hellem Klang („Wird kalt die schwingende Klinge der Schwalbe schweifen“), aus Alltagsvokabeln (Bonbon, Hypothek) und Allegorie, fein austariert; so und nicht anders verdanken wir ihn Elke Erb. Sie gibt sich der sekundären Autorschaft hin, als wär’s die erste, ohne Zeit und Kraft zu scheuen, ohne Angst, dem Ich als einem Andern zu begegnen: Rohr – Sprachrohr – Instrument.

Ilma Rakusa, in Text+Kritik: Elke Erb – Heft 214, edition text + kritik, April 2017

 

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Bild von Juliane Duda mit den Übermalungen von C.M.P. Schleime und den Texten von Andreas Koziol aus seinem Bestiarium Literaricum. Hier „Die Elkeerb“.

 

Beitragsbild von Juliane Duda zu Richard Pietraß: Dichterleben – Elke Erb

 

Elke Erb liest auf dem XVII. International Poetry Festival von Medellín 2007.

 

Elke Erb liest bei OST meets WEST – Festival der freien Künste, 6.11.2009.

Fakten und Vermutungen zur Autorin + KLG
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Beitragsbild von Juliane Duda zu Richard Pietraß: Dichterleben – Olga Martynova

 

Olga Martynova – Dichter im Porträt.

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