Park – Heft 65

Park

PHOTOSYNTHESE

Und wenn die Einsamkeit in der Sprache beginnt, die
aaaaaDunkelheit im Licht, und die Iris
eine weiße Lüge der Sonne ist? Ein Sickerfluss, der mit A
aaaaabeginnt?

In diese Arme passt viel Licht, wenn man nur wüsste, wie man
aaaaaes halten soll,
damit es nicht davonläuft, sich nicht einrollt. Schau, es ist

in Wänden und Decken verborgen, unter Brücken und in
aaaaaLaternenmasten:

in den Photosynthesen unserer Träume, wo die Zeit gespeichert
wird und die scheuen Ruder unserer Dunkelheit enthüllt.

Schau die geschlossenen Augen, ahne die Stummheit, ahne die Stille des Mundes
in der Spieluhr der Stimme, die Streicher über dem Sternensystem. Sag oh.

Sag oh, was sind wir nur für dunkle Räume.

Und wenn die Einsamkeit in der Sprache beginnt, die Dunkelheit im Licht, und die Iris
eine weiße Lüge der Sonne ist? Ein Sickerfluss, der mit A beginnt?

In diese Öffnung drängt die Sprache, und wenn wir wieder Licht für
unseren Apparat stehlen, sind wir bereits einen Schritt weit im Anderswo.

Kaisa Ijäs
aus dem Finnischen von Stefan Moster

 

 

 

 

Die Zeitschrift PARK

wurde 1976 begründet mit dem Ziel, neue Tendenzen der Gegenwartspoesie zu entdecken und in Erstdrucken vorzustellen. Sie will ohne programmatische Festlegung die Formen jüngster Lyrik erkennbar machen. Zwar konzentriert sich das Interesse auf das Werk jener Dichter, die sich der hermetischen Tradition verpflichtet fühlen, gleichzeitig steht PARK aber anderen Strömungen offen und bringt auch Texte von Autoren, die sich literarischen Zirkeln und Schulen konsequent entzogen haben.
Ein Schwerpunkt liegt bei der Präsentation jüngerer begabter Lyriker. Eine Daseinsberechtigung erhält PARK rückblickend dadurch, daß viele von ihnen später den Weg in größere Verlage gefunden haben.
Texte von über 150 Schriftstellern sind in den bisherigen 48 Ausgaben der Zeitschrift erschienen, die damit gleichsam eine Lyrik-Anthologie in Erstdrucken darstellt. Die Namen der Autoren spiegeln Entwicklungen wider, die die deutsche Lyrik in den letzten zwanzig Jahren genommen hat. So sind u.a. vertreten: Christoph Meckel, Friederike Mayröcker, Gerhard Falkner, Rose Ausländer, Paul Celan, Uwe Kolbe, Jan Koneffke, Richard Anders, Wolfgang Bächler, Michael Buselmeier, Dieter M. Gräf, Margarete Hannsmann, Helmut Heißenbüttel, Uta Mauersberger, Detlev Meyer, Bodo Morshäuser, Oskar Pastior, Johannes Poethen, Ralf Rothmann, Sabine Techel, Jürgen Theobaldy, Hans-Ulrich Treichel, Ernest Wichner und Lioba Happel.
Einen festen Bestandteil der Zeitschrift bildeten von Anfang an Dossiers über Gegenwartspoesie in fremden Sprachen. Bisher wurden Dichtungen aus 18 Ländern präsentiert, – meist zweisprachig und mit instruktiven Einleitungen. So konnte man zeitgenössische Gedichte aus Griechenland, Italien, Spanien, Schweden, Frankreich, England, Jugoslawien, USA, Polen, Rußland, Irland und Lateinamerika kennenlernen. Erstübertragungen von Arbeiten auch hierzulande vielbeachteter Dichter, wie Octavio Paz, Andrea Zanzotto oder Gennadij Ajgi, stehen dabei neben Expeditionen zu unbekannten Poesien, etwa aus Estland, Iran oder Argentinien.
Wenn auch das Hauptgewicht der Zeitschrift bei der Lyrik liegt, so veröffentlicht PARK darüber hinaus kürzere Prosaarbeiten, Rezensionen wichtiger Neuerscheinungen und oft auch literaturästhetische und poetologische Essays, z.B. von Hans Blumenberg oder Gerd Henniger.

Waschzettel, Heft 29/30, Februar 1987

20 Jahre PARK

Als im Dezember 1976 das erste Heft von PARK herauskam, war das zwanzigjährige Bestehen der Zeitschrift und das halbe Hundert nun vorliegender Ausgaben nicht vorauszuahnen. Das „Programm“ hieß Gegenwartslyrik und das Gedicht sollte der Mittelpunkt sein, zu dem essayistische, theoretische, kritische Beiträge hinzuträten. In 20 Jahren PARK wurde daraus eine sich fortschreibende Anthologie der Gegenwartspoesie: In Erstdrucken konnten bisher mehr als 200 Autoren vorgestellt werden, die Hälfte davon übersetzt (aus insgesamt fünfzehn Sprachen) und bisweilen kommentiert. Darunter finden sich etablierte wie seinerzeit noch ganz unbekannte Namen, schließlich war es ein Anliegen, neue Talente zu entdecken und – oft erstmals – lesbar zu machen. Es blieb stets ein gewisser Luxus, bei der Auswahl auf Marktgängigkeit verzichten zu können.
Trotz der für kleinere Zeitschriften typischen Probleme bei Vertrieb und Erscheinungsfolge war PARK für die Aufmerksamen stets zu finden. Ihnen sei gedankt für ihre Mühe und Geduld, Dank den Autoren, den Übersetzern und den Bildenden Künstlern für das oft langjährige freundschaftliche Zusammenwirken sowie den Förderern und den ungenannten Mitarbeitern bei der Herstellung

Michael Speier, Park, Heft 49/50, Dezember 1996

 

Das Haus für Poesie feiert das 40-jährige Bestehen von PARK – Zeitschrift für neue Literatur.
Zu Ehren der Zeitschrift haben am 7.2.2017 vier PARK-Autoren der letzten Jahre im Haus für Poesie gelesen: Kenah Cusanit, Gerhard Falkner, Kerstin Preiwuß und Monika Rinck. Michael Speier und Michael Braun führten durch den Abend.

Fakten und Vermutungen zu Michael Speier
Porträtgalerie
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Richard Pietraß: Dichterleben – Michael Speier

 

Michael Speier liest beim 11. Internationalem Poesiefestival von Medellín im Juni 2001.

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