Theo Breuer: Ohne Punkt & Komma

Vorab…

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Theo Breuer: Ohne Punkt & Komma

Breuer-Ohne Punkt & Komma

HEUTE IST DER 22. Dezember 1997. Soeben habe ich eine Reihe der Lyrikbände aus dem Regal genommen, die ich exempla­risch für die schönen Gedichtbücher, die ich in dieser wieder etwas wil­der gewordenen Zeit gelesen habe, auf den fol­genden Seiten vorstellen werde. [UNTER SCHÖN VESTEHE ICH in diesem lyrischen Zusammenhang das Ge­dicht, das mich interessiert, fesselt und gleichzeitig am Erhabenen (das oft genug auch verdreckt in der Gosse zu finden ist) teil­nehmen läßt. Wir be­finden uns hier in extrem subjektiven Gewässern, und erst gestern habe ich mich beim Lesen der Gedichte von Karl Krolow ge­fragt, was denn nun für mich das Außergewöhnliche, das Besondere, das Charis­matische an diesen Gedichten sei, denn die Empfindung, hier immer wieder dem geglückten Gedicht zu begegnen (oder, wie ein anderer es aus­drückt, dem südlichen Wort) war ganz stark in mir, und ich befragte mich wiederholt, ob ich mir diese Empfindung nicht etwa einredete, weil der Name Krolow mich wo­möglich von vornherein mit positiven Vorurteilen belud, und ich las weiter und weiter und fand nicht die Wörter für eine Antwort auf meine Frage. Aber – das Gefühl blieb. Nachdem ich heute einen in meinen Augen schlech­ten, (langweiligen, gekünstelten, lyrisches Empfin­den heuchelnden) Ge­dichtband gelesen habe, weiß ich die Antwort, und ich weiß vor allem, daß ich mich bei Krolow nicht getäuscht habe.]

Halt – nicht nur im soeben näher beschriebenen Sinne schöne Gedichtbände stelle ich Ihnen vor, nein, es geht mir durchaus auch darum, wenigstens einige wenige neue Editionsideen und in den 90er Jahren gegründete lyrische Reihen vorzustellen – un­abhängig von meiner subjektiven Einschätzung der Qualität. Daß ich damit das weite Feld dieser Neuheiten nur im entfernte­sten Ansatz andeute, muß von vornherein deutlich gemacht werden, geradeso wie die Tatsache, daß unter dem Thema Lyrik in den 90er Jahren ein dickes Buch mit vielen, vielen Seiten ge­schrieben werden müßte, was ja möglicherweise nach der Jahr­tausend­wende geschehen wird, warten wir’s ab.

Die Klänge von Schuberts 1. Sinfonie versetzen mich in die­sem Augenblick besonders intensiv in eine meiner liebsten Stimmun­gen, die ich – bewußt herkömmlich-traditionell – die poe­tische nennen möchte. Bereits vor einer hal­ben Stunde war ich soweit, ein Zeichenprogramm in meinem Computer zu öff­nen, um mit der Maus ein Bild mit dem Wort Poesie zu malen. Statt dessen beginne ich nun mit der Niederschrift die­ser Auf­sätze zur Lyrik der 90er Jahre, die ich mir seit einigen Wo­chen zu schreiben vorge­nom­men und für die ich – neben der Lektüre der Gedicht­bände als natürlichem Aus­lö­ser meiner Schreibtä­tigkeit – seit einiger Zeit vorbereitende Gedankenarbeit geleistet habe, die nun das Schreiben möglich macht. [ICH HABE BEREITS verschiedentlich meine Skepsis an der Aussagekraft bzw. Bedeutung des Begriffs JAHRZEHNT geäußert. So scheint mir eine An­tholo­gie wie die erste nach dem Kriege in Deutschland publizierte Gedicht­sammlung De Profundis (1946 von Gunter Groll herausgegeben), die ausschließlich Gedichte enthält, die zwischen 1933 und 1945 von Dichtern der inneren Emigration geschrieben wurden, unter Um­ständen mehr Sinn zu machen als eine Jahrzehnt-Anthologie: Die Tren­nungslinie bei letz­terer ist natürlich künstlich, die Übergänge sind schließ­lich fließend, aber was hilft es: Verstanden als heuristischer Begriff findet Jahrzehnt auch in meinen Ausführungen immer wieder Verwendung. Der Leser mag selber entscheiden, in­wieweit man von Gedichten der 60er, 70er, 80er oder 90er Jahre im Hinblick auf klare Abgrenzungen bezüglich der Formen, Inhalte und Stile  sprechen kann: Ich tue es jedenfalls auch – bei aller Vorsicht…] Die Stimmung, auf die ich gewartet habe, ist nun da, denn: Ein gutes Ge­dicht ist das eindringendste Mittel der Belebung des Gemüts [ICH GEBE GERN ZU, daß es mich stets erfreut, wenn ich, wie hier bei Imma­nuel Kant, Ge­danken bei großen Geistern finde, die ich so oder so ähnlich ebenfalls denke. Dies zu do­kumentieren ist wohl Sinn der Mehrzahl der Fußnoten.]: Wie oft habe ich, beispiels­weise, Paul Celans Todes­fuge (z.B. auch in Luftfracht abge­druckt) gele­sen, und jedesmal bin ich noch mehr elektrisiert von die­sem Ge­dicht.

Ich habe mich beim Gestalten der Druckvorlage für den Schrifttyp Lucida Casual entschieden, der unter den vielen, vielen Schriften, die mir die Auswahl zur Qual machen, u.a. die bereits angedeutete Stimmung, die quasi die Grundierung meines Textes darstellt, typographisch doku­men­tieren mag. Wenn ich mir schon den Begriff Grundierung aus der Welt der bildenden Kunst entleihe, möchte ich in diesem Zusammenhang unbedingt auf eine weitere Facette dieses Begriffs im Hinblick auf (sicherlich nicht nur) meine Schreibexistenz an sich hinwei­sen:

Ich bin von Beginn meiner Schreibtätigkeit an der Schrift­steller­typ gewesen, der über das Lesen von Literatur zum Schreiben von Literatur gekommen ist. An einem Herbsttag des Jahres 1983 brach sich diese Ent­wicklung endgültig Bahn. Diese Bezie­hung besteht bis heute, al­lerdings mit dem Unterschied, daß sie noch viel intensiver ge­worden ist als in den Anfängen: Im Ezra Pound Lesebuch habe ich von der (offenbar zwingend notwen­digen) Zitierwut Pounds gelesen, die im Laufe der Zeit immer heftiger geworden ist. Ich nehme an, daß es bei mir die gleiche Disposition ist, die die Werke der Dichter in meine Gedichte mit einfließen läßt. Ich hoffe, sie alle freuen sich darüber; jeden­falls möchte ich betonen, daß mein gesamtes dichterisches Schaffen im Grunde genommen eine ein­zige Hommage an die Dichtkunst oder – allgemeiner gesagt – an die Kunst, Musik und Literatur aller Zeiten ist, der bzw. denen ich so viele glückliche Momente meiner Existenz zu verdanken habe. Es versteht sich von selbst, daß dies nicht die alleinige Funktion meiner Gedichte ist. [Es ist natürlich ein feines Gefühl, beim Lesen zahlreicher Gedichtbände der 90er Jahre immer wieder auf ähnliche Schreibdispositionen zu stoßen. Offen oder versteckt montieren die Dichter die Verse geschätzter Dichter in ihre Gedichte hinein, um ihr lyrisches Ich in differenzierter und diffe­renzierender, in objektivierter und objektivierender Sichtweise lyrische Welt sichtbar machen zu lassen, eine Verfahrensweise, die Benn vorausge­sehen hat und die wohl eine der wenigen echten postpostmodernen Stile­lemente zu sein scheint – natürlich ohne den Anspruch, dies erfunden zu haben: Mein Gott, nein, wenn ich in Ben Jonsons Gedichten beispielsweise lese, springen mir die Catull, Horaz, Philostratus nur so in die Augen. Aber ich glaube, daß der Lyriker der 90er Jahre – im Gegensatz zum romanti­schen Dichter – ein Geschichtsverständnis pflegt, das dem eines Ben Jonson (1572–1637) sehr nahe kommt: History, as Jonson perceives it, is not a changing and evolving process, producing an infinite series of unique moments. Instead, it is a repetitive and in part predictable affair, whose individual moments may be seen to resemble other moments that have occurred in the past or may occur in the future. To echo the poets of the past is not therefore a servile or insignificant act; it is rather a salute to authority, a telling (and in turn authoritative) location of the present relevance and application of what they, in their age, have observed and written. Oscar Wilde’s comment on Ben Jonson was apt: „He made the poets of Greece and Rome terribly modern“.  (Ian Donaldson in: Ben Jonson. Selected Poems, 1995). Gleiches tun wir mit den großen Dichtern der vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte, auffällig häufig in den 90er Jahren mit Hölderlin, worüber noch eine Rede zu reden sein wird.]

Anmerkungen und Fußnoten zu einigen Dutzend Büchern, be­wußt und vor­nehmlich Er­zeugnissen aus kleineren Verlagen, die eher selten in der Öffentlichkeit besprochen werden, stelle ich meinem längeren Kerntext Eine lyrische Marginalie oder Ein Echo von allem zur Seite, in dem ich mich dem Phänomen der Lyrik der 90er Jahre ein wenig zu nähern versuche und gleich­zeitig einen Lyrikband vorstelle, der viel­leicht zu den gelungen­sten lyri­schen Büchern ge­hört, die ich in die­ser Zeit gelesen habe. Das Lesen von Lyrik nimmt seit ein paar Jahren einen an­deren Stellenwert in mei­nem sehr vom Le­sen be­stimmten Leben ein, das allerdings (Don’t worry, Karl Kraus & Rolf Dieter Brinkmann!) auch au­ßerhalb meiner 4 Wände gelebt wird: Wa­ren es über viele Jahre hin die Romane, so sind es nunmehr Ge­dicht­bände ge­worden, die ich am liebsten und am meisten lese und in denen ich u.a. nach den Antworten auf meine Fragen [IN DAGMAR LEUPOLDS Kurzprosa- und Gedichtband Destillate – apart poetisch und pointenreich verfaßt – auf Seite 42 gefunden: Fragen an den Dichter // Ohne Not erfinden? / Zur Not erfinden? / Die Not erfinden? // Notabene. / Notamale.] forsche, die ich mich stets gefürchtet habe, of­fen zu stellen.

Es wurde aber auch höchste Zeit, denn wenn ich darüber nach­denke, was ich an lyrischen Klassikern noch nicht kenne, werde ich ganz unruhig, vor allem vor dem Hintergrund, daß nie zuvor soviel Lyrik veröffentlicht wurde wie heute. Wenn die Zeitschrift Das Gedicht von etwa 600 recherchierten deutsch­sprachigen Lyrik­bänden im vergangenen Jahr spricht, so kann es sich dabei ja nur um einen relativ kleinen Teil der tatsächlich erschienenen Lyriktitel handeln: Es gibt im deutschen Sprachraum einige hundert Kleinverlage und Minipressen, die im Schnitt wohl um die 5 bis 15 (in erster Linie lyrische) Bücher jährlich verlegen, ganz zu schweigen von den Publikationen der ,großen‘ Verlage, die auch wieder deutlich mehr geworden sind im Bereich der Lyrik: Selbst bei vorsichtiger Schätzung kommen da ein paar tausend heraus – deren Qualität einmal dahinge­stellt sei. [WIE ICH DEN ,Qualitäts-‘-Begriff in diesem Zusammenhang hasse. Sind wir denn in einer Fabrik, in der ich der Abteilung Qualitätskontrolle zugewiesen bin? Nein, nein, nein, im­mer wieder bin ich ratlos nach der Lektüre von Gedichten, die nicht das Kriterium der schwierigen Schönheit – gemeint ist eine spannungsreiche Organisation des Gedichts, eine beherrschte Kontrapunktik zwischen se­mantischen und ästhetischen Werten, Neuartigkeit, Multivalenz, Vielfalt der gedanklichen Assoziationen und der von der Sprache getragenen Rhythmus- und Klangstrukturen (Bernd Thum) erfüllen, lege sie beiseite, lese sie wieder. Und wenn nach dem Lesen eines Gedichtbandes auch nur eine Zeile hängenbleibt, ein Bild, gar ein ganzes Gedicht, die Tonart der Texte, so spricht das bereits für den Dichter und seinen Stil, und wenn nichts beim Lesen, auch beim wiederholten, sich rührt – nun, dann können wir es wohl nicht miteinander, und ich muß mich nicht länger mit der Frage befassen, wie schlecht dieses Buch ist, das interessiert mich über­haupt nicht mehr. Jedenfalls kann dieses Nichteintreten von Kommunika­tion zwischen Gedicht und mir ja auch ganz andere Gründe haben als das vermeintlich schlechte Gedicht. Monate oder Jahre später kann ich zu ganz anderen Leseempfindungen und -erkenntnissen kommen. Ich wundere mich über die Fach­leute, die immer noch zu unterscheiden wissen zwi­schen dem, was schlecht ist und dem, was gut ist, obwohl seit dem Ein­bruch der Moderne die von Thum so glänzend formulierte und offenbar so griffige Qualitätsbestim­mung als solche ja gar nicht mehr gültig sein kann. LETZTEN ENDES ist das Gedicht eine Sache zwischen zwei Personen und nicht zwischen zwei Seiten. (Frank O’Hara)]

Nicht nur – aber auch Gedichte wie das folgende (von Axel Kutsch) versetzen mich Tag für Tag in eine geradezu wü­tende Lesestimmung, und die Lyrik beschert mir bisweilen gleichsam rauschhafte Zu­stände, die mir das Bewußtsein erwei­tern und das Leben verlebendigen – seien die Gedichte nun – um es mit Hermann Hesses Worten auszudrücken, die ich in seinem sehr interessanten Aufsatz Über Gedichte fand – eine Entla­dung, ein Ruf, ein Schrei, ein Seufzer, eine Gebärde, eine Reak­tion der erlebenden Seele, mit der sie sich einer Wallung, eines Er­lebnis­ses zu erwehren oder ihrer bewußt zu werden sucht [SIEHE CHRISTIAN STRICH (Hg.), Die schönsten Gedichte von Hermann Hesse, S. 117. Hesse setzt sich in diesem Aufsatz auch mit den guten Seiten des schlechten Gedichts im Zu­sammenhang der Beurteilung von Lyrik ausein­ander.]:

VORSCHLAG

Schlagt Bücher auf
wenn Gäste
von Computern
schwärmen
und lest sie hinaus!

13 Bücher aus 10 Verlagen stellen KAPITELÜBERSCHRIFTEN dar, un­ter denen immer wieder mehrere Gedichtbände (und andere Bücher) zumindest kurz vorgestellt werden, die ich dem Le­ser ans Herz legen möchte, damit er sie erwerbe und lese, was wohl nicht nur Thomas Mann als die liebste Beschäfti­gung des Tages bezeichnet hat: Das Beste vom Tage: nach dem Aus­kleiden, im Schlafrock, bei brennender Ofenlampe, Lektüre im Stuhl. Ich bin in der glücklichen Lage, das Beste vom Tage bereits kurz nach dem Aufstehen erleben zu dürfen, da ich jeden Morgen über eine Stunde in der Bahn ver­bringe und mich so schon ganz früh in die Gedichte versen­ken kann: Was dem einen der Walkman, ist mir der Gedicht­band.
Die Kenntnis des Zitats von Thomas Mann verdanke ich im üb­rigen Mi­chael Koh­tes, der mich an ei­nem Abend mit dem Buch Lite­rarische Abenteurer, in dem er 13 wilde Exi­stenzen vorstellt, dermaßen gefesselt hat, daß ich ihm meine vergleichs­weise 13 zahmen Abenteurer-Texte widmen möchte. [WELCH SCHÖNE BESCHERUNG, daß mir wenige Tage, nachdem ich dies schrieb, der Lyrikband Der Alltag des Abenteurers von STEFFEN JACOBS in die Hände gerät. Und welche Überraschung: Lesevergnügen pur mit einem Dichter, Jahrgang 1968, der gerade die Ent­wicklung in der Lyrik der 90er Jahre repräsentiert, die ich so liebe: In seinen Gedichten treffen sich Ich & Welt zu rasanten Rendezvous, in denen die Sprache (in freien, mit Binnen­reimen durchsetzten oder liedhaften (jambischen, trochäischen) Versen und ge­reimten Kadenzen) dermaßen flott, verspielt, pointiert zwi­schen den schönen und den schmerzvollen Themen des Flickwerks Leben schwankt, daß Benn, Hölderlin, Maiwald, Rilke und ich viel zum Staunen finden: jardin Nouveau // Kein Elefant im Karussell, / kein Knabe träumt sich hoch und schnell. // Dort, wo sich, heißt es, Wesen drehten, / kreisen jetzt Mobilraketen. // Drehen durch und rasseln Ketten, / drohen, schießen, schließen Wetten: // Lauter laute kleine Landser. / Und dann und wann ein weißer Panzer.]

Schließlich sei noch der Hinweis erlaubt, daß ich mich durch eine Reihe freundlicher Zuschriften zu meinem in der literarischen Jahresschrift Muschelhaufen erschienenen Essay Mein alter­natives Lyrik-ABC (den ich als Komplementär-Lektüre zu Ohne Punkt & Komma vor allem deshalb empfehle, weil ich die poe­tologischen Kommentare und besprochenen Einzeltitel hier na­türlich nicht wiederhole) zusätzlich ermutigt fühle, in dieser mir lieb­gewonnenen Art der Beschäftigung mit literarisch-künst­leri­schen Dingen, die mir Tag für Tag begegnen, auseinanderzu­set­zen. Stellvertretend zitiere ich Axel Kutsch aus seinem Brief vom 28.11.97: Ich habe Dein Lyrik-ABC als eine interessante Er­gänzung zu „Das Gedicht“ gelesen. Das solltest Du fortfüh­ren!  Was ich hiermit denn tue – ohne Angst vor dem, was z.B. auch Peter Waterhouse oder Hugo von Hofmannstal (Die Worte zerfallen mir wie modrige Pilze im Mund) als das Problem des Lyrikers schlechthin beschrieben hat – keine Wörter zu haben.

Theo Breuer, Vorwort

Inhalt

Vorwort

(1) Paul Anton Bangen, Der neue Tom

Exkurs I

(2) Michael Basse, Die Landnahme findet nicht statt

Ohne Punkt & Komma I

(3) Andreas S. Berndt, von regen von erinnerung von ursachen

Ohne Punkt & Komma II

(4) Harald Gröhler, Das Mineral der Romantiker & Aldona Gustas, Jetzt

Ohne Punkt & Komma III

(5) Harald Hartung, Luftfracht

Ohne Punkt & Komma IV

(6) Dieter Krause, Vergleichen Sie ihre goldgelbe Haut im Spiegel

Exkurs II

(7) Eine lyrische Marginalie oder Ein Echo von allem

Ohne Punkt & Komma V

(8) Axel Kutsch, Orte. Ansichten und Einsturzgefahr

Ohne Punkt & Komma VI

(9) Regine Mönkemeier, schwarz

Exkurs III

Ohne Punkt & Komma VII

(10) Hans-Ulrich Prautzsch, Almanach Heine 97

Exkurs IV

Ohne Punkt & Komma VIII

(11) Matthias Schamp, Kämm dir den Lorbeer aus dem fettigen Haar

Exkurs V

(12) Raoul Schrott, Die Erfindung der Poesie

Ohne Punkt & Komma IX

(13) Kritzi Kratzi  or  The Magic of Visual Poetry

Ohne Punkt & Komma X

Sendeschluss

Bibliographie

Lyrische Einzeltitel

Post Scriptum 1 bis 90 oder  eine Art lyrisches Tagebuch

Nachtrag Bibliographie

Post Post Scriptum  oder: on the brink of Poetry

 

Pflichtlektüre als Erlebnislektüre

Lieber Theo Breuer, 
als Erik Martin mir Ohne Punkt & Komma mit den sibyllinischen Worten in die Hand drückte „vielleicht fällt dir dazu etwas ein“, meldeten sich zunächst ein paar schulbekannte Verweigerungsreflexe: das Buch auf die lange Bank schieben, stichomantisches Einsichtnehmen ohne sonderliches erkenntnisleitendes Interesse; Fußnotenlesen in der Hoffnung, einen Beleg zu finden, der die zähe Leseunlust bestätigt.
Ich gestehe es, lieber Herr Breuer: mir, dem manischen Lyrikleser, erging es so. Vielleicht lag’s daran, dass ich mich für eine Zeitlang ins immer wieder exotische Gebüsch der Minnesänger geschlagen hatte. Aber dann klebte ich unversehens fest an einer der poetologischen oder sonst wie bestrichenen Leimruten, die Sie seitenweise ausgelegt haben: „…das Chaos muss in jeder Dichtung durchschimmern. Neues Dichten bewirkt allseitige Entfremdung… mit seinem Freisein von der gewöhnlichen Welt, die an allzu großer Klarheit leidet.“ (Novalis, S. 154/155) „Visuelle Poesie… hat vor allem den Vorteil, dass sie grenzübergreifend rezipierbar ist.“ (Theo Breuer, S. 155) „Was soll ein Vers, der keine Zumutung ist? Er ist eine Zumutung, oder er ist ein Parfüm.“ (Christoph Meckel, S. 52)
„Ich weigere mich, in… diskriminierender Weise Bücher aus Selbstverlagen … in kleinster Auflage nicht mitzuzählen.“ (Theo Breuer, S. 133)
Ich klebte fest, las, blieb erneut haften, und je genussvoller ich auf den nächsten „Leim“ tappte, desto spürbarer löste ich mich von der landläufigen Vorstellung, die kompetente Beschreibung und Präsentation eines „lyrischen Jahrzehnts“ sei jener vermeintlich bleibende Rest, der übrigbleibt, nachdem ein universitär zusammengeschustertes Rüttelsieb seine Selektionsarbeit getan hat.
Ich kann, lieber Theo Breuer, nur in der Sprechbewegung Ihres Buches reagieren: „Schreiben Sie Ohne Punkt & Komma fort und füllen Sie die vielen, vielen Lücken, die ich naturgemäß hinterlassen habe, mit eigenen Gedanken…“. (Theo Breuer, S. 104) Zum einen: gar so viele Lücken kann ich mit dem besten Willen nicht entdecken! Meines Wissens gibt es keine lückenlosere Dokumentation der Lyrik der 90er Jahre; selbst  den „randständigsten“ Publikationen räumen Sie hochgemut einen gebührenden Platz ein. Zum andern: da referiert – nein, es „referiert“ nicht jemand – da „glossolaliert“ (im pfingstlichen Sinne) ein Lyrik Schreibender und jede Lyrikspur Verfolgender seine Leseerlebnisse – auch Leseenttäuschungen – und treibt den Leser von Brinkmann über Axel Kutsch und viele andere Wahrzunehmende bis hinab (hinauf) zu Han Shan Vers: „Schrieben wir auch auf feinste Reiskuchen / selbst streunende Hunde würden nicht anbeißen.“
Ihr Buch Ohne Punkt & Komma ist ein feiner Reiskuchen, dem ich viele streunende Lesehunde wünsche, die herzlich zubeißen.
Weil ich immer noch mit Kauen beschäftigt bin, breche ich hier ab.
Herzlich
Ihr Herbert Sleegers

Herbert Sleegers, muschelhaufen.de

Theo Breuer,

der beinahe täglich neue Lyrikbände kauft und liest, macht in seinem Buch hungrig auf Gedichte. Er füttert den Leser mit Appetithäppchen von zahlreichen Autoren, weckt Kreativität, indem er verschiedene Möglichkeiten des Dichtens zeigt, und schreibt dabei so locker und selbstverständlich, dass ein Vergleich mit Robert Walser sich unbedingt aufdrängt.

Titus Müller, federwelt.de 

Lyrik vom Besten

Dieses Buch ist für mich eines der Besten für alle, die sich für Lyrik interessieren. Zwischen Einzelbeschreibungen und Erklärungen verbergen sich Büchertips, von denen ich bislang nicht ein einziges Mal enttäuscht worden bin.

merino42s, amazon.de, 12.3.2006

 

Fakten und Vermutungen zum Autor und Buch + Würdigung

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