Wolfgang Hilbig: die versprengung

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Wolfgang Hilbig: die versprengung

Hilbig-die versprengung

VERSE UM AN FRÜHERE ZU ERINNERN

so lang schon unerforscht der kühle feuchte
herbst der eindrang ins reale haus woher
in meiner sprache sprech ich immer
mit einem der ich heißt
aaaaaaaaaaaaaaaaa   aaich weiß
welcher trost ihm einfache lügen sind
er schlägt nicht zurück wenn ich sage du
mußt sterben daß ich leben kann

ich habe dich so ganz entblößt
dich narren harlekin der fremden bunten lumpen
mir folgst du nicht mein weites steigen
frommt mir
aaaaaaaa aadir nicht
das haus ist schwer
vom herbst der erde verhangen und brüchig
vom lärm deiner feuchten seufzer
wo bist du denn ich habe dich noch nicht erblickt −
mit bösem lachen
sage ich wisse ein jahr ist nichts −
doch ich weiß der tod erst gibt mir recht

ihm nicht ihm gehe ich nicht auf den leim −
woher nur weiß ich wie im keller
ein schwarzes wasser wartet
in kühler ruh die allem seinen glanz nimmt −
und zögernd seit langem
steigt er über viele stufen
hinab
aaaaavorsichtig langsam
um nicht zu stürzen steigt er
seit jahren die grünen stufen hinab.

 

 

 

Das lyrische Ich

dieser neuen Gedichte von Wolfgang Hilbig, die den Weg des Autors vom unbekannten Arbeiter in eine schriftstellerische und damit „öffentliche“ Existenz begleiten – ein Weg, der sich eher als ein Gang in „die versprengung“ ausnimmt −, vermag sich nicht mehr als ein geschlossenes Ich auszusprechen, wie es dies früher, freilich im Modus der „abwesenheit“ vom Ich, mit offensichtlicher Naivität noch konnte. Damals schien die Sehnsucht nach Anwesenheit mitartikuliert zu sein. Doch der Dunstkreis, den die bloße Gegenüberstellung jenes zweiten Wortes anbot, ist an vielen Stellen zerrissen.
Hilbigs Autoren-Ich ist realer geworden – und beginnt somit zu verschwinden. Unermüdlich bemüht es sich, seine Projektionen auf ein anderes Ich in einer anderen Wirklichkeit, die phantastische Züge trägt, aufzudecken, um dieses Verschwinden zu verhindern. Phantastische Wirklichkeit will aber immer auch der Versuch einer Grenzüberschreitung sein: die Grenzen der Abwesenheit.
Auf diesem Weg geht es nicht mehr nur um einen Zustand, von dem es in dem ersten Band hieß: „… anonym / der schreiber wird nicht mehr gebraucht“; es geht darum, „die sonne des scheiterns emportauchen“ zu lassen. Die Welt des Autors ist eine geteilte Welt; diese letztmögliche Form von Realismus verleugnen die Texte nicht. Alles sonst kreist um Meeresnähe, Liebesnähe, dunkle Nähe – phantastische Anforderungen, mit denen sich das lyrische Ich gegen und zugleich an den Autor wendet. Gesucht wird dabei nicht Einheit, sondern „zwiefalt“, d.h. die Hoffnung, daß Abwesenheit und Anwesenheit sich gleichberechtigt zu übersteigen beginnen, was eine kalte Einheit nicht möglich erscheinen ließe. Wolfgang Hilbigs neue Gedichte fordern die Leser auf, an diesem „tanz auf der mauer“, der daraus entsteht, teilzunehmen.

S. Fischer Verlag, Klappentext, 1986

 

Wolfgang Hilbig: die versprengung

Wolfgang Hilbigs neue Gedichte sind noch poetischer geworden als die 1979 im Band abwesenheit gesammelten. Die kannten immerhin noch den knappen Vers und eine lakonische Bildsprache, auch sehr direkte Töne wie „laßt mich doch / laßt mich in kalte fremden gehen“. Die neuen Gedichte, gutteils schon im Reclam-Band-Ost Stimme Stimme von 1983 erschienen, probieren Ästhetik als Widerstand, Hermetik als Subversion. Das glückt nicht immer, ja nicht einmal überwiegend.
Die Intensität der Gedichte zieht sogleich in den Bann, man merkt, da sucht einer, sich im kostbarsten lyrischen Idiom neu zu konstituieren, und das ist immer ein problematischer Balanceakt, hier verstärkt, weil Hilbig es so ernst meint. Der hohe Lyrikton muß lauter große Gefühle verbürgen, es geht um Endzeitliches, um Kälte, Tod und Wüste, um Liebe, Glück und Unglück, um das Selbst und seine phantastischen Wirklichkeiten. Hilbig setzt ganz trotzig auf eine ungleichzeitige Sprache, ja auch auf ein ungleichzeitiges Lyrikmodell. Der Titel des Bandes die versprengung geht von der Situation des Landsknechts aus: ist das Fähnlein versprengt, ist es so gut wie verloren. Hilbig macht im Tone von Trakl eine große metaphysische Szene daraus, das Gedicht beginnt:

DIE VERSPRENGUNG

die großen feuer sind zu tode gereift
wenn kein lächeln eintrifft aus der höhe
wenn in die niederungen der nebel dringt
das weiße verbluten des herbstes über den lagern –
oh wir hatten steine um unser ende gehäuft
und die idee der zugbrücken
nach dem letzten der siege in schnaps ersäuft.

Die feste rhythmische Fügung fällt auf, fünffüßiger Jambus zumeist, der heroischen Todeslandschaft angemessen. Dazu kommt mehrfach der Reim, kommen Assonanzen und Stabreime und vielfach gebrochene, verschlüsselte Bilder; vermutlich ist es einfach zuviel des Guten, was auch auf Ausdrucksangst verweist. „Die Weisheit des Gargekochten“, damit benennt Hilbig seine Offenheit für die Tradition. Das Gedicht, in dem er diese seine Neigung deutlich benennt, ist ironischerweise eines der ganz wenigen, die der Sprache der modernen Poesie verpflichtet sind: wechselnde Rhythmen und Sprachebenen, überraschende Wendungen, Sprünge im Bildmaterial, Lockerheit in der Aussage, gelassener Selbstbezug. Das Gedicht „der poet und die wüste“ beginnt:

das wort lyrik
das so lauwarm lullt sekundärpoesie
ach eine ganze welle ausgeleierter wendungen
dritte griechisch faule metren hektikdithyramben
überspülen mich unter trüber lampe trübem schädel
singsang der sich für still erklärt die weisheit des gargekochten
kommt in meinen applaudierenden schlagadern zur ruhe
und kaum noch raum für die flasche auf dem schreibtisch
nicht raum in der lunge für die insekten des dunkels
die koffer sind wieder ausgepackt die boshaften
socken gewaschen

Doch schon die nächste Strophe, die später im Gedicht refrainartig wiederholt wird, widerruft diesen kessen Ton und geht aufs lyrische Pathos der modernen Klassik zurück:

um fünf uhr dreißig weicht der mond dem morgen
das ungesuchte nur ist was ich fortan wäge
des suchens müde hob ich unbedachtes aus
traditionen von nächten verlassen mich träge
nuancen von nächten an ihrer grenze löschen aus

Rilke, George, Hofmannsthal, auch Trakl und Heym sind Paten dieser Lyrik, die ihre Abstoßbewegung von der Alltagssprache zu energisch, ja rast wie eine Übersetzungsübung betreibt. Dennoch rutscht Hilbig nur gelegentlich ins Kunstgewerbe. Oft gelingen überraschende und schöne Prägungen, vor allem wenn das Thema sozusagen mitspielt, etwa im Motiv eines Stillebens, das bereits Günter Kunert als Zeichen für unsere Zeit – „stillgelegtes Leben“ – entwickelt hat.
Gegen die vielen Dunkelheiten in seinen Versen, formal wie inhaltlich, beruft Hilbig in einem geradezu schmelzenden Gedicht das Licht; Lied und Licht gehören da zusammen, und vielleicht, so die poetische Hoffnung, die ihr Scheitern fast schon weiß, vielleicht läßt sich Vineta, die versunkene mythische Stadt ja doch noch wecken. Ein Gegenlied, das erheblich sparsamer als die anderen mit poetischen Mitteln umgeht und Hölderlin von fern her zum Paten hat, es sei den anderen, gelegentlich allzu steilen Texten vorgehalten, zumal es sich auch poetologisch gibt:

DIE SOMMERSEE

bei mildem wind
flammt schöner die see im mittagslicht –

denn es ist des lichtes sinn die worte
zum singen zu bringen innerhalb
bedeutungsschwerer legenden im stein
es ist nicht wahrheit zu scheiden
aus den rätseln es fängt aber
das rätsel selber zu singen an
wenn mittag die küste überstrahlt
und die steine schwämmen wie kork herauf
wenn der versunknen städte stiller könig
die kunde verbreiten ließe vom mittag
über den meeren – ach vineta
dir flockt das grün vom schutt deiner tore
wann gelingt uns jenes lied vom licht
das dich weckt aus dem einverständnis deiner tiefe

bei stillem wind
glitzert die see und singt
mit dem glas ertrunkener spiegel –

Alexander von Bormann, Deutsche Bücher, Heft 1, 1988

Mit grauer Faust traumverloren

In der Collection S. Fischer erschien der zweite Gedichtband von Wolfgang Hilbig, Die Versprengung. Der Erdarbeiter, Hilfsschlosser, Heizer Hilbig hat mit seinen eruptiv und bohemehaften Versen in beiden Teilen Deutschlands Aufsehen erregt. „Laßt mich doch / laßt mich in kalte Fremden gehen“, rief er 1956 Feind und Freund zu. „Kalt“ ist das Schlüsselwort auch im neuen Gedichtband geblieben. Hilbig, einer der wenigen Handarbeiter in der zeitgenössischen Lyrikszene, ist inzwischen 45 Jahre alt, mit westdeutschen Literaturpreisen und dem Prädikat eines „freien Schriftstellers“ versehen. Im Unterschied zu anderen Autoren, die sich vom „alltäglichen Sozialismus“ auch äußerlich verabschiedet haben, blieb der aufsässige Wechselarbeiter in seiner angeborenen Leipziger Heimat.
Natürlich spricht auch aus den neuen Gedichten ein Verletzter, ein phantastischer Träumer, ein am öffentlichen und individuellen Ungenügen Leidender, ein von Rimbaud geätzter Traumverlorener, ein versprengter Paradiesgänger, der von sich bekennt:

Ich aber trage die Fußspur
eines heidnischen Zigeuners im Mund.

Hilbig weiß sich von der sozialistisch und von der bürgerlich geordneten Welt getrennt.

… ihr wollt liköre ich den großen rausch
alles wechseln will ich
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaihr eurer hundemarken tausch
ihr wollt die rente ich den klang der seele:
reifsilber das in wäldern hinter thule weint –
an eurem herzensfrieden muß ich scheitern
euch fesselt glück ins haus…
ich wollt auroren an die kehle.

Ist es Notwehr oder das ausgreifende Bedürfnis des Dichters, daß die neuen Verstexte auffallend Bildungselemente aus der französischen und mythengriechischen Welt aufnehmen? In einem „kalt“ gewordenen Land mit „kalt“ gewordener Sprache entfesselt der Poet Hilbig in dionysischer Manier chorische Medeafragmente: Suche nach dem mann-weiblichen Grund der Liebe, des Zaubers, der Rache. Hilbig scheut nicht den lyrischen „O“-Laut, nicht die lyrische „Evokation“. Noch sein „Tedeum“ klingt elegisch, hymnisch, ironisch und geerdet. „Mit grauer Faust“ schleudert der Sprecher „zwischen den Paradiesen“ (dem irdisch genommenen und dem eden-versprochenen) eines Dichters Abschied und Flucht in die deutschen Lande: Arbeiter, Narr und Vagant in randdeutscher Gestalt.

Paul Konrad Kurz, Süddeutsche Zeitung, 4.12.1986

Weitere Beiträge zu diesem Buch

Ulrich Schacht: Wolfgang Hilbig, er bleibt sich immer treu
Die Welt, 30.9.1986

Thomas Zenke: Selbstbehauptung als Passion
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.9.1986

Karl Krolow: Schreiben bei Gewitterlich
Stuttgarter Zeitung, 1.10.1986

 

Die Versprengung

− Über Wolfgang Hilbig. −

Diese Nacht – und welche Zeit sollte es sonst sein im Zyklus einer Erdrotation mit Wolfgang Hilbig? −, diese Nacht ist eine Berliner Nacht, eine, die nur kennt, wer in Berlin wohnt, die nur kennt, wer nicht draußen im Grünen wohnt in Berlin-Dahlem, sondern in Berlin, diese Nacht mit ihrem Geruch, den nur die kennen, die wohnen, wo der Odem brennender Müllcontainer heraufweht, weil wieder einer der Kretins aus der Nachbarschaft glühende Kohlenasche hineingeschüttet hat, eine Berliner Nacht, vibrierend von schweren Strassenbahnzügen in ihrem martialischen Bett, Nacht, erhellt von den Strahlern an den Kränen der Baustellen, Nacht, heulend von den Rettungswagen auf dem Weg zur Charité, Nacht, wo die Lämpchen in der Restaurantetage des Fernsehturms wandern, Berliner Nacht, die kaum kennt, der im alten Berliner Westen eine stetige Bleibe gefunden hat, Bierbüchsennacht aus dem Spätverkaufsladen, Touristennacht auf dem Weg hoch in den Prenzlauer Berg, Nacht, die die abgestellten Fahrräder demoliert, Nacht ohne Schweigen, ohne Besonderheit, diese Berliner Nacht, in der von der Blumenverkäuferin nur noch der nasse Fleck ihres Wassereimers übrig ist und von den englischen Bauarbeitern ihr scheinbares Leben im Pub, irgendeine Berliner Nacht Ende des 20. Jahrhunderts. Meister H. wohnt ein paar Meter entfernt. Wir teilen die Kenntnis der Szenerie.
Die Versprengung scheint lange zurück zu liegen. Der Gedichtband dieses Titels erschien 1986. Das Titelgedicht stammt schon von 1980, was sich bei der Lektüre damals nicht wußte. Etwas anderes aber wohl. Ich teilte eine Erfahrung, die ihrem Wortsinn alle zweifelhafte Ehre machte. Meister H. lebte ein Doppelleben wie ich. Es bestand in der erhebenden Möglichkeit, sich den westdeutschen, damals noch ungleich freundlicher kommerzialisierten, Verhältnissen kurzfristig und effektiv zu entziehen. Es bestand in der reziproken Möglichkeit, sich den DDR-Verhältnissen durch eine S-Bahnfahrt mit Umsteigen zu entziehen. Im Gedicht „notwendiger ort“ geht es um den S- und U-Bahnhof – und sein berühmtes Pissoir –

berlin friedrichstraße: ein abort für wechsler
kleinerer beträge.
wo mille oder eier sanft und hart den spalt
der phantasie zu öffnen wissen zwischen pissoir und
intershop
sind wir geheimes kapital der stadt

So hieß die Pforte, der Schlund, das Loch, die uns schluckten und ausspien (wie herum man es eben sehen will, wie man es betrachten wollte) in die jeweils andere der beiden Hemisphären der Welt von damals. Berlin, Sie erinnern sich, das gespaltene Loch im Arsch der Welt aus einem alten Lied Wolf Biermanns. Und im Tränenpalast und in dem Labyrinth dahinter oder davor, wie immer man es sehen wollte oder sehen konnte, die klumpigsten Teile des Gedärms. Und wer wie wir einen Paß der DDR mit einem Visum „gültig zur mehrfachen Ausreise“ besaß und dieses Labyrinth tatsächlich mehrfach damit durchquerte, verschliß einen gehörigen Teil seines Bewußtseins an dessen Zotten. Wir taten das wie Stephan H., wie Christa und Gerhard W. es taten, wie Franz F. vorher und Stefan H. und Gabriele E., wie Bert P. und Gert N. später und Rainer Sch. Ein jedes Bewußtsein verschliß sich hier nach seiner Art.
Die Versprengung, sie sah uns in den zwischen den Flughäfen Tegel und Frankfurt am Main Whisky trinken über unserer kalten Heimat wie in Heiner Müllers Gedicht. Die Versprengung sah uns als gesuchte Gesprächspartner von Literaturhistorikerinnen und auch eines anderweitig interessierten Publikums. Nur leider wußten wir nichts zu sagen außer toten Sätzen, Sätzen, die nur bis in den Tränenpalast hinein gegolten hatten. Im Westen galten sie ja nicht mehr. Wir verschluckten sie deswegen hilflos zur Hälfte. Und wenn wir wieder „drüben“ waren, im Dreibuchstabenland mit unserem Paß in der Tasche, wenn wir uns da verkrochen und so taten, als verkröchen wir uns nicht, als lebten wir normal weiter, so waren wir doch versprengt. Versprengt in eine dort auch nicht mehr als wirklich erlebte Welt.
Die doppelte Wirklichkeit nahm die äußere Wirklichkeit insgesamt fort mit sich. Wir waren nur noch in uns. Diese äußerlich zeitweilige Versprengung war nichts äußeres, wenn sie auch nur eine sekundäre war, abgeleitet von dem Leben als Schriftsteller zwischen Deutschland. Sie entließ uns allerdings auch nicht zurück in uns selbst, nein. Denn Die Versprengung hatte tiefen und festen Bestand in uns. Wir fanden uns in Amsterdam und Hanau nicht wieder und in Hamburg und in Frankfurt am Main ebensowenig wie in Leipzig oder Ostberlin. Wir tranken unsere bunten Schnäpse in vornehmen Restaurants und unser Büchsenbier in den Bahnhofshallen und saßen auf Rücksitzen der Taxis lachend zwischen den Zahnlücken der scheinbar zusammenhängenden Gespräche. Doch wer waren wir? Die Versprengung war unser Thema. Aber die paßte nicht auf das Tablett der kanonisierten Literatur. Sie war „gestattet“ höchstens in einigen Texten der Weggegangenen, der wirklich und wahrhaftig Weggegangenen, der als solche apostrophierten Dissidenten. Und die gehörten bekanntlich nicht zum Kanon der Literatur, wie sie dem breiten Betriebe genehm war. Der war ja vom kalten Kriege zum lauwarmen Frieden übergegangen und verklärte den Status Quo aus tiefstem Desinteresse an den Grautönen Osteuropas.
Die Versprengung war gewählt. Wie man eben innerhalb seiner Biographie klarsichtig so wählen kann. Sie hieß in einem anderen Jargon Freiheit. An einem anderen Ort war sie die Voraussetzung für das Fortschreiben und das Weiterschreiben. In jener Nacht vor zehn Jahren, als ich den Band Die Versprengung las und in anmaßender Identifikation mitempfand, mit-litt, mithöhnte: „bekränzt uns. kalte gräber sind wir heute schon.“ Es „kommt die neue Wirklichkeit des wegs: / noch ein bonbon mein freund laß uns das angenehme teilen / noch etwas Sandwich bitte… noch ein keks?“ da war sie auch meine. Ich war der naive, der voll identifizierte Leser. Wem es bis hier noch nicht aufgefallen ist, dem sag ichs gerne direkt: Ich bin die Wege des Meisters H. bis heute auf seltsame und nicht ganz legitime Weise mitgegangen, parallel, enggeführt, schneidend und hinterdreinschlingernd, auch in den Enttäuschungen, die nicht ausbleiben.
Jeder, der einmal diesen Autor gelesen hat, kennt seine Grundsituation, seinen Ort und seine Tageszeit:

die hand im haar so hockt er
ruhlos am tisch
und ahnt nicht daß die herbstnacht
die luft an seinem nacken dunkel färbt
… hockt er am tisch der fremde
wenn ich allein im zimmer bin

Und andernorts:

… es war die Kollision zwischen meinen Pflichten als Arbeiter und dem selbstgesetzten Ziel, etwas zu sein, das ich, lächerlich genug, einen Schriftsteller nannte.

Ich leiste mir hier etwas. Ich tue es gern im Sinne des oben bezeichneten, irgendwie illegitimen Zugangs: Gerade diese Kluft ist mir urvertraut. Und dieses Vertrautsein macht es mir von der ersten Begegnung mit diesen Texten an, seit zwanzig Jahren also, verflucht schwer, Korrespondenzen zu vermeiden bzw. an Meister H. freigewählten Wortes vorbeizukommen. Das ist nicht nur normal bei jedem, der ernst macht und der diese Nacht kennt und ihr Pendant, die grauen Tage von damals, die seine Tage durchtränkten mit ihrer Nicht-Farbe lebenslang. Es ist nicht ganz legitim bei einem, der mit dem Meister „die grünen stufen hinab“ geht, weil dort unten „ein schwarzes wasser wartet“, von dessen Existenz er weiß, obwohl er es noch nie gesehen haben kann und noch nie von irgendwem darüber etwas sagen gehört hat. Zwischen der Wurzel dieses exzessiven poetischen Schreibens und der Existenz eines Schriftstellers auf dem Basar des deutschen Geisteslebens heute klafft der unüberbrückbare Abgrund schlechthin. Was ihn nährt, bringt ihn um. Aber er stirbt nicht, weil er schreibt.
Ich möchte mit einem Gedicht schließen, um an den Ort des Anfangs zurückzukehren, dorthin, wo Bonaventura alias Meister H. für uns Nachtwache hält:

STADT – LAND – GEDICHT

Die Freiheit ist ein Puff
mit russischen Huren.
Darüber sitzt Bonaventura
am Schreibtisch.
Dahinter ragt ein Kran.
Da hängt der halbe Mond herab.

Seeufer, Erlen vor Kiefern
und schmatzender Grund.
Der Hafen für das morsche Boot.
Das nenn ich Mark, mein Land.
Es gehen Leute.

Da machen sie
aus einem Bilderberg die Grube
fürs nächste Einkaufsklo.
Ich bin der siebente Zwerg
und habe Schneewittchen gefunden.
Der Kollege im Märchen war dumm.

Uwe Kolbe, Neue Rundschau, Heft 3, 1997

Abwesenheit, Versprengung

− Zur Lyrik Wolfgang Hilbigs. −

Zu den gebetsmühlenartig vorgebrachten kulturpolitischen Beschwörungen in der DDR gehörte der Ruf nach dem „kulturellen Erbe“, nach seiner Aneignung und Weiterentwicklung; zu den sozialpolitischen Lieblingshoffnungen die, daß dem vierten Stand die Aneigner und Weiterentwickler jenes Erbes entsprießen würden; zur Praxis des angeblich „realen“ Sozialismus, daß jenes Erbe verfälscht und zerstört und daß die jungen Talente, wenn sie sich als solche erwiesen, schikaniert, isoliert und verfolgt wurden.
Wolfgang Hilbig, Bohrwerkdreher, Heizer und zu einem „Zirkel schreibender Arbeiter“ delegiert, brachte biographisch nahezu musterhaft alle Voraussetzungen mit, die ihn zur Inanspruchnahme für die Kultur jenes Staates geeignet gemacht hätten – bis auf eine: die Fähigkeit zur Anpassung. Das verhinderte seine Eingliederung in die kulturpolitische Programmierung und verurteilte ihn zur Unperson, zur poetischen abwesenheit. So mußte Hilbig mit dem gleichnamigen Gedichtband im Westen, in Frankfurt am Main, debütieren; was ihm einige Wochen Haft und eine Geldstrafe wegen „Devisenvergehens“ eintrug. Vor weiteren Repressionen dürfte ihn die beträchtliche Resonanz der westlichen Öffentlichkeit bewahrt haben. Den Kritikern, die den neuen Autor begrüßten, war seine Aneignung des sogenannten kulturellen Erbes nicht entgangen. Sie verglichen ihn ungeniert mit den Großen, zählten die Einflüsse auf, die der Autodidakt verarbeitet hatte: von Hölderlin, Rimbaud und Georg Heym bis zu Brecht, Enzensberger – und (warum nicht?) Johannes R. Becher. War uns ein „Hölderlin aus Sachsen“ erschienen, gab es einen Georg Heym redivivus? Oder waren auch diese Etikettierungen bloß gutgemeinte Versuche, die von den Gedichten bezeugte abwesenheit aufzuheben? Man lese das Titelgedicht des Bandes:

ABWESENHEIT

wie lang noch wird unsere abwesenheit geduldet
keiner bemerkt wie schwarz wir angefüllt
sind wie wir in uns selbst verkrochen sind
in unsere schwärze

nein wir werden nicht vermißt
wir haben stark zerbrochne hände steife nacken −
das ist der stolz der zerstörten und toten dinge
schaun auf uns zu tod gelangweilte dinge – es ist
eine zerstörung wie sie nie gewesen ist

und wir werden nicht vermißt unsere worte sind
gefrorene fetzen und fallen in den geringen schnee
wo bäume stehn prangend weiß im reif – ja und
reif zum zerbrechen

alles das letzte ist uns zerstört unsere hände
zuletzt zerbrochen unsere worte zerbrochen: komm doch
geh weg bleib hier – eine restlos zerbrochne sprache
einander vermengt und völlig egal in allem
und der wir nachlaufen und unserer abwesenheit

nachlaufen so wie uns am abend
verjagte hunde nachlaufen mit kranken
unbegreiflichen augen.

„Abwesenheit“ ist ein vieldeutigeres Wort als „Entfremdung“, ein poetischeres dazu. Aber es bezeichnet im Kontext des Gedichts sehr deutlich, was die Theoretiker und die Nachsprecher des Begriffs „Entfremdung“ meinten oder zu meinen vorgaben. Hilbig ist kein lyrischer Kulturkritiker, auch geht es ihm nicht um Einzelheiten. Die Heillosigkeit, von der er spricht, ist allgemein – so sehr, daß nur eine poetisch gefaßte Allgemeinheit sie bezeichnen kann. Daher der Predigergestus des Gedichts. Der Autor weiß, daß er diesen Gestus nicht durchhalten kann. So bricht er ab, schweift aus ins große Ganze oder ins Alltagsdetail, artikuliert sein Mißtrauen in eine „restlos zerbrochene sprache“ und kann ihrer doch nicht entbehren.
Man liest heute dieses Gedicht aus einem doppelten Abstand, dem seiner Entstehung (1969) und dem seiner Publikation (1979). Deutlich wird da, daß der verwendete Plural ein Pluralis majestatis war: der Plural der Majestät eines unzerstörten Subjekts, das sich aus einer „zerstörung wie sie nie gewesen ist“ erhebt.
Deutlich auch, daß dem Paradox des zerstört-unzerstörbaren Subjekts ein solches der Sprache entsprach. Was da „eine restlos zerbrochne sprache“ genannt wurde, artikulierte sich in klaren und expressiven Bildern und in rhythmischen Figurationen aus vielerlei Tradition.
Was dem flüchtigen Blick als Abhängigkeit von Vorbildern erscheinen mochte, war das Indiz von Hilbigs Unabhängigkeit. Ein Epigone hätte sich an ein einziges Vorbild angehängt. Hilbig nutzte alles, was ihm begegnete und fruchtete. In einem seiner frühesten Gedichte, dem 1965 entstandenen „ihr habt mir ein haus gebaut“ wird deutlich, daß der unbedingte Wille zur Unabhängigkeit mehr als der Last der Tradition der staatlichen „Betreuung“ gilt, ja jeglichem Anspruch eines Kollektivs:

ihr habt mir ein haus gebaut
laßt mich ein anderes anfangen.

ihr habt mir sessel aufgestellt
setzt puppen in eure sessel.

ihr habt mir geld aufgespart
lieber stehle ich.

ihr habt mir einen weg gebahnt
ich schlag mich
durchs gestrüpp seitlich des wegs.

sagtet ihr man soll allein gehn
würd ich gehn
mit euch.

Der Wille zur Unabhängigkeit gibt sich am Schluß des Gedichts selbst eine Bedingung, die ihn aufheben könnte: die Freiheit; sagen wir lieber: die Freisetzung durch das Kollektiv. Sie würde dem Subjekt Solidarität ermöglichen, den Pluralis majestatis in ein gewöhnliches Wir überführen: „sagtet ihr man soll allein gehn / würd ich gehn / mit euch.“
Man darf das ein Angebot nennen. Ein gutmütiges. Ein naives auch. Hilbigs Angebot ans Kollektiv wurde ebensowenig angenommen wie das anderer Dichter; man denke an Reiner Kunzes Bekenntnis, das fast ein Gelöbnis war: „eingesperrt in dieses land / das ich wieder und wieder wählen würde.“ Hilbig ließ man erst gar nicht soweit kommen, sich in irgendeiner Weise als repräsentativ zu verstehen (was für Kunze bis in die siebziger Jahre immerhin denkbar schien). Wenn Hilbig den Dichter, also sich selbst, als Denkenden vorführt, dann nicht in irgendwie doch noch repräsentierender Frontalsicht, sondern als einen von hinten gesehenen, vom Rücken her beobachteten Fremden – so in „h. selbst-portrait von hinten“:

die hand im haar so hockt er
ruhlos am tisch
und ahnt nicht daß die herbstnacht
die luft an seinem nacken dunkel färbt
er sitzt auf dem sprung er sagt ich bin
solitair
aaaaaaund müde bin ich bin mir selbst
entflohn (so hockt er am tisch der fremde
wenn ich allein im zimmer bin
(…)

Noch hier, in der Selbstaufspaltung in Betrachter und Betrachteten, im verfremdenden Blick auf sich selbst, in der Dialektik von Aktivität und Erschöpfung, kommt die eigentümliche Mehrdeutigkeit von Hilbigs Individualismus ins Spiel: im Changieren des Wortes solitair (das im Französischen solitaire zu schreiben wäre). Man darf adjektivisch an „einsam, vereinzelt“ denken und substantivisch an den Eremiten oder Anachoreten, an den einzeln stehenden Baum und selbst an den einzeln gefaßten Edelstein. Man mag sogar rätseln, ob das solitair(e) nicht auch zum solidaire werden könnte, wie in einer Erzählung von Albert Camus. Wobei wir erneut bei dem dieser trotzig individualistischen Lyrik inhärenten Moment des Sozialen, Gemeinschaftlichen wären. Hilbig muß zumindest zuzeiten vom Amt des Dichters geträumt haben, nämlich in dem 1967 geschriebenen Gedicht „bewußtsein“, und er hat dieses selbst für seine Verhältnisse ungewohnt emphatische Gedicht, das im übrigen die Lektüre von Enzensbergers Landessprache verrät, in den Band abwesenheit übernommen:

im namen meiner haut
im namen meiner machart
im namen dieses lands
wo die sorge sich sorglos mästet
im namen welches zerrissnen
namens den sich heimlich
die liebespaare zuflüstern
im namen welcher unerlaubten
schmerzen
aaaaaaaaadie verwirrung
in worte zu kleiden
aaaaaaaaaaaaaaaahab ich
das schreiende amt
aaaaaaaaaaaaaaaaübernommen

Hilbigs abwesenheit ist aber auch ein Gedichtbuch mit sehr realistisch behandelten sozialen und sozialkritischen Motiven. Die demonstrierte und beklagte abwesenheit meint nicht zuletzt Entfremdung vom Leben der Menschen als soziale Wesen, meint den „aufenthalt“, das Leben im Staat DDR:

in den wohnungen in denen wir hausen
bleibt das licht eingeschalten die luft
schließt öffnet die fenster schlägt
die flügel ans holz unaufhörlich

die revolution ist vorüber die kalender
zeigen den vergangenen monat an
auf den tischen stehn gläser in der tabakasche
auf den dielen bierpfützen zündhölzer scherben
schmutzige schuhe auf dem rücken
die leute in den betten
schlafen

aus den wohnungen in denen wir uns aufhalten
flüchten die stunden wie die luft auch der schlaf
hält sich nicht lange auf
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaawir bauen ein chemiewerk
für die zehnte generation füttern die gestänge
mit kalten kabeln später ein kraftwerk für
noch später doch vielleicht gibt es krieg
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaam morgen
explodieren die wecker überschütten uns
mit schellendem feuer
(…)

Dieses Gedicht von 1966 beschreibt (vielleicht in einem halbbewußten Anklang an Nelly Sachs) Wohnungen des Todes, eines Todes bei Lebzeiten. Unter diesem Blick erscheinen die Projekte einer planwirtschaftlichen Industrialisierungsemphase, wie sie seinerzeit von Autoren wie Volker Braun pathetisch gefeiert wurden, als im voraus vergebliche Anstrengungen. Selbst der Krieg, der „am morgen“ ausbrechen könnte, verliert seine Bedrohlichkeit unter den Explosionen der Wecker, die Menschen in den Arbeitsprozeß, in die Produktionsschlacht treiben. – Was wunder, daß der Leipziger Reclam Verlag, als er, wohl als Folge der westdeutschen Resonanz, den Auswahlband Stimme Stimme herausbrachte, dieses Gedicht nicht berücksichtigte. Aber da war die Chance oder besser: die Versuchung, den Dichter Hilbig ins System zu integrieren, längst vertan. Auch Franz Fühmanns enthusiastische Begrüßung „Ecce poeta!“ konnte nichts daran ändern – ohnehin hat ja jegliches Ecce poeta etwas vom dolorosen Ecce Homo. Fühmann sprach nicht ohne Grund von „Würde und Qual der Einsamkeit“ Hilbigs und beschwor das „Gegenbild des Verlorenen Sohnes“, da der Angesprochene für die DDR längst verloren war.
Hilbig hatte inzwischen seine poetischen Möglichkeiten erweitert und sich die Prosa – man darf wohl sagen – erarbeitet, eine Prosa, in der er nicht bloß den künstlerischen Radius immer weiter ausdehnte, sondern auch an Radikalität der Aussage gewann. Die bittersten Konstatierungen über den Staat und das Land DDR findet man hier, beginnend mit den Texten in Unterm Neomond (1982), gesteigert in Der Brief („Dieser Ort, den sie Dresden nannten, war die Hölle“) und kulminierend in dem Roman Eine Übertragung (1989). Darf man annehmen, daß sich bei Hilbig auch so etwas wie eine Arbeitsteilung zwischen den Gattungen herausbildete, die der Poesie das Refugium Phantasie zuwies – freilich eine, die der Lyrik auf Dauer nicht unbedingt günstig war? Wir werfen einen Blick auf Hilbigs zweiten Lyrikband die versprengung (1986), dem bisher nur lyrische Einzelpublikationen gefolgt sind.
In versprengung versucht Hilbig einen entscheidenden Schritt weiter: abwesenheit, die ja immerhin noch als eine negative Variante von Anwesenheit gelesen werden konnte, soll versprengung werden. Der Titel zielt laut Dispersion, auf die Zerstäubung von Subjekt und Sinnbezug. Auch auf Regression, da das Ich „in schnaps ersäuft“. Sarkastisch wortspielend sucht das Ich als letzten Grund „gnädiges anwesen: unwesenheit“. Die ebenso tödliche wie befreiende versprengung scheint nur gegen enorme gedankliche Widerstände zu haben sein. Denn noch findet man die dezidierten Absagen, in denen sich das lyrische Ich ein weiteres Mal gegen Staat und Gesellschaft abgrenzt; etwa so:

(…)
in meinem qualm erstickt die freiheit die ihr meint
entscheidet gegen mich ich sammle pest in meinen kleidern
ihr wollt liköre ich den großen rausch
alles wechseln will ich
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaihr eurer hundemarken tausch
ihr wollt die rente ich den klang der seele:
reifsilber das in wäldern hinter thule weint −
an eurem herzensfrieden mußt ich scheitern
euch fesselt glück ins haus…
ich wollt auroren an die kehle.

Ein Gedicht der Verteidigung, ein defensives Gedicht. Ein Plädoyer, das rhetorisch operiert, wenn es das Ich gegen die andern setzt und zu Wiederholungen greift. Autonomie wird nur behauptet, nur gewünscht: „alles wechseln will ich“. Aber was nach der Zeilenzäsur folgt, ist bloß Fortsetzung der Beteuerung. Der (von fern an George erinnernde) „klang der seele“ erweist sich als Kunstgewerbe: „reifsilber das in wäldern hinter thule weint“. So leicht, möchte man folgern, geht es „auroren“ nicht an die Kehle.
In dieser Situation des lyrischen Voluntarismus mag der Autor die Einlösung seiner Wünsche nach „Versprengung“ in bestimmten Methoden der gezielten oder rauschhaft provozierten SprachaufIösung gesucht haben. Rimbaud, Trakl, auch Heym grüßen wieder als Vorbilder – manchmal zugleich aus ein, zwei Hilbig-Versen; etwa: „und fort war die heroensonne / die ganz in eisen durch den blutdunst rollte“. Solche Entgrenzung überzeugt poetisch, wo Hilbig der Ichauflösung auch selbstgefundene Partikel von Realität und Erfahrung mitgibt:

der gang zum wasserklosett
abgeabert
brüllendes gähnen (duplizität ermüdet

Den Duplizitäten und den Wiederholungen ist nicht so einfach zu entgehen; diese Erfahrung macht jeder Lyriker, sobald er einmal den Kreis seiner Themen und Motive abgeschritten hat. Hilbig (und das spricht für seinen dichterischen Impuls) protestiert gegen die Wiederholung, gegen die lastende Konkurrenz seiner Vorgänger: „war das gedicht der rabe von e.a. poe not / wendig“?
Eine rhetorische Frage; freilich eine, die sowohl das Ja wie das Nein zuläßt. Und so antwortet Hilbig zum einen mit Texten; die so etwas wie eine linguistische und poetologische Reflexion betreiben; zum andern mit solchen, die auf Entgrenzung der Bilder und Metaphern hinauswollen. In gewissen Momenten erfährt das lyrische Ich beides zugleich: eine Übermächtigung durch Sprache, die Gestalt angenommen hat. Teil 1 des Doppelgedichts „die namen“ schließt:

die namen nehmen gestalt an schreckliche
bärtige götter sie heulen nach feuer
und schwert sie werfen mich aufs bett
und öffnen mir die schenkel

Solch zwingende Momente, in denen der sprachliche Eros die Initiative ergreift, lassen sich nicht perpetuieren. Das zeigt bereits der Neuansatz in Teil 2 des erwähnten Gedichts:

regen zersägtes licht
rosa neon befällt gestreift die straße
die grenzen des landes meiner generation
sind fließend
aaaaaaaaaaagezeichnet von blut
und kastrationsurin ach aufgegeben
trage ich namen ein in die verwaschenen
lücken der schrift
(…)

Deutlich, wie der Autor sich auf die Höhe seines Themas zu schrauben sucht: durch preziöse Wahrnehmungsklischees, durch wabernde Verallgemeinerungen und schließlich die gröbsten Mittel („blut und kastrationsurin“). So gewinnt er sein Pathos um einen hohen Preis. Überhaupt lassen sich etliche Gedichte in versprengung zu sehr auf einen dunklen, wilden, pathetischen Dauerton ein und verstoßen gegen die artistische Maxime, das Material kalt zu halten. Wo Hitze und Spannung nachlassen, kommt es zu Sequenzen, deren künstlerischer Zusammenhang nicht mehr einleuchtet. Auch der Titel „nature morte“ legitimiert kaum das bric a brac der Zeilen:

flüchtige verantwortung des fensters
im hintergrund vor der wüste der nacht
thebanisches blau von den ufern der zukunft −
nur schatten bluten so im ausgelöschten auge der geschichte.

Derlei mag wie Routine scheinen. Aber Wolfgang Hilbig ist ein zur Routine unbegabter Poet. Er produziert zwar zwischendurch auch Ausschuß, Schlacke, gewiß; aber er zeigt sich unfähig, das Mißlungene ins Versierte zu schönen. die versprengung ist unter anderem auch ein Gedichtbuch der Krise und des Sprachzweifels. Das trunkene Schiff, das den Dichter entführt, ist längst den Lyrikstrom hinunter, das wüste Land ein Klassiker, und der Nachgeborene weiß, daß „der poet und die wüste“ ein Topos ist. Das 1978 geschriebene Gedicht dieses Titels versucht es noch einmal mit Denunziation und Selbstdenunziation, wenn es anhebt:

das wort lyrik
das so lauwarm lullt sekundärpoesie
ach eine ganze welle ausgeleierter wendungen
dritte griechisch faule metren hektikdithyramben
überspiilen mich unter trüber lampe trübem schädel
singsang der sich für still erklärt die weisheit des gargekochten
kommt in meinen applaudierenden schlagadern zur ruhe
(…)

Hilbig braucht solche selbstreflexiven und selbstdenunziatorischen Passagen offenbar, um wieder und wieder (und offenbar immer mühevoller) abzuheben. Er „lullt“ jene Passagen „sekundärpoesie“ aber auch, um Klarheit über seine existentielle und literarische Position zu gewinnen. Aus den Versprengungen seiner „hektikdithyramben“ aber ist er mehr und mehr in die genaue und zugleich wilde Welt einer Prosa gelangt, der man Kraft und Meisterschaft bescheinigt hat.

Harald Hartung, 1993, aus: Wolfgang Hilbig. Materialien zu Leben und Werk, Fischer Taschenbuch Verlag, 1994

Gespräch mit Wolfgang Hilbig 1994

Cécile Millot: Für Sie ist die Wende nicht vorbei?

Wolfgang Hilbig: Nein, sie ist nicht vorbei. Die Literaten, besonders vielleicht die Lyriker, müssen diesem Bestreben der Politiker und einigermaßen auch der Journalisten, die Wende möglichst schnell hinter sich zu bringen, einen gewissen Widerstand entgegensetzen, weil das Übergehen zur Tagesordnung Vergessen bedeuten könnte. Das wäre natürlich für die Wirtschaftspolitik oder für die Ökonomie das Beste, wenn die psychischen Probleme der Leute, die sich während der vierzig Jahre angesammelt haben, verdrängt werden. Das kann aber ein Lyriker nicht mitmachen. In politischer Hinsicht ist die Wende zwar abgeschlossen, aber es wird noch Generationen dauern, bevor sie von den Leuten nicht mehr erlebt wird. Ich glaube, daß es ganz konkret so aussieht: Für viele Schreiber in der früheren DDR hat es einen gewissen Wirklichkeitsverlust gegeben. Denken Sie nur an den sogenannten realen Sozialismus, den es hier in der DDR gegeben hat: Es müßte eigentlich verdächtig sein, wenn man das Wort „real“ als Attribut vor das Wort „Sozialismus“ stellt. Wenn man die Realität „real“ nennen muß, dann fängt es schon an. Dieser Verlust ist erst jetzt in seinem ganzen Ausmaß sichtbar geworden und es gibt erst einmal den Versuch, etwas aufzuarbeiten.

Millot: Meinen Sie, daß die Welt jetzt realer geworden ist?

Hilbig: Das müssen wir erst herausfinden. Das Material des Lyrikers ist die Sprache. Deshalb kann er nun versuchen, an der Sprache herauszufinden, inwieweit und wie die Realität, die ja existiert, in der Sprache zu fassen ist. Darum geht es jetzt. In der DDR war es so, daß es eine offizielle und eine inoffizielle Sprache gegeben hat, die diametral entgegengesetzt existiert haben. Die offizielle Sprache – auch die Sprache der Massenmedien – war eine Sprache des ungebrochenen Fortschritts. Als die Botschaften in Prag, in Budapest und in Warschau schon von Menschen überquollen, hat Honecker immer noch von Fortschritt gesprochen. Die offizielle Sprache war derartig entwürdigt, daß es absurd gewesen ist. Es war der Versuch einer Simulation von Wirklichkeit durch Sprache. Ich glaube, es gibt heute weiterhin offizielle Sprachformen, die immer mehr die Tendenz haben, sich von der Wirklichkeit zu entfernen, z.B. die Sprache der Ökonomie, die Sprache der Werbung… Ich weiß nicht, inwieweit es die Sprache der Politiker auch mitbetrifft.

Millot: Hat sich auch für die Schriftsteller das Verhältnis zwischen Sprache und Wirklichkeit geändert?

Hilbig: Nach meinem Gefühl ist man als Lyriker von dieser rasenden Entwicklung der Wirklichkeit fast überfordert. Man hatte noch gar keine lyrische Sprache gefunden gehabt, die für die DDR die wesentliche Sprache gewesen wäre, da gab es die DDR bereits nicht mehr, und man mußte bereits auf neue Wirklichkeiten reflektieren. Im Moment verstehe ich erstmal jeden ganz gut, der sprachlos geworden ist, weil das noch viel zu früh ist, darüber abschließende Sätze zu sagen. Es kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, in sechs Jahren haben wir das Jahr 2000, darauf muß man auch reflektieren. Es war jedenfalls in der Lyrik immer so, daß mit einem neuen Jahrhundert eine neue literarische Epoche begann. Das 20. Jahrhundert war z.B. das Jahrhundert der Moderne. Mein Gefühl ist, wir stehen heute in einem Chaos von Bruchstücken und wir müssen erst einmal anfangen zu sondieren, womit wir etwas anfangen können.

Millot: Seit der Wende wird nach einem neuen Modus gesucht, können wir aber zuerst versuchen, den in der DDR gefundenen oder halbwegs gefundenen Modus zu beschreiben? Worin bestand diese Suche nach einer adäquaten Sprache?

Hilbig: Bis in die ’70er Jahre gab es zwei verschiedene Arten von Lyrik, es gab die offizielle und die inoffizielle. Diejenige, die ich besser kenne, ist die inoffizielle, weil ich selber dazugehörte. Diese Art von Lyrik war sprachkritisch. Sie hat versucht, die offiziellen Sprachen aufzubrechen und sogar auf die Wirklichkeit mit viel Witz und teilweise auch sehr satirisch einzugehen. Die offizielle Lyrik dagegen hat sich langsam von ihrem Gefühl, die eigentliche Lyrik der DDR zu sein, abgesetzt und sich sogar zurückgezogen, bis es dann, ungefähr in den ’80er Jahren, so weit gekommen ist, daß sich die beiden Richtungen vermischt haben und aufeinander reflektierten. Die Unterschiede waren nicht unbedingt weggefallen, aber beide Richtungen sind sich zumindest begegnet. Diese Konstellationen sind heute immer noch da. Sie sind vielleicht nicht mehr notwendig oder haben keine Basis mehr, aber sie existieren noch, obwohl sie verschwunden sein könnten.

Millot: Sind die Gedichte, die Sie nach der Wende geschrieben haben, anders als die Gedichte, die Sie vorher geschrieben haben?

Hilbig: Das wäre zu vereinfacht. Als Lyriker hat man sich eine bestimmte Ausdrucksform erarbeitet, die nicht einfach durch ein politisches Ereignis zerschlagen werden kann. Das wäre ein Kniefall vor den Ereignissen. Dieses Ereignis kann man aber selbstverständlich nicht vollkommen ignorieren. Man muß wahrscheinlich warten. In einem anderen Interview hat man mir eine ähnlich schwierige Frage gestellt, und zwar: In welcher Form nehme ich mit meinen Arbeiten an der Wende teil? In Wahrheit ist es genau umgekehrt. Nicht ich, sondern die Wende nimmt an meinen Arbeiten teil… Alles was man tut, ist eigentlich politisch. Selbst ein vollkommener l’art pour l’art-Autor, wenn es ihn gäbe, wäre ein politischer Autor. Selbst der Satz „Ich bin kein politischer Schriftsteller“ ist politisch.

Millot: Daran hat sich auch mit der Wende nichts geändert?

Hilbig: Nein und ja. Zweifellos hat sich etwas geändert. Es gab innerhalb der DDR die Möglichkeit, das System als einen Partner, also Partner im weitesten Sinne, und auch als einen Gegner zu betrachten. Das System war da, man konnte nicht so tun, als wäre es nicht da, es war erstmal der Gegner. Man konnte allerdings auch alles, was passierte, dem System zur Last legen. Nach dem Verschwinden des Systems merkt man in vielen Dingen plötzlich, daß man es selber ist, der nicht leben kann, oder daß man als Schriftsteller nur eine Nebenrolle in der Gesellschaft spielt. Früher sah es nicht so aus. Es gehörte ja zu den Simulationen des Systems, daß Schriftsteller keine Nebenrolle gespielt haben. In Wirklichkeit aber haben sie vermutlich doch eine Nebenrolle gespielt. Wer sich darauf eingelassen hat, das nicht so zu sehen, wer diese simulierte Rolle angenommen hat, hat es jetzt umso schwerer. Man spricht immer wieder über das Leseland-DDR. Das war aber ein Teil der Simulation, ein Teil dieses Theaters DDR, nach außen hin. Nach innen hat sich das gar nicht so aufgeführt, z.B. waren hier die Bücher für die Käufer beschränkt und die Auflagen klein, noch dazu zensiert. Nach innen also haben weder die Schriftsteller noch die Bücher diese wichtige Rolle gespielt.

Millot: Hat sich Ihr Verhältnis zum Publikum mit der Wende geändert?

Hilbig: Nicht unmittelbar. Als Autor hat man meistens eine bestimmte, sehr begrenzte Zahl von Lesern, die man manchmal sogar kennt, an die man sich beim Schreiben im Kopf wendet. Man hat direkt ein paar Ansprechpartner, mit denen man entweder im Streit liegt oder deren Zustimmung man sucht. Aber das andere Lesepublikum kennt man nicht, man kann es schwerlich einbeziehen. Ich weiß nicht, wie das konkret aussehen soll. Ich bekomme wenig Leserbriefe. Keine Ahnung, wie das kommt. Es gibt allerdings einen gewissen Unterschied bei Lesern im Westen, in den alten Bundesländern und in den neuen, und dieser Unterschied besteht fort. Es hat sich höchstens quantitativ etwas geändert. Am Anfang, kurz nach der Wende, hat sich in der ehemaligen DDR niemand für Literatur interessiert, da waren erstmal Reiseführer sehr viel wichtiger. Jetzt aber ändert sich das wieder. Vielleicht ist das eine Art Rückkehr von DDR-Identität, wenn es sie je gegeben hat. Es könnte auch aus einem Widerstand gegen den Westen resultieren, den man hier als kolonialistisch empfindet. Man weiß z.B., daß hier im Osten die Steuererklärungen der Leute viel genauer überprüft werden. Der Besiegte wird genauer überprüft, so kann man das bloß sehen. Obwohl es ja nun nicht der Fall ist, daß die DDR besiegt worden wäre, es wird aber teilweise auf diese Weise gehandhabt.

Millot: Worin besteht weiterhin der Unterschied zwischen den Reaktionen oder dem Verhalten des Publikums im Westen und im Osten?

Hilbig: Im Westen ist man als Schriftsteller doch etwas Exotisches, noch dazu als DDR-Schriftsteller. Außerdem hängt im Westen alles sehr viel von der Öffentlichkeit, von dem Echo ab, das man in den Medien hat. Das war hier nicht so. Hier haben sich die Leute stets selber um ihre Autoren kümmern müssen und ich glaube, sie machen es weiterhin. Die Leute lesen ihre Autoren, und zwar unabhängig vom Echo in den Medien – sie haben ein persönlicheres Verhältnis zum Lesen…

Millot: Haben Sie den Eindruck, daß Sie jetzt anders schreiben?

Hilbig: Mit einer größeren Distanz wahrscheinlich ja. Da ich schon seit 1985 nicht mehr in der DDR lebe, habe ich notgedrungen eine Distanz zu meinem Thema. Das Thema ist aber im Grunde genommen dasselbe geblieben. Es geht mir um diesen bestimmten Teil der DDR, südlich von Leipzig, wo ich geboren bin, wo ich gelebt habe. Das interessiert mich nach wie vor, vielleicht aus dem Grunde, weil es einfach Schwierigkeiten bereitet, das nachvollziehbar auszudrücken… Man wuchs auf einem Boden auf, der – wörtlich verstanden – wenig sicher war. Denn darunter, im Boden, lag Energie, die für das ganze Land gewonnen wurde. Deswegen war man nie wirklich heimisch. Wenn man irgendwo aufwächst, wo man sofort zu Hause ist, dann wird vieles sehr schnell selbstverständlich. Dort – wo ich herkomme – wußte man, daß man den Boden unter den Füßen verlieren kann und daran mußte man auch immer wieder denken. Dieser Boden veränderte sich auch dauernd, was auch interessant und spannend war. Es hatte etwas Chaotisches. Es gibt diesen Satz von Lars Gustafsson1, in dem er meint, in einer sehr ordentlichen Welt habe man wenig Möglichkeiten, eine neue Ordnung zu etablieren. Wenn man aber im Chaos lebe, versuche man seine Gedanken in eine ordentliche Form zu bringen. Lyrik ist eine solche Form. Dieser Ansatz ist nach meiner Ausreise aus der DDR wichtig geblieben und nach der Wende logischerweise auch.

Millot: Mich beschäftigt die Frage eines Einschnitts nach der Wende. Bei Ihnen ist das offenbar nicht der Fall. Gibt es in Ihrer literarischen Biographie andere Zäsuren, Orte, Zeitpunkte, von denen Sie sagen könnten, daß sie einen Wendepunkt in Ihrem Schreiben markierten?

Hilbig: Faktisch gab es zwei Einschnitte: 1979 habe ich mein erstes Buch2 veröffentlicht, an dem ich schon lange geschrieben hatte. Ein Jahr oder ein halbes Jahr später wurde ich bereits freischaffender Autor. Vorher hatte ich in der Industrie gearbeitet. Dann bekam ich 1985 ein Stipendium vom Literaturverband und wollte für ein Jahr in die Bundesrepublik gehen, in der ich geblieben bin. Das war eher eine Entwicklung, eine Wende war es wohl kaum. Mir kommt das Wort Wende immer sehr abrupt vor… Ab 1985 bin ich weg von dem Boden, auf dem und über den ich geschrieben hatte und nun betrachte ich ihn aus einer gewissen Distanz. Das mußte notgedrungen zu einer anderen Form von Ausdruck führen. Aber so genau kann ich es und will ich es auch gar nicht erklären. Das müßten die Rezensenten machen. Bei mir hat die Wende schon früher stattgefunden. Auch dieser Kulturschock, den die Ostdeutschen verspürten, kam für mich fünf Jahre früher. Er brachte mich erstmal zum Schweigen. Zudem bin ich eher langsam, es dauert bei mir immer eine gewisse Zeit, bevor Texte zustande kommen. Ich schreibe im Rückblick, und so weit bin ich im Augenblick noch nicht mit meinen Texten.

Millot: Gibt es für Sie bestimmte Situationen oder bestimmte Anlässe, die darüber entscheiden, ob Sie Lyrik oder lieber Prosa schreiben?

Hilbig: Beides vermischt sich merkwürdigerweise andauernd. Ich schreibe kaum. Es kommt selten vor, daß mir ein neuer Text einfällt. Wenn es doch der Fall ist, wird der Text auch sofort fertig. Ich habe also Ansätze von Texten, die in ziemlich großen Mengen vorliegen und in denen blättere ich immer wieder. Das ist im Grunde genommen ein Kontext. Und ich habe die Hoffnung, daraus könnte ich immer mal wieder einen Text herausgreifen. Eine unterschiedliche Behandlung des Gedichtmaterials und des Prosamaterials gibt es auf jeden Fall. Ich habe zuerst angefangen, Prosa zu schreiben. Das weiß man eigentlich nicht, denn ich habe zuerst Lyrik veröffentlicht. Aber im Grunde genommen ist die Lyrik bei mir eher die Essenz der Prosa. Es bleibt von der Prosa immer etwas übrig. Insofern ist vielleicht die Lyrik das, was nicht mehr in die Prosa hineinpaßt. Denn für die Prosa gibt es gewisse Vorschriften, man darf zum Beispiel nicht ausufern… Eine Definition wäre das nicht, aber womöglich ist es ein Versuch, sich dem zu nähern, wie es bei mir funktioniert. Funktionieren ist auch übertrieben, es funktioniert nicht. Eher wie es ablaufen könnte. Ich schreibe sowieso viel mehr Prosa. Mein erster Gedichtband umfaßte Texte aus zwölf Jahren. Bei mir kommt selten etwas an Lyrik zustande, so schnell geht es nicht. Es kann auch sein, daß ich in der Lyrik empfindlicher bin, was nicht haltbar ist. Ein anderer Autor mag anders darüber denken, aber bei mir ist es so.

Millot: Direkt thematisiert ist die Wende in Ihren Texten nicht?

Hilbig: Nein, bis jetzt noch nicht. Das halte ich aber später für gut möglich. Es kann auch früher sein, ich weiß es aber noch nicht. Seit der Wende habe ich ein paar Gedichte in Zeitschriften veröffentlicht. Alles ist aber eher unfertig, ich habe noch zu arbeiten. Bei mir kann es außerdem passieren, daß ich weiterhin an dem arbeite, was bereits veröffentlicht ist. Ich bin in solchen Fragen ziemlich respektlos geworden. Vor dem Gedruckten habe ich keinen Respekt mehr. Das war früher anders, aber jetzt nicht mehr.

Millot: Haben Sie den Eindruck, daß die Wende die literarische Landschaft in Deutschland verändert hat? Sind Sie der Meinung, daß nicht mehr dieselben Sachen oder dieselben Personen wichtig sind?

Hilbig: Natürlich werden letztlich die Lyriker oder die Literaten, die früher die Inoffiziellen waren, stärker beachtet. Es gibt auch heftige Angriffe gegen die früheren offiziellen Autoren. Christa Wolf ist das bekannteste Beispiel dafür. Was ich mit großem Unbehagen sehe, ist die Art, wie es abläuft. Nicht deshalb, weil es an den angegriffenen Autoren nichts zu kritisieren gäbe, aber mir ist diese Art suspekt. Man versucht, ein Gespräch am Leben zu halten, obwohl es nicht wert ist, daß darüber gesprochen wird. Es ist der Versuch, das Feuilleton in den Zeitungen mit Stoff zu füllen, und dafür müssen plötzlich Autoren Federn lassen. Das sind ja nur Versuche von Journalisten, sich z.B. auf Kosten von Christa Wolf zu profilieren. Mein Gefühl ist, daß im Moment die DDR-Literatur auf der Abschußliste steht. Früher hatte sie einen Bonus, aber dieser Bonus war ungut. Ich habe mit einem Schweizer Schriftsteller gesprochen, der als Schweizer ja auch meistens in Deutschland veröffentlicht, und der zu mir meinte – also jetzt ein wenig übertrieben, aber so ähnlich hat er sich ausgedrückt:

Wir müssen zehnmal besser schreiben als ein DDR-Autor, um einen Verlag in der Bundesrepublik zu finden.

So war es und dieser Bonus war wirklich sehr ungut. Jetzt aber geht es in die Gegenrichtung und für manche ist es schwierig. Hier hat man sogar den Verdacht, daß die Aufmerksamkeit des Westens dem Osten gegenüber politisch bedingt war. Es war also nicht nur Neugierde. Neugierde wäre auch teilweise ein falsches Wort, denn ich glaube, daß sie völlig gefehlt hat. Als ich in Amerika war, habe ich festgestellt, daß man nur das rezipiert hat, was von der offiziellen DDR-Kulturpolitik vorgegeben war. Obwohl man dauernd von der Zensur sprach, hatte man nie den Versuch gemacht, zu gucken, was es hinter oder jenseits der Zensur gab. Das war sehr ärgerlich für mich. In den ’80ern, seit der Biermann-Affäre änderte sich das allerdings.

Millot: Von den westlichen Germanisten wurden die DDR-Lyrik und die DDR-Literatur, hauptsächlich jedoch die inoffizielle Literatur, als Gegensprache zur offiziellen Sprache verstanden. Haben Sie die Lyrik und die Literatur auch so aufgefaßt?

Hilbig: Wir haben diesen Ausdruck „Gegensprache“ nicht gebraucht. Aber sicher war das ein Versuch in diese Richtung – man kann es vielleicht so nennen. Es war der Versuch, eine reale Sprache zu finden, eine Sprache, die etwas mit der Realität zu tun hatte. Im Kontext der DDR-Sprachen mußte das eine Gegensprache sein, weil die andere Sprache unterdrückt war. Obwohl es mir ein unangenehmer Ausdruck ist, es war einfach so. Ihr waren die Möglichkeiten genommen, sich öffentlich zu artikulieren. Sicher gab es Nischen. Aber in dem Punkt stimmt es schon: Eine reale Sprache zu finden, wurde durch eine Gegensprache möglich, mit der man gegen die offizielle Sprache angeschrieben hat. Auch durch Provokation natürlich. Man hat versucht, die offiziellen Sprachraster zu provozieren. Es gab z.B. diese inoffiziellen Literaturzeitschriften, die einfach selber entstanden und gemacht worden sind. Dort konnte man etwas versuchen, aber man kam nicht durch die Wand von Ignoranz der offiziellen Kulturpolitik. Man wurde zwar wahrgenommen, aber nicht so, daß es zu einer Diskussion gekommen wäre. Das konnte bloß zur Wende führen. Die Wende war ja zum großen Teil eine verbale Revolution, indem die offizielle Sprache beim Wort genommen wurde. Gegen den berühmtesten Satz „Wir sind das Volk“ konnte man wirklich nicht mehr angehen, es sei denn, man hätte auf das Volk geschossen, was nicht ging. 300.000 Leute, die ja wirklich ein Volk darstellen, können nicht einfach erschossen werden. Man hat also einfach mit verbalen Mitteln der Unwirklichkeit Wirklichkeit entgegengesetzt. Insofern war das eine verbale Revolution. Die DDR-Regierung hat ständig von ihrem Volk gesprochen, plötzlich stand dieses Volk auf der Straße, war sichtbar und hat gesagt: „Wir wollen das und das, wir wollen Freiheit“ – oder was sie da wollten. (lacht)

Millot: Manche Autoren haben gesagt, daß sie nach der Wende bei sich einen sarkastischeren oder satirischeren Ton festgestellt haben. Würden Sie das auch von sich selbst behaupten?

Hilbig: Das war nie mein Problem. Ich war mit meiner Lyrik, selbst als ich noch in der DDR gelebt habe, schon ziemlich außerhalb der DDR-Sprache. Veränderungen durch Lyrik zu erreichen, hielt ich für aussichtslos. Das Verschwinden der DDR hat bestimmt Folgen für mein Schreiben gehabt, aber keine so unmittelbaren. In Ansätzen gibt es vielleicht satirische Elemente in meinen Texten, aber nicht direkt – als Satire würde ich sie nicht bezeichnen. Was ich aber glaube, ist, daß es eine Auflösung des lyrischen Ichs seit der Wende bei mir gibt. Vor der Wende habe ich zum größten Teil für mich selbst geschrieben, ohne die Möglichkeit zu veröffentlichen. Als ich aber dann veröffentlichen konnte, gab es eine Änderung. Plötzlich war ich mehr ein offizielles Ich, das ich einbeziehen mußte. Zuvor habe ich nur geschrieben. Dann aber veröffentlichte ich und lebte in der Bundesrepublik. Und plötzlich gab es dieses zweite, öffentliche Ich. Ich konnte es praktisch von außen betrachten. Das war merkwürdig. Diesen neuen Zustand mußte ich in meine Texte integrieren, ich mußte ihn thematisieren, was mehr in der Prosa geschehen ist. Das war eine große Änderung.

Millot: Würden Sie anders schreiben, wenn Sie in der Bundesrepublik aufgewachsen wären?

Hilbig: Unbedingt. Ja. Fast alle Schriftsteller in der Bundesrepublik waren irgendwann sogenannte engagierte Autoren, während in der DDR der Staat von den Autoren verlangte, daß sie sich engagieren. Demzufolge waren sie halt nicht engagiert. Ich denke schon, im Westen wäre ich ein engagierter Lyriker oder Schriftsteller gewesen, es wäre also für mich genau umgekehrt gewesen.

Millot: Haben Sie den Eindruck, daß die Schriftsteller im Westen ein besseres oder ein einfacheres Verhältnis zur Wirklichkeit haben?

Hilbig: Ein einfacheres Verhältnis haben sie ganz bestimmt nicht. Die meisten leben in dem Gefühl, keinen Gegner zu haben und leiden unter diesem Gefühl, das macht ihnen Ausdrucksprobleme. Das ist eine Situation, die kommt jetzt auch auf die DDR-Autoren zu. Dazu gibt es wenig Möglichkeit zu einem Engagement, falls es irgendwann mal eine Voraussetzung für die westdeutsche Literatur gewesen ist. Es gibt bei westdeutschen Autoren auch einen schweren Wirklichkeitsverlust, aber wenn man nicht diesen Vorwand des Staates, des Systems und der Ideologie hat, läßt sich dies wahrscheinlich noch viel schwieriger ausdrücken.

Millot: Gibt es Texte, die Sie als Ihre Wendetexte charakterisieren würden?

Hilbig: Nein (lacht). Solche Texte gibt es bis jetzt nicht. Es gibt eine fortlaufende Reihe von Prosatexten, in denen es ab und zu vorkommt, daß der Erzähler von West nach Ost fährt…

Die Druckfassung wurde von Michael Opitz im Sommer 2015 geprüft und leicht überarbeitet.

Aus: Sibylle Goepper und Cécile Millot (Hrsg.): Lyrik nach 1989 – Gewendete Lyrik? Gespräche mit deutschen Dichtern aus der DDR, Mitteldeutscher Verlag, 2016

Er besaß eine unglaubliche Selbstdisziplin

– Gespräch mit Lutz Nitzsche-Kornel. Lutz Nitzsche-Kornel, geboren in Altenburg und aufgewachsen in Meuselwitz, ist Schriftsteller und Musiker. Er lebt und arbeitet in Leipzig. –

Karen Lohse: Wie würden sie die Lebensumstände in Meuselwitz während der 1960er und 70er Jahre beschreiben?

Lutz Nitzsche-Kornel: Sie waren vor allem dadurch gekennzeichnet, dass es überhaupt keine Entwicklungsmöglichkeiten gab. Wenn man weder Beamter noch Industriearbeiter werden oder in den Uranbergbau gehen wollte, hatte man in Meuselwitz keinerlei Chance auf ein halbwegs selbstbestimmtes Dasein. Weggehen war die einzige Möglichkeit. Geblieben sind nur die Anpassungsfähigen. Die ganze Gesellschaftsstruktur war durch roten Opportunismus geprägt. überall herrschte eine Mentalität des vorauseilenden Gehorsams – was letztendlich auch zu Hilbigs Verhaftung im Mai 1978 führte.

Lohse: Als Sie ab 1976 regelmäßige Happenings in Ihrer Leipziger Wohnung veranstalteten, war Hilbig mit dabei. Womit hat er sich in dieser Zeit intellektuell auseinandergesetzt?

Nitzsche-Kornel: Hilbig war mehr Theoretiker als angenommen wird. Seit dem Ende der 70er Jahre hatte er sich intensiv mit Marx, Hegel und Kant beschäftigt, besonders mit der Frage:

Wie beeinflusst das Vorurteil die Bewusstseinsbildung?

Auch das Dämonische bei Dostojewski und Shelley hat ihn interessiert. Seine theoretischen Schriften sind eine Zusammenfassung von ganz verschiedenen Strömungen. Dabei sind sie nur ein ganz schwacher Abglanz von dem, was er in Wirklichkeit gelesen hatte.
Hilbig hatte eine sehr klare Vorstellung davon, was Literatur ist und was nicht und konnte das auch vehement vertreten. Tucholsky war es beispielsweise für ihn nicht. Je mehr er Schreibblockaden kommen fühlte umso mehr zwang er sich zum Schreiben. Hilbig war übrigens auch von George begeistert: die Dominanz der Form gegenüber der Primäraussage. Außerdem war ihm die georgische Selbstdisziplin sehr nahe.

Lohse: Wie wirkte Hilbig in dieser Zeit als Mensch auf Sie?

Nitzsche-Kornel: Ich glaube, er litt in Bezug auf sein Aussehen unter einem Minderwertigkeitskomplex: Er war von eher kleiner und untersetzter Statur, hatte eine breite und durch das Boxen beschädigte Nase. Hilbig aß sehr viel, auch als er nicht mehr aktiv trainierte – das hatte natürlich Auswirkungen auf seinen Körperumfang. Vielleicht gerade deshalb achtete er penibel auf sein Äußeres. In meinem Bekanntenkreis war er derjenige, der schon immer die besten Zähne hatte. Wenn wir damals auf Sauftour über irgendwelche Dörfer unterwegs waren, hatte Hilbig immer Zahnputzzeug mit und sogar ein Hemd oder T-Shirt zum Wechseln.

Lohse: Wie stand er zu seinem Herkunftsmilieu?

Nitzsche-Kornel: Hilbig beklagte sich immer wieder, dass er in seiner Familie so wenig Rückhalt für sein Schreiben gehabt hätte. Sein literarisches Werk entstand aber geradezu aus dieser Überhöhung des eigenen Leides. Deshalb brach er auch später, als er schon längst in Westdeutschland lebte, eine Psychotherapie ab und schrieb stattdessen das Provisorium. Die Psychoanalyse sagt, dass ein seelisches Problem Ursache für einen manischen Schaffenstrieb sei. Ist die Therapie erfolgreich, löst sich auch diese Schaffensgrundlage auf.

Lohse: War der Alkohol bei Wolfgang Hilbig ein großes Thema? Hat er ihn sehr bestimmt?

Nitzsche-Kornel: Er sagte mal zu mir, solange er einen Roman schreibe, würde er überhaupt keinen Alkohol trinken. Nur wenn er das Manuskript dann abgegeben hatte, rutschte er wieder ab. Das zeugt von seiner hohen geistigen Disziplin: Ihm konnte es noch so schlecht gehen, er setzte sich immer wieder an den Schreibtisch und schrieb.
Der rege Kneipenbesuch in der DDR diente übrigens nicht nur dem mehr oder weniger exzessiven Alkoholkonsum. Die Kneipe war in erster Linie auch ein Ort der Kommunikation. Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir damals zusammensaßen und uns Geschichten erzählten. Wenn einem der Anwesenden die Geschichte gefiel, gab er dem, der sie gerade erzählt hatte, einen Groschen und damit hatte die Geschichte seinen Besitzer gewechselt. Es war dann anschließend Ehrensache, sich an dieses „Urheberrecht“ zu halten.

Lohse: Hatte ihn der Medienrummel seit Anfang der 90er Jahre verändert?

Nitzsche-Kornel: Ja, er ist reservierter geworden. Er nahm bestimmte bürgerliche Umgangsformen an, die ihm vorher in dieser Art nicht geläufig waren. Zum Beispiel stellte er mich neuen Bekannten immer mit den Worten vor: „Das ist Herr Lutz Nitzsche-Kornel, dies und jenes von Beruf“ usw. Diese bürgerliche Formgebung verstärkte sich mit jedem Jahr im Literaturbetrieb. Es war eine Art Schutzschild, nicht um den anderen zu ehren oder aus einer aristokratischen Haltung heraus, sondern um eine Distanz zu schaffen.

Aus Karen Lohse: Wolfgang Hilbig. Eine motivische Biografie, Plöttner Verlag, 2008

 

Wolfgang Hilbig am 29.1.1988 im LCB

 

Wolfgang Hilbig am 26.11.1991 im LCB

Gesprächspartner: Karl Corino, Peter Geist, Thomas Böhme
Moderation: Hajo Steinert

 

Lesung Wolfgang Hilbig am 13.3.2006 im LCB

Gespräch und Lesung I – Thomas Geiger spricht mit Wolfgang Hilbig über seinen Werdegang, der Autor liest Gedichte aus dem Band abwesenheit.

 

Gespräch und Lesung III – Gespräch über die Auswirkungen von Hilbigs Stipendienaufenthalt in Westdeutschland 1985, anschließend liest er aus seinem Roman Ich.

 

Gespräch IV – Thomas Geiger fragt Wolfgang Hilbig, ob er sich von der Staatssicherheit bedrängt fühlte, anschließend führt Hilbig in die Lesung ein.

 

Gespräch V – Wolfgang Hilbig berichtet von seinen Bemühungen in der DDR an bestimmte Literatur zu gelangen.

 

Zum 60. Geburtstag des Autors:

Ralph Rainer Wuthenow: Anwesend!
Die Zeit, 30.8.2001

Helmut Böttiger: Des Zufalls schiere Ungestalt. Gespräch
Der Tagesspiegel, 31.8.2001

Welf Grombacher: Ein Jongleur der Elemente
Rheinische Post, 31.8.2001

Horst Haase: Weisheit eines Geplagten
Neues Deutschland, 31.8.2001

Richard Kämmerlings: Geschichte und Geruchssinn
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.8.2001

Zum 65. Geburtstag des Autors:

Gunnar Decker: Der grüne Fasan
Neues Deutschland, 31.8.2006

Christian Eger: Der Mann, der aus der Fremde kam
Mitteldeutsche Zeitung, 31.8.2006

Zum 70. Geburtstag des Autors:

Jayne-Ann Igel: Das Dunkle oder Die Vordringlichkeit von Tatsachen
der Freitag, 31.8.2011

Ralph Grüneberger: Heute vor 70 Jahren wurde Wolfgang Hilbig geboren
Dresdner Neueste Nachrichten, 31.8.2011

Beitrag zum 1. Todestag des Autors:

Hans-Dieter Schütt: „Vom Grenzenlosen eingeschneit“
Neues Deutschland, 2.6.2008

Zum 75. Geburtstag des Autors:

Jörg Schieke: eisiger regen fressende kälte
MDR, 30.8.2016

Christian Eger: Schriftsteller Wolfgang Hilbig „In Deutschland gibt es keine Dichter mehr“
Mitteldeutsche Zeitung, 1.9.2016

Beulenspiegels literarische Irrf-Fahrt 4: Wolfgang Hilbig zum 75. Geburtstag
machdeinradio.de, 2.9.2016

Zum 1o. Todestag des Autors:

Clemens Meyer: „Diese Sprache schneidet mich regelrecht auf!“
MDR, 2.6.2017

Fakten und Vermutungen zum AutorInterview + KLG
DAS&D + Georg-Bücher-Preis
Porträtgalerie: Autorenarchiv Isolde Ohlbaum +
Autorenarchiv Susanne Schleyer + Galerie Foto Gezett
shi 詩 yan 言 kou 口

 

 

Nachrufe auf Wolfgang Hilbig: FAZDie Welt ✝ Die Zeit 1 +2 ✝  
titel-magazin ✝ Goon Magazin ✝ Spiegel ✝ Focus ✝ der Freitag 
Der Tagesspiegel ✝ NZZNDBZtaz ✝ Süddeutsche Zeitung 

Claudia Rusch: How does it feel?
Neue Rundschau, Heft 2, 2008

Christian Eger: Im Abseits arbeiten
Mitteldeutsche Zeitung, 4.6.2007

Sebastian Fasthuber: Wolfgang Hilbig 1941–2007
Der Standard, 4.6.2007

Christoph Schröder: Wie sich das Ich auflöst
Frankfurter Rundschau, 4.6.2007

Uwe Wittstock: Wolfgang Hilbig-Wegweiser ins Unwegsame
uwe-wittstock.de

März, Ursula: Als sie noch jung waren, die Winde
Die Zeit, 14.6.2007

Uwe Kolbe: Eingänge, Zugänge, Abgänge
Michael Buselmeier (Hrsg.): Erinnerungen an Wolfgang Hilbig, Der Wunderhorn Verlag, 2008

 

 

Bild von Juliane Duda mit den Übermalungen von C.M.P. Schleime und den Texten von Andreas Koziol aus seinem Bestiarium Literaricum. Hier „Der Hilbig“.

 

Beitragsbild von Juliane Duda zu Richard Pietraß: Dichterleben – Wolfgang Hilbig

 

Günter Gaus im Gespräch mit dem Schriftsteller Wolfgang Hilbig. Aus der Reihe Zur Person, gesendet am 2. Februar 2003

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