Günter Bruno Fuchs’ Gedicht „Fibel“

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GÜNTER BRUNO FUCHS

Fibel

1
Was war er denn? Er ist gewesen.

2
Was tat er denn? In einer Fibel lesen.
3
Was las er da? Ich weiß nicht mehr.
4
Besinn dich doch! Ist schon zu lange her.
5
Die Fibel wurde eingescharrt wie er.

1960/61

aus: Günter Bruno Fuchs: Pennergesang. Gedichte & Chansons, Carl Hanser Verlag, München-Wien 1965

 

Konnotation

Einem ehemaligen Clown bei einem Wanderzirkus, dem Lyriker, Holzschneider und Illustrator Günter Bruno Fuchs (1928–1977), verdankt die deutsche Lyrik einen kauzigen poetischen Anarchismus. Seit er sich 1958 in Berlin niedergelassen hatte, konzentrierte sich Fuchs auf die Poesie des Allernächsten: auf die Welt der Penner und Trinker und die Poesie der Eckkneipen und Hinterhöfe.
Mit heiter-verspielten Texten, lyrischen Gaukeleien und „Kreuzberger Kneipenträumen“ exponierte sich Fuchs als „Hof-Poet“ der Berliner Dichterszene. Liebevoll imitierte er die Stimmen der einfachen Leute, den diversen Obrigkeiten begegnete er dagegen mit grimmigem Spott. In das von ihm geliebte Genre kurzer Kalenderverse und melancholischer Epigramme fügt sich auch das Anfang der 1960er Jahre entstandene Gedicht „Fibel“ ein.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2007, Verlag Das Wunderhorn, 2006

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