Otto Julius Bierbaums Gedicht „Hans und Grethe“

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OTTO JULIUS BIERBAUM

Hans und Grethe

Hans und Grethe, Grethe und Hans;
Ueberall derselbe Tanz;
Immerfort derselbe Kreis,
Von Adam her im Paradeis
Zielt alles auf denselben Strich:
Das Ding ist unabänderlich.

1896

 

Konnotation

Er war auf „sangbare Lieder“ und die eher leichte Muse spezialisiert, die er aus den unterschiedlichsten Stilformen und Traditionen destillierte: Otto Julius Bierbaum (1865–1910), ein Genießer und Aktivist der literarischen Boheme in München und Berlin, bevorzugte die galanten und Lockertänzelnden Reimformen. Auch sentimental-humoristische Chansons gehörten zu seinem breiten Repertoire. Kurz bevor die literarische Welt der Jahrhundertwende um 1900 vom Wirbel der expressionistischen und futuristischen Revolutionen erfasst wurde, lieferte Bierbaum noch einige poetische Evergreens.
In vielen Volksliedern und Märchen repräsentieren Hans und Grethe (oder wahlweise „Hänsel und Gretel“) ein unverbrüchlich verbundenes Geschwister- oder Liebespaar, das sich in der Welt gegen allerlei Böses bewähren muss. In seinem Roman von den Freiersfahrten und Freiersmeinungen des weiberfeindlichen Herrn Pankrazius Graunzer (1896) interpretiert Bierbaum die Geschichte von Hans und Grethe als ewiges Exempel von den Verlockungen der Liebe.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2009, Verlag Das Wunderhorn, 2008

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