DIE BIBLIOTHEK, EIN LEBENSELIXIER
„Ich hänge an der Bibliothek wie am Tropf“, pflegte Wulf Kirsten zu sagen und betrat zwei-, dreimal pro Woche mit schwerer Aktentasche und schicksalsergebener Miene die Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Es klang aber nicht so, als gäbe er sich Mühe, von dem Tropf loszukommen. Er hatte Bücher auszuleihen, die bis dahin noch niemand verlangt hatte, Büchertitel zu recherchieren für das „Schriftsteller-Lexikon“, den „Kasch“, an dem er mitarbeitete, oder Texte für eine seiner großen Anthologien herauszusuchen. Da ihm seine regelmäßigen Besuche seit dem 1. Oktober 1965 zur Gewohnheit geworden waren, kannte er die literarischen Bestände besser als die meisten Bibliothekare. Am Ende war er 57 Jahre lang Weimarer Bibliotheksbenutzer.
Kein Nachschlagewerk in der Bibliothek hat er für seine bibliographischen „Fischzüge“, wie er seine Recherchen gern bezeichnete, so geschätzt wie das Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums, das vom K.G. Saur Verlag herausgegeben wurde. Man sah ihn oft mit einem der großformatigen orangefarbenen Bände hantieren und mit dem Zeigefinger die endlosen Auflistungen durchfahren wie Poseidon mit seinem Dreizack die Meere. Es muss ihm eine Lust gewesen sein, auf Unentdecktes zu stoßen und die Funde anschließend per Fernleihe zu bestellen, wenn sie nicht vor Ort zu bekommen waren. Dann kreisten seine roten Leihscheine oft vergeblich durch die deutschen Zentralkataloge und kamen nach Monaten, manchmal nach Jahren mit vielen „Nicht-Vorhanden“ Stempeln zurück. Bibliotheken haben Gedichtbände selten systematisch gesammelt.
Einmal war er auf der Suche nach der Geschichte des ausgestorbenen Begriffs „Hindenburglicht“, das er aus dunklen Kriegs- und Nachkriegszeiten kannte. Heute ist es keine Kunst mehr, solche Fragen am heimischen Computer zu recherchieren. Aber damals war er beglückt, als er es mit Hilfe der Bibliothekarinnen herausbrachte und sogar einen Sammler fand, der noch ein Exemplar dieser selbstgegossenen Laduchte aufbewahrte. Er schwor auf die Zettelkataloge und weigerte sich, als später alles elektronisch verzeichnet war, in den OPAC zu schauen. Aber die Bibliothekarinnen Katrin Lehmann, Galina Wünscher, Elfriede Peuker, Petra Graupe oder Caterina Anrecht halfen ihm gerne. Sie baten ihn selber um Rat, wenn sie bei literarischen Fragen in der Bredouille waren. Womöglich hat uns ihre Unbefangenheit um einige Gedichte gebracht, die Wulf infolge der Störungen nicht geschrieben hat.
Ich kannte sein Buch die erde bei Meißen und wollte ihn, als ich 1991 in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek anfing zu arbeiten, unbedingt bald kennenlernen. Ich mobilisierte bereits vor meinem Eintreffen gemeinsame Bekannte, Norbert Oellers, Ulrich Ott, Paul Raabe, Manfred Seidler, um ihm dieses Interesse zu signalisieren. Schon bald saß er in meinem Büro, berichtete von seiner Detektivarbeit bei der Fahndung nach bestimmten Gedichten für seine Anthologie Eintragung ins Grundbuch – Thüringen im Gedicht und machte mich auf Lücken im Bestand aufmerksam. Ganz am Anfang fragte er mich einmal, ob ich schon geprüft hätte, wieviele Titel von Gottfried Benn in der Weimarer Bibliothek vorhanden seien. „Oh!“ dachte ich, als ich mir ein Bild von dem Bestand gemacht hatte, und erbleichte.
Über Unsitten im Lesesaal konnte er sich erregen, wenn etwa ein junger Mann die anderen Leser störte, indem er, zwar mit Kopfhörer, aber eben doch nicht ganz still, beim Bücherlesen Musik hörte. Doch die Begegnungen und Gespräche, die ihm bei seinen Bibliotheksbesuchen unverhofft zuteilwurden, wollte er auf keinen Fall missen. Gerne unterhielt er sich zum Beispiel mit der Schiller-Editorin Lieselotte Blumenthal, dem Kirchenrat Herbert von Hintzenstern, der Kunsthistorikerin Renate Müller-Krumbach oder dem Germanisten Lothar Ehrlich. Er sprach von sich aus Leute an, die ihm irgendwie interessant erschienen – so wie er dies auf Wanderungen durch Thüringen auch tat, wenn er Bauern begegnete, die er fachkundig nach ihren Werkzeugen befragen konnte.
Sein Personengedächtnis war legendär. Vor allem aber kannte er durch seine politische Arbeit die ganze „Personnage“, wie er sagte, in der Stadt. In der Wendezeit hatte er das Neue Forum in Weimar mitgegründet, war Mitglied des Stadtrats geworden und hatte zusammen mit Pfarrer Erich Kranz den Aufklärungsausschuss zu Amtsmissbrauch und Korruption geleitet. Daher wusste er genau, welche Personen integer waren und auf wen man sich verlassen konnte. Ich habe mich als Weimarer Neubürger oft auf seine Einschätzungen gestützt und wurde kaum je in die Irre geführt. Doch ärgerte er sich über die kommunalen Ränkespiele so sehr, dass er bald den Rückzug antrat – in der realistischen Erkenntnis, für Politik nicht geboren zu sein. Auf seine politische Einstellung angesprochen, sagte er einmal: „Ich bin linker Nationalist,“ und fügte nach kurzem Nachdenken hinzu: „mit einer Prise Anarchismus.“ Kein Wunder, dass er im Stadtrat schnell die „Grawutzsche kriegte“ (ausrastete).
Am Tag der Deutschen Einheit des Jahres 1995 habe ich ihn, seine Frau Sofia und das Ehepaar Saur einmal zum Frühstück zu mir nach Hause eingeladen. Wulf war entzückt darüber, endlich einmal in Ruhe mit dem Verleger des „Gesamtverzeichnisses“, des „Kasch“ und des „Kürschner“ plaudern zu können. Klaus Saur erzählte, wie er der Weimarer Bibliothek im Jahr 1984 ein Exemplar des „Gesamtverzeichnisses“ gestiftet habe, aber mit dem Ansinnen in die Untiefen des deutsch-deutschen Warenaustauschs geraten sei, so dass die Bände erst zwei Jahre später komplett in Weimar angekommen seien. Eine von zwei Paletten hatte eine Odyssee bis nach Moskau hinter sich. Die Übergabe wurde aber schon mal mit der halben Lieferung im Rokokosaal gebührend zelebriert. Während die beiden ihren Kaffee kalt werden ließen, haben wir anderen die Unterhaltung genossen und das Frühstücken nicht vergessen.
In der Folge haben Kirsten und ich uns immer mal wieder in einer Weimarer Kneipe zu Rippchen mit Sauerkraut und ähnlich frugalen Mahlzeiten getroffen. Zum Siechenbräu hieß der Ort morbider Gemütlichkeit, wo sich im Mittelalter einmal ein Spital für „Aussätzige“ befunden hatte und die Zeit stehen geblieben war. Manchmal sprach er von seiner Zeit als junger Autor. Oskar Maria Graf sei der erste gewesen, der ihn ernst genommen habe. Schon im Alter von zwanzig Jahren habe er sich brieflich an den in New York lebenden Autor gewandt und aufgezählt, was er alles gelesen hat. Graf habe ihn bei seinen ersten literarischen Gehversuchen ermutigt, wie er selbst einmal von Thomas Mann ermutigt worden sei.
Den Aufbau-Verlag, an dessen Weimarer Standort er zwischen 1965 und 1987 als Lektor tätig war, lobte er stets als hervorragende Stilschule, jedenfalls unter seinem Leiter Gotthard Erler. Lektor zu sein, war für ihn ein Traumberuf, nachdem er schon Bauarbeiter, Buchhalter, Lehrer und alles Mögliche gewesen war. Als er gleich zu Beginn seiner Tätigkeit einen Band mit Texten von Paul Heyse betreuen sollte, habe er ein negatives Gutachten geschrieben. Doch sei der Band Andrea Delfin und andere Novellen nicht zu verhindern gewesen. Bei der Wiedergabe eines Gedichts von Heyse habe er einmal eine antisemitische Zeile einfach unter den Tisch fallen lassen. Lange Jahre hätten ihn die Gesammelten Werke in 18 Bänden von Johannes R. Becher beschäftigt, die dem Verlag ein riesiges Defizit von 900.000 Mark bescherten.
Auch am 2. September 2004 saß Wulf im Lesesaal des Historischen Bibliotheksgebäudes. Er hatte Gedichtbände des 17. Jahrhunderts und Almanache der Goethe-Zeit bestellt. Da er mit der Lektüre nicht fertig geworden war, wurden sie für ihn in den Glasschrank zurückgelegt – für den nächsten Tag, an dem er wiederkommen wollte. Aber an dieser Stelle gab es keinen nächsten Tag mehr. Denn am selben Abend brannte die Bibliothek. Hätte man die Bücher gleich ins Magazin zurückgebracht, wären sie vermutlich zerstört worden. Der nächste Tag kam erst nach fünf Monaten. So lange dauerte es, bis das neue Studienzentrum mit dem Lesesaal baulich fertiggestellt war. Erst dann konnte er an der Stelle weiterlesen, wo er an jenem Donnerstag aufgehört hatte. Auch in dieser bitteren Phase stand Wulf Kirsten an der Seite der Bibliothek und unterstützte sie im Kuratorium ihres Freundeskreises.
Die treffendste Metapher, die Wulf für seine Bibliothek gefunden hat, lautete „Lebenselixier“. Die Bibliothek war sein Lebenselixier. Aber auch das Umgekehrte gilt: Für die Bibliothek war er ein Lebenselixier.
Michael Knoche
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Vorwort
Eine postume Freundschaftsgabe will dieses Buch sein, ein „liber amicorum“ für einen großen Dichter. Wulf Kirsten, am 21. Juni 1934 in Klipphausen bei Meißen geboren, starb am 14. Dezember 2022 in der Zentralklink Bad Berka bei Weimar. Seit Ende der sechziger Jahre erschienen seine unbequemen und eigenwilligen Gedichte, Prosatexte und Anthologien, anfangs in der DDR, aber schon seit den siebziger Jahren auch in der Bundesrepublik, u.a. bei Suhrkamp, später bei Ammann in Zürich und bei S. Fischer. Er förderte junge Talente und gewann eine große Zahl an Freunden in Deutschland und darüber hinaus. Vierzig von ihnen kommen hier zu Wort und reflektieren auf je eigene Weise ihr Verhältnis zu ihm.
Die Herausgeber Wolfgang Haak, Michael Knoche und Christoph Schmitz-Scholemann waren mit Wulf Kirsten in den letzten Jahren in einem Gesprächskreis verbunden, der sich, im Rückgriff auf eine alte Tradition, nach einem besonderen Baum benannte: „Elsbeer-Quartett“. Die Zusammensetzung der Runde war der Herkunft nach ausgewogen: zwei von uns stammen aus dem östlichen, zwei aus dem westlichen Teil Deutschlands, niemand aus Weimar, obwohl wir alle dort schon viele Jahre lebten. Uns einte die Lust auf Literatur. Bis auf Wolfgang, der im Januar 2017, als wir uns zum ersten Mal regelmäßig zu treffen begannen, noch zwei Jahre Schuldienst vor sich hatte, waren wir anderen unserer Berufspflichten bereits ledig.
Dass es eine reine Männerrunde war, hat sich so ergeben, schützte uns aber vor allfälligen Gockeleien. Wir trafen uns abwechselnd in unseren Wohnungen und unterhielten uns über Gott und die Welt, vor allem über die literarischen Götter und Welten, lasen auch wohl aus neuester eigener Produktion.
Der Name wurde beschlossen, nachdem kaum ein Abend vorübergegangen war, an dem Wulf nicht von diesem Baum geschwärmt hätte. Er war bei seinen Schreibklausuren in Vollradisroda auf die Elsbeere (sorbus torminalis) aufmerksam geworden: ein langsam wachsendes, gegen Wetterunbill gefeites Gewächs mit extrem hartem Holz, leuchtend rotem Herbstkolorit und schmackhaften Früchten, wärmeliebend, sommergrün, aufrecht, selten.
Von der Namenstaufe war der Weg nicht weit zum Vorsatz, ein Buch über die Elsbeere herauszubringen, zu dem jedes Mitglied des Quartetts einen Beitrag, in welcher Form auch immer, liefern sollte. Wulf schrieb das Gedicht „Die schöne Else“. Der von Walter Sachs gestaltete Privatdruck erschien zu Weihnachten 2018 in einer Auflage von 160 Exemplaren. Dreimal wurde er öffentlich vorgestellt – absichtlich nicht an den eingeführten Orten für Buchpräsentationen in Weimar, sondern in einer Scheune in Obersynderstedt, im Roten Turm der Orangerie von Belvedere und unter freiem Himmel vor der Ruine des Tempelherrenhauses im Park an der Ilm.
In der Corona-Zeit, als man sich in geschlossenen Räumen nicht mehr treffen konnte, haben wir einmal eine Exkursion nach Schmieden, Kreis Saalfeld-Rudolstadt, unternommen. Dort hat uns der Revierförster durch die überraschend dichten Elsbeer-Bestände seines Forsts geführt. Der Baum wird von der Thüringer Forstverwaltung neuerdings durch Freistellung konsequent gepflegt und zu Tausenden nachgepflanzt. Er spielt beim Waldumbau aus Anlass des Klimawandels eine zentrale Rolle. Da der Ausflug an einem eiskalten Maitag stattfand, war eine kleine Verköstigung vor Ort mit Elsbeer-Wein, den das Forstamt selber hergestellt hatte, besonders willkommen.
Bei unseren Zusammenkünften verblüffte uns Wulf oft mit Namen, die wir noch nie gehört hatten. So erzählte er uns von Johann Jeremias Kummer, der 1833 die Versgeschichte „Der kluge Qoekelhahn“ veröffentlicht hat, von Georg Schneider, einem formstrengen Lyriker, der von Oskar Loerke und Wilhelm Lehmann beeinflusst war, Rolf Grashey, einem Dichter, der 1937 in Buchenwald „auf der Flucht erschossen“ wurde, von Lajzer Ajchenrand, der ausschließlich jiddische Gedichte schrieb und vielen anderen mehr. Gern hatten wir auch leibhaftige Gäste: Young-Ae Chon, Ralph Dutli, Stéphane Michaud, Joan Pagàs Valls, Uwe Pörksen, Ralph Schock.
„Solange ich noch ein bisschen zappele, will ich gerne am Elsbeer-Quartett teilnehmen“, sagte Wulf 2019 einmal und bereitete uns mit solchen sibyllinischen Bemerkungen auf seinen Abschied vor. Das nahmen wir natürlich nicht ernst. Doch am 30. Juni 2022 fand der letzte Abend mit ihm in seiner Wohnung statt.
Die Herausgeber
PS: Jens Kirsten gilt unser besonderer Dank für die Unterstützung bei diesem Buchprojekt.
Inhalt
Vorwort
– Jürgen Becker: Stimme und Spur, Wulf Kirsten
– Karl Corino: Nachruf auf eine versunkene Welt. Der Landgänger Wulf Kirsten
– Brigitte Struzyk: Liebe Kolleginnen und Kollegen…
– Hans Christoph Buch: Die Nische in der Nische
– Susanne Theumer – Kirschallee
– Wilhelm Bartsch: Die Frießnitzer Teiche. In memoriam Wulf Kirsten
– Walter Sachs: Lieber Wulf
– Michael Knoche: Die Bibliothek, ein Lebenselixier
– Friedrich Denk: Fünfunddreißig Jahre Bewunderung
– Kerstin Hensel: Espenzungen. Kleines Musaicum für Wulf Kirsten
– Norbert Weiß: Aufs Brot geschmiert
– Gerhard R. Kaiser: Mein Bild von Wulf
– Stephane Michaud: Von der Poesie reich beschenkt. Der Beginn einer Freundschaft
– Jürgen K. Hultenreich: Das erste Mal sah ich Wulf Kirsten in Weimar
– Annette Seemann: Erinnerungen an Wulf Kirsten
– Martin Straub: Die Saubach und der „Reißwolf des Fortschritts“
– Wolfgang Haak: Im Arbeitszimmer von Wulf Kirsten am 14. Dezember 2022
– Ralph Schock: Die Melancholie kommt nicht von ungefähr. Erinnerungssplitter für Wulf
– Liane Bosse: Zwei Gedichte
– Jörg Kowalski: Weimarer Werkstatt
– Hans-Peter Lühr: Wulf Kirsten – Dichter im Meißner Land
– Lothar Ehrlich: Der Ziegelbrennersprache tiefere Bedeutung
– Johann Michael Möller: Ein Weimarer Eckfenster
– Volker Braun: Der Wulf geht durchs Korn
– Annerose Kirchner: „Schreib dich selbst“. Erinnerung an Wulf Kirsten
– Harry Oberländer: Kommunikation mit den Engeln
– Ullrich Panndorf: Ein nachträglicher, fiktiver Brief an Wulf Kirsten, oder Von der Lust, gemeinsam ein Buch herauszugeben
– Jens-F. Dwars: Ein schwieriger Mensch
– Jan Volker Röhnert: Auf wulfgepauster Spur
– Christian Rosenau: Satzanfang im Salzaufgang
– Christine Hansmann: Schlosspark zu Klipphausen
– Edoardo Costadura: Wulf Kirsten als Nachdichter, am Beispiel eines italienischen Gedichts über Jörg Ratgeb
– Frank Sellinat: Über Stil, Stock und Stein
– Andre Schinkel: Donnermond für Wulf Kirsten
– Christoph Schmitz-Scholemann: Spießweizen, Spinnefix
– Daniela Danz: Wer nennt nun die Landschaft bei ihren vielen Namen?
– Michael Wüstefeld: Mit Wulf Kirsten auf den Olymp
– Lutz Seiler: Besuch bei Wulf Kirsten
– Jens Kirsten: Die Bibliothek meines Vaters
– Michael Krüger: Das letzte Telefongespräch
Eine posthume Freundesgabe
will dieses Buch sein, ein „liber amicorum“ für einen großen Dichter, der den Gedankenaustausch mit Freunden und Kollegen suchte – sei es in Briefwechseln, Telefonaten oder geselligen Gesprächen, gerne auch bei Wanderungen. Wulf Kirsten hatte, wie es in einem seiner Gedichte heißt, „immer ein menschliches Wort“. Bei all dem wuchs ein Netz von Freunden und Weggefährten. Neununddreißig von ihnen und sein Sohn Jens Kirsten kommen hier zu Wort. Die Herausgeber Wolfgang Haak, Michael Knoche und Christoph Schmitz-Scholemann waren mit Kirsten bis zuletzt in einem literarischen Gesprächskreis verbunden, der, in Anlehnung an einen barocken Brauch, nach einem Baum hieß, dessen Widerstandsfähigkeit legendär ist „Elsbeerquartett“.
Elsinor Verlag, Klappentext, 2023
IMMER
für Wulf Kirsten
immer kannst du geboren werden
durch das Wort
das nur du findest
durch den Blick
auf die Welt
den du nicht teilst
der Rabe auf den Wipfeln der Birken
hält Ausschau
sein kühnes Schwarz
im römischen Licht
unbeirrt
über dem grünen Meer
Liane Bosse
Lesung Wulf Kirsten am 27.11.1991 im Deutschen Literaturarchiv Marbach
In der Reihe Die Jahrzehnte. Das deutsche Gedicht in der 2. Hälfte des XX. Jahrhunderts präsentierten Autoren ein frei gewähltes „fremdes“ und ein eigenes Gedicht aus einem Jahrzehnt. So entstanden Zeitbilder und eine poetologische Materialsammlung zur Dichtung eines Jahrhunderts. Das Gespräch zwischen Bernd Jentzsch, Wulf Kirsten und Karl Mickel fand 1993 in der Literaturwerkstatt Berlin statt und ist hier online zu hören.
Zum 70. Geburtstag von Wulf Kirsten:
Nico Bleutge: Sprachschaufel
Süddeutsche Zeitung, 21.6.2004
Michael Braun: Der poetische Chronist
Neue Zürcher Zeitung, 21.6.2004
Wolfgang Heidenreich: Gegen das schäbige Vergessen
Badische Zeitung, 21.6.2004
Tobias Lehmkuhl: Das durchaus Scheißige unserer zeitigen Herrlichkeit
Berliner Zeitung, 21.6.2004
Hans-Dieter Schütt: „herzwillige streifzüge“
Neues Deutschland, 21.6.2004
Frank Quilitzsch: Chronist einer versunkenen Welt
Lese-Zeichen e.V., 19.6.2004
Zum 75. Geburtstag von Wulf Kirsten:
Christian Eger: Leidenschaftlicher Leser der mitteldeutschen Landschaft
Mitteldeutsche Zeitung, 19.6.2009
Jürgen Verdofsky: Querweltein durch die Literaturgeschichte
Badische Zeitung, 20.6.2009
Norbert Weiß (Hg.): Dieter Hoffmann und Wulf Kirsten zum fünfundsiebzigsten Geburtstag
Die Scheune, 2009
Zum 80. Geburtstag von Wulf Kirsten:
Lothar Müller: Aus dem unberühmten Landstrich in die Welt
Süddeutsche Zeitung, 21./22.6.2014
Thorsten Büker: Der Querkopf, der die Worte liebt
Thüringer Allgemeine, 22.6.2014
Jürgen Verdofsky: Querweltein mit aufsteigender Linie
Badische Zeitung, 21.6.2014
Zum 85. Geburtstag von Wulf Kirsten:
Frank Quilitzsch: Herbstwärts das Leben hinab
Thüringische Landeszeitung, 21.6.2019
Fakten und Vermutungen zu Wulf Kirsten + Instagram + KLG + IMDb + Archiv + IZA + Kalliope + Interview
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Wulf Kirsten – Dichter im Porträt.









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