Mit Augen schauen, um das Gesetzliche zu erkennen!

Titelbild von Juliane Duda zu der Beitragsserie „Felix Philipp Ingold: Endnoten“

Bin begeistert (noch immer, schon wieder) von Goethes meteorologischen Schriften, wozu ich auch seine Gedichte über Wetter und Witterungen zähle; kenne – ausser Vergil und Hopkins – keinen Autor sonst, der mit vergleichbarer Beobachtungsgabe, Präzision, Einfühlung, Sprachkraft der natürlichen Umwelt sich annähert, sie festhält, erschliesst und dazu beiläufig immer wieder höchst Bedenkenswertes, jäh Einleuchtendes über Sprache, Denken, Wirklichkeit zu lesen gibt. Da ist für mich mehr zu lernen (und zu sehen) als bei Wilhelm Meister oder selbst bei Faust; zum Beispiel dies (handschriftlich, 1817, über das Gerinnen):
„Den Begriff des uranfänglichen Gerinnens fast man am leichtesten, wenn man sich an Exemplare von Marmoren hält. Hier findet man ein Gerinnen, da schwarzer und weisser Marmor im Entstehen sich sonderte und innerhalb eines durch weisse Seen und Ströme gebildeten Zusammenhangs schwarze Inseln schwimmen. Einzelne sehr instruktive Exemplare müssen mit Augen geschaut werden.“
Und weiter: „Manchmal zwar, wie bei dem Waldecker Marmor, haben sich von der schwarzen Grundmasse weisse Gänge getrennt, und wenn man schon weiss, wie die Natur verfährt, wenn Gang auf Gang, Kluft auf Gang trifft: So erkennt man auch hier das Gesetzliche …“

 

aus Felix Philipp Ingold: Endnoten
Versprengte Lebens- und Lesespäne

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