Leo Heller: Poesiealbum 385

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Leo Heller: Poesiealbum 385

Heller/Trier-Poesiealbum 385

EXIL

Sie fürchten sich, wenn man das Wort nur nennt,
Und ängstlich drängen sie sich dicht zusammen,
Sie fühlen, daß sie von einander stammen,
Und daß sie elend sind, wenn man sie trennt.

Allein und nicht von Lärm umkreist zu sein
Und nur mit sich, mit sich allein zu weilen,
Mit seinem Denken, das in rohen, geilen
Phantasmen schwelgt! Mit sich, mit sich allein!

Sie beben vor dem Worte, Mann wie Weib,
Weil sie im Innern wissen, daß sie kranken,
Daß sie mit eignem Fühlen und Gedanken
Verfaulen müssen bei lebend’gem Leib…

 

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Leo Heller

Obwohl in Wien geboren, schrieb er Texte für Berliner Kabaretts – von Wolzogens Überbrettl bis Hesterbergs Wilde Bühne – und Reportagen aus der Berliner Unter­welt für die Presse. Als Lyriker wandelte er sich von der Neuromantik der Jahrhundertwende zur Neuen Sach­lichkeit der 20er Jahre und dichtete dann in einem prole­tarischen Berlinerisch, wie es nur wenige beherrschten. Gewidmet hat er sich den Entrechteten, Dirnen und Ob­dachlosen sowie den Juden und „Zigeunern“. Dieses Po­esiealbum ist der erste Gedichtband seit 1938 – die Wie­derentdeckung eines zu Unrecht vergessenen Dichters.

Ankündigung in Elsa Asenijeff: Poesiealbum 384, MärkischerVerlag Wilhelmshorst, 2024

Stimmen zum Autor

Balladenstoffen, Wünschen, Stimmungen, Landschaften und Jahreszei­ten, Städten und Berufen leiht er seine Kunst und lehrt in jedem der vielen Gedichte, daß er ein lyrischer Künstler von hohem Range ist.
Egon Erwin Kisch

Leo Heller erweist auch in seinem Versband Neue Lieder seine dichterische Kraft. Diese Verse sind rein im Ton, leicht singbar; sie wenden sich besonders an einfache, unverbildete Men­schen. Der Kenner wird hier manche Anklänge an Volkslieder feststel­len und manche Zeile wird ihn an die reine Kunst Eichendorffs gemah­nen.
Arthur Silbergleit

Die modernen Komponisten greifen zu Hellers Büchern wie nach warmen Semmeln, über hundert seiner kleinen Lie­der sind bereits vertont!
Hanns Heinz Ewers

Er unterstützte meine Idee, mit Berliner Lokalkolorit zu eröffnen, weil es ihm lag und er die­ses ,Milieu‘ durch seine Zeitungsarbeit kannte wie selten ein Nicht­-Berliner.
Trude Hesterberg

Seine in dem Band Aus Pennen und Ka­schemmen gesammelten Chansons und Moritaten zählten, wirkungs­voll vorgetragen von Trude Hesterberg und Annemarie Hase, zu den größten Erfolgen am Kabarett der 20er Jahre.
Helga Bemmann

Heller ist derjenige deutsche Autor, der die größte Menge an Dirnenliedern verfaßt hat. Die Solidarisierung mit den Armen und Geächteten zieht sich als Grundtenor von seinen frühesten Liedern bis zu seinen Kaba­rettchansons.
Roger Stein

Seine Bühnentextarbeiten harren einer Auf­arbeitung ebenso wie sein komplettes literarisches Werk.
Bettina Müller

Obwohl seine berlinische Lyrik den Zeitgeist mitgeprägt hat, ist dieses Poesiealbum der erste Gedichtband seit 1938.
Wilfried Ihrig

Poesiealbum 385

Heller hatte mit der Neoromantik des Fin de Siècle sowie der Sozialkritik der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts seine größten Erfolge im Berlin der Jahrhun­dertwende bis zum „Tausendjährigen Reich“. Er war in allen literarischen Formen produktiv, viele seiner Gedichte wurden in Berlin und in seiner Geburtsstadt Wien für das Kabarett ver­tont; seine berlinische Lyrik hat den Zeitgeist mitgeprägt. Spät schrieb er wieder romantische Gedichte, ist aber dann im Prager Exil beinahe verstummt. Sein Werk ist heute fast vergessen.

MärkischerVerlag Wilhelmshorst, Klappentext, 2024

 

Fakten und Vermutungen zum Poesiealbum + wiederentdecktInterview
50 Jahre 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6

 

Fakten und Vermutungen zum Herausgeber + Kalliope

 

 

Zum 80. Todestag des Autors:

Bettina Müller: Der Chronist der Unterwelt
taz, 19.1.2021

 

Fakten und Vermutungen zum Autor + Instagram + Kalliope

 

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