Arthur Ströhms Gedicht „Schweigen und Freude“

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ARTHUR STRÖHM

Schweigen und Freude

Es ist viel Schweigen
zwischen Männern und Frauen.
Viel Fremdheit auch,
wenn sie einander beschauen,
und Kummer.

Es eint viel Freude
die, die sich lieben,
Frauen und Männer. Sie
lächeln und schieben
noch eine Nummer.

vor 1990

aus: Jahrbuch der Lyrik 1989/90. Hrsg. von Christoph Buchwald und Rolf Haufs. Luchterhand Literaturverlag, Darmstadt 1989

 

Konnotation

Wenn ewige Wahrheiten über die Verhältnisse zwischen Männern und Frauen verkündet werden, gelangt man in der Regel über Stammtischweisheiten nicht hinaus. Da hier ein gewisser Arthur Ströhm aus Bebra (geb. angeblich 1937) einige Fundamentaleinsichten zu den Anziehungs- und Abstoßungskräften zwischen den Geschlechtern zum Besten gibt, muss man allzu große Ernsthaftigkeit nicht fürchten.
Es gibt einige Indizien, die nahelegen, dass sich hinter dem unbekannten Lyriker aus Bebra der verstorbene Meisterhumorist Robert Gernhardt (1937–2006) versteckt. Das lakonische Notieren anthropologischer Konstanten zu Männern und Frauen, die höheren Banalitäten gleichen, passt zu gut ins stilistische Fach Gernhardts. Der komische Effekt, der sich nach den schwerpathetischen Befunden einstellt, hat natürlich auch mit dem plötzlichen Gebrauch einer eher lässig-umgangssprachlichen Bezeichnung des sexuellen Aktes zu tun.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2011, Verlag Das Wunderhorn, 2010

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