Ernst Meisters Gedicht „Es schlug einer,…“

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ERNST MEISTER

Es schlug einer,
ein Lehrer,
mit dem Stock auf den Tisch:

Zu sterben, das ist
Grammatik!

Ich lachte.

Nimm den Leib
wörtlich, das Wort
leiblich.

Ich starb.

1972

aus: Ernst Meister: Sage vom Ganzen den Satz. Luchterhand Verlag, Darmstadt 1972

 

Konnotation

Die als hermetisch geltenden Gedichte Ernst Meisters (1911–1979) sind von essenzieller Einfachheit und zugleich kryptisch verdunkelte Rede. Er selbst wollte von Dunkelheit nichts hören. Für ihn waren seine Gedichte klar und unverschlüsselt. Er hat seine Erfahrung eingebracht und seine Bildung. Es ging ihm nicht um realistische Beschreibung von Wirklichkeit, sondern um Sein und Zeit, Leben und Tod. Dabei haben ihm seine Philosophen geholfen, Kant und Nietzsche, Heidegger und Löwith. Dichten war für ihn identisch mit Denken und umgekehrt.
Das komplexe Gedicht stammt aus dem Band Sage vom Ganzen den Satz (1972) und ist dem Dichter Gregor Laschen gewidmet: Eine albtraumhafte Schulstunde mit einem grotesken Schulmeister, der dem lyrischen Ich die „Grammatik“ des Sterbens und die Dialektik von „Leib“ und „Wort“, Körper und Geist einzubläuen versucht. Der unbedacht lachende Schüler muss sterben.

Michael Buselmeier (Gedichtkommentar) Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2011, Verlag Das Wunderhorn, 2010

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