I

Titelbild von Juliane Duda zu der Beitragsserie „Felix Philipp Ingold: Haupts Werk“

I

 

 

 

 

IOSSIF

 

 

 

 

 

(vgl. WEIB,
WEIBLICHES)

(vgl. VER-
WESUNG)

(vgl. ENG-
LÄNDER)

 

»Nirgends«, so heißt es noch – und wieder – in einem Offenen Brief Gogols aus dem Jahr 1845, »sehe ich einen wirklichen Mann.« Der wirkliche Mann, dessen Auftritt Gogol sich jahrzehntelang erhoffte und dem er, als er kam, erlag, war eine Frau: IOSSIF (oder Joseph oder auch Giuseppe) VIELHORSKY (oder Wielhorski oder gar Veligurski), der dreiundzwanzigjährige Sohn eines gewissen Sir Mikhail, dem Gogol nicht zuletzt die Aufführungserlaubnis für seinen »Revisor« zu verdanken hatte.1 Als Gogol am 20. Dezember 1838 in Rom durch die Fürstin Volkonskaya, eine exilierte russische Schönheit und einstige One-Time-Geliebte (vgl. WEIB des Zaren Alexander I., mit Iossif bekannt gemacht WEIBLICEs) wurde, war die junge Frau – sie sah einem »wirklichen Mann« wirklich zum Verwechseln ähnlich – bereits auf den Tod krank. Die kurze Bekanntschaft mit Joseph, der schon am 21. Mai 1839 an Tuberkulose sterben sollte, wurde für Gogol zur glücklichsten Zeit seines Lebens. »I catch his every minute«, gestand Gogol, nachdem er für Giuseppe auch die Sprache gewechselt hatte, gegenüber Maria B.: »His smile or his momentary joyous expression make an epoch for me, an event in my monotonously passing day.« In der achten Nacht, um zehn Uhr, rief Vielhorsky den Autor zu sich: »He saw me. Waved his band slightly. ›My savior‹, he said to me … – ›My angel! Did you miss me?‹. – ›Oh, how I missed you‹, he replied. I kissed him on the shoulder. He offered his cheek. We kissed; he was still pressing my hand …« Der einzige wirkliche Held unter Gogols toten Seelen starb in den Armen des Autors.

 

aus: Felix Philipp Ingold: Haupts Werk Das Leben
Ein Koordinatenbuch vom vorläufig letzten bis zum ersten Kapitel.

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