Sarah Kirschs Gedicht „Das schöne Tal“

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SARAH KIRSCH

Das schöne Tal

Die Landschaft ist groß und voller Bewegung. Über den Bergen
Wird Licht ausgegossen, schwarze Wolken
Verzehrn es und Blitze
Bespringen sich kalt kracht der Donner.

Das ist die Sintflut. Alles in einer Glocke.
Wir fließen naß im Auto zu Tal.
Die Tiere die Kröten Salamander Gecco
Flattern ins Handschuhfach. Er legt mir
Die Hand auf den Schoß.

vor 1980

aus: Sarah Kirsch: Sämtliche Gedichte. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005

 

Konnotation

Es gehört zu den Finessen erotischer Dichtkunst, dass sie markante Naturzeichen in direkte metaphorische Verbindung bringt mit den intimen Suchbewegungen der Liebenden. Bei Sarah Kirsch (geb. 1935), der von Naturphänomenen stark affizierten Dichterin, überschwemmen sintflutartige Regenfälle die Landschaft – sie bilden hier die Kulisse für zarte Liebesgesten.
„Voller Bewegung “ sind hier nicht nur die Gewitterzonen, sondern auch die Gefühlslandschaften der Liebenden. Die Welt ist fluid geworden – und mit ihr das in ein Auto eingeschlossene Liebespaar. Das Animalische kommt in Form von Symboltieren zu den beiden Liebenden. Das schamlose und zugleich diskrete Gedicht ist in den späten 1970er Jahren entstanden – als Sarah Kirsch den Entschluss gefasst hatte, die DDR zu verlassen und auf dem Land in Schleswig-Holstein ein neues Refugium zu finden.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2011, Verlag Das Wunderhorn, 2010

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