Gottfried Benns Gedicht „Drohung“

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GOTTFRIED BENN

Drohung

Aber wisse:
Ich lebe Tiertag. Ich bin eine Wasserstunde.
Des Abends schläfert mein Lid wie Wald und Himmel.
Meine Liebe weiß nur wenig Worte:
Es ist so schön an deinem Blut.

1913

aus: Gottfried Benn: Sämtliche Werke. Stuttgarter Ausgabe. In Verb. m. Ilse Benn hrsg. v. G. Schuster und H. Hof, Klett-Cotta, Stuttgart 1986

 

Konnotation

Im Juni 1913 steht sich in einer Ausgabe der expressionistischen Literaturzeitschrift Die Aktion ein schwieriges Dichterpaar gegenüber: Else Lasker-Schüler (1869–1945), Deutschlands exzentrische Poetin mit „Versgebilden von der Schönheit beschatteter Engelsaugen“, und Gottfried Benn (1886–1956), Dichter und Militärarzt. Lasker-Schüler publiziert ihr „Doktor Benn“ nebst einer Zeichnung, Benn antwortet mit „Drohung“.
Wo Erotik mit im Spiel war, bemühte Benn gerne animalische Metaphern oder Bilder seiner Rauschbereitschaft. Die „Tiertage“ mit Lasker-Schüler endeten auf Hiddensee. Vierzig Jahre nach der jähen Trennung von ihr huldigte „der Zyklop“ Benn dann wieder „der größten Lyrikerin, die Deutschland je hatte“. In den Briefen an seinen geduldigen Korrespondenten Oelze liest sich das nüchterner: „war ja mal meine erste Freundin, – 1912 –…“

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2007, Verlag Das Wunderhorn, 2006

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