Joachim Nehmers Gedicht „Das Flußpferd“

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JOACHIM NEHMER

Das Flußpferd

Den Polizisten fragt das Flußpferd,
wo denn hier der Bus fährt?
Der Gendarm nimmt es in den Arm
und gibt ihm einen Kuß.
,Liebes Tier, hier fährt kein Bus.‘
Es scharrt nervös mit seinen Hufen,
,Dann kannst du mir ein Taxi rufen.‘

nach 2000

aus: 25. Jahrbuch der Lyrik. Hrsg. v. C. Buchwald. S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2007

 

Konnotation

Es gehört zur Kunst der großen Humoristen, dass sie schwerste Stoffe und Themen in federleichte Komik verwandeln können. In der wunderbaren Miniatur des Antiquars, Cartoonisten und Gelegenheitslyrikers Joachim Nehmer (Jg. 1952) gerät ein tonnenschweres Säugetier, das bis zu 4.500 Kilogramm wiegen kann, in die Komplizitäten des öffentlichen Personennahverkehrs.
Das riesige Tier wird hier von den Ordnungshütern des öffentlichen Verkehrssystems sehr zuvorkommend behandelt. Dem Reim zuliebe wird sogar eine alte Vokabel für den Verkehrspolizisten reaktiviert: der „Gendarm“, der in sehr kurzer kalauernder Entfernung zum „Arm“ angesiedelt ist. Und ob dann das robuste Tier in einem Taxi Platz finden wird, ist doch sehr ungewiss.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2009, Verlag Das Wunderhorn, 2008

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