IKARUS
Ikarus – du stürzt und schreist:
ELEND aber dein Laut verkommt in
der leeren Luft und wer könnte
dich halten wer wollte dich hören
der Himmel ist leer von Engeln
und ist ein Nichts ohne Pathos
Ikarus – du wirst lernen entzwei
zu brechen die Schwinge Hoffnung
ehe du aufschlägst wo immer
du hinstürzt Land oder Ozean
ist Untergang
Ikarus – der Fallwind vertreibt
die Tränen in denen ein Engel
seine Oase fand
Ikarus – ELEND ist kein Ort
zu bleiben für einen Engel
und seine Schöpfung
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Nachwort
Das Bett roch nach Wärme und ihrer Haut
es war gut sich einfach hineinzulegen
ich erinnere ihren Duft unter den Achseln ihr Haar
hoffend ich würde die Spur nicht verlieren
in dieser Nacht als sie zum ersten Mal wieder fort war
ungewiss ob sie je noch mal zu mir käme
dasselbe Gesicht mit denselben weit offenen Augen
So beginnt ein Zyklus in 15 Strophen, den Uwe Michael Gutzschhahn mit dem Titel „Liebesgedicht“ überschrieben hat. Es ist der Moment, in dem sich das Ende einer Beziehung ankündigt, die ein Jahr lang währte. Julia / Mignon kam unerwartet, war sofort willkommen:
Ich rief: Hier kannst du bleiben.
Sie kam im Winter, Eisbären gleich. Sie blieb, es wurde Frühling und Sommer, glückliche Tage am Meer „im silbernen Frühlicht“. Im Hochsommer bröckelt die Liebe „zu spät zu spät um uns / hinzuhalten mit Worten“. Sie geht für eine Nacht mit einem Fremden. Sie kommt zurück, die Liebe ist zerbrochen, „ich sah deine Augen zittern und fragte dich nichts“. Sie geht, „auch ich werde hier weggehen“, und er will nicht die Gallionsfigur kaufen, die ihn immer wieder erinnern würde an Julia / Mignon.
15 Strophen, reine Poesie, erzählen von der Liebe, vom Glück und vom Glücke, das schied.
Ein zentrales Motiv in der Lyrik Gutzschhahns ist die Liebe. Ein junger Mann liebt die Frauen. Zumindest einige. Zwei bekommen einen Namen: Miriam und Julia oder Mignon. Es können mehr gewesen sein. Die Liebe kommt, die Liebe geht. Sie beginnt, entfaltet sich, ist stark und leidenschaftlich, wird schwächer, vergeht oder endet abrupt. Ihr Verlust bedeutet Trauer, Wehmut stellt sich in den Gedichten ein. Und doch lässt der Dichter sich nicht entmutigen und bricht immer wieder auf in die Gefilde der Liebe.
„FLUSSLANDSCHAFT “- ein Zyklus, elf Strophen mit elf Versen, und jeder Vers hat elf Silben, und der erste Vers der ersten Strophe ist auch der letzte Vers der letzten Strophe. Formal vollkommen wird erzählt von der Veränderung der Natur zur Unwirtlichkeit und vom Verstummen der Sprache.
Von den Rändern her trocknen Landschaften aus… im trockenen Flussbett Knochen von Fischen… was ist ein Fluss ohne wanderndes Wasser… die Landschaft ändert sich… es kommen Wagen mit Baukolonnen die Helme tragen… alles zu Stein und der Fluss kanalisiert… Erinnerung fängt mit Fälschungen an… und träumt einen Fluss voll sauberem Wasser.
Nichts bleibt die Wörter schal und abgestanden… wir sprechen eine trockene Sprache… und Wörter die den alten Fluss bewahren… dass das Wort Fluss seine Bedeutung verliert… er schweigt hat keine Laute wir schweigen auch… und frisst sich dennoch schweigend ein in Sprache… die Sandstaub wie Wörter ins Holz eingräbt… jede Beziehung zur Sprache verloren… ein mühsam zusammengetragener Rest.
Sprechen und Schweigen, ein roter Faden in Gutzschhahns Lyrik „nicht dass wir wirklich / zu Ende geredet hätten / es gab noch Wörter… Zeit zu gehen / näherzukommen / dem Schweigen… Angst vor den Wörtern / sag ich und du sagst Angst vor / der Stille danach…“
Solange „dein Wort auch mein Wort“ ist, ist die Beziehung glücklich. Kommt das Schweigen, kommt die Trennung.
Ein Blick aus dem Fenster. Es regnet, die Straße ist von Pfützen übersät. Ein völlig durchnässter schwarzer, langhaariger Hund läuft die Straße entlang. Er vermeidet sorgsam in die Pfützen zu treten. Warum? Er ist doch schon nass.
Es ist ein Dichter, der aus dem Fenster blickt. Die rätselhafte Szene ist ihm wichtig genug, sie in einem Gedicht festzuhalten. Somit gibt er die Frage an seine Leser weiter. Sie können Antworten suchen oder es bleiben lassen. Ist das Gedicht veröffentlicht, ist der Dichter nicht mehr Herr über seinen Text, er hat ihn den Lesern ausgeliefert.
Das Werk des Dichters hat noch viele Facetten. Sie alle anzusprechen, sprengt ein Nachwort. Belassen wir es bei einer Frage: Warum sollen wir die Gedichte von Uwe-Michael Gutzschhahn lesen? Weil er, der Sprache sich hingebend, ein Wortkunstwerk geschaffen hat, wie es stärker im Ausdruck, feiner in der Form und präziser in der Aussage kaum möglich scheint. Weil er uns mit seiner Poesie voller Romantik zurückführt in eine Zeit, in der wir jung, stark und frei waren, voller Pläne und Illusionen.
Helmut Braun, Nachwort
Der Lyriker Uwe-Michael Gutzschhahn
meldet sich nach einer längeren Pause mit Gedichten zurück. Gedichte voller Erinnerungen an die Jugend, die Liebe, die Reisen an die Meere des Südens, vom Worte-Verschwenden und vom Schweigen, vom Glück, aber auch von Trauer und Wehmut wird erzählt. Präzise, nachvollziehbar, voller Romantik und Poesie nimmt uns der Autor mit in eine Zeit, in der wir stark und frei waren, voller Pläne und Illusionen.
Verlag Vorwerk 8, Ankündigung
Beitrag zu diesem Buch:
Uwe-Michael Gutzschhahn: Die Geschichte des Hasen endet im Topf
gutzschhahn.de, 8.8.2021
Fakten und Vermutungen zum Autor + Facebook + IZA
Porträtgalerie: IMAGO








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