Ein Überraschungs-G-Ge-Gedicht zum Jahreswechsel von Felix Philipp Ingold in Zusammenhang mit einem Kunstwerk von Agnès Wyler: u, and i. bouche bée, aus der Serie Golehm, „deine Augen haben gesehen“, 2023–2024.
«u, and i: bouche bée» (Agnès Wyler, «deine Augen haben gesehen», aus der Serie Golehm)
Der Titel des Kunstwerkes kann auf eine Leseanweisung des Gedichtes hinweisen: Du und ich – wir stehen einander bouche bée gegenüber. Der Mund bleibt uns offen stehen. Staunen wird uns gezeigt. Munchs Der Schrei kindlich, spielzeughaft und harmlos. Der Stern ➤ Gendersprache, Stern von Bethlehem, Weihnachtsgepäck, Plätzchenform. Nun kommt noch das Gedicht als Geschenk hinzu.
Noch eine fruchtbare
Wunde? Und aber der Schmerz
meint nein! Was sonst?
Er ist wie jeder Abgrund nichts
als Schrei! Er meint nein
weil er’s ist.1 Nicht anders als
die Kugel mit ihrem
schrägen Schatten am Fuss
der Melancholie. Wo
nichts mehr gedeiht. Keiner mehr
schreit.
Das Staunen (bouche bée) kippt in Sprachverlust. Der offene Mund, die offene Wunde ist nicht der Beginn von Sprache, sondern ihr Ende. Das Gespräch wohl ein gemeinsames Verstummen. Nun sind wir an dem Punkt angelangt, wo nichts mehr zu sagen ist. Schreien wir’s aus.









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