Die Taschenlampe hab ich mal wieder zu Haus vergessen; es gibt nur das klar gepunktete Sternenlicht, das herabglimmt durchs kahle Gezweig. Die Wege sind ausgelegt mit einer dicken schwarzen Schicht verfaulender Blätter, die sich vom schwach erhellten Dunkel kaum noch abheben, die Wegränder verwischt, alles liegt … alles ruht tief verschattet.
Obwohl ich die Strecke − jede Biegung, jede Steigung, jedes Hindernis − seit langem kenne, komme ich zwei-, dreimal von der richtigen Richtung ab und weiss nicht mehr wirklich, wo genau ich mich befinde.
Am Boden, den ich tastend abschreite, schimmert da und dort ein abgefallenes Blatt, das noch einen Rest von Gelb bewahrt hat; doch zur Erhellung reicht das ebenso wenig wie das karge kalte Licht, das von beliebig weit oben kommt.
Ohne Sturz, ohne grössere Verirrung erreiche ich den Waldausgang, muss aber feststellen, dass es draussen, unter freiem Himmel, kaum heller ist als zuvor zwischen den dicht stehenden Bäumen.
In den feinen Regen mischt sich mehr und mehr Schnee.
Ich kann so gut wie nichts mehr sehen, finde aber, mich am Drahtverhau der Kuhweide entlang hangelnd, ohne Ab- und Umweg heim.
aus Felix Philipp Ingold: Endnoten
Versprengte Lebens- und Lesespäne








0 Kommentare